Route 9: RD-Eckernförde
Aus blauer Blüte grüne Kunst
Gutspark Bossee

Ein erster Überblick

Gutspark Bossee

Den ersten Empfang am Gutshof Bossee bereiten die imposante Scheune und der Kuhstall von 1709. Sie rahmen den Wirtschaftshof an dessen Kopf das Herrenhaus steht. Schon im Hof sind interessante Bäume zu finden, darunter eine ausladende Magnolie und eine mächtige Platane. Über einen Wanderweg gelangt man vom Hof, vorbei am privaten Gartenbereich direkt am Haus, in den Park hinter dem Herrenhaus. In dem rund 40 Hektar großen Park rahmen außergewöhnliche Bäume die weiten Wiesenflächen des Landschaftsgartens. Eine Eiche und eine Buche bilden am nordöstlichen Weg ein kunstvoll verbundenes Baumpaar. Sehenswert sind auch die Frühlingsblüher und die Rhododendronblüte im Mai. Die „Aue“ durchfließt den Park und in einem kleinen Teich blühen im April gelbe Schein-Calla (Lysichiton americanus). Im Norden des Parks liegt eine verfallene Grotte, die einst Teil eines umfangreichen Steingartens war, der um 1898/99 angelegt wurde. Ein Betreten der Grotte ist wegen möglicher Einsturzgefahr nicht gestattet.

Eine besonders stattliche Allee

Die stattliche Gutshofanlage Bossee ist mitten im heutigen Naturpark Westensee gelegen. Etwa einen Kilometer westlich des Gutes beginnt eine Eichenallee, die sich fast 3 km durch die hügelige Endmöränenlandschaft schlängelt. Die ältesten der gut 300 Eichen dürften weit über 200 Jahre ihren Platz einnehmen. Wie ein Forschungsprojekt zu schleswig-holsteinischen Alleen unter Beteiligung des Landesamtes für Denkmalpflege Schleswig-Holstein in den letzten Jahre eindrücklich hervorhob, sind solche alten Alleen ein bedeutendes kulturhistorisches Zeugnis der Gutslandschaftsentwicklung, bilden ganz eigene Biotope und sind dadurch Lebensraum für zahlreiche seltene Tierarten. Seit barocker Zeit wurde die gesamte Gutslandschaft durch Alleen hierarchisch strukturiert. Die weithin sichtbaren Baumlinien hoben die Zufahrten zu den Herrenhäusern hervor, strahlten aus in die zum Gut gehörigen Ländereien, markierten Grenzen und verbanden wichtige Punkte in der Gutslandschaft untereinander, wie beispielsweise die Herrenhäuser mit den zu ihnen gehörigen Kirchen oder Meierhöfen. Die Eichenallee in Bossee ist aufgrund ihrer Länge und der vielen alten Stieleichen ein besonderes Naturdenkmal.

Das Gut entsteht

Bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts gehörte Bossee den Herren vom Westensee, 1443 wurde das Gut erstmals namentlich erwähnt. Zu dieser Zeit ging der Besitz an die Herren von Ahlefeldt über. Wahrscheinlich zwischen 1523 und 1561 baute diese Familie in Bossee das erste Herrenhaus auf vermutlich älteren Kellergewölben. In den darauffolgenden rauen Zeiten wechselte Bossee oft den Besitzer und es wird von Erbstreit, Mord und Konkurs berichtet. Unter den Besitzern war auch Jasper Rantzau, der Schöpfer des einmaligen Wirtschaftshofes, der von der wirtschaftlichen Blüte und vom Wohlstand des Gutes zeugt. Von Rantzaus Gebäuden ist das Kuhhaus von 1709 mit seinem erhabenen reetgedeckten Walmdach noch weitgehend im Ursprungszustand erhalten, die gegenüberliegende Scheune verlor 1967 durch einen Orkan, der in einer Nacht das gesamte Gebäude abdeckte, ihr Reetdach, ergänzt aber noch heute die schöne Rahmung des Wirtschaftshofes.

Nach weiteren Besitzerwechseln erfolgten die nächsten markanten baulichen Veränderungen während der Besitzerschaft eines Herrn Pauly aus Hamburg. Er baute vermutlich das Herrenhaus um, setzte die beiden noch heute erhaltenen Sandsteinlöwen davor und ließ um 1760 die zwei Kavaliershäuser rechts und links des Herrenhauses – vermutlich vom späteren Eutiner Hofbaumeister Georg Greggenhofer (1718/19–1779) – errichten. Auch ließ Pauly 1783 die Hofglocke gießen, die bis heute stündlich schlägt.

1824, als Detlev Heinrich von Bülow (1782–1855) das Gut aus einem Konkurs kaufte, ging Bossee an die heutige Besitzerfamilie. Unter Detlev von Bülow (1854–1926), seinem Enkel, wurde der Hof stark modernisiert. Anstelle des ehemaligen Torhauses aus dem 18. Jahrhundert entstand 1896 ein Wasserturm mit Wirtschaftsgebäuden, der in seiner barockisierenden Form fast wie eine kleine Kapelle wirkt. Dieser Wasserturm versorgte bis vor 20 Jahren noch den gesamten Hof. Das Herrenhaus erhielt 1857–59 und insbesondere 1897 durch den Altonaer Architekten A. Petersen seine heutige äußere Gestalt.

Parkgestaltungen des 19. Jahrhunderts

Den weitläufigen Landschaftspark hinter dem Herrenhaus legte in weiten Teilen ebenfalls Detlev von Bülow, der Urgroßvater des heutigen Besitzers, zu Ende des 19. Jahrhunderts an. Das schön geschwungene Gelände wird durch die Endmoränenlandschaft der letzten Eiszeit bestimmt. Eine weite zentrale Wiese mit markanten Baumgruppen wird natürlich vom Bachlauf der Aue durchflossen. Zu den Seiten legen sich schützend höher gelegene und an alten Buchen reiche Baumbestände waldartig um diesen grünen Teppich.

Aus der Endmoräne stammen auch die Steine, die von Bülow für einen Steingarten mit Grotte verwendete, den er an einer Hangkante im Park anlegte. Steingärten wurden zu Ende des 19. Jahrhunderts populär und waren im frühen 20. Jahrhundert ein beliebtes Gestaltungselement in Gärten. Eine Gebirgslandschaft nachahmend, wurden hier Pflanzen der Bergwelt verwendet. So fanden auch bis dahin wenig bekannte Pflanzen ihren Einzug in die Gärten. Einst war auch der Steingarten in Bossee entsprechend bepflanzt, heute ist die Anlage allerdings baufällig und nicht zugänglich. Reste der damaligen Pflanzung, darunter eine Eibe und Azaleen sind aus der ursprünglichen Gestaltung erhalten.

Lysichiton und Petasites

Unter den Bäumen im Park sind viele stattliche Exemplare, das mächtigste ist eine alte Stieleiche auf einer Anhöhe nahe der Straße südwestlich des Herrenhauses mit einem Stammdurchmesser von fast 2 Metern. Dieser Baum hat vermutlich die letzten drei oder vier Jahrhunderte auf dem Gut mit erlebt. Aus der Landschaftsparkgestaltung des späten 19. Jahrhunderts stammen weitere interessante Bäume, darunter ein Baumpaar aus einer Buche und einer Eiche sowie eine stattliche Esche. Auch Besonderheiten wie eine Vielzahl verschiedener Eichenarten, darunter Libanon-, Zerr-, Sumpf-, Kaiser-, Pyramiden- und amerikanische Eiche, Tulpen- und Taschentuchbaum, Zitzenfichte, Metasequoia, Blutbuchen und verschiedenste Ahorne, sind im Park zu finden. Im Mai blühen üppig die teilweise über 100 Jahre alten Rhododendren.

Viele Frühlingsblüher machen den Park bereits für einen Spaziergang früh im Jahr sehenswert. Unter den Schneeglöckchen, Buschwindröschen und Narzissen sind auch ungewöhnliche Pflanzen wie die Gelbe Schein-Calla (Lysichiton americanus), ein Aronstabgewächs aus dem westlichen Nordamerika. Die eigentlich kleinen Blüten der Schein-Calla erscheinen im April in kolbenförmigen Blütenständen und werden von einem auffälligen gelben Hochblatt umgeben, das wie das eigentliche Blütenblatt wirkt. Die Blätter der Pflanze entfalten sich erst nach der Blüte vollständig.

Ähnlich ist dies auch bei der Pestwurz (Petasites hybridus), die in großen Beständen mit ihren Blüten im April einen rosa Hauch über die Wiesen entlang der Aue legt und erst später ihr an Rhabarber erinnerndes großes Blattwerk entfaltet.

Früher besaß das Gut auch eine ausgedehnte Gärtnerei, in der Gemüse und Obst für den Haushalt gezogen wurden. Ein altes Gewächshaus steht heute noch dort und wartet auf eine neue Nutzung. Es ist von der sich schön durch die Hügellandschaft schlängelnden Straße (Am Sandberg), die von Bossee entlang der so genannten Blauen Wiese, deren Name von einer Blume stammt, die blau dort auf der ganzen Fläche blühte, nach Westensee führt, schön aus der Ferne zu betrachten.

Frische und Genuss am Westensee

Dr. Detlev von Bülow ist als heutiger Besitzer Bossees wie seine Vorfahren ein Freund von Wald und Wild. Dies trifft sich gut, denn 600 Hektar des 1000 Hektar umfassenden Gutes sind Wald. Wild- und Waldspezialitäten des Gutes werden in einem eigenen Hofladen zum Kauf angeboten. Dabei hat sich das Gut den besonderen Qualitätsanforderungen des Vereins „FEINHEIMISCH – Genuss aus Schleswig-Holstein e.V.” (www.feinheimisch.de) verpflichtet, regionale Speisen in höchster Qualität und Frische für eine genussvolle und nachhaltige, regional geprägte Esskultur in Schleswig-Holstein anzubieten. Auf dem jährlichen Sommermarkt auf Gut Bossee gibt es so auch frisch zubereitete Speisen wie Kräuterpesto, Erdbeer-Pralinés oder cremigen Ziegenkäse.

Zudem finden auf dem Gut gelegentliche Ausfahrten mit historischen Kutschen oder entsprechenden Nachbauten in den Naturpark Westensee statt. Im September 2009 trafen sich so 23 Gespanne zum Tag des Offenen Denkmals zu einer rund 25 km langen Fahrt durch die Wälder des Gutes und zu benachbarten Gütern. Auch 2010 fand das Ereignis wieder statt.

Adresse

Gut Bossee
24259 Westensee
Telefon 04305 - 991993

Eigentümer: Herr von Bülow

Öffnungszeiten

Park ganzjährig frei zugänglich, hausnahe Bereiche und Grotte nicht zugänglich. Wild-Hofladen Sa 11-14 Uhr
Eintritt: Eintritt frei

Anreise

Icon Parken Gutshof

Icon Eisenbahn Felde (ca. 4,5 km)

Icon Bus 620 (eingeschränkte Verbindungen) Bossee Abzweig

Serviceinformationen

Icon Hund verboten   Icon Rollstuhl (teilweise)

Angebote

Führungen: Führungen auf Anfrage, T 04305 - 991993
Veranstaltungen: Wels selber fischen: Nils Kastner T 0176-62099109, jährlicher Schlemmermarkt im Sommer und Weihnachtsmarkt, Feinheimisch-Mitglied (www.feinheimisch.de)

Gastronomie

Café Zeit
Ristorante Pavarotti mit Jahreszeiten-Café

 

Kontakt

Die nächsten Veranstaltungen