Route 7: Stormarn
Zu Lindenpracht und Wassers Kraft
Villengarten Dobbertin

Ein erster Überblick

Villengarten Dobbertin

Hell leuchtet die Villa, die 1923 für den Kaufmann Carl Joachim Heinrich Dobbertin umgebaut wurde, durch das Laub der Zufahrtsallee. Zeitgleich mit dem Haus entstand auch der Garten, architektonisch gestaltet mit funktional-wohnlichen „Gartenzimmern“, die das Leben des Hauses im Freien widerspiegelten. So lagen vor repräsentativen Innenräumen ebensolche Außenräume – anspruchsvolle, geometrische Partien mit geschnittenen Gehölzen und Hochstammrosen vor Herrenzimmer, Wohnzimmer und Speisesaal. Der für Anlagen dieser Zeit typische Obstgarten ist, ehemals in engem Bezug zur Küche, mit alten Apfelbäumen und Beerenobst erhalten. Ein verwunschenes altes Gartenhaus, überwachsene Wege, Hecken aus Hainbuche, ein geschnittener Lindengang und ein mächtiger Rhododendron, der seine Stämme aus einem ehemaligen Rondell inzwischen weit hat streifen lassen, zeichnen die alten Gartenstrukturen nach. Ein Hügel mit Resten einer Treppe zeugt von einem ehemaligen Teepavillon.

Die Villenkolonien der Hamburger Vororte

Nachdem schon seit dem 18. Jahrhundert die vornehmen Elbvororte im Westen von Hamburg entstanden waren, entdeckten ab 1850 Hamburger Kaufleute und Industrielle auch die ländlichen Reize der Orte östlich von Hamburg. Durch die neue, 1846 eröffnete Bahnlinie von Hamburg nach Berlin waren diese nun, vor den Toren der Stadt im Grünen gelegen, gut angebunden. So entwickelten sich auch hier Villenkolonien, wie beispielsweise die Kolonie Sachsenwald-Hofriede in Aumühle und die Villensiedlungen in Wohltorf und Reinbek.Ein erster Villenbau als Vorgänger des heutigen Gebäudes in der Goethestraße im Norden Reinbeks wurde vermutlich schon 1904 im Stil des Historismus errichtet und ist noch im Kern der heutigen Villa zu finden.Im Mai 1922 erwarb dann der im Eisenhandel tätige Carl Joachim Heinrich Dobbertin das Gebäude und ließ die Villa der Jahrhundertwende in seiner Grundfläche mehr als verdoppeln und im Art Deco Stil der 1920er Jahre gestalten. Die klassisch anmutende Fassade wurde mit raffinierten Details ausgestattet und die Innenräume mit geometrischen Farb- und Formkombinationen ausstaffiert, wie sie in Norddeutschland sonst kaum bekannt sind.

Ein Garten der Gartenkunstreform

Zur Anlage eines passenden Gartens arrondierte Dobbertin mehrere Grundstücke. Es entstand ein typischer Garten der damaligen Zeit mit geometrischer Flächeneinteilung zur Erholung und zum ungezwungenen Aufenthalt im Freien. Dazu gliederte die Gestaltung den Garten in verschiedene funktionale grüne Räume. Wer die Planungen ausführte, konnte bisher nicht geklärt werden. Das Haus planten jedoch die Architekten Hermann Distel und August Grubitz aus Hamburg.

Eine herrschaftliche überdachte Vorfahrt am Eingang des Hauses ermöglichte auch bei Regen den trockenen Zugang zum Haus, ein architektonisches Element, welches sich schon in früheren Jahrhunderten an Herrenhäusern fand. Eine Lindenreihe begleitet diese Zufahrt von der Goethestraße aus.

Entsprechend den Prinzipien der Gartenkunstreform war der Garten architektonisch und leicht terrassiert mit Sitzbereichen, einem gradlinigen Wegenetz, Hecken und einem Laubengang gestaltet. Dabei setzte sich die Funktion der Räume des Hauses in den Garten fort. Ein repräsentatives Rasenrechteck, gesäumt von niedrigen Buchshecken mit Hochstammrosen und kugel- und kegelförmig geschnittenen Gehölzen, befand sich einst vor den Repräsentationszimmern des Hauses und setze geometrische Akzente. An der Ostseite des Hauses zeugt noch heute eine Terrassenanlage mit zahlreichen inzwischen sehr mächtig gewordenen Rhododendren, Eiben und anderen Ziergehölzen der Entstehungszeit vom gärtnerischen Schmuck der 1920er Jahre.

Eine gerade Wegeachse führt von Süden nach Norden, heute verwunschen, zu weiteren Relikten der ehemaligen Ausstattung. Von Hecken gesäumt, weitet sich der Weg zu einem Rondell. Von diesem zweigt eine querverlaufende Wegeachse ab, deren westlicher Arm mit einem Laubengang aus Linden begleitet, entlang der Obstbaumquartiere in Richtung Haus führt. Weiter des Weges trifft man an einem zweiten Rondell auf einen mächtigen Rhododendron, der über seine alte Beeteinfassung hinausgewachsen, die alte Wegeführung verschwimmen lässt. Nahe dem Reuterweg im Norden deutet ein Hügel mit Fundament- und Treppenresten auf einen ehemaligen lauschig gelegenen Teepavillon hin. Ein weiteres kleines Gartenhaus steht heute noch strauchumkränzt nahe einer Rasenfläche am Haus.

Ehemals gab es im Garten sogar einen Tennisplatz für das in den 1920er Jahren beliebte Spiel. Ein schmaler bewaldeter Streifen an der Schillerstraße könnte schon um 1923 Teil der Anlage gewesen sein oder hat sich vielleicht auch erst in der Folgezeit entwickelt.

1958 wurde das Grundstück an die Stadt Hamburg verkauft, die hier eine Jugendbildungsstätte einrichtete und 1967 im Norden einen Saalanbau zugefügte. Noch bis vor wenigen Jahren führte das Haus unter dem Namen „Victor-Gollancz-Haus“ diese Funktion aus und wurde 2004 schließlich wieder in Privatbesitz verkauft. Trotz der zwischenzeitlichen öffentlichen Nutzungen ist das Anwesen, dank einer engagierten Leitung, ein in Schleswig-Holstein und Hamburg seltenes und künstlerisch qualitätvolles Beispiel eines in seiner Gliederung so vollständig erhaltenen Privatgartens der 1920er Jahre.

Obstgärten zur Selbstversorgung

Auch ein großer Obst- und Gemüsegarten gehörte damals wie heute zum Anwesen. Dass dieser Nutzgarten in seiner grundlegenden Form erhalten blieb, ist ein seltener Glücksfall, denn oft wurden diese für Anlagen der 1920er Jahre typischen Gartenteile in späterer Zeit von den Gartengrundstücken abgeteilt und bebaut oder aufgeforstet. An der Villa Dobbertin wurde nur ein kleiner Streifen des ehemaligen Nutzgartens hinter der Remise in den 1960er Jahren mit einem Wohnhaus bebaut.

Dem funktionalen Anspruch entsprechend, lag der Gemüse- und Obstgarten mit einem Gärtnerhaus nahe der Küche im Norden hinter dem Landhaus. Das ehemalige Gärtnerhaus und ein Glashaus befanden sich da, wo heute der Parkplatz liegt. Aus den Notzeiten von Krieg und Inflation heraus erwachsen, dienten Nutzgärten auch in herrschaftlichen Gärten dem Zweck der Selbstversorgung. Gleichzeitig schön sind und waren dabei die Blüte der Obstbäume im Frühjahr und die leuchtend roten Äpfel im Herbst.

Adresse

Goetheallee 3
21465 Reinbek

Öffnungszeiten

in Teilbereichen frei zugänglich, Zugang von der Schillerstraße, Villa und hausnaher Garten privat
Eintritt: kostenfrei

Anreise

Icon Parken straßenbegleitend in der Goetheallee und Schillerstraße

Icon Eisenbahn Reinbek

Icon Bus 236 „Görlitzer Weg“ & „Schützenstraße“

Serviceinformationen

Icon Hund verboten   Icon Rollstuhl (teilweise)

Gastronomie

Icon  Cafe  Hannemann's Mühle

Gärtnereien & Läden

Gärtnereien: Dahlienzucht Wagschal

Weiterführende Informationen

Bürgerbüro im Rathaus Reinbek

 

Kontakt

Die nächsten Veranstaltungen