Route 9: RD-Eckernförde
Aus blauer Blüte grüne Kunst
Altenjahner Kräutergarten

Ein erster Überblick

Altenjahner Kräutergarten

Ein echter Garten der Vielfalt ist der Altenjahner Kräutergarten, den Traute Struve in die hügelige Landschaft gezaubert hat. Nicht nur der Duft von Kräutern zieht durch die Luft, sondern auch eine ungebremste kreative Energie, die aus der Blütenfülle strahlt. Überall trifft man auf Garteninstallationen mit Witz und Sinngehalt: Ein getöpfertes Brot liegt, lange haltbar, zwischen Getreide in einer alten Schneidemaschine. Ganz in Weiß haben sich Tisch und Stühle in einem Feld weißer Margeriten eingerichtet. Im „Rittergarten“ versammeln sich Rittersporn, Raubritterrose, Schwertlilie und Königsnessel um einen Brunnen und im „Zaubergarten“ wachsen selbst Bäume verkehrt herum. Weil der „Weg das Ziel“ ist und „neue Wege entstehen, weil man sie geht“, entwickelt sich auch der Garten stetig weiter und beschreitet immer neue Pfade. Ein „Naschgarten“ und ein „Fledermausgarten“ besonderer Art machen auch Kindern Lust auf den Garten, wo man manches über die Gärtnerei und die Landwirtschaft lernen kann.

Umgeben von Hügeln und Wäldern

Inmitten bewaldeter Hügel liegt der Hof der Familie Struve. Vom Garten am Hang blickt man weit in den Naturpark Aukrug. Der Weg zum Garten gleicht dabei einer Fahrt in die Ruhe, auf und ab geht es, von Meezen kommend, auf schmalen Schlängelstraßen bis zum Gartentor. Selbst Bus und Bahn führt es hier nicht her. Schön ist daher ein Ausflug per Rad zwischen den Bahnhöfen Aukrug-Innien, Hohenwestedt und Hanerau-Hademarschen. Mehrere sehenswerte Gärten der Route liegen an dieser Strecke.

Eine vielfältige Ordnung

Der Altenjahner Kräutergarten entstand langsam, Schritt für Schritt und wuchs gleichsam über die Straße. Den alten Küchengarten am Haus gab es schon zu Uromas Zeiten. Ordentlich stand hier das Gemüse in Reih und Glied. Dies war auch noch praktisch, als Traute Struve neben ihrer Liebe zu Garten und Landwirtschaft die Kinder im Zaum halten musste. Seit diese auch eigene Wege gehen, zogen auch die Pflanzen des Gartens in weitere Gefilde. Statt bloßem Gemüse wurden nun mehr Kräuter, Stauden und Rosen in blumiger Mischung angepflanzt. Jedoch wachsen auf einer Obstwiese gleich am Gemüsegarten noch immer leckere Kirschen, die direkt vom Baum verkauft werden.

Die schönen Dinge entstanden auch aus Reibung. Zwei unterschiedliche Persönlichkeiten – die eine liebt die schlichte Ordnung, die andere strebt nach wilder Vielfalt – haben den Garten in Form gegossen. Über Schwiegermutters Ordnungsraster fließt Traute Struves Schöpferkraft. Aus dieser Mischung entstand ein ganz besonderer Garten. Im Gemüsegarten umspielen daher heute blühende Schnittlauchhecken die geraden Pfade, denn wie schon der Künstler Hundertwasser meinte, ist doch „die gerade Linie gottlos“. Weiter zieht sich die Vielfalt auf 5.000 Quadratmetern auf der gegenüberliegenden Straßenseite in verschiedenen Themengärten bis zu den Feldern und Weiden hinauf. Zum Glück seiner Schöpferin wächst dieser wie ein jeder Garten nur mit viel Geduld, Gelassenheit und Freude und macht doch Spaß, obwohl er niemals fertig wird.

Ein Besuch bei der Kräuterfrau

Mit Kräutern gärtnern, kochen, heilen, genießen, sinnen und ein bisschen zaubern, auch darum dreht es sich im Garten. Das „Haus vom Nikolaus“ ist gleich am Garteneingang aus Kräutern und unterschiedlichen Pfaden auf dem Grundriss des gleichnamigen Zeichenspiels einer jeden Kindheit gemalt. Hier versammeln sich die Lippenblütler Rosmarin, Salbei, Ysop und Lavendel als Stützen des Hauses und gleichsam auch des Lebens, um überall „den Durchblick zu behalten“. Dabei steht Rosmarin für Stärkung, Salbei für Heilung, Ysop für Reinigung und Lavendel für Beruhigung. Mut und Kraft spendet Thymian, dessen antibiotische Wirkung schon im Mittelalter bekannt war, als Krönung unter den Kräutern. Er ist daher auch erhöht im Mittelpunkt des Hauses zu finden. Geerdet ist das Haus über das starke Wurzelwerk der Pfefferminze. Das Dach des Hauses teilen sich zu gleichen Hälften Küchen- und Wildkräuter, hinter denen sich im Osten der Morgenhimmel mit weißen Glockenblumen auftut und im Westen der Abendhimmel mit orangen Ringelblumen schließt. In sommerlichen Kräuterführungen erzählt Traute Struve noch manch Schönes rund ums Kraut.

Im Zusammenspiel mit dem Landfrauenprojekt „60 Jahre 60 Pflanzen“ zur Wiederansiedlung heimischer Wildkraut-Arten wachsen im Garten viele bedrohte Pflanzen. Dazu gehören am Teich Schlüsselblume (Primula veris), Kuckuckslichtnelke, auch „Prinzessin im Lumpenkleid“ genannt (Lychnis flos-cuculi), Wiesenschaumkraut (Cardamine pratensis), weißer Stechapfel (Dathura stramonium), gewöhnlicher Natternkopf (Echium vulgare), Schwanenblume (Butomus umbellatus) und viele andere. Die Nickende Distel (Carduus nutans), Blume des Jahres 2009, steht dagegen mit anderen Wildkräutern am sandigen „Strand“ im Garten.

Durch eine große Lindenastgabel, die verkehrt herum im Boden wurzelt und neue Schosse treibt, gelangt man wie durch ein Tor ganz naheliegend in den Zaubergarten. Auch hier begleitet so manch duftendes Blatt die schmalen Pfade mit Sinnsprüchen von Goethe bis zu Paracelsus.

Schöne Flaschen verraten, jede mit einem einzelnen Buchstaben, den Namen dieses Gartenteils und lassen sich, wie bei einem Wortspiel, sicher auch zu neuen Wörtern arrangieren.

Zitronenduft und Feenzauber

Der Zitronengarten versammelt all solche Pflanzen, die in Duft, Geschmack und Farbe an die Zitrusfrüchte erinnern. Darunter sind viele Pflanzen mit essbarem Laub und Blüten, wie die von Zitronenthymian, Zitronenverbene, Zitronen-Johanniskraut oder Zitronen-Tagetes. Nachtkerzen, Duftgeranium, Staudensonnenblumen und gelbe Clematis ergänzen den ungewöhnlichen Zitronengarten, in dem keine einzige Zitrone wächst. Denn ohne Schutz und Treibhaus überdauern diese mediterranen Pflanzen nicht den Winter.

„Schwebende“ Pflanzen mit flirrenden Blüten sind dagegen im Elfengarten zu finden. Zwischen knorrigen Baumwurzeln und Efeu wachsen Christrose, Alpenveilchen, Herbstanemonen, weißer Storchenschnabel, Elfenblume und verwunschen feinblütige Astern.

Ein Kinderblick in den Garten

Nessi, ein kleiner blauer Drachen, blinzelt zwischen den blauen Blüten der Wasserminze hervor, und wer scharfe Augen hat, findet auch die Fledermaus, die selbst bei Tage unbeirrt durch das Geäst an der Fledermausbehausung schwirrt. Auch echte Fledermäuse gibt es im Garten, die ihren Unterschlupf jedoch im Haus gefunden haben. Die fantastischen Gartenbewohner und andere Neckereien im Garten werfen bei Kindern viele Fragen auf. Spielerisch öffnen sich die Tore zum Garten- und Naturverstehen. So zeigt sich der Weg vom Anbau verschiedener, auch alter Getreidearten wie Dinkel bis zum geschnittenen Brot.

In einem Naschgarten können verschiedene Früchte vom Strauch gekostet werden. Im „Vogelcafé“ dagegen stehen nur für fliegende Gäste Speis und Trank bereit. Schöne Klänge bereiten nicht nur diese fliegenden Gartenbewohner, sondern lassen sich an Klangobjekten auch selbst erzeugen. Durch diese Kinderfreundlichkeit ist der Altenjahner Garten für Kindergarten- und Schulausflüge, die auf Anfrage arrangiert werden können, sehr beliebt. Gepicknickt wird mit mitgebrachtem Frühstück in der Laube.

Adresse

Altenjahn 4
24594 Grauel
Telefon 04871-8103

Eigentümer: Traute Struve

Öffnungszeiten

täglich von Mai bis September
Eintritt:

€ 3

Besuchszeit: Mai bis September

Anreise

Icon Parken am Hof

Icon Eisenbahn Hohenwestedt (5 km)

Serviceinformationen

Icon WC   Icon Hund verboten  

Angebote

Führungen:

Kräuterführung 10. Mai, 10. Juni, 10. Juli, 10. August, 19 Uhr, €5/Person, weitere Termine nach Absprache

Veranstaltungen: Teilnahme am Tag des Offenen Gartens, www.offenergarten.de

Angebote für Kinder

Gastronomie

Icon  Cafe  Picknick im Garten

Weiterführende Informationen

Tourismusverein Naturpark Aukrug

 

Kontakt

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