9. Louisenlund



Serviceinformationen
Ein erster Überblick
Zum Auftakt: Eine Bitte der Internatsleitung
Die Entstehung eines Landschaftsparks
Isis, Re und Skarabäus
Vom Nordischen Haus zur Mariensäule
Louisensäule, Freimaurerturm und Felsenberg


Ein erster Überblick

Der Landgraf Carl von Hessen, Statthalter der dänischen Krone in Gottorf, errichtete Louisenlund ab 1770 als Sommerresidenz für seine Frau Louise, die die Gutsanlage mit in die Ehe gebracht hatte. Eingebettet in die malerische Hügellandschaft Schwansens eröffnet die Anlage einen fantastischen Blick auf die Schlei. Carl war aufklärerischen Ideen sehr aufgeschlossen und gleichzeitig der Mystik der Freimaurerei zugewandt. Den Garten ließ er als Landschaftsgarten im englischen Stil anlegen, in den er verschiedene Kleinarchitekturen und Staffagebauten mit freimaurerischem Symbolgehalt einbettete. Den symbolischen „Wegen der Erleuchtung“ Carls kann man auf einem Spaziergang von der ehemaligen Meierei zur Louisensäule folgen. Nahezu unverzichtbar ist ein Parkführer (Ein Spaziergang durch den Park von Louisenlund von Alf Hermann), der das Nordische Haus, das „magische Auge“ des Sees, Widder und Einsiedelei und die Reste des Freimaurerturms in ihrer mythologischen Bedeutung erläutert.



Zum Auftakt: Eine Bitte der Internatsleitung

Seit 1949 wird im ehemaligen Gut Louisenlund ein Internat geführt. Um den Internatsbetrieb nicht zu beeinträchtigen, sollte von den Parkbesuchern bitte folgendes beachtet werden:

Der Kernbereich des Internats, nämlich das Schloss mit den flankierenden Gebäuden, ist zu meiden. Im Rahmen von Führungen können auch die dort vorhandenen Sehenswürdigkeiten besucht werden. Dazu zählen auch das Rasenparterre mit der Sonnenuhr und das Phönixtor.

Gruppen dürfen den Park nur nach Voranmeldung besuchen. Eine Führung, die mit der Internatsleitung vereinbart werden kann, wird allen Besuchern sehr empfohlen.


Die Entstehung eines Landschaftsparks

Die Wurzeln von Louisenlund reichen bis ins 13. Jahrhundert zurück, als es unter dem Namen „Tegelhove“ (Ziegelhof) erstmals urkundlich erwähnt wurde. 1713 gelangte das Gut in den Besitz des dänischen Königs. König Christian VII. ernannte 1769 Carl von Hessen (1744–1836), der seit 1766 mit der Schwester des Königs, Erbprinzessin Louise (1750–1831), verheiratet war, zu seinem Statthalter auf Schloss Gottorf und schenkte seiner Schwester 1770 das Gut. Das Gut wurde zur Sommerresidenz der Familie umgestaltet. Das im barocken Landhausstil neu erbaute Palais konnte 1778 bezogen werden. Sein heutiges Erscheinungsbild erhielt das Herrenhaus nach einem erneuten Umbau 1804. 

Die Gartenanlage von Louisenlund wurde in barocker Manier begonnen. Davon zeugen noch verschiedene Alleen, die den Park durchziehen. Ein Rondell, das aus zwölf Linden besteht („die zwölf Apostel“ – ein Motiv, das auch in anderen Herrenhausgärten vorhanden ist), bildet den Auftakt zur Hauptallee, die nicht auf die Gebäudemitte des Herrenhauses, sondern auf dessen Nordwestseite zuführt. In Richtung Südosten allerdings ist die alte Meierei Blickpunkt der Allee. Auf Höhe des Herrenhauses befindet sich eine Querallee, die die Gartenhälften beiderseits der Hauptallee miteinander verbindet.

Die Hauptallee besitzt im Nordosten keinen inszenierten Zielpunkt, sondern führt auf ein dichtes Waldstück zu. Dem unmittelbar angrenzenden Herrenhaus ist ein Rasenparterre vorgelagert, das einen überraschenden Blick auf die Schlei freigibt. Hier befindet sich auch die Armillarsphäre, eine Sonnenuhr, die ein raffiniertes Modell des Kosmos darstellt.

 

Noch um 1796 war auch der rückwärtige Bereich des Herrenhauses in Form von Parterres gestaltet. In den darauf folgenden Jahren wurde der Park grundlegend umgestaltet. Das südlich vom Herrenhaus gelegene Parterre wurde in einen Pleasureground in Form einer lang gezogenen Wiesenfläche mit randlichen Gehölzflächen und Schlängelwegen verwandelt. Besonders bedeutend war allerdings die landschaftliche Erweiterung des Parks nach Süden. So spiegeln sich in der gestalteten Landschaft die Abkehr von feudalen Strukturen und der Ausdruck bürgerlicher Ideale wider. Besonders ungewöhnlich macht den Park allerdings die Vielzahl der Staffagebauten, die für Ereignisse im Leben Carls sowie sein Denken, Streben und Handeln stehen.


Isis, Re und Skarabäus

Das Freimaurertum hat seine Wurzeln in den Baulogen Englands. Die Technik des Kathedralenbaus wurde innerhalb dieser Bünde geheim gehalten. Nach der Reformation lockerten sich die Regeln, und Mitglieder anderer Berufsgruppen wurden in den Logen zugelassen, sofern sie über so viel Geld verfügten, dass sie sich für wohltätige Zwecke auch finanziell einsetzen konnten. Humanität und Toleranz zählen zum Grundverständnis der Freimaurer. In ihrer Vorstellung kann sich die Gesellschaft durch Verbesserung und Streben eines jeden einzelnen positiv weiterentwickeln. Die Ausrichtung auf Gott ist dabei bedeutend.

Carl von Hessen wurde 1775 Mitglied der dänischen Freimaurerloge „Josua zum Korallenbaum“ und war bis zu seinem Tod ein führender Logenbruder. Sein Leitsatz lautete: „Omnia cum deo – Alles mit Gott!“, was sehr schön den Stellenwert christlicher Anschauung bei den Freimaurern verdeutlicht.

Auch Mythologie und Mystik spielen bei der Freimaurerei eine bedeutende Rolle. Im Park von Louisenlund gibt es Anspielungen auf altägyptische Gottheiten, unter anderem den Sonnengott Ammon-Re, repräsentiert durch den Falkengott Horus, dessen Mutter Isis ihren ermordeten Bruder zu ewigem Leben erweckte. Genauso wie der Skarabäus als Symbol der Wiedergeburt veranschaulichen diese das freimaurerische Weltbild. Die wichtigsten Symbole und Stationen des Parks werden im Folgenden erläutert.


Vom Nordischen Haus zur Mariensäule

Es empfiehlt sich ein Rundgang durch den Park, auf dem der „Weg der Erleuchtung“, den Carl von Hessen vorgezeichnet hat, nachvollzogen werden kann.

Ausgangspunkt ist das „Nordische Haus“ im Süden des Parks, ein 1796 errichtetes Blockhaus, das an die Zeit Carl von Hessens in Norwegen erinnern soll. Es wird heute als Kapelle genutzt. Unterhalb des Nordischen Hauses liegt ein See, der die Form eines Auges besaß. Der See, das „magische Auge“, spiegelt den Himmel und ermöglicht damit Einblicke in den Kosmos. Schon Platon verstand die menschliche Seele als Abbild des Kosmos, die dessen schöne Gesetzmäßigkeiten zu erkennen vermag, sofern sie um Erleuchtung bemüht ist.

Der See besaß einen Überlauf in einen Wasserfall, der von einem Widder reguliert wurde. Dessen Schmuck, ein Widderkopf, ist stark verwittert und kaum noch erkennbar. Im alten Ägypten war der Widdergott Chnum Wächter der „Nilquelle“ am ersten Katarakt. Chnum galt als „Schöpfer des Lebens“ und „Former des Menschen“. Im Tierkreis kündet der Widder vom Beginn des Frühlings, was im Einklang mit der im See entspringenden Quelle als symbolischem Ursprung des Lebens steht. Der Sonnengott Ammon-Re wurde als widderköpfiger Mensch dargestellt, oder er trug die Sonnenscheibe mit dem Gehörn. Ammon-Re wird aber auch durch den Falkengott Horus repräsentiert, dessen Augen für Sonne und Mond stehen. Das magische Auge des Sees deutet denn auch auf Horus, den Sohn der Isis.

Widder (Ammon-Re, Sonne) und See (Isis, Mond) bilden damit gemeinsam den symbolhaften Kontrast von Licht und Finsternis.

 

Der See liegt 4–5 Meter über der darunter liegenden Wiese, was die Anlage eines Wasserfalls ermöglichte. Hinter dem Wasserfall hat sich einst eine Grotte befunden, die Ort freimaurerischer Initiationsriten gewesen sein soll. Ein malerisch gewundener Bachlauf führt vom Fuß der Kaskade in Richtung Herrenhaus. Dieser markiert in diesem Abschnitt Carls Wege der Erkenntnis. Am Rand einer weitläufigen Wiese befand sich bis in die späten 1940er Jahre die Eremitage, die um 1801/1802 errichtet worden sein musste. Ein mechanischer Eremit richtete sich bei Betreten der zweiräumigen Holzhütte auf und sollte den Besucher erschrecken. Die Einsiedelei steht – nach den Irrwegen des Lebens – für den Rückzug des Menschen in die Natur. Betont wurde diese Symbolik durch einen angrenzenden Irrgarten.

Der Erkundungspfad führt am Rand einer kleinen Waldpartie, in der bis 1902 Runensteine aufgestellt waren und bei denen eine Verbindung zu den altägyptischen Hieroglyphen gesehen wurde, auf die Hauptallee zu. Jenseits des dahinter liegenden Sportplatzes lag die Marienlaube, von der noch ein Obelisk zeugt. An dieser Stelle hatte sich 1790 die Lieblingstochter Carl von Hessens, Marie Sophie Friederike, mit dem dänischen Kronprinzen Friedrich verlobt. Den „Lustplatz“, geschmückt mit Blumen und Fruchtbäumchen und begrenzt durch einen rosenbewachsenen Staketenzaun, hatte 1782 bereits der Gartentheoretiker Christian Cay Lorenz Hirschfeld beschrieben.

Die Inschrift des Obelisken lautet „Friedrich und Maria vereinte die Liebe: XXXI JULII MDCCLXXXX.“. Für Carl sollen auch die Initialen F und M eine besondere Bedeutung gehabt haben, las er angeblich auch darin „Freemason“, also Freimaurer. Die Spitze des Obelisken war „vergoldet“ und fing daher das erste und letzte Licht des Tages ein, was ihn als Bedeutungsträger des altägyptischen Sonnenkults ausweist.


Louisensäule, Freimaurerturm und Felsenberg

Von der Sporthalle aus führt eine Allee durch den Wald zur Louisensäule, die nach freimaurerischem und religiösem Verständnis mittels ihrer aufstrebenden Form Irdisches und Göttliches miteinander verbindet. Das korinthische Kapitell wurde von einem fünfzackigen Stern bekrönt, der für die Göttin Isis steht, die in Mozarts Zauberflöte (auch Mozart war Freimaurer) als „Königin der Nacht“ erscheint. 

An der Allee zur Louisensäule befinden sich Reste des Freimaurerturms, dessen Sockel einem Skarabäus nachempfunden und noch in Relikten vorhanden ist. Der einstige Holzturm wurde abgetragen, er erinnerte an einen mittelalterlichen Burgturm. Im Turm fanden regelmäßige Sitzungen der Logenbrüder statt. Außerdem soll Carl von Hessen hier gemeinsam mit dem mysteriösen Grafen von Saint Germain alchimistische Experimente, insbesondere zur Farbherstellung durchgeführt haben.

Das sogenannte Phönixtor formte den Hintereingang zum Turm. Es handelt sich um eine Schöpfung des 18. Jahrhunderts, das verschiedene altägyptische Motive mit dem hessischen Wappen vereint. Dieses Tor befindet sich heute in einer Mauer des Marstalls und kann nur im Rahmen von Führungen besichtigt werden.

Nahe dem Schloss am sogenannten Philosophengang befindet sich der Felsenberg, der aus groben Findlingen aufgeworfen wurde und Sinnbild für die menschliche Seele ist, die im Geiste Gottes geformt werden muss. Ein steiler, in sieben Stufen endender Aufstieg führt nach oben, also zum Licht, zur Erkenntnis und zu Gott, und symbolisiert so auch das Streben nach geistiger Entwicklung.

Im Rahmen der Landesgartenschau Schleswig-Schlei Region soll der Park von Louisenlund als ein Außenstandort entwickelt werden. Die zum Teil verborgenen Spuren Carl von Hessens sollen dann deutlicher herausgestellt werden. Archäologische Grabungen sollen Teile der Anlage vor den Augen der Besucher wieder erstehen lassen und so auch mehr Kenntnisse von der Freimaurerei und der Arbeit der Gartendenkmalpflege vermitteln.

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