Route 1: Schleswig-Schlei
Märchen und Mythen der Schleigärten
Schloss Gottorf: Barockgarten

Ein erster Überblick

Schloss Gottorf: Barockgarten

Das idyllische Schleswig war im 17. Jahrhundert ein Zentrum von Macht und Kultur. Ausdruck dessen ist der ab 1637 entstandene Barockgarten, der mit seinen Terrassen und Wasserkünsten zu den meistbewunderten Gärten seiner Zeit gehörte. Das hohe gärtnerische Niveau fand Ausdruck im „Gottorfer Codex“, der den Bestand von 1180 exotischen Pflanzen um 1660 bildlich darstellt. Eine der Kostbarkeiten war die „Hundertjährige Aloe“, ein Herkules unter den Pflanzen und Sinnbild von Macht. Seit einigen Jahren lassen Wiederherstellungen den Garten auferstehen. Die Kolossalstatue eines wahren Herkules, aus geborgenen Teilstücken rekonstruiert, herrscht über den Spiegelteich am Fuß des Terrassengartens. Zwischen Globusgarten mit Pflanzen des Gottorfer Codex und erster Terrasse wurde das Globushaus neu errichtet. Dort befindet sich der Nachbau des ab 1650 entstandenen Globus, der als frühestes Planetarium auf eine Entdeckungsreise in die Weltsicht des 17. Jahrhunderts führt.

Der erste Barockgarten Mitteleuropas

Das Schloss Gottorf war von 1544 bis 1713 die Hauptresidenz der Herzöge von Schleswig-Holstein-Gottorf. Mit dem „Westergarten“ und dem „Alten Garten“ gab es bereits zwei Residenzgärten, als Herzog Friedrich III. 1637 den Bau eines „Neuen Werks“ veranlasste, sodann Neuwerkgarten genannt. Italienische Terrassengärten dienten dem Garteninspektor Clodius als Vorbild bei der Gestaltung. Im Zeitalter des Absolutismus galt es, die Macht der Herrscher in der Gartengestaltung zum Ausdruck zu bringen, und zwar einerseits durch geometrisch geformte Pflanzen, deren Konturen sich nur durch Schnitt von Menschenhand erzielen und erhalten ließen, andererseits durch das Ausstrahlen des Schlosses oder Herrenhauses als Zentrum der Macht in die Gartenanlage.

Der Barockgarten wurde in zwei Bauphasen errichtet. Herzog Friedrich III. ließ zwischen 1637 und 1659 den Blauen Teich und die untersten beiden Terrassen einschließlich dem dazwischen liegenden Globushaus anlegen. Die darüber liegenden Terrassen wurden von 1659 bis 1695 unter Herzog Christian Albrecht gestaltet, der 1694 kurz vor Vollendung dieses Gartenkunstwerks verstarb. Der Terrassengarten ist über einen aufgeschütteten Damm mit einer Allee erreichbar. Diese zielt auf die eigens als Zielpunkt der Allee angelegte kleine Kaskade. Seitlich davon liegen die Terrassengärten, deren unterste Ebene der Herkulesteich einnimmt.

Heute wird der Garten wieder hergestellt. Es soll die Phase seiner größten Prachtentfaltung um 1690 mit den aufwändig gestalteten Parterres und Broderien sowie Teilen der Wasserkunst gezeigt werden. Im Globusgarten sind Broderien zu bestaunen, deren Formen auf den Dallin-Plan aus dem 17. Jahrhundert zurückgehen. Auf der ersten Terrasse wurden die Spiegelmonogramme, die zu Ehren von Christian Albrecht und Friederike Amalie angelegt wurden, mit weißem Kies und Buchsbaum aufwändig wieder hergestellt.

Die Wasserkunst

Der Garteninspektor Clodius war Ideengeber für die gesamte Terrassenanlage. Er hatte die Terrassengärten italienischer Villen studiert und viele Anregungen mit nach Gottorf gebracht. Doch nicht Clodius, sondern sein Nachfolger, der Hofgärtner Michael Tatter, vollendete das Gartenkunstwerk. Auf diesen geht der Kunstgriff aus dem Bühnenbau zurück, die Tiefenwirkung der Gartenanlage zu steigern, indem die Terrassen geneigt und nach oben hin schmaler und niedriger, also perspektivisch verjüngt, angelegt wurden. Die Mittelachse der Terrassenanlage schmückten zentrale Kaskaden. Die Böschungen zwischen zwei Ebenen waren so gestaltet, dass das Wasser über Wasserspeier in ein Bassin gelangte. Von dort aus lief es in unterirdischen Wasserleitungen zur nächsten Terrassenböschung ab.

Das Wasser durchfloss auch den Keller des Globushauses, wo es zum Antrieb des Globus genutzt werden sollte. Es mündete schließlich in den Herkulesteich. Das ausgedehnte Wasserbecken wird heute wieder von der Kolossalstatue des Herkules bestimmt, der Sinnbild der herzoglichen Macht und Tugenden und siegreich im Kampf mit einem siebenköpfigen Drachen ist. Die Statue war in der Phase des Gartenniedergangs zusammengebrochen, die nach Vertreibung der Gottorfer Herzöge durch die Dänen 1713 einsetzte. Lange Zeit verlieh daher eine Insel aus Herkulesfragmenten dem Teich einen Hauch Romantik – und diente 1869 sogar als Motiv für das Gemälde „Trümmer des Herkules“ von H.P. Feddersen. 1994 wurde mit der Rekonstruktion des Herkules begonnen, die ein Meilenstein in der noch immer andauernden Wiederherstellung des Gottorfer Barockgartens war.

Der Gottorfer Codex – Pflanzen im Barockgarten

Herzog Friedrich III. war einerseits ein absolutistischer Herrscher, der seine Macht auch im Garten demonstrieren wollte, andererseits aber auch ein gebildeter Mann mit weitreichenden botanischen und wissenschaftlichen Interessen. Er ließ den Hamburger Maler Hans Simon Holtzbecker ab 1649 die Pflanzen der Gottorfer Gärten malen. Mit diesem Auftrag verfolgte Friedrich III. vermutlich, ein botanisches Nachschlagewerk entstehen zu lassen, das die Vielfalt der Pflanzen in Wort und Bild beschreiben sollte. Die Arbeit wurde 1659 eingestellt, als Friedrich III. starb. Bis dahin waren 1180 Pflanzen abgebildet worden, mit denen der Gottorfer Codex einen guten Einblick in die Schmuckpflanzenkultur des 17. Jahrhunderts gibt. Gerade über diese arme Zeit nach dem 30-jährigen Krieg gibt es nur wenige Zeugnisse zur Pflanzenverwendung, so dass der Gottorfer Codex von außerordentlicher wissenschaftlicher Bedeutung ist. Das in vier Bänden zusammengefasste Werk zeigt Pflanzen aus Europa, dem Mittelmeerraum, aber auch dem Orient sowie Mittel- und Südamerika. Darunter sind Kübelpflanzen, die ein so wichtiger Schmuck barocker Gärten waren, Zitrusfrüchte und Zwiebel- und Knollenpflanzen. Letztere waren ein Muss in den  Gärten des 17. Jahrhunderts, allein 53 Narzissen-, 19 Hyazinthen-, 79 Tulpen- und 65 Irissorten wurden von Simon Holtzbecker bildlich dargestellt. Etliche exotische Pflanzen, deren Kultur ein besonderes gärtnerisches Können voraussetzt, sind ein weiterer Beleg für den einstigen hohen Stand der Gartenkultur im Hause Gottorf. Für die Überwinterung und Pflege von Exoten wie Aloen und Zitrusfrüchten wurden eigens Gewächshäuser und Orangerien gebaut – schon im 17. Jahrhundert gab es das erste beheizbare Gewächshaus.

Etwa 20 Pflanzenarten haben sich trotz der langen Phase fehlender Pflege bis heute in den Gottorfer Gärten halten können und sind damit lebende Zeugen der hohen Gartenkultur zur Zeit des Barock. Ihr Bestand soll auch über die zur Zeit laufenden Wiederherstellungsmaßnahmen hinaus gesichert werden. Einzelne dieser Stinzenpflanzen sollen in den kommenden Jahren im Garten besonders präsentiert werden.

Die außergewöhnliche Vereinigung von Erde und Kosmos

In der Mitte der halbkreisförmigen Mauer, die den Globusgarten einrahmt, steht das Globushaus. Dieses wurde 2003/2004 dort errichtet, wo im 17. Jahrhundert die „Friedrichsburg“ gestanden hatte. Deren Bau wurde als Lusthaus begonnen und ab 1650 zur Unterbringung eines Riesenglobus, des Gottorfer Globus, vollendet.

Friedrich III. war nicht nur botanisch interessiert, sondern war auch von Astronomie und Kartographie fasziniert. Die Europäer gewannen kontinuierlich geographische Kenntnisse und Globen waren prestigeträchtige Hilfsmittel, eine Vorstellung von der Welt zu bekommen. Adam Olearius, ein Gelehrter am Gottorfer Hof, ersann einen begehbaren Globus (Durchmesser 3,11 Meter), auf dessen Außenhaut die Erdoberfläche abgebildet sein sollte und dessen Innenhülle die Sternbilder des Nachthimmels wiedergeben sollte. Die Möblierung sollte mehreren Personen gleichzeitig Platz im Globus geben. Der Globus sollte sich zudem um seine Erdachse drehen, um den Betrachtern auch dieses Phänomen nahe zu bringen. Friedrich III. war von der Idee begeistert und ließ Olearius freie Hand für die Planung und Umsetzung des ehrgeizigen Projekts. Genauso wie Friedrich die Vollendung seines Gartens nicht mehr erlebte, wurde auch der Globus erst unter der Ägide seines Sohnes Christian Albrecht 1664 fertig gestellt. Er war ein technisches Wunderwerk und erregte große Aufmerksamkeit bei anderen Herrschern und Wissenschaftlern.

1713 fiel das Herzogtum Schleswig-Holstein-Gottorf an die dänische Krone. Der Kriegsverbündete der Dänen, Zar Peter I. von Russland bewunderte den Globus und erbat ihn für seine gerade gegründete Stadt St. Petersburg. Damit verlor Schleswig ein Objekt von Weltruf. 1717 gelangte der Globus nach mehrjähriger Reise nach St. Petersburg, wo er 1747 bei einem Feuer stark beschädigt wurde. Bei den Reparaturen wurde die Bemalung stark verändert. Heute befindet der Globus sich noch immer nach mehreren Restaurierungen und Ortswechseln in St. Petersburg. Das Original diente als Vorlage für den neuen Globus, dessen kartografische Darstellung aber wieder der des 17. Jahrhunderts nachempfunden wurde. Dieser hat wieder in Schleswig Einzug gehalten und ist seit 2005 ein besonderer Anziehungspunkt im Gottorfer Barockgarten. Die Dachterrasse des Globushauses bietet zudem einen phantastischen Überblick über die Terrassengärten und auf den Herkulesteich.

Adresse

Schloss Gottorf
24837 Schleswig
Telefon 04621 - 813222

Eigentümer: Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf

Öffnungszeiten

April – Okt. 10-18 Uhr
Eintritt: kostenfrei

Anreise

Icon Parken Parken am Schloss Gottorf (Museumsinsel)

Icon Eisenbahn Schleswig

Icon Bus 1501, 1502, 1503, 1505 Oberlandesgericht

Serviceinformationen

Icon Hund verboten   Icon Rollstuhl (teilweise)

Angebote

Führungen: Zum Garten können spezielle Führungen gebucht werden, in denen der Garten von seinen topographischen Besonderheiten bis zur Bepflanzung nach dem Gottorfer Kodex thematisiert wird.

Gastronomie

Icon  Cafe  Café Stampfmühle

Gärtnereien & Läden

Gärtnereien: Gärtnerei Petersen

Weiterführende Informationen

Ostseefjordschlei GmbH
Tourist Information Schleswig
Touristinformation Schleswig

 

Kontakt

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