1. Schlossgarten Eutin



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Ein erster Überblick
Eutin – Weimar des Nordens
Vom Burggarten zum Landschaftspark
Ein Rundgang durch den Landschaftspark


Ein erster Überblick

Eutin trägt den Beinamen „Weimar des Nordens“, den es dem Wirken berühmter Persönlichkeiten wie J. H. Voß, Herder, Tischbein und Klopstock um 1800 verdankt. In dieser kulturellen Blütezeit wurde der Eutiner Schlossgarten von einem prunkvollen barocken Lustgarten in einen Landschaftsgarten nach englischem Vorbild umgestaltet. Der Ruf „Zurück zur Natur“ wurde nach den Ideen des Herzogs Peter Friedrich Ludwig und des Gartentheoretikers C.C.L. Hirschfelds zu gestalteter Landschaft. Der Garten symbolisiert Stationen der Läuterung auf einer Lebensreise und führt den Lustwandelnden vom schlichten Seetempel am Ufer des Großen Eutiner Sees zum Sonnentempel auf dem höchsten Punkt des Gartens, der für die Erleuchtung steht. Der „philosophische Gang“ und andere Wege bieten herrliche Ausblicke über Teiche und Rasenflächen auf markante Baumgruppen, Wasserfälle und romantische Brücken. Ein besonderes Naturerlebnis ist zu jeder Jahreszeit die über 335 m lange, 200jährige Lindenallee.



Eutin – Weimar des Nordens

Bereits im Jahr 1156 wurde am Ufer des Großen Eutiner Sees eine Siedlung mit dem Namen „Utin“ gegründet. Für den 1350  hierher verlegten Bischofssitz, errichteten die Bischöfe eine Wasserburg mit umgebendem Burggraben. Auf diesen Fundamenten entstand nach mehreren Umbauten in den Jahren 1717–1722 das heutige Barockschloss. Zwischen 1774 und 1803 hatte Eutin seine größte Bedeutung als herzogliche Residenz. Unter den Herzögen Friedrich August (gestorben 1785) und Peter Friedrich Ludwig (gestorben 1829) entwickelte sich ein lebendiges kulturelles Leben am Eutiner Hof, an dem verschiedene Künstler Teil hatten. Hierzu zählten:

Ludwig Philipp Strack (1761–1836), der von 1797 bis 1803 Hofmaler in Eutin war und einer der ersten, die die liebliche  ostholsteinische Landschaft malten.

Johann Friedrich Wilhelm Tischbein (1750–1812), der von 1808 bis 1829 am Eutiner Hof wirkte. Er war Goethes Begleiter auf seiner Italienreise und malte Bildnisse von Mitgliedern der Gottorfer Herzöge. Außerdem widmete er sich klassischen Motiven wie Bildern aus der Odyssee und der Iliade. Für seine berühmten Tischbeinöfen, die auch im Eutiner Schloss zu finden sind, fertigte er antike Motive, die vom Eutiner Töpfer Niemann umgesetzt wurden.

Johann Gottfried Herder (1744–1803), der bedeutende Dichter und Denker der Aufklärung, kam 1770 nach Eutin und begleitete den herzoglichen Prinzen Peter auf einer Reise durch Europa.  Herder zählte zusammen mit Goethe, Schiller und Wieland zu den bedeutenden Denkern Weimars.

Friedrich Leopold Stolberg (1750–1819) war Dichter und Diplomat und kam als Student in Göttingen in Kontakt mit der literarischen Bewegung des Sturm und Drang. Er war eng mit Johann Heinrich Voss befreundet und pflegte genau wie dieser Kontakt mit Goethe und Schiller. 1778 erschien seine Ilias-Übersetzung als erste Übersetzung eines Homer-Werkes in Hexametern. Bereits in den 1770er Jahren hatte er Kontakt zum Eutiner Hof, wo er von 1781 bis 1784 als „Oberschenk“ in Diensten stand.

Johann Heinrich Voss (1751–1826) war als Student in Göttingen Begründer des „Göttinger Hains“, eines Dichterzirkels, dem auch Stolberg und Hölty angehörten. Später wirkte er als Dichter und Übersetzer von Homer (Ilias und Odyssee), Ovid, Horaz und anderen.  Von 1782 bis 1802 war er Schulleiter in Eutin. Er war Mitglied der Hamburger Freimaurerloge „Zu den drei Rosen“ (1774 bis 1784). Ein bedeutendes Werk ist das idyllische Gedicht „Luise“.

Wilhelm von Humboldt (1767–1835) verband aus gemeinsamen Studienzeiten in Göttingen eine freundschaftliche Beziehung mit Johann Heinrich Voss.

Friedrich Gottlieb Klopstock (1724–1803) war Dichter und gilt als Wegbereiter für den Sturm und Drang und galt als Vordenker des „Göttinger Hains“. Johann Heinrich Voss besuchte Klopstock und Matthias Claudius 1774 in Hamburg.

Matthias Claudius (1740–1815) war Lyriker. Eines seiner bekanntesten Werke ist „Der Mond ist aufgegangen“.

Der Komponist Carl Maria von Weber ist einer der berühmtesten Söhne der Stadt. Seine Opern „Freischütz“ und „Oberon“ sind Programmpunkte bei den Eutiner Festspielen, die auf der Freilichtbühne im Schlossgarten aufgeführt werden. Auch Heinz Ohff (1924–2006) wurde in Eutin geboren und war Autor einer Biografie über den Fürsten von Pückler-Muskau „Der grüne Fürst“.

1803 nahm Herzog Peter Residenz in Oldenburg (Niedersachsen). Damit begann Eutins Bedeutung als Fürstenresidenz zu schwinden und der kulturelle Glanz zu verblassen. In und um Eutin sind die Spuren  dieser kulturellen Blütezeit jedoch allgegenwärtig und warten darauf entdeckt zu werden! Die aufklärerischen Gedanken und revolutionären Ideen der in Eutin wirkenden Dichter und Denker spiegeln sich besonders im landschaftlich gestalteten Schlossgarten wider.


Vom Burggarten zum Landschaftspark

Der weitläufige Landschaftspark hatte mehrere Vorläufer. Offenbar gab es einen kleinen Burggarten, der im 17. Jahrhundert mehrere Stadien formaler Gestaltung erlebte, bei der die Wasserkunst, insbesondere Fontänen und Springbrunnen eine besondere Bedeutung hatten. Der Garten wurde ab 1716 vom Garteninspektor J.C. Loewen großzügig erweitert und in einen strengen Barockgarten nach französischem Vorbild umgewandelt. Die ehemalige barocke Gartenachse ist selbst im heutigen Landschaftspark erlebbar, wenn man aus dem Schloss über die Gartenterrasse und die große Wiese blickt.

Das Eutiner Schloss geht auf das 14. Jahrhundert zurück und wirkt, obwohl zur Zeit des Barock umgebaut, wie eine Trutzburg, deren barocke Üppigkeit sich erst im Inneren zeigt. Aufwändige Stukkaturen, wertvolle Möbel und Gobelins, Tischbeinöfen und eine umfangreiche Gemäldesammlung bilden das wertvolle Inventar der Wasserburg.

Die Ideen der Aufklärung, die sich am weltoffenen Eutiner Fürstenhof durchsetzten, wurden durch Herzog Peter und seinen Hofgärtner Daniel Rastedt auch im Garten umgesetzt. Aus dem strengen, dem menschlichen Geist untergeordneten Barockgarten wurde ein malerisch nach der Natur gestalteter Landschaftspark. Reizvolle Pfade führten durch eine von Wasser durchdrungene, idealisierte Natur. Die Lage am Großen Eutiner See bildete für diese Gestaltungsabsichten eine fantastische Kulisse, kam die umgebende wald- und seenreiche Hügellandschaft doch schon fast den Idealen einer gestalteten Landschaft gleich. Der Einfluss von Herzog Peters früherem Hauslehrers, des Gartentheoretikers C.C.L. Hirschfeld, ist in der Anlage deutlich spürbar.

Von der barocken Gartenanlage wurden einige Einzelbäume, vor allem aber die Lindenallee am Ufer des Eutiner Sees in den Landschaftspark einbezogen. Am schlossnahen Ende dieses eindrucksvollen Baumbestandes liegt mit dem Seepavillon der Auftakt zu einem Spaziergang der besonderen Art. Viele der führenden Köpfe der Aufklärung waren Freimaurer, für die das Streben nach Läuterung und die Ideale der Antike von besonderer Bedeutung waren. Die Symbolik des Freimaurertums spiegelt sich in der Parkanlage wider.


Ein Rundgang durch den Landschaftspark

Der Seepavillon scheint im Eutiner See zu stehen und symbolisiert in seiner Schmucklosigkeit den Anfang einer Lebensreise. Der Tempel steht nahe am Ausgangspunkt der imposanten Lindenallee, die scheinbar aus dem See zu erstehen scheint und ein schattiges Gewölbe bildet. Zielpunkt der Allee ist die Flora-Statue, die, von Eiben gerahmt, unzugänglich am jenseitigen Ufer des Gartenteichs steht. Der Scheideweg führt, dem Ufer des Eutiner Sees folgend, in die idyllische Ländliche Gegend, die den Anfang der Kulturentwicklung symbolisiert, was durch einfache Hüttenarchitektur (Eiskeller, Bootshaus) unterstrichen wurde. In diesem Gartenteil befindet sich heute die Freilichtbühne. Das Ufer des Eutiner Sees ist in diesem Abschnitt mit einer schönen Bruchsteinmauer befestigt, deren Ursprünge schon auf das Jahr 1733 zurück gehen. In der Bucht blühen Seerosen, und der Weg, der malerisch den Uferschwüngen folgt, wird schon seit 1751 als „Philosophischer Gang“ bezeichnet. Blickfang dieser Partie ist die Fasaneninsel im See, die mit einer Fasanerie ausgestattet war und mit Bedacht als Landschaftsgarten gestaltet war. Im Auf und Ab des Wegeverlaufs, begleitet vom Rauschen des Wassers, erschließt sich dem Spaziergänger mühelos die Bezeichnung. Das Wasserrauschen rührt vom kleinen Wasserfall, der aus dem Duvendiek gespeist wird. In dessen Nähe steht das Tuffsteinhaus, später Webertempel genannt, das eine Grotte und damit einen Wohnort der Nymphen symbolisiert. Leider ist es mit einem Gitter verschlossen, doch ist der Genuss dieser idyllischen Szene von einer Bank in der Grotte aus leicht vorstellbar.

 

In der Nähe von Duvendiek und Tuffsteinhaus befindet sich der große Küchengarten, der von hohen Mauern umschlossen ist. Die Orangerie, die ihre großen Fensterflächen zum Küchengarten kehrt, wurde 1772 von Georg Greggenhofer, dem Architekten des Jagdschlösschens am Ukleisee erbaut. Zur Zeit liegt der Küchengarten brach, doch soll er neu gestaltet und mit neuen Nutzungen versehen werden.

Es gilt einen kleinen romantischen Hain zu durchschreiten, der von der Küchengartenmauer auf der einen und vom Wirtschaftshof auf der anderen Seite flankiert wird, um von der ländlichen Gegend in den Tempelgarten zu gelangen. Der dortige Teich, der sog. „Große Piependiek“ wird von mehreren weißen Brücken überspannt.

Der Tempelgarten ist das Sinnbild für elysische Gefilde. Er ist der Höhepunkt des Gesamtgartens und vielfältig mit Gehölzen bepflanzt. Edelkastanien, rotblühende Kastanien, Zieräpfel, Silberpappeln und Ulmen zählten zur ursprünglichen Bepflanzung dieser Gartenpartie. Die Auswahl der Baumarten erfolgte offensichtlich nach einer von C.C.L. Hirschfeld zusammengestellten Liste für Pflanzplätze, die formschöne und würdige Bäume erforderten. Prächtige Blühsträucher, darunter Flieder, Schneeball, Färberginster, Rotdorn, Hibiskus und vor allem viele Rosenarten, wurden gepflanzt, um den Eindruck vom Ort der Glückseligkeit zu unterstreichen.

 

Der Weisheitstempel, ein achtsäuliger klassizistischer Monopteros, steht auf dem höchsten Punkt der Parkanlage. Der Granitfußboden mit 24 strahlenförmigen Steinen nimmt Bezug auf Zeit und Vergänglichkeit, der Fries mahnt Opferbereitschaft beim Streben nach Weisheit an. Die lichte Architektur symbolisiert die Erleuchtung als Ziel des Lebensweges.

Vom Weisheitstempel führt der Weg zurück zum Schloss, vorbei am großen Wasserfall. Für norddeutsche Verhältnisse hat dieser eine beeindruckende Höhe. Er ist Symbol von Werden und Vergehen, des Endes und der beständigen Erneuerung in der Natur. 

Der Weg mündet in den engeren Schlossgarten und führt vorbei am Gartenportal an der Straße Jungfernstieg. Dieses war bereits 1792 erbaut worden, um die Bevölkerung, ganz im Sinne der Aufklärung, zum Parkbesuch hereinzubitten. In dieser Tradition ist der Eutiner Schlossgarten noch immer ein beliebtes Ziel für Spaziergänge und Tagesausflüge, das zum Flanieren und zum Genuss der Seenlandschaft einlädt.

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