Route 9: RD-Eckernförde
Aus blauer Blüte grüne Kunst
Stadtpark Rendsburg & Paradeplatz

Ein erster Überblick

Stadtpark Rendsburg & Paradeplatz

Wo sich heute der Stadtpark erstreckt, befanden sich einst an der Eider die Festungsanlagen der ehemaligen Garnisonsstadt Rendsburg. Der Paradeplatz war Kernstück dieses „Neuwerks“ von 1690/95. Als die Festung geschleift wurde, legte man ab 1861 auf Initiative des noch heute engagierten Rendsburger Verschönerungsvereins im Anschluss an den Paradeplatz zunächst den so genannten „Kindergarten“ am Stadtsee an. Hier spazierten die Kindermädchen mit ihren Wagen vorbei an Denkmälern, die Weiße Brücke war beliebtes Postkartenmotiv. Unter Mitwirkung des Rendsburger Kunstgärtners Friedrich Pohlmann pflanzte man seltene Bäume, von denen noch heute Ginkgo, Kastanien, Linden, Trauerbuchen und verschiedene Birkenarten zu finden sind. Bis in die 1930er Jahre wurde der Park erweitert und seit 1954 Skulpturen namhafter Künstler aufgestellt, unter denen sich im Frühling ein bunter Krokusteppich ausbreitet. Zukünftig ist eine erneute Verschönerung des Stadtparks geplant.

Die alte Bastion an der Eider

1199 erstmalig erwähnt, war Rendsburg seit dem frühen 16. Jahrhundert eine Festungsstadt. Zwischen 1536 und 1540 ließ Christian III., König von Dänemark und Herzog von Schleswig und Holstein, die Stadt erstmals umwallen.

Besonders nachdem Christian V. im späten 17. Jahrhundert das sogenannte „Neuwerk“ errichten ließ, war Rendsburg ein Bollwerk auf einer Insel inmitten der Eider, die an strategisch günstiger Stelle lag. Die heutige Straße „Am Stadtsee“ markiert noch die einstige Uferlinie an der Eider. Umgeben war die sternförmig mit Bastionen ausgestattete Festungsanlage zusätzlich von mächtigen Wällen. Reste der so genannten Stormarnbastion befinden sich im Nordwesten des Parks nahe der Brücke über den Stadtsee. Auch für den Handel war die Stadt nicht unbedeutend, lag hier doch die letzte Schleuse in der als Verbindungsweg zwischen Nord- und Ostsee genutzten Eider. Zwischen 1777–1784 war die Passage durch den Bau des Schleswig-Holsteinischen Kanals, des Eiderkanals, vervollständigt worden.

So schrieb Biernatzki noch zu Mitte des 19. Jahrhunderts, Rendsburg würde „von einer außerordentlich kernigen und tüchtigen Bürgerschaft bewohnt, durch deren Muth es auch hauptsächlich eine langwierige und nachdrückliche Belagerung durch die Schweden im dreißigjährigen Kriege siegreich aushielt“.

Am Paradeplatz lässt sich die ehemalige barocke Gestaltung am besten nachvollziehen. Der Großteil der Bebauung entstammt noch heute dem 17. Jahrhundert. Dabei laufen die Straßen sternförmig vom Platz zu den ehemaligen Bastionen als befestigte Außenposten der Festung sowie zum ehemals südlichen Stadttor, das 1881 abgerissen wurde.

Tulipan- und Rosenstraße

Interessant ist die Benennung der Straßen. Sie beschreiben die Sitzordnung der königlich-dänischen Festtafel. In der Mitte der Längsseite der Festtafel saß der König mit dem Rücken zum Paradeplatz und gab der Königstraße ihren Namen. Rechts davon kam die Königin und demzufolge die Königinstraße, danach folgten die Prinzen und markierten die Prinzenstraße. Links vom König nahm der Kronprinz Platz, daneben die Prinzessinnen und so folgen auch die Kronprinzenstraße und die Prinzessinnenstraße dieser Anordnung. In den angrenzenden Wohnquartieren finden sich Straßennamen, die auf Pflanzen hinweisen, welche zur Barockzeit beliebte Tischdekorationen waren: Tulipanstraße, Grünestraße und Rosenstraße, früher gab es auch noch eine Violenstraße. Der königlichen Familie gegenüber, an den Außenseite des Neuwerks, waren die Herren, Barone, Grafen und Ritter platziert, die den äußeren Straßen der barocken Anlage ihre Namen gaben. Der Name Elefantenstraße verweist auf die Träger des Elefantenordens, eines alten, noch heute bestehenden dänischen Verdienstordens.

Ein „Kindergarten“ unter Bäumen

Zur Schleifung der Rendsburger Festung kam es ab 1852. Die damit einher gehenden Aufschüttungen führten zu einschneidenden Veränderungen im Stadtbild und schufen das Gelände, auf dem heute der Stadtpark liegt. Hier floss bis dahin die Eider um die Festungsinsel, die durch den Schutt der Wälle nun teilweise verfüllt wurde.

Auf Veranlassung des Rendsburger Verschönerungsverein legte man auf dem heute südöstlichsten Teil des Stadtparks erste Erholungsflächen an. Die Weiße Brücke verband den neuen kleinen Park mit der Altstadt auf der ehemaligen Festungsinsel.

Die Arbeiten wurden vom Rendsburger Kunstgärtner Friedrich Pohlmann geleitet. Seine weitreichenden Beziehungen brachten seltene Baumarten in den Park und machten ihn fast zum Arboretum. Noch heute finden sich im Park wohlgeformte Ginkgo, Kastanien, Esskastanien, Trauerbuchen, Platanen, Flügelnüsse, Sumpfzypressen, Sand- und Moorbirken. Eine schöne Lindenallee führt von der Weißen Brücke am Wasser des Jungfernstiegbeckens entlang zum Stadttheater (1901) am Hans-Heinrich-Beisenkötter-Platz. Die Fontäne im Jungfernstiegbecken hingegen ist eine Spende des in Rendsburg geborenen Werner Fiehn, der in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts in Berlin ein Vermögen verdiente und Sohn des um 1910 in Rendsburg tätigen Stadtgärtners war.

Zur Belehrung der Bevölkerung wurden in Stadtparks wie dem neu entstehenden in Rendsburg im 19. Jahrhundert gerne Denkmäler aufgestellt. Darunter war eines an Uwe Jens Lornsen (1793–1838), den Vorkämpfer eines vereinten Schleswig-Holsteins direkt am Zugang zum Park vom Paradeplatz. Ein weiteres Denkmal in Form eines Obelisken erinnert an Gefallene des Deutsch-Französischen Krieges von 1870–1871. Später dann kam ein Gedenkstein für die Kriegsopfer von 1939–45 hinzu.

Die Spazierfahrten und Ausflüge der Kindermädchen mit den ihnen anvertrauten Kindern auf dem Gelände brachten den neuen Anlagen im 19. Jahrhundert den Namen „Kindergarten“ ein. Im nahe gelegenen Park Eiland im Anschluss an den Hafen der Obereider dagegen, ergingen sich vornehmlich die älteren Bürger.

Erst im 20. Jahrhundert jedoch erhielt der Stadtpark seine heutige Ausdehnung. Der nördliche Teil war noch bis in die 1930er Jahre abgesperrtes militärisches Gelände. Davon zeugen die zwei alten Pulverschuppen aus Klinker. Ursprünglich war hier der Standort des Laboratoriums zur Herstellung von Munition. Durch eine Explosion in diesem Laboratorium entstanden im Sommer 1850 große Schäden in der Stadt. Ein Denkmal auf dem Rendsburger Garnisonfriedhof, auch Teil dieser Gartenroute, erinnert an die Opfer der Explosion. Danach lagerte man am Ort des alten Laboratoriums nur noch Pulver, eben in den noch erhaltenen Pulverschuppen, die heute auf eine neue Nutzung warten.

Ein Park für die Kunst

Im erweiterten Park wurden in den 1950er und 1960er Jahren schöne Sträucher wie Rhododendren, Zaubernuss und Schneeball gepflanzt und seither auch viele Frühjahrsblüher wie Krokusse und Narzissen eingebracht, die die Wiesen des Parks im Frühjahr bunt färben.

Ab 1954 begann der Rendsburger Verschönerungsverein auch damit, Skulpturen bekannter Künstler aufzustellen. Verschiedene Gedenktafeln und Büsten im Park erinnern zudem an das Engagement verschiedener Vereinsmitglieder, die sich um den Park verdient gemacht haben. Darunter sind solche für Wilhelm Eduard Wiggers (1815–1892), Gründer, Förderer und Vorsitzenden des Verschönerungsvereins, für den Vereinsvorsitzenden und Bildhauer Hinrich Jepsen (1890–1972) sowie den Rendsburger Maler, Kunstmäzen und Gründer des Rendsburger Kulturkreises Hans Heinemann (1815–2002). Letzterer hat dem Teil des Stadtparks, der als Skulpturenpark anzusprechen ist, seit 2003 auch den Namen Hans-Heinemann-Park geliehen, denn er engagierte sich mit dem Rendsburger Kulturkreis seit 1987 für die Anschaffungen der Kunstwerke im Skulpturenpark.

Die bekannteste der Skulpturen im Park ist wohl „Eva und ihre Kinder“ vom Bildhauer Adolf Brütt (1855–1939), die unter einem Japanischen Ahorn ihren Platz gefunden hat. Es handelt sich hierbei um einen Abguss des in der Nationalgalerie Gottorf stehenden Originals. Brütt war Gründungsmitglied der Münchner Sezession und seine „Schwerttänzerin“ (1891/93; Rathaus Kiel) wurde 1893 zu deren Leitfigur. Bekannt ist auch der als Tine-Brunnen bekannte Asmussen-Woldsen-Brunnen (1902), den er für seine Geburtsstadt Husum schuf und heute ein Wahrzeichen der Stadt ist.

Der „Affenbaum“, ein „Sich leckender Gepard“, der „Panter“ und der „Frauenkörper“ wurden von dem Tierbildhauer und Porträtisten Hans Martin Ruwoldt (1891–1969) geschaffen. Weitere seiner Werke sind auch im Stadtpark Nortorf zu finden.

Zentral auf der Parkwiese präsentiert sich in Edelstahl der „Traum von der Wiederkehr“ von Hans O. Lehnert (*1937). Hinter dem mumienhaft von Tüchern umwickelten Torso der „Gewandfigur“ von Edgar Augustin (1936–1996) dagegen setzen die gewaltigen und knorrig herabhängenden Äste einer Trauerbuche einen passenden Kontrast.

Weitere Kunstwerke stammen von Manfred Sihle Wissel, Fritz Fleer, Jörn Pfab, Klaus Kütemeier, Josef Hebroni, Jutta Reichelt-Feigel, Jan Koblasa, Michael Bruhns und Jörg Plikat.

Im „Hohen Arsenal“, das ab 1695 durch den Festungsbaumeister Domenico Pelli errichtet wurde und sich mit seiner Tordurchfahrt heute dem Park zuwendet, wurde bereits 1989 ein städtisches Kulturzentrum eingerichtet, wo sich unter anderem das Historische Museum Rendsburg und das Druckmuseum angesiedelt haben. Wechselnde Ausstellungen widmeten sich auch bereits einigen der mit dem Stadtpark verbundenen Künstler, darunter Hans Heinemann.

Mit Blick in die Zukunft

Der Stadtpark mit seinen Kunstwerken, schönem Baumbestand und der rahmenden Promenade rund um den Stadtsee soll in Zukunft gestalterisch überarbeitet, die Nähe zum Wasser und die geschichtlichen Bezüge mit ihren Besonderheiten stärker verdeutlicht werden. Konzepte für diese Arbeiten wurden bereits erstellt und warten auf ihre Umsetzung.

Adresse

Am Stadtsee
24768 Rendsburg

Eigentümer: Stadt Rendsburg

Öffnungszeiten

ganzjährig frei zugänglich
Eintritt: kostenfrei
Besuchszeit: schöne Krokusblüte im Frühjahr

Anreise

Icon Parken Paradeplatz

Icon Eisenbahn Rendsburg

Icon Bus verschiedene Stadtbusse Paradeplatz

Serviceinformationen

Icon WC   Icon Hund erlaubt   Icon Rollstuhl (teilweise)

Angebote

Führungen:

Stadtführungen beziehen den Stadtpark mit ein, T 04331 – 21120

Veranstaltungen:

Veranstaltungen im Kulturzentrum Hohes Arsenal, Wochenmarkt Paradeplatz, Stadtfest Rendsburger Herbst

Gastronomie

Icon  Cafe  Café Milch und Zucker
Restaurant Hauptwache

Veranstaltungsorte

Film & Foto: Nord-Ostsee-Kanal: Eisenbahnbrücke Rendsburg
Nord-Ostsee-Kanal: Fußgängertunnel Rendsburg

Gärtnereien & Läden

Gärtnereien: Biolandbaumschule Marienhof
Blumenhaus und Gärtnerei Thöming
Läden: Auf dem Rosenhof-Hohn

Freundeskreise und Fördervereine

Rendsburger Verschönerungsverein von 1844 e.V.

Weiterführende Informationen

Tourist-Information Nord-Ostsee-Kanal

 

Kontakt

Die nächsten Veranstaltungen