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Route 8: Segeberg
Landpartie zu Gütern und Seen
Gutsgarten Wensin

Ein erster Überblick

Gutsgarten Wensin Malerisch liegt das Gut Wensin mit seinem 1635-42 erbauten Herrenhaus am Nordufer des Wardersees. Der Gutsgarten ist eine Besonderheit in der schleswig-holsteinischen Gartengeschichte: Seit der Zeit des Barock werden die ein Wegekreuz bildenden Lindenalleen regelmäßig geschnitten und bei Bedarf nachgepflanzt. Blickpunkt einer der Alleen ist der „Apollon“, eine Sandsteinskulptur wie sie wohl einst in großer Zahl zur Gartenausstattung zählten. Lange Gartenmauern mit Spalierobst geben einen introvertierten Charakter und erinnern im Verbund mit der ehemaligen Orangerie, dem Gärtnerhaus und dem Bienenhaus daran, dass Gärten nicht nur Schönes, sondern auch Nützliches hervorbrachten. Schon seit dem 19. Jahrhundert werden im Barockgarten Obstbäume gezogen und von den Eigentümern heute regelmäßig um besondere Sorten ergänzt. Eine weitere Lindenallee führt durch einen landschaftlichen Gartenteil an den Wardersee. Diese ist zwar nicht zugänglich, doch bietet sich hier ein charmanter Blick auf die Gartenseite des Herrenhauses.

Ein Doppelgiebelhaus par excellence

Der Name Wensin leitet sich von den wendischen Siedlern in Ostholstein ab. Noch bis zum Beginn des 15. Jahrhunderts existierte das wendische Dorf „Wensien“, das zum umfangreichen Lehen der Adelsfamilie von Wensin zählte. 1421 ging das Lehen von der Familie Wensin an die Familie von Buchwaldt über. Nach einer Feuersbrunst 1625 war ein umfangreicher Wiederaufbau des Guts nötig. Diesen veranlasste der neue Besitzer, Joachim von Brockdorff, ein „der Cron Franckreich wollbestalter Obristen Leutennambtt“. Das neue Herrenhaus wurde 1642 fertig gestellt und ist daher eines der wenigen Baudenkmäler aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Waren bereits im 16. Jahrhundert Gebäude im verfeinerten Stil der Renaissance entstanden, beispielsweise die Schlösser in Ahrensburg und Husum, so war der Baustil des Wensiner Herrenhaus mehr der Vergangenheit zugewandt. Dafür wurde das so genannte Doppelhaus, ein im Spätmittelalter im Land weit verbreiteter Gebäudetyp, in geradezu perfektionierter Form errichtet. Zwei längs gerichtete Baukörper mit Satteldach wurden dabei unmittelbar nebeneinander errichtet. Stufengiebel zeigen die baulichen Wurzeln im Spätmittelalter. Eine Veränderung dieses architektonischen Musterbeispiels wurde mit der Ergänzung eines barocken Sandsteinportals vorgenommen, sonst zeigt es sich noch immer formvollendet.

Wassergraben, Wirtschaftshof und Wardersee

Ein Wassergraben erinnert daran, dass die Gutsbewohner früher nicht jedem Besucher den Zugang leicht machen wollten. Er grenzt im Süden und Osten unmittelbar an die Rückseite des Herrenhauses, die nur über eine kleine Brücke und ein Blumenrondell erreichbar ist. An dieser Seite befindet sich eine gründerzeitliche Veranda, von der aus die Hausherren einen herausragenden Blick über den Wardersee haben. Auf der Uferwiese gedeiht eine ca. 180-jährige Platane prächtig, die gern noch älter geschätzt wird. Dieser Gartenteil ist privat und kann nur im Rahmen von Führungen besichtigt werden. Auf der Hofseite des Herrenhauses liegt der repräsentative Eingang. Von hier aus kann das Geschehen zwischen Scheune und Kavaliershaus gut beobachtet werden. Ein Prachtexemplar einer Blutbuche schmückt das Rasenrondell. Der gesamte Wirtschaftshof ist von Wassergräben umschlossen, auch wenn diese weniger deutlich in Erscheinung treten als am Herrenhaus.

Durch eine schmale Pforte

Der Barockgarten liegt abseits des Herrenhauses gegenüber vom Neuen Speicher, der dem Harburger Speicherhaus der Kaufmannsfamilie Hastedt, die seit 1887 Wensin besitzt, nachempfunden wurde. Die Lage des Gartens abseits des Herrenhauses und ohne Inszenierung desselben deutet darauf hin, dass der Garten bereits in der Renaissance bestand, als introvertierte Nutz- und Ziergärten üblich waren.

Im Norden und Westen schützt eine hohe Mauer den Barockgarten gegen raue Winde und bietet als Wärmespeicher Pflanzplätze für empfindliche Kulturen. Zum Wardersee hin war der Garten wohl immer offen.

In der Westmauer, die so alt wie der Garten selbst ist, liegt der Hauptzugang zum Garten, eine zweiflüglige schmiedeeiserne Pforte. Mit ihren filigranen Spiralranken und floralen Elementen erscheint sie zart und schmal in der trutzigen Ziegelmauer. Auch sie stammt aus dem ersten Drittel des 18. Jahrhunderts und war lange Zeit dringend sanierungsbedürftig. Erst nach jahrelanger Suche fand sich vor einigen Jahren endlich ein Kunstschmied, der die Pforte mit entsprechendem handwerklichem Geschick behutsam erneuerte. An der Pforte kann man sich einem optischen Kniff hingeben: Die 2,90 Meter hohen Mauerpfeiler sind schiefwinklig zur Gartenmauer gestellt, weil die Längsachse des Barockgartens, für den Besucher kaum merklich, nicht rechtwinklig auf die Gartenmauer trifft. In die Westmauer ist auch die ehemalige Orangerie des Gartens eingebunden, die ihren Bewohnern heute als Wohnhaus ein außergewöhnliches Leben im Garten vergönnt.

Die Nordmauer scheint erst später gebaut worden zu sein. Hier befindet sich ein weiteres Nebengebäude, das als „Gärtnerhaus“ bezeichnet wird. Ein kleines, reetgedecktes Fachwerkgebäude steht frei im Garten. Es heißt, dass es sich dabei um ein Bienenhaus handelt und eventuell einmal als „Buttermilchhäuschen“ zur Meierei gleich außerhalb des Gartens gehörte. Blaue Wandbemalungen, die vor der Sanierung gefunden wurden, zeigen, dass das Häuschen auch schon als Gartenpavillon genossen wurde.

In strengem Raster: Die Lindenalleen

Der Barockgarten ist bis heute am Wegekreuz erkennbar, das von geschnittenen Linden nachgezeichnet ist. Den Kreuzungspunkt der Wegeachsen markiert ein Farnrondell, von dem Knöterich Besitz ergriffen hat. Wie andere Barockgärten im ländlichen Schleswig-Holstein auch war der Garten nicht nur Lustgarten, sondern diente auch wirtschaftlichen Zwecken. Schönes und Nützliches wurden gestalterisch eng verknüpft. Bis heute zeigt sich die Bedeutung des Gartens zur Versorgung der Gutsbewohner in den unterschiedlichsten Obstbäumen.

Die Linden des Gartens stammen erst aus dem 20. Jahrhundert. Allerdings gibt es keine Kenntnisse einer vollständigen Rodung und Neupflanzung. Man geht vielmehr davon aus, dass die abgängige Bäume ersetzt wurden und das Bild des geformten Gartens so über die Jahrhunderte immer erhalten geblieben ist. Mit Begeisterung pflegt die Familie Hastedt in dieser Tradition auch Austriebe von Stubben abgestorbener Linden und zieht sie mit viel Geduld zu neuen Kopfbäumen. Das ist gelebte Gartendenkmalpflege.

Adresse

Am Gutshof 1
23827 Wensin
Telefon 04559 - 1039

Eigentümer: Hanns-Christian und Barbara Hastedt

Öffnungszeiten

Mai - Sept  Mi 14 - 18 Uhr
Eintritt: kostenfrei

Anreise

Icon Parken am Speicher

Icon Bus 5521, 5522 "Wensin Hof"

Serviceinformationen

Icon Hund erlaubt   Icon Rollstuhl (teilweise)

Angebote

Führungen: nur für Gruppen nach Vereinbarung

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Gastronomie Golfclub Segeberg

 

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