Route 7: Stormarn
Zu Lindenpracht und Wassers Kraft
Schloßpark Ahrensburg

Ein erster Überblick

Schloßpark Ahrensburg

Die von Linden begleitete barocke Achse führt von der Stadt bis zur Schloßinsel. Sie wurde 1759–1764 vom Hamburger Kaufmann und späteren dänischen Schatzmeister und Lehnsgrafen Heinrich Carl Schimmelmann (1724–1782) als Teil einer geplanten Stadtentwicklung angelegt. Dabei bezog er auch die Kirche mit ihren Gottesbuden ein, die wie das als Schloß Ahrensburg (ca. 1575–95) bekannte prunkvolle Herrenhaus der Renaissance bereits unter der Familie Rantzau entstanden waren. Schimmelmanns Planungen umfassten auch die Gärten am Schloß, die er mit Lusthäuschen, Broderien, Orangen- und Lorbeerbäumen gestalten ließ. Davon sind noch zwei Sandsteinlöwen vom Bildhauer Ludwig von Lücke (1703–1780) an der Schloßbrücke zu finden. Der heutige Landschaftspark umspielt mit Wiesen, Gräben, Mühlenteich und schönen Baumgruppen das leuchtend weiße Schloß und ersetzte die barocken Gärten im 19. Jahrhundert. Im zeitigen Frühjahr betupfen Tausende von Krokussen farbenfroh die weiten Schloßwiesen.

Das Herrenhaus entsteht

Bereits seit dem Mittelalter hatte es drei km südlich des heutigen Schloßes Ahrensburg einen Vogteisitz gegeben, die Burg Arnesvelde. Reste dieser alten Burganlage mit ihren ungewöhnlich großen Wallanlagen sind heute noch erhalten. Das so genannte Schloß Ahrensburg aber wurde zwischen 1575 und 1595 für Peter Rantzau (1535–1602), den Gesandten des dänischen Königs als prunkvolles Herrenhaus fertiggestellt. Umflossen von Wassergräben und dem aufgestauten Mühlenteich liegt der schmucke Renaissancebau als Dreihausbau damals wie heute eingebettet im Tal der Aue/Hunnau. Zum adeligen Gut gehörten auch mehrere Wirtschaftsgebäude von denen die heute private Wassermühle und der Marstall sowie die Bagatelle, eine ehemalige Hofstelle, erhalten sind.

Der Lust- und Küchengarten der Rantzaus befand sich zu dieser Zeit nicht auf der Schloßinsel, sondern am gegenüberliegenden östlichen Hang, dort wo heute der Marstall steht, und umgab dort das sogenannte Vorwerk mit Viehhaus und Scheune.

Die Schimmelmann‘sche Prachtentfaltung

Das adelige Gut blieb bis ins 18. Jahrhundert im Besitz der Rantzaus. Der wirtschaftliche Niedergang des Grafen Christian Rantzau führte 1759 jedoch zum Verkauf an Heinrich Carl Schimmelmann (1724–1782). Von diesem Zeitpunkt an kam es zu einer grundlegenden Umgestaltung der Schloßinsel. Auch das Herrenhaus wurde neu ausgestattet und das Dorf Woldenhorn im Sinne einer geplanten barocken Stadt residenzartig neu erbaut.

Beeindruckend umgesetzt wurde die Verbindung zur neuen Residenz Woldenhorn, der heutigen Stadt Ahrensburg, die als streng symmetrische barocke Achse von der Schloßkirche bis zum so genannten Rondeel führte, welches heute in Mitten der Stadt liegt. Die Kirche thronte dabei am Beginn der langen Allee mit Plätzen und begleitenden Wasserbecken. Entlang der Achse reihte sich auch die gesellschaftliche Ordnung Woldenhorns, von den Kavaliershäusern der Gutsbeamten am Marktplatz vor der Kirche über die Domizile der Kaufleute bis zu den Häusern der Bauern an der angerartig erweiterten Großen Straße, die im Rondeel mündete. Von dort strahlten drei lange Alleen bis zum Lustwald Hagen, nach Manhagen und nach Hamburg aus, was in den Straßennamen verewigt ist. Die Gestaltung entsprach den barocken Vorstellungen, die danach strebten, die Machtbündelung des Gutsherrn und seinen ins Umland strahlenden Einfluss auch gestalterisch zum Ausdruck zu bringen.

Neben dieser Allee wurde auch die alleegerahmte Schloßinsel zu drei Seiten des Herrenhauses als vergleichsweise kleiner aber dennoch prunkvoller Garten mit Lusthäuschen, Broderien, Orangen- und Lorbeerbäumen gestaltet. Dieser war vom Schimmelmannschen Hausarchitekten Carl Gottlob Horn entworfen worden. Schimmelmann hatte für den Garten zwar noch weitaus prachtvollere Pläne, diese kamen jedoch nicht zur Umsetzung. Jedoch zeichnen überlieferte Pläne, vermutlich von Georg Greggenhofer und Carl Gottlob Horn aus dem 18. Jahrhundert ein Bild der Überlegungen.

Zwei Gartenvasen und das schmiedeeiserne Gitter vor dem Gartenportal stammen noch aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Die beiden Sandsteinlöwen (1765) empfingen schon Christian VII von Dänemark an der Schloßbrücke, als dieser 1768 Ahrensburg erstmalig besuchte und Schimmelmann zu seinem Schatzmeister ernannte. Aus diesem Anlass fanden eine Illumination der Gartenanlagen und ein großes Feuerwerk statt. Auch bei anderen Gelegenheiten wie bei der Hochzeit der Schimmelmann-Kinder gab es große Gartenspektakel und Lustfahrzeuge mit Sonnensegeln sorgten auf dem Schloßteich für die Unterhaltung der Gäste und für den genussvollen Anblick des Schloßes vom Wasser aus.

Wo sich heute ein landschaftlicher Park auf der Insel erstreckt, befand sich noch bis in das 19. Jahrhundert hinein der Wirtschaftshof. Auch legte Schimmelmann Wert auf die Anlage schöner Promenaden in alle Richtungen der freien Landschaft.

Über die Töchter Schimmelmanns Caroline, verheiratet mit dem Grafen Heinrich Friedrich von Baudissin und Julia, verheiratet mit Graf Friedrich von Reventlow, zogen sich geistige Verbindungen zum Gut Knoop und nach Emkendorf nahe Kiel.

Der Landschaftspark des 19. Jahrhunderts

Nachdem Schimmelmann 1778 nach Wandsbek in das neu erbaute Herrenhaus gezogen war, verflog der einstige Glanz Ahrensburgs. Interessanterweise finden sich heute noch auf dem Marktplatz von Wandsbek zwei Löwen, die den sandsteinernen Brückenwächtern in Ahrensburg gleichen und sich einst in Wandsbek an Schimmelmanns dortigem Herrenhaus befanden. Schimmelmann hatte ein Faible für die steinernen Katzen.

Zwar entstand unter seinem Sohn Friedrich Joseph schon ein „Englischer Garten“ nördlich der Schloßinsel, aber erst dessen Enkel Graf Ernst Schimmelmann (1820–1885) ließ 1868–70 auch die gesamte Schloßinsel durch den Gartenarchitekten J.H. Ohlendorff landschaftlich und mit seltenen Bäumen, wie einer heute erhaltenen Schlitzblättrigen Buche, umgestalten. Auch alte Buchen, Ahorn, Kastanien, Eichen und Eschen sowie Eiben, Scheinzypressen und Schwarzkiefern sind noch im Park zu finden. Das Gelände wurde abwechslungsreich modelliert und ein kleiner Rundweg angelegt, der durch die neu geschaffenen Partien führte.

Ohlendorff hatte im Hannoveraner Georgengarten und bei dem bekannten Gartenkünstler Friedrich Ludwig von Sckell (1750–1823) sein Handwerk gelernt. Bis 1844 war er erster Garteninspektor des Botanischen Gartens in Hamburg, bevor er sich dann mit einer bald renommierten Baumschule und Handelsgärtnerei selbständig machte.

Ein Pleasureground mit Blumenbeeten ersetzte auf der Südseite des Herrenhauses die barocke Anlage. Hier malten im 19. Jahrhundert Frühlingsblüher, Sommerblumen und Kübelpflanzen ein farbenfrohes Blütenbild. Zwar ist diese blühende Pracht verschwunden, aber dafür legen im Frühjahr die Krokusse eine bunte Decke über die Rasenflächen.

Der Marstall wurde 1845 neben dem Gelände des alten Lust- und Küchengartens errichtet. Einen Nutzgarten gab es hier unter den Schimmelmanns bis in das frühe 20. Jahrhundert, wo man in Gewächshäusern Wein, Spalierobst und Ananas zog. Diese Früchte lassen sich heute nur noch in Form von Kuchen und Getränken im schönen Ambiente des Marstalls genießen.

1932 musste sich die Familie Schimmelmann aus wirtschaftlichen Gründen von Ahrensburg trennen, und der ehemalige Verein Schloss Ahrensburg e.V. richtete im Schloß ein Museum ein. Das heutige Museum der schleswig-holsteinischen Adelskultur befindet sich in der Obhut einer Stiftung und zeigt im Schloß eine umfangreiche Mobiliar-, Porzellan- und Gemäldesammlung als Zeugnis adeliger Wohnkultur.

Mitte der 1980er Jahre wurde der zwischenzeitlich verfüllte Hausgraben mit Brücke wiederhergestellt. Im Zuge der Stadtentwicklung ist geplant, auch die markante barocke Raumabfolge wieder deutlich herauszuarbeiten und neu zu interpretieren und die einzelnen Epochen der Gartenentwicklung angemessen zusammenzuführen und zu verdeutlichen.

Die Kirche mit den Gottesbuden

Gleichzeitig mit dem Schloß entstand auch die Schloßkirche (1594–96) mit sterngewölbter Decke als Grabkirche der Rantzaus und die zwei Reihen mit ehemals 24 Gottesbuden, die den Kirchhof rahmen. Ursprünglich waren die zwei Reihen durch hohe Mauern miteinander verbunden. Die Gottesbuden waren als soziales Werk für alte und invalide Gutsangehörige mit einer Stiftung zur Versorgung der Bewohner versehen. Im Gegenzuge waren die sogenannten „Prövener“, die Bewohner der Gottesbuden, verpflichtet, durch Gartendienste ihre „Pröve“, also die Gabe aus der milden Stiftung zu verdienen. Noch 1856 erhielt der Gärtner Petersen auf diese Weise neben freier Kost und Logis auch „auf herrschaftliche Rechnung […] die Wäsche und seinen [..] Brandwein und Toback“.

Die Miete für die Gottesbuden liegt noch heute in der Höhe, wie sie Peter Rantzau im späten 16. Jahrhundert festgesetzt hat, nämlich bei einem halben Taler (ca. 0,75 €) monatlich. Die Gottesbuden auf der schattigen Nordseite werden von der Kirchengemeinde sogar kostenlos zur Verfügung gestellt.

Die Kirche war vom alten Friedhof umgeben und noch heute befinden sich hier Gräber der Grafenfamilie Schimmelmann und der mit den Schimmelmanns verschwägerten Familie von Lützerode. Weiterhin erinnert ein Obelisk an den Grafen Criminil. Er war durch die Französische Revolution nach Ahrensburg verschlagen worden und hatte hier Caroline Schimmelmann, die Enkelin des Schatzmeisters geheiratet.

Durch ein Gedicht von Detlev von Liliencron, welches sich um nicht eingehaltene Eheversprechungen rankt, wurde ein Grab, das Grab von „Emilie und ihrer Mutter“ literarisch bekannt.

1883 reichte die Größe des Friedhofs nicht mehr aus, obwohl er schon einmal, 1823, nach Osten erweitert worden war. Seither wurde der Friedhof an der Kirche nur noch für einige wenige Begräbnisse zugelassen. So entstand der neue Friedhof an der Hamburger Straße, der 1883 eingeweiht wurde.

Adresse

Lübecker Straße 1
22926 Ahrensburg
Telefon 04102-42510

Eigentümer: Stiftung Schloß Ahrensburg

Öffnungszeiten

Park ganzjährig frei zugänglich, Schloß & innerer Schloßgarten: März-Okt. Di-Do, Sa, So 11-17 Uhr, Nov.- Febr. Mi, Sa, So 11-17 Uhr
Eintritt: Park kostenfrei, Schloß 4 EUR, Kinder 2 EUR

Anreise

Icon Parken Marstall

Icon Eisenbahn Ahrensburg

Serviceinformationen

Icon Hund erlaubt   Icon Rollstuhl (teilweise)

Angebote

Führungen: Führungen, auch fremdsprachige (engl., dän., franz.), für Gruppen nach Anmeldung, T 04102-42510, kostenloser Audioguide (dtsch.) zum Schloß
Veranstaltungen: regelmäßige Veranstaltungen, wie Festspiele, Gartenfeste, die jährliche „Living and Garden“, Open-Air Konzerte und Kino, Detektivspiel für Erwachsene.

Angebote für Kinder

Gastronomie

Icon  Cafe  Bistro Remise
Hotel am Schloss Ahrensburg
ParkHotel Ahrensburg
Hotel am Schloss Ahrensburg

Veranstaltungsorte

Festsäle: Schloß Ahrensburg: Gewölbekeller, Foyer, Bibliothek, Salon Louis Seize, Park und Schloßbrücke
Standesämter: Schloß Ahrensburg: Bibliotheksraum, Gartensaal & Salon Louis Seize
Kulturstätten: Schloß Ahrensburg
Schloßkirche Ahrensburg

Gärtnereien & Läden

Gärtnereien: Bellandris Pflanzenforum
Erdbeerhof Glantz
Gärtnerei Piepereit
Landgärtnerei Beier
Sengana Erdbeerhof H. Unger KG
Läden: Museumsshop Schloß Ahrensburg

Freundeskreise und Fördervereine

Freundeskreis Schloss Ahrensburg e.V.
Förderverein Kulturzentrum Marstall e.V.

Weiterführende Informationen

Stadt Ahrensburg, Fachdienst Öffentlichkeitsarbeit

 

Kontakt

Die nächsten Veranstaltungen