Route 9: RD-Eckernförde
Aus blauer Blüte grüne Kunst
Gutspark & Allee Emkendorf

Ein erster Überblick

Gutspark & Allee Emkendorf Der Weg nach Emkendorf führt durch eine 4 km lange Allee aus Linden, Kastanien und Ahorn entlang der Landstraße zum Gut. Vor 300 Jahren gehörte die Allee bereits zur barocken Gutsgestaltung und ist ein eingetragenes Naturdenkmal. Ab 1790 wurde der bis dahin formale Garten unter Fritz Graf Reventlow (1755-1828) und seiner Frau Julia, geb. Schimmelmann (1763-1816) durch den Architekten Carl Gottlob Horn (1734-1807) in einen romantischen Landschaftspark umgewandelt. Aus dieser Zeit stammen die weiten Wiesenflächen am Hasensee und die malerischen Parkbäume, eingebettet in die hügelige Landschaft des Naturparks Westensee. Der Garten diente in dieser Blütezeit auch dem so genannten „Emkendorfer Kreis“, einer schwärmerisch-romantischen und religiös-konservativen Gesellschaft aus Literaten, Philosophen und Kulturfreunden als Ort der Erbauung und soll unter anderem die Dichtung Matthias Claudius‘ (1740-1815) beeinflusst haben. Emkendorf steht mit regelmäßigen Konzerten auch heute noch für Kultur.

Bäume wie Bündelpfeiler gotischer Kathedralen

Rund 500 alte Linden-, Kastanien- und Ahornbäume sind es, die die Landesstraße vom Gutshof Emkendorf in Richtung Kiel begleiten. Das Alleestück vom Gutshof bis zur Straße „Osterheide“ ist dabei eines der ältesten, denn es ist bereits in alten Karten des späten 18. Jahrhunderts verzeichnet. Die Weiterführung bis zur Liethberg-Kreuzung wurde vermutlich etwas später gepflanzt. Die heute monumentale Allee war Teil der Gutsgestaltung und markierte die Zufahrtsstraße zum Gut aus Kiel und Rendsburg.

Bereits seit dem Jahre 1927 ist die Allee als Naturdenkmal eingetragen. Beeindruckend zieht sie sich durch die Landschaft, ihre hochgewachsenen Stämme fassen die hügelgewellte Straße wie die Bündelpfeiler gotischer Kathedralen. Viele der Bäume wurden bereits baumpflegerisch behandelt, um dieses Erlebnis auch für die Zukunft zu erhalten.

Emkendorfs Blütezeit

Emkendorf wurde bereits 1190 erstmalig erwähnt und spätestens ab 1348 gab es auch ein Haus an der Stelle des heutigen Herrenhauses, das sich im Besitz mehrerer Ritter von Emkendorf befand. Seit Mitte des 15. Jahrhunderts war Emkendorf dann für fünf Generationen im Besitz der Familie von Ahlefeld. Später wurde es an die Familie Rantzau auf Deutsch-Nienhof verkauft, die bis 1720 Besitzer von Emkendorf waren. Danach wechselten die Besitzer in rascher Folge, jedoch wurde in dieser Zeit 1730 das Herrenhaus ausgebaut und das prächtige Kuhhaus errichtet sowie 1745 die große Kornscheune. Die beiden sich gegenüberstehenden Wirtschaftsgebäude demonstrierten nicht nur den Reichtum des Gutes, sondern markierten auch bereits die Trennung von Wirtschaftshof und Herrenhausbezirk, die in der späteren Gestaltung des Baumeisters Horn zur Vollendung gebracht wurde.

Die erwähnenswertesten Besitzer Emkendorfs aber stammten aus der Familie Reventlow, die das Gut von 1764–1928 besaßen. 1783 erbte Graf Fritz Reventlow (1755–1828) das Gut von seinem Vater und heiratete 1779 Julia Schimmelmann (1763–1816), die Tochter des Grafen Heinrich-Carl Schimmelmann (1724–1782), des seinerzeit wohlhabendsten Mannes im ganzen Lande (s. Gartenroute Stormarn: Schlosspark Ahrensburg). Julia wurde durch den Tod des Vaters zu einer der reichsten Erbinnen des Landes und so ermöglichte es Schimmelmanns immenser Reichtum den Reventlows, das barocke Haus ab 1789 im klassizistischen Stil umzugestalten, sowie Wirtschaftshof und Gutsgarten neu anzulegen. Die Pläne dazu lieferte der Schimmelmann‘sche Hausarchitekt Carl Gottlob Horn (1734–1807). Für die aufwendige künstlerische Ausgestaltung der Innenräume mit einem umfangreichen ikonographischen Programm wurden auch italienische Künstler, wie der Maler Guiseppe Anselmo Pellicia und der Stuckateur Francesko Antonio Tadey hinzugezogen.

Ein reger Austausch bestand mit der älteren Schwester Julias, Caroline (1760–1826), die fast zeitgleich mit ihrem Mann Heinrich Friedrich von Baudissin (1753–1818) das Gut in Knoop umgestaltete (s. Gartenroute Kiel: Gutspark Knoop) und dabei teilweise mit den selben Baumeistern und Künstlern arbeitete. So entstand in Emkendorf ein Meisterwerk der Baukunst, das heute noch in großen Teilen erhalten ist.

Rund 100 Jahre nach Julia und Fritz Reventlow wurde das Herrenhaus, noch im Besitz der Familie Reventlow, in den Jahren 1910/11 durch den Reformarchitekten Ernst Prinz (s. Gartenroute Neumünster: Volkshaus Tungendorf) mit einem seitlichen Anbau und Loggia erweitert. 1928/29 wurde Emkendorf an Dr. Curt Heinrich, Rittmeister und Zeitungsverleger, verkauft. Seither liegt der Besitz in den Händen der Familie, die mit sehr viel Engagement das Kulturgut der vergangenen Jahrhunderte hütet, pflegt und erhält.

Kunst und Kultur: der Emkendorfer Kreis

Unter Julias Regie etablierte sich der „Emkendorfer Kreis“, eine Gesellschaft aus Literaten, Philosophen und Dilettanten, die schwärmerisch-romantisch und gleichzeitig streng pietistisch und konservativ geprägt war. Julia lag die Bekämpfung des religiösen Rationalismus (Vernunftglauben) zugunsten eines konservativen Luthertums am Herzen. Auch französische Emigranten, die vor der Revolution flüchteten, wurden mit offenen Armen in Emkendorf aufgenommen. Goethe hingegen verweigerte seinen Besuch, da er die Enge der Anschauungen in Emkendorf nicht mit seinen liberalen Ideen in Einklang bringen konnte.

Zum Emkendorfer Kreis gehörten unter anderen der Schweizer Theologe Johann Kaspar Lavater (1741–1801), die Dichter Friedrich Leopold Graf zu Stolberg (1750–1819) und sein Bruder Christian (1748–1821), seine Frau Louise (1746–1824), Friedrich Gottlieb Klopstock (1724–1803), Matthias Claudius (1740–1815) sowie der Philosoph Friedrich Heinrich Jacobi (1743–1819). Ein enger Kontakt bestand auch zu Johann Gottfried Herder (1744–1803). Durch Vermittlung Caroline Baudissins, persönlich mit Herder bekannt, kam dessen Sohn zu Jens Peter Bruun Neergaard auf Gut Eckhof (s. weitere Gärten dieser Route), womit sich die Verflechtungen der Kulturschaffenden fortsetzten, denn auf Eckhof war die Gartengestaltung von literarischen Rundgängen geprägt, hier traf sich der Kreis um Klopstock.

Matthias Claudius Lied „Der Mond ist aufgegangen“ entstand nach örtlicher Überlieferung auf Gut Emkendorf, inspiriert von den dortigen Wiesen und Wald, aber auch Wandsbek und Reinfeld erheben Anspruch auf diese Ehre. Auf jeden Fall aber offenbarte sich das hohe kulturelle Bewusstsein in Emkendorf im Ausstattungsprogramm des Herrenhauses und des neu gestalteten Gartens.

Heute steht Emkendorf für Kultur in neuer Form. Kammerkonzerte und Konzerte des renommierten Schleswig-Holstein Musikfestivals werden hier ausgetragen.

Der landschaftliche Blick

Mit der Umgestaltung des Herrenhauses durch Julia und Fritz von Reventlow erfuhr auch der Garten eine umfassende Neugestaltung. Der Emkendorfer Garten ist ein Musterbeispiel für die Übergangszeit zwischen spätem Rokoko und empfindsamem Landschaftsgarten und verbindet die charakteristischen Elemente beider Stile. Auch wurde die barocke Konzeption des Hofbereichs geschickt mit dem Landschaftsgarten verflochten.

Bei den Gestaltungen durch Carl Gottlob Horn ist Julias Einflussnahme stark zu vermuten. Neben dem Gedankenaustausch mit den Denkern der Zeit und mit Julias Schwester in Knoop gab vielleicht auch der damals bekannte Wörlitzer Park weitere gestalterische Anregungen, denn Reventlows Reisen führten ihn auch an den Hof von Anhalt-Dessau. Die Anlage des Gartens erfolgte zudem unter dilettantischer Mitarbeit von Mitgliedern der adeligen Gesellschaft, die mit Lust an die schöngeistige Arbeit der Gartengestaltung gingen.

Die ursprünglich schlichte Barockanlage mit Terrasse, Rasenstücken und einem einfachen von Baumalleen gerahmten und in Teilen terrassierten Parterre hinter dem Haus, wurde ab 1790 in einen Landschaftspark umgestaltet. Die barocken Zufahrtsalleen zum Gut wurden dabei erhalten und zugleich die liebliche umgebende Landschaft mit dem Hasensee und seiner Insel, Feldern und Wiesen in die Gestaltungen einbezogen. Es handelte sich hierbei gleichsam um eine landschaftliche Idealform im Sinne des zu dieser Zeit einflussreichen Gartentheoretikers Hirschfeld, dessen Ideen trotz der kritischen Sicht der Emkendorfer auf Hirschfelds Weltbild in die Gestaltungen einflossen.

Im neu angelegten Landschaftspark überbrückten großzügige Rasen- und Waldgelände, von Wandelpfaden durchzogen, die vorhandenen Höhenunterschiede und ermöglichten die Anlage von Aussichtspunkten und Ruheplätzen, die den Blick auf das Herrenhaus und die hügelige Umgebungslandschaft freigaben. Der Gehölzgürtel um die freie Wiesenfläche hinter dem Haus gab dabei auch dem Blick aus dem Gartensaal Weite und Tiefe.

Ein vom Hang kommendes Bachsystem floss ursprünglich in Kaskaden durch den Garten und über einen felsigen Wasserfall in den Hasensee. Wenn auch der Bachlauf heute durch stetig fallende Grundwasserstände versiegt ist, sind die Reste des Felsenwasserfalls noch am Ufer des Sees zu finden.

Zu Anfang des 19. Jahrhunderts setzte sich der Ausbau des Gartens fort. In der Sichtachse des Herrenhauses wurde auf dem freien Feld ein Pavillon mit Strohdach aufgestellt, der 1992 restauriert werden konnte. Heute sind die Grundzüge dieser Gestaltungen, wie sie sich zu Mitte des 19. Jahrhunderts darstellten, in gut gepflegter Form wiederzufinden, wenn auch die Details fehlen. Der Bachverlauf und ehemalige Brücken werden heute durch Wege und Bäume angedeutet, im südlichen höher gelegenen Waldstück findet man noch die Fundamente ehemaliger Bauten. Schöne Spazierwege führen durch die bewaldeten Bereiche entlang des Hasensees.

Auf der Roseninsel

Neugierig macht eine Brücke, die aus dem Park zu einer Insel im Hasensee führt, den Weg dahin aber nicht frei gibt. Auf der dem Haus gegenüberliegenden Seite des Hasensees befand sich noch im 19. Jahrhundert im Umfeld einer Gärtnerei vermutlich ein Obst-, Gemüse oder Blumengarten in Form eines Hippodroms. Vom Haus gelangte man damals von einer Anlegestelle per Boot auf die Insel. Die heutige Brücke entstand erst in den späten 1930er Jahren, als die Familie Heinrich den Hamburger Gartenarchitekten Hermann Koenig mit der Neugestaltung des inzwischen verwilderten Inselbereichs beauftragte.

Koenig verstand seine Pläne für den von ihm als „Roseninsel“ bezeichneten Gartenbereich als Interpretation vergangener prunkvoller barocker Gärten in Schleswig-Holstein, wie es sie beispielsweise in Seestermühe und Jersbek gegeben hatte (vgl. Gartenrouten Pinneberg und Stormarn). Die abgelegene Insel im Parksee war als Überraschungseffekt in der Parklandschaft gedacht. In einem hohen raumbildenden Heckenrund mit Wasserbecken und Wasserbahnen pflanzte König flächendeckend niedrige Rosen und Tulpen. Wasserspeier und Plastiken in Delphin- und Drachenform verkörperten in humorvoller Form die Jahres- und Tageszeiten.

Schon bald nach Fertigstellung dieser Anlage und Erscheinen eines Artikels in der Zeitschrift „Das Gartenamt“ von 1959 wurde jedoch die denkmalpflegerische Berechtigung der Neugestaltungen in Fachkreisen diskutiert und bereits 1975 waren die Wasserbecken der Anlage in Teilen wieder trocken gelegt. Heute ist die Insel verwildert und gesperrt, Reste der Figuren sind auf dem Rasen des Ehrenhofes und vor dem Südflügel des Herrenhauses aufgestellt. Für die weitere Entwicklung der Insel gibt es derzeit keine Pläne und so kann die versperrte Insel heute nur die Fantasie beflügeln.

Adresse

Gutshof 3
24802 Emkendorf
Telefon 04330 - 994690

Öffnungszeiten

Park ganzjährig frei zugänglich, hausnahe Bereiche nicht zugänglich
Eintritt: Eintritt frei

Anreise

Icon Parken Gutshof

Icon Bus 620 (eingeschränkte Verbindungen) Emkendorf, Gut

Serviceinformationen

Icon Hund erlaubt   Icon Rollstuhl (teilweise)

Angebote

Führungen: Führungen für Gruppen ab 20 Pers. nach Vereinbarung, T 04330 - 994690, s. auch www.herrenhaus-emkendorf.de
Veranstaltungen: Kammerkonzerte, Veranstaltungen im Rahmen des SH-Musikfestivals, Land- und Weihnachtsmärkte wie "Landgeflüster", "Holsteiner Herbstmarkt" und "Zauberhaft Weihnacht"

Gastronomie

Landgasthaus Hopfenstübchen
Landgasthof Groß Vollstedt

Veranstaltungsorte

Festsäle: Gutshaus Emkendorf
Standesämter: Gutshaus Emkendorf
Kulturstätten: Gutshaus Emkendorf

Gärtnereien & Läden

Gärtnereien: Gartenbaubetrieb Herbert Reese
PS Gartenbau GmbH

Weiterführende Informationen

Touristinformation Naturpark Westensee & Nortorfer Land

 

Kontakt

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