9. Rosengarten im Fahlt



Serviceinformationen
Ein erster Überblick
Der Rosengarten entsteht
Die Pinneberger Rosenumzüge
Doppeleiche und Hochzeitsbrauch


Ein erster Überblick

Eingebettet in den Stadtwald „Fahlt“ trifft man auf eine rosenreiche Blütenfülle. An lauschigen Sitzplätzen, umspannt von Rankbögen, sorgen rund 8.000 Rosen in 80 Sorten mit interessanten Bäumen, mächtigen Rhododendren und Magnolien, Blumenzwiebelverwilderungen aus Krokussen und Tulpenarten sowie schöne Staudenpflanzungen für einen Farbreigen vom Frühjahr bis weit in den Herbst. Geplant wurde der Garten 1934 von Gartenbauinspektor Carl Bradfisch als Teil einer größeren Anlage mit Freibad und Sportstadion. Pinneberg war damals beliebter Ausflugsort, und alljährlich veranstaltete man seit 1929 und bis in die 1950er Jahre ein Rosenfest mit prächtigem Rosenkorso, das die Rosenbaumschulen tatkräftig unterstützten. Der Fahlt, ehemals Teil des Drosteiparks, ist die grüne Verbindung vom Rosengarten in die Innenstadt. Der Weg führt vorbei an der sagenumwobenen Hexenkuhle mit Spielplatz, alten Hochzeitsbäumen und der geschichtsträchtigen schleswig-holsteinischen Doppeleiche.



Der Rosengarten entsteht

Mitten im von der Mühlenau durchflossenen Eichen- und Buchenmischwald des Fahlt liegt idyllisch der Rosengarten von 2,5 Hektar Größe.

Bereits Ende des 18. Jahrhunderts war Pinneberg ein beliebter Ausflugsort im Grünen. Insbesondere Ausflügler aus Hamburg suchten im Ort und im Fahlt Erholung und Vergnügen. Im 19. Jahrhundert gab es in Pinneberg daher mehr als 40 Lokale, das erste im Fahlt schon früh am damaligen Haus des Waldhüters. Der Fahlt dehnte sich vor dem Bau der Eisenbahn weit über die heutigen Bahngleise hinaus aus und um 1900 gab es noch eine Flussbadeanstalt, die über eine hölzerne Fußgängerbrücke über die Bahnschienen zu erreichen war. Oberhalb der Fußgängerbrücke befand sich eine als Lusthaus bezeichnete Aussichtshalle, aus der man den Blick auf den Wald und das Flussauental genießen konnte. Sowohl die Badeanstalt als auch das Lusthaus verschwanden im 20. Jahrhundert. Der Teil des Fahlts, der bis an den heutigen Drosteipark reichte, wurde nach und nach bebaut.

 

Die Entstehung des Rosengartens im Fahlt geht auf die 1930er Jahre zurück. Bereits 1927 hatte die Stadt Pinneberg das ausgedehnte Gelände am Rande des Fahlts erworben, um ein lange geplantes Schwimmbad und Sportplätze zu errichten. Ein Verschönerungsverein setzte sich schon früh unermüdlich für die Verschönerung des Fahlts ein, und so beschloss der Fremdenverkehrsverein bereits 1931 die Anlage eines Rosengartens. Der Bau verzögerte sich jedoch aus finanziellen Gründen. Ab 1933 realisierte der damals amtierende Bürgermeister Backhaus zahlreiche Baumaßnahmen im Rahmen des Reichsarbeitsdienstes. Er bezog den Bau des Rosengartens in die Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes und in die Schaffung einer Freibadeanlage, eines Sportstadions und einer Kasernenanlage ein. So konnte der abgetragene Boden vom Bahnhofsvorplatz, auf Loren durch den Fahlt transportiert, dazu verwendet werden, das in den Fahltwiesen liegende Rosengartengelände anzuheben und so zukünftige Überschwemmungen zu verhindern.

Den Entwurf für den Garten lieferte der Diplom-Gartenbauinspektor Carl Bradfisch in ehrenamtlicher Arbeit. Ein Teil der Rosen und Gehölze kam von ortsansässigen Baumschulen und eine ganze Reihe von Handwerkern wurden mehr oder weniger freiwillig unentgeltlich zu Arbeiten herangezogen.

Die Fertigstellung des Rosengartens nach dreijähriger Bauzeit wurde vom Reichssender Hamburg mit einer Rundfunkaufnahme zur Eröffnung des Rosengartens am 14.7.1935 propagandawirksam in die Öffentlichkeit gebracht.

Auch wenn der Rosengarten durch die Kriegseinwirkungen, wie so mancher Park, vorübergehend dem Gemüseanbau dienen musste, konnte er nach einem Entwurf des Hamburger Gartenarchitekten Osbahr neu gestaltet und 1950 aus Anlass der 75-Jahr-Feier der Stadt Pinneberg während des ersten Rosenfestes nach dem Krieg wieder eröffnet werden.

 

Trotz mehrfacher auch späterer Umbauten hat der Garten seine ursprüngliche formale Gestaltung behalten. So befindet sich im Zentrum des Gartens eine große hippodromförmige Rasenfläche als Hauptachse zwischen der Mühlenau und einer erhöht liegenden Terrasse. Neben dieser Gartenachse liegen, über Rundwege verbunden, mehrere kleine Gartenräume, gerahmt von Gehölzen und Rosenbögen. Hier befinden sich besondere Rosenformen, lauschige Sitzplätze, Schattenbeete, Rosenpergolen und ein neuer Kräutergarten, wo ein würziges Potpouri den Rosenduft ergänzt. Ein Freundschaftsgarten, gestiftet von der Pinneberger Partnerstadt Rockville, wurde in den 1970er Jahren angelegt.

Neben den Rosen machen begleitende Pflanzungen sowie interessante Bäume und Sträucher die Gartenanlage heute das ganze Jahr über sehenswert. Im Frühling beginnt der Blütenreigen mit Scilla, blauweißen Chionodoxa, Narzissen, Krokussen, botanischen Tulpen und Scharbockskraut, die in schönen Blumenzwiebelverwilderungen ein frühes Blütenfest bescheren. Eine Frühlingswiese ist im April gelb und weiß gesprenkelt und üppige Rhododendren und Magnolien sind im Mai und Juni eine Pracht. Stauden begleiten die Rosenpflanzungen durch den Sommer und sorgen noch bis in den November hinein für Abwechslung. Die meisten Rosen sind mit Namensschildern versehen.


Die Pinneberger Rosenumzüge

Um den Ruf Pinnebergs als Zentrum des Holsteiner Rosenanbaugebietes und als Ausflugsort zu stärken, veranstaltete der 1928 gegründete Fremdenverkehrsverein Pinneberg, Rellingen und Umgegend e.V. seit 1929 und bis 1937 fast jährlich das "Holsteiner Rosenfest" mit Rosenkorso und Rosenschau in Pinneberg. Beteiligt daran waren auch die Gemeinden und die Rosenzüchter des Kreises. Von weither kamen die Besucher zu den beliebten Rosenumzügen.

 

Neben den Baumschulen engagierten sich bei den Rosenumzügen auch zahlreiche Pinneberger und Rellinger Firmen, Vereine und Verbände. Die schönsten Korsowagen wurden jeweils prämiert, so dass die Ausstattung der Wagen immer aufwändiger und prächtiger wurde. Unmengen von Rosen wurden in kunstvoller Arbeit gesteckt und verwoben.

Nach dem Krieg wurde anlässlich der 75-Jahr-Feier der Stadt Pinneberg im Jahre 1950 die Tradition der Rosenumzüge für kurze Zeit wiederbelebt. Als es später an Geld und an freiwilligen Helfern für diese Arbeiten fehlte, fanden die Rosenfeste nicht mehr statt. Der letzte Korso zog 1955 durch Pinneberg. Als Erinnerung an vergangene Zeiten veranstaltete dann die Gemeinde Rellingen 1990 anlässlich ihrer 800-Jahr-Feier und die Stadt Pinneberg zum 125-jährige Stadtjubiläum im Jahr 2000 noch einmal je einen Rosenumzug.


Doppeleiche und Hochzeitsbrauch

Eine Doppeleiche auf einer Rasenlichtung im Fahlt ist als Kulturdenkmal gewachsene Geschichte. 50 Jahre nach der schleswig-holsteinischen Erhebung gegen Dänemark von 1848 wurden zwei Eichen nebeneinander gepflanzt und angeplattet, so dass die beiden Bäume zusammenwuchsen und sich nur eine Krone entwickelte. So symbolisiert die Doppeleiche den Vers des Schleswig-Holstein-Liedes „Teures Land, du Doppeleiche, unter einer Krone Dach...“. Ein Gedenkstein mit der Inschrift "Op ewig ungedeelt" erinnert an den Vertrag von Ripen, der schon 1640 die Vereinigung der beiden Landesteile Schleswig und Holstein besiegelte.

 

Die weiteren Doppelbäume, die sich im Fahlt in der Nähe des Rosengartens befinden, rühren vermutlich von einem alten Hochzeitsbrauch aus der Zeit um 1900, bei dem Brautpaare im südöstlichen Fahlt zur Eheschließung je eine Eiche und eine Buche zusammen pflanzten. Daher stehen hier oft Eichen und Buchen eng beieinander.

Die Verbindung von Baumpflanzungen und Hochzeiten gab es schon vorher, denn Holz war in Pinneberg als Baumaterial wertvoll. Holzfrevel war unter strenge Strafen gestellt und man war sehr auf den Nachwuchs der Holzvorräte im Fahlt bedacht. So besagte schon eine Verordnung des Landdrosten von 1737, dass in sogenannten Holzdörfern, zu denen Pinneberg gehörte, „jede Manns-Person, so sie sich zu verheyraten gedenkt, schuldig und verpflichtet sein soll, vor angetretener Ehe 10 junge Eichen oder 15 junge Buchen zu pflanzen und solche Hesters 3 Jahre lang im Wachstum zu erhalten oder ins 3. Blatt zu bringen“.

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