Route 9: RD-Eckernförde
Aus blauer Blüte grüne Kunst
Waldpark Wilhelmshain

Ein erster Überblick

Waldpark „Wilhelmshain“ & Herrnhuter Friedhof

Gleich am Ortseingang von Hanerau-Hademarschen strahlt das Herrenhaus (1835-37) über den Mühlenteich. Auf der Gutsinsel - zu den Öffnungszeiten des Cafés zugänglich - befindet sich eine außergewöhnliche vielflächige Block-Sonnenuhr (um 1750), die auf mannigfache Weise die Zeit angibt. Der zum Gut gehörige Waldpark (1812-16) wurde durch den sozial gesinnten Theologen Johann Wilhelm Mannhardt (1760–1831) gestaltet, der das Gut unter fortschrittlichen, ästhetisch-sozialen Gesichtspunkten anlegte. Schöne Spazierwege führen heute zu den Spuren einstiger Kaskaden und Ausblicke. 1805 hatte Mannhardt schon einen Friedhof nach der Ordnung der Herrnhuter Brüdergemeine anlegen lassen. Dieser ist in sechs Quartiere unterteilt, in denen Männer und Frauen getrennt und untergliedert in Verheiratete, Ledige und Kinder ruhen. Der Aufbau des Friedhofs ist in Norddeutschland einmalig. Am Friedhofszugang weist eine Bronzeplastik auf die Verbindung des Ortes zum bekannten Dichter Theodor Storm hin.

Der Waldpark entsteht

Von einer heckengesäumten Allee begleitet, führt die Zufahrt von der Mannhardtstraße vorbei an alten Fachwerkhäusern zur Gutsinsel. Schon seit dem 12. Jahrhundert gab es hier eine Burg. Diese Anlage mit dem »Alten Garten«, der als Küchengarten diente, wurde im 30-jährigen Krieg jedoch in Schutt und Asche gelegt. Unter Admiralitätsrat Paul von Klingenberg entstand dann ab 1664 ein neues Herrenhaus mit einem barocken Lustgarten auf der Gutsinsel.

1799 übernahm Johann Wilhelm Mannhardt (1760–1831) mit seiner Frau Anna, der Tochter des vermögenden Altonaer Kaufmanns und Reeders Hinrich III van der Smissen das Gut und es begann eine neue Ära für Hanerau. Mit Hilfe seines Schwiegervaters richtete der sozial gesinnte Mannhardt neben der Land- und Forstwirtschaft auch eine Textilmanufaktur zur Leinen-, Woll- und Baumwollverarbeitung auf dem Gut ein und gründete 1801 den Ort Hanerau mit Wohnhäusern, einer Schule und verschiedenen Gewerbebetrieben (Weberei, Färberei und Bleicherei), wo er auch Arbeiter und Handwerker aus seiner württembergischen Heimat ansiedelte. Durch die von Napoleon verfügte Kontinentalsperre (1806–1814), eine Wirtschaftsblockade über die britischen Inseln, erlebte Hanerau eine kurze Blütezeit. Die Dorfstraße in Hanerau-Hademarschen wurde später dem Schöpfer zu Ehren „Mannhardtstraße“ genannt.

Mit diesen Neuerungen entstand zwischen 1812 und 1816 westlich der Zufahrt zum Gut ein neuer Waldpark von ungewöhnlicher Ausdehnung und fortschrittlicher Nutzung. Er wurde im Stil englischer Landschaftsgärten angelegt und nach seinem Schöpfer Mannhardt auch „Wilhelmshain“ genannt. Mit Laub- und Nadelgehölzen sowie terrassenförmig gestaffelten Fischteichen kombinierte der Park auf zehn Hektar die forst- und fischereiwirtschaftliche Nutzung mit einem ästhetischen und sozialen Anspruch.

Der für die Dorfbevölkerung zugängliche Gutsgarten war von den Ideen des Kieler Universitätsprofessors und Gartentheoretikers C.C.L. Hirschfeld (1742–1792) inspiriert, der die Anlage öffentlicher Volksgärten vorschlug. Der Hanerauer Waldpark ist damit wohl der erste Volksgarten Schleswig-Holsteins. Schöne Spazierwege führen noch heute zu den Spuren einstiger Kaskaden, Lichtungen, Ausblicke und Grotten im Park.

Das Herrenhaus im neuklassizistischen Stil ließ erst Mannhardts Sohn Hinrich Gysbert Mannhardt zwischen 1835 bis 1837 in seiner heutigen Form erbauen. Es liegt auf der Gutsinsel nah am Teich, auf dem im Sommer schön die Teichmummeln blühen.

Ein Blick nach Schottland

Wie das Leben auf dem ehemaligen Mustergut Mannhardts im 19. Jahrhundert gestaltet war, vermittelt vielleicht ein Blick auf das als Museumsdorf erhaltene und als Weltkulturerbe eingestufte Dorf einer ehemaligen Baumwollmühle in New Lanark in Schottland (www.newlanark.org/deutsch/, de.wikipedia.org/wiki/New_Lanark). Hier entstand zu Beginn des 19. Jahrhunderts unter der Federführung des Philanthropen Robert Owen in etwa zeitgleich mit den Ansiedlungen in Hanerau-Hademarschen eine Mustergemeinschaft unter fortschrittlichen und sozialen Gesichtspunkten. Ob Mannhardt vielleicht sogar von New Lanark wusste, ist nicht bekannt.

Heute gehört New Lanark zu den wenigen historischen Industrieorten, deren äußeres Erscheinungsbild fast unversehrt erhalten blieb, umgeben von dichten Wäldern und Landwirtschaftsflächen.

Von Sonnen- und Bahnzeit

Die vielflächige Block-Sonnenuhr aus Sandstein, die auf der Wiese vor dem Herrenhaus steht, entstand um 1750. Sie besitzt eine auffällige Konstruktion, bei der mehr als zwanzig verschiedene Ziffernblätter kunstvoll auf unterschiedliche Weise in Stein gehauen sind und durch den Sonnenschatten die Zeit anzeigen.

Eine ganz ähnliche Sonnenuhr wie in Hanerau-Hademarschen ist an den römischen Bädern im Park Sanssouci in Potsdam zu finden. Beide besitzen einen zwölfzackigen Stern mit den Initialen FW als oberen Abschluss, was wohl auf Friedrich Wilhelm, den Kronprinzen von Preußen, hinweist. Es wird auch vermutet, dass die Uhren aus derselben Werkstatt stammen. Wie und wann die Uhr nach Hanerau kam, ist nicht bekannt. Vielleicht fand sie ihren Weg hierher erst im 19. Jahrhundert als Dr. Hans Heinrich Wachs, Gutsbesitzer auf Hanerau, Mitglied des Deutschen Reichstags war und enge Verbindungen nach Berlin und Potsdam knüpfte.

Erst 1893 wurde die einheitliche mitteleuropäische Zeit eingeführt. Bis dahin gab es in Europa in jedem Ort eine mittlere Ortszeit, die sich aus dem Sonnenstand ergab. Um die Uhren an Kirchtürmen, Rathäusern und Bahnhöfen zu stellen, bediente man sich also der Sonnenuhren, mit deren Hilfe man den Mittagspunkt exakt bestimmen konnte. Sonnenuhren waren daher noch im 19. Jahrhundert etwas ganz Alltägliches. Durch die unterschiedlichen Längengrade wich aber die Zeit in verschiedenen Städten voneinander ab. Zwischen Lübeck und Husum gab es beispielsweise eine Zeitdifferenz von sieben Minuten. Solche kleinen Abweichungen spielten lange keine Rolle, doch als die Verbindungen durch die Eisenbahn immer schneller wurden, führte die Bahn zunächst schon vor 1893 eine eigene Bahnzeit ein, die von den Ortszeiten abwich. Dadurch wurde die Gestaltung von Reiseplänen zu einer komplizierten Sache. Die Einführung einer einheitlichen Zeitzone im Lande wurde unerlässlich und die Sonnenuhren verloren ihre Bedeutung.

Ein Raum für Festlichkeiten

Die „Alte Scheune“ von 1860 auf der Gutsinsel dient heute nicht mehr landwirtschaftlichen sondern erholsamen Zwecken. Ein Café bietet hier im Sommerhalbjahr an Sonn- & Feiertagen leckere Kuchen und Torten an. Die Räume können auch für Hochzeiten und andere Festlichkeiten gemietet werden. In weiteren Gebäuden stehen auf der Gutsinsel Ferienwohnungen zur Verfügung.

Theodor Storms Spaziergänge

Hanerau-Hademarschen war ab 1880 letzter Wohnsitz von Theodor Storm (1817–1888). Dieser war mit dem Schwiegersohn Hinrich Gysbert Mannhardts, Dr. med. Heinrich Wachs, befreundet, der ab 1857 Besitzer des Gutes war, und liebte den Waldpark für seine Spaziergänge, die er dort auch mit Gästen machte. Die Bronzeplastik (1993) des Dichters wurde von Werner Löwe geschaffen und zu Storms 175. Geburtstag aufgestellt. Jedes Jahr um den 19. Mai finden an der bronzenen Storm-Statue am Herrnhuter Friedhof Feierlichkeiten zum Gedenken an den großen Dichter statt. Alle zwei Jahre sind dies sogar mehrtägig „Schimmelreiter-Tage“. Im Heimatmuseum (Im Kloster 12, T 04872–2453) erinnert ein Theodor-Storm-Zimmer an den Dichter und zeigt seine Wohn- und Schaffensorte in Hanerau-Hademarschen.

Der Herrnhuter Friedhof

Die Herrnhuter Brüdergemeine, eine christliche Glaubensbewegung innerhalb der evangelischen Kirche, wurde von Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf (1700–1760) einem lutherisch-pietistischen Theologen gegründet. Dieser hatte ab 1722 den so genannten Böhmischen Brüdern als Glaubensflüchtlingen Aufnahme auf seinem Gut Berthelsdorf in der Oberlausitz gewährt. Die Böhmischen Brüder orientierten sich am Urchristentum, hatten eine strenge kirchliche Ordnung, verweigerten Kriegsdienst und Eid und lehnten öffentliche Ämter ab. Ihrer ausgeprägten Religiosität entsprechend, stellte die Bewegung unter Zinzendorf ihre Gemeinschaft unter die „Obhut des Herrn“ und nannte ihre Kolonie „Herrnhut“, aus der durch Zuzug bereits im 18. Jahrhundert eine Siedlung wurde.

1730 wurde in Herrnhut auch ein eigener Friedhof angelegt. Dies war der Beginn des noch heute bestehenden und genutzten Herrnhuter Gottesackers, eines bedeutenden Kulturdenkmals in Sachsen. Im Unterschied zur barocken Friedhofskultur zeichnete sich der Friedhof bei seiner Anlage im 18. Jahrhundert durch betonte Schlichtheit der Gestaltung aus. Dazu gehörten eine einheitliche Grabgröße und Gestaltung der Grabsteine. Hierdurch sollte die Gleichheit aller im Tode und vor der Auferstehung verdeutlicht werden. Weiterhin waren die Geschlechtertrennung, das Fehlen von Ehe- und Familiengräbern, die Bepflanzung mit Hecken und Linden und das Eingangstor mit zwei Sprüchen bezeichnend.

Bereits 1740 beschloss man, dass ein eigener Gottesacker bei Neugründungen der Herrnhuter Bedingung sein sollte.

Darüber hinaus haben sich auch andere Orte vom Herrnhuter Gottesacker in Sachsen inspirieren lassen, so beispielsweise Hanerau-Hademarschen. Auch hier waren die Gräber ursprünglich einheitlich schlicht nur mit einfachen Grabplatten und je einem Rosenstock gestaltet. Dabei sind alle Entschlafenen nach Osten zum Sonnenaufgang hin ausgerichtet. Ein hölzernes Tor mit den durch Herrnhut inspirierten Sprüchen weist den Weg. Mannhardt ließ den Friedhof anlegen, da sich unter den von ihm angesiedelten Facharbeitern Anhänger der Herrnhuter Brüdergemeine befanden.

Ganz in der Nähe des Hanerauer Friedhofs liegt im Wald auch ein Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges.

Adresse

Gut Hanerau 1
25557 Hanerau-Hademarschen
Telefon 04872 – 2291

Eigentümer: Christiane Niemöller

Öffnungszeiten

ganzjährig frei zugänglich, Herrenhaus & Gutsinsel privat. Café „Alte Scheune“ auf der Gutsinsel, 1.5.– 30.9., So & feiertags 14.30-17 Uhr
Eintritt: kostenfrei

Anreise

Icon Parken Gutszufahrt

Icon Eisenbahn Hanerau-Hademarschen (2,5 km)

Icon Bus 3250, 3270 Hademarschen Zum Zolln

Serviceinformationen

Icon Hund erlaubt   Icon Rollstuhl (teilweise)

Angebote

Führungen:

Führungen für Gruppen auf Anmeldung, T 04872 – 2291

Veranstaltungen:

jährliche Veranstaltung zum Dichter Theodor Storm um den 19. Mai; Raumvermietung für Festlichkeiten in der Alten Scheune

Gastronomie

Icon  Cafe  Café "Alte Scheune"
Beldorfer Mühle
Ferienwohnungen auf der Gutsinsel Hanerau

Veranstaltungsorte

Festsäle: Alte Scheune auf der Gutsinsel Hanerau

Gärtnereien & Läden

Gärtnereien: Baumschule Rolf Rohwedder mit Schaugarten
Pflanzenhof und Baumschule Eggert

Weiterführende Informationen

Tourismus Hanerau-Hademarschen und Umgebung e.V.

 

Kontakt

Die nächsten Veranstaltungen