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Route 8: Segeberg
Landpartie zu Gütern und Seen
Gutspark Borstel

Ein erster Überblick

Gutspark Borstel

Das Herrenhaus Borstel, heute ein Forschungszentrum für Medizin und Biowissenschaften, liegt eingebettet in einen waldreichen Landschaftspark. Friedrich von Buchwaldt (1697-1761), Geheimrat und nach der Überlieferung recht prunkliebend, ließ den aufwändigen barocken Bau zwischen 1743 und 1751 errichten. Ganz ungewöhnlich für Schleswig-Holstein zeigt das Backsteingebäude viele Rokokoelemente. Von der ehemaligen barocken Gartengestaltung zeugen noch die alten Linden, die den Ehrenhof rahmen und einige Alleereste. Die beiden kleineren Gebäude am Ehrenhof waren ehemals Stall- und Gesindehäuser des wohlhabenden Gutes. Beim Schlendern im Park entdeckt man auch Baumveteranen, die mit der landschaftlichen Umgestaltung des Gartens seit dem frühen 19. Jahrhundert gepflanzt wurden. Zu dieser Zeit war das Gut Borstel für seinen reichen Forstbestand und den Liebreiz der Landschaft weithin bekannt. Heute laden waldige Spazierwege und weite Wiesenflächen am Mühlenteich zu einem Besuch ein.

Vom Adelsgut zum Forschungszentrum

Schon seit mehreren Jahrhunderten besteht das Gut Borstel als ein Ensemble aus Herrenhaus, Gutsbetrieb und Garten, eng verbunden mit der umgebenden welligen Kulturlandschaft im Tal der Norderbeste. Es war lange in Besitz bekannter Adelsfamilien, wie der von Buchwaldts (15. Jhd.-1761), der Grafen von Bernstorff (1761-1797) und der Grafen von Baudissin (1838-1930), diente aber auch für einige Jahre als Kinderheim (1930) und als Führerinnenschule (1938). Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurden große Teile des Gutes als Flüchtlingsheim genutzt bevor 1947 das Forschungsinstitut für Tuberkulose und Lepra, heute Forschungszentrum Borstel, gegründet wurde.

Auf einer Inschrift über dem Eingang des schlossartigen Herrenhauses ist 1751 als Fertigstellungsjahr des Hauses vermerkt. Obwohl das Gebäude dem Barock zuzuordnen ist, gehören die feinen Fassadendekorationen der Hof- und Gartenseite, sowie die ursprüngliche Ausstattung der Innenräume bereits dem Rokoko an. Dieser Stil ist im ländlich geprägten Schleswig-Holstein verhältnismäßig selten anzutreffen. Das Gebäude ist nach umfangreicher Sanierung in neuerer Zeit heute Wissens- und Kommunikationszentrum des Forschungszentrums inmitten eines erholsamen, öffentlich zugänglichen Parks.

Auf den Spuren des barocken Gartens

Am Herrenhaus soll zur Zeit des Barock, um 1750, ein prunkvoller Barockgarten bestanden haben. Es wird vermutet, dass dieser in seiner Ausdehnung und Ausstattung selbst den zur gleichen Zeit hoch geschätzten Garten in Jersbek übertraf, dessen barockes Alleensystem noch heute eine der Hauptsehenswürdigkeiten auf der benachbarten Gartenroute Stormarn ist.

In Borstel sind von den einstigen barocken Gestaltungen jedoch nur noch wenige Spuren erkennbar, denen bei einem Parkspaziergang nachgespürt werden kann. Die erste Begegnung mit dem 18. Jahrhundert findet dabei schon an der Landstraße statt, die am Ehrenhof vorbeiführt. Die straßenbegleitende Lindenallee, deren Bäume aus der Zeit um 1770 stammen, war schon damals die Hauptzufahrt zum Gut und dementsprechend markant bepflanzt. Die rahmenden Linden am Ehrenhof wurden vermutlich mit dem Bau des heutigen Herrenhauses um 1750 gepflanzt. Unter den Bäumen blühen im Frühjahr Winterling, Gelbstern, Blaustern und Schneestolz, die als so genannte Stinzenpflanzen vielleicht auf die ehemalige gärtnerische Bepflanzung im barocken Garten hindeuten.

Hinter dem Herrenhaus erstreckte sich einst, an einer auf das Herrenhaus ausgerichteten Hauptachse, das barocke Parterre. Nur wenige alte Alleebäume umreißen hier noch die symmetrische Aufteilung des einst mit Wasserbecken, Fontänen, Figuren und Schmuckbeeten aufwändig gestalteten Gartens. So ist am südlichen Weg, der vom Haus in den bewaldeten Parkbereich am Mühlteich führt, noch ein großer Teil der einstigen südlichen Randallee des Parterres erhalten. Parallel dazu stehen im Norden im Abstand von rund 125 Metern noch fünf weitere Linden der einstigen nördlichen Randallee verstreut im Waldbestand. Senkrecht zu diesen Randalleen waren die vier Linden im Norden des Parks südlich des heutigen Pförtnerhauses ehemals Teil einer Allee an der Querwegeachse, die vom damaligen Nutzgartenquartier über ein Wasserbasin im Kreuzungspunkt mit der Hauptachse zu einem ovalen Aussichtspunkt am Ufer des Mühlenteichs, einem Stauteich der Norderbeste, führte.

Aufklärerische Ideen und eine bedeutende Land- und Forstwirtschaft

In der Zeit der Aufklärung um 1800 begann unter wechselnden Besitzern die langsame landschaftliche Umgestaltung des barocken Gartens. Später im 19. Jahrhundert wurde auch von mehreren Staffagebauten im Park berichtet, darunter mindestens fünf verschiedene Hütten, wie die Lindenhütte, die Heidhütte, die Fischerhütte, die Reethütte und die Borkhütte. All diese Bauwerke sind heute jedoch leider verschwunden.

Spätestens unter dem neuen Besitzer ab 1838, Joseph Graf von Baudissin (1797-1871), einem Beförderer der Gartenkunst, wurden im Park malerisch gestaffelte, artenreiche Gehölzgruppen angelegt. Davon sind noch heute stattliche Bäume und Baumgruppen erhalten, insbesondere Buchen und Eichen, aber auch Esskastanie, Spitzahorn, Bergahorn, Robinie, Silberpappel und einige Douglasien, Eiben, Fichten, Tannen und Kiefern. Einige davon sind als Naturdenkmale eingetragen.

Schon um 1770 verfolgte Caritas Emilie Gräfin von Bernstorff (1733-1820) aufklärerisch-philanthropische Ideen und bekannte Dichter und Denker der Zeit, wie Friedrich Gottlieb Klopstock (1724-1803) waren mehrfach auf dem Gut zu Besuch. Die Gräfin führte beispielsweise per Verfügung die Schulpflicht für alle Untertanen im Gutsbezirk Borstel ein.

Auch war das Gut Borstel für seine Forst- und Landwirtschaft weithin bekannt. Christian Detlev Friedrich Reventlow (1748-1827) hat dies 1796 in seinen Reiseberichten festgehalten. Darin preist er die „verbesserten Wiesen, die schönen Gänge in gepflanzten und gesäeten Eichen, Fichten, Fören und mehreren Holz Arten Anlagen und wie die Heide auf einer grossen Stecke durch Fören-Anlagen fast ganz ausgerottet war.“

Interessant sind auch seine Beschreibungen zum Bau von Erlenzäunen auf dem Gut: „Ich lernte eine Art sehr schöne lebendige Zäune von Ellern zu machen, die man auf beiden Seiten des Walles drey Reihen Ellern-Pathen einlegt, und dadurch sich eine undurchdringliche Befriedung verschaft, und einen angenehmen Spatziergang in der Mitte auf dem Rücken des Walles.“

Auch andere Reiseberichte des 19. Jahrhunderts erzählen von der bemerkenswerten Größe der Forstanlagen, vom Reichtum des Gutes und auch von der außergewöhnlichen Schönheit der Gegend. Tannen- und Eichenforste wurden erwähnt, genauso wie „wallende Saaten“. Die Forstpflanzen wurden in einer gutseigenen Baumschule angezogen, jährlich in großer Zahl in den Forsten gepflanzt und auch weiterverkauft und ausgetauscht. Auch bezog das Gut Bäume und Sämereien von den damals bekannten Forstbaumschulen im Pinneberger Raum, wie Heins, Pein und Helm’s Söhne. Einnahmen erzielte man außerdem über den Verkauf von Obst und Gemüse und in den 1870er Jahren gab es sogar eine Ananastreiberei, deren Einnahmen in den Gutsakten ausdrücklich vermerkt wurden.

Land- und Forstwirtschaft wird zwar heute am Gut nicht mehr betrieben, jedoch bleibt durch die Einbettung des Gutes in eine an Wäldern und Feldern reiche Hügellandschaft die Vergangenheit und ehemalige Nutzung weiterhin lebendig. Die in den nächsten Jahren angestrebte Restaurierung wird den Besuchern des Parks die Möglichkeit bieten, die sicher überaus spannende Auferstehung der Parkanlage mit zu verfolgen.

Der Herrenhausverein bemüht sich um diese Wiederherstellungen und ist für jede Spende dankbar.

Adresse

Parkallee 1-40
23845 Borstel
Telefon 04537 - 188201

Öffnungszeiten

Park ganzjährig frei zugänglich, Gebäude nicht öffentlich
Eintritt: kostenfrei

Anreise

Icon Parken am Forschungszentrum

Icon Bus Bhf Henstedt-Ulzburg / Bad Oldesloe & Bus 7141 „Borsteler Hof”, Bus 7550 ab U-Bhf Ochsenzoll „Abzweigung Borstel“

Serviceinformationen

Icon Hund erlaubt   Icon Rollstuhl (teilweise)

Angebote

Führungen: auf Anfrage, T 04537 – 188201
 

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