2. Alter Botanischer Garten



Serviceinformationen
Ein erster Überblick
Vom Sommersitz zur pflanzenreichen Stadtoase
Botanische Gärten, fünf an der Zahl
Ein maritimer Pflanzenschatz
Wort und Buch im Gartendirektorenhaus


Ein erster Überblick

Es ist schon erstaunlich, einen der gebirgigsten botanischen Gärten Deutschlands ausgerechnet im hohen Norden zu finden. Durch die reizvolle Lage hoch über dem Fördeufer eröffnet sich vom spätromantischen Aussichtspavillon (1891) ein schöner Blick durch die Baumwipfel auf das geschäftige Treiben des Hafens. Den oktogonalen Backsteinbau mit einer Kuppel aus filigranem Eisengeflecht erklimmt man dabei über eine schmale Außentreppe. Von hier überschaut man auch den Garten, der zwischen 1878 und 1884 als vierter botanischer Garten Kiels in einem ehemaligen privaten Landschaftspark mit malerischen Gehölzgruppen und Teichen angelegt wurde. Der heute öffentliche Park ist ein Ort der Ruhe, überschirmt von erhabenen und seltenen Bäumen wie Küstenmammut- und Amur-Korkbaum. Dazwischen leuchten die Blüten vieler interessanter Stauden, Sträucher und Kletterpflanzen. Im alten Garteninspektorenhaus (1906) befindet sich das Literaturhaus Schleswig-Holstein mit einem abwechslungsreichen Programm.



Vom Sommersitz zur pflanzenreichen Stadtoase

Seine ursprüngliche Funktion merkt man dem denkmalgeschützten Alten Botanischen Garten mit seinem interessanten Pflanzenbestand noch deutlich an. Einige seiner ungewöhnlichen Bäume sind auch heute mit Namensschildern versehen.

Der Garten wurde als vierter botanischer Garten Kiels zwischen 1873 und 1884 durch den Universitätsgärtner Hild auf dem Gelände eines älteren Landschaftsparks angelegt. Dieser Park war von der Universität aus dem Nachlass des 1868 verstorbenen Tabakfabrikanten Abraham Christian Brauer, der den Garten an seinem Sommersitz 1825 mit geschwungenen Wegen, Rasenflächen, schönen Baumgruppen und dem Schwanenteich hatte anlegen lassen, übernommen worden. Nachdem Kiel 1871 zum Reichskriegshafen geworden war, wurden die Grundstücke in der vielgerühmten lieblichen Gegend Düsternbrooks am Westufer der Kieler Förde zu begehrten Baugrundstücken. Alle größeren Gartenanlagen an den Sommersitzen der wohlhabenden Kieler Bürger wurden parzelliert und mit Marinegebäuden oder privaten Wohnhäusern bebaut. Nur der Brauer‘sche Sommergarten blieb in seiner reizvollen Lage hoch über dem Fördeufer durch die Umwandlung zum Botanischen Garten eine grüne Stadtinsel.

Bei der Gestaltung des Alten Botanischen Gartens blieb der landschaftliche Charakter des Brauer’schen Sommergartens mit seinen malerischen Baumgruppen, Wiesen und Wasserflächen gewahrt. Die Technik für das Bewässerungssystem wurde im schönen Fachwerkbau des Pumpenhauses verborgen, das sich im Teich spiegelte und das hügelige Gelände mit einer Vielzahl von Lagen war ideal für die pflanzengeographische Ordnung im Garten.

 

Ein neues Institutsgebäude (1885/1951) ersetzte das ehemalige Sommerhaus Brauers. Von den damaligen Gewächshäusern ist heute nur noch ein Teil, nämlich der sogenannte Gelbsteinbau aus dem 19. Jahrhundert erhalten. Die Pläne dazu lieferten die Architekten Martin Gropius (1824–1880), Großonkel des Architekten Walter Gropius, und Heino Schmieden (1835–1913), die auch den Martin-Gropius-Bau als eines der wichtigsten Ausstellungsgebäude in Berlin errichteten.

Der backsteinerne Aussichtspavillon (1890/91) diente einst nicht nur als Aussichtspunkt über die Förde, sondern auch als Unterstand für Studenten bei schlechtem Wetter. Seine kunstvolle Kuppelkonstruktion ist eine der wenigen erhaltenen Eisenkonstruktionen des 19. Jahrhunderts in Schleswig-Holstein. Seit 1984 wurde der Pavillon auf Initiative des Parkvereins restauriert und ist heute ein Schmuckstück der Parkanlage.

 

Auch schon im 19. Jahrhundert war der Alte Botanische Garten für die Bevölkerung geöffnet. Seit Aufgabe der universitären Funktion im Jahr 1978 übernahm die Stadt den ungewöhnlichen Garten und öffnete ihn als Stadtpark mit fantastischem Fördeblick.


Botanische Gärten, fünf an der Zahl

Der Alte Botanische Garten ersetzte als vierter Botanischer Garten Kiels im 19. Jahrhundert den 1813 in der Vorstadt hinter dem Krankenhaus an der Prüne bestehenden Botanischen Garten. Eine Kopie der ehemaligen steinernen Gründungstafel erinnert am Aussichtspavillon an den Gründer und das Gründungsjahr dieses vorherigen dritten Botanischen Gartens.

Noch davor gab es zwei weitere Vorläufer. Der allererste wurde als "Hortus medicus", also als Arzneipflanzengarten der Universität schon 1669 von Universitätsgründer Herzog Christian Albrecht auf Flächen im Hofgarten des Kieler Schlosses angelegt und bestand bis ca. 1684. Nach einer Pause von rund 45 Jahren entstand 1727 der zweite Botanische Garten nahe dem Kleinen Kiel bei der Klosterkirche, der vom Hofapotheker Christiani mit benutzt wurde. Von den ersten drei Gärten ist heute nichts mehr erhalten.

Ein Neuer Botanischer Garten, der fünfte, wurde 1985 im Kieler Norden auf dem Gelände der Christian-Albrechts-Universität mit umfangreichen Schaugewächshäusern eröffnet.


Ein maritimer Pflanzenschatz

Der ungewöhnliche, teilweise über 100 Jahre alte Baumbestand ist in einem öffentlichen Stadtpark etwas ganz besonderes. Im bewegten Gelände mit Höhenunterschieden von bis zu 20 Metern finden sich viele seltene Koniferen, wie Küstenmammutbaum (Sequoia sempervirens), Japanischer Nadelwacholder (Juniperus rigida), Sumpfzypressen (Taxodium distichum), einer der größten Ginkgos (Ginkgo biloba) im Lande oder der wahrscheinlich älteste Urweltmammutbaum (Metasequoia glyptostroboides) Deutschlands. Neben diesen Nadelgehölzen wachsen auch interessante Laubbäume und Sträucher im Garten. Dazu gehört ein Amurkorkbaum (Phellodendron amurense) mit weitausladender Krone, Zaubernüsse und Magnoliengewächse. Das milde maritime Klima der norddeutschen Küste ist hierbei ausgesprochen günstig und ermöglicht auch die Kultur von Bäumen, die im übrigen Land unter starken Frösten leiden.

 

In dem kleinen, üppig bepflanzten Landschaftspark mit seinen abwechslungsreichen Lebensräumen haben zudem viele Vogelarten und Eichhörnchen ein Zuhause gefunden. Auch diese lassen sich im Alten Botanischen Garten gerne im üppigen Blätterdach beobachten.


Wort und Buch im Gartendirektorenhaus

Kunst und Kultur sind im Garten in vielfältiger Form präsent. An verschiedenen Stellen überraschen Kunstwerke, die mit den Pflanzen zur Landschaftskunst verschmelzen. Darunter sind die „Wegzeichen“ (1990) und „Spiegelobjekte“ (2003) der Bildhauerin Susan Walke.

Das alte Gartendirektorenhaus, das 1906 im Fachwerkstil mit einem Krüppelwalmdach errichtet wurde, beherbergt heute das Literaturhaus Schleswig-Holstein.

 

Am Haus wurde 1998 zum 140. Geburtstag Selma Lagerlöfs (1858–1940) eine Gedenktafel eingeweiht. Selma Lagerlöf, die 1909 den Nobelpreis für Literatur und 1932 die Ehrendoktorwürde der Kieler Theologischen Fakultät der Universität erhielt, machte sich mit ihrer christlich-antifaschistischen Einstellung verdient. Sie ist unter anderem die Autorin des Romans „Gösta Berling“ und des Kinderbuchs „Nils Holgersson.“

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