Route 7: Stormarn
Zu Lindenpracht und Wassers Kraft
Schloß Reinbek

Ein erster Überblick

Schloßpark Reinbek

Als eine Nebenresidenz des Herzogs Adolf und seiner Gemahlin Christine war das Schloß Reinbek (1572–1576) günstig gelegen an der südlichen Grenze des herzoglichen Herrschaftsbereichs entstanden. Seit 1578 schmückten Lust- und Nutzgärten im Stil der Renaissance mit Bogengängen, duftendem Lavendel, Salbei und Thymian und bald auch mit kostbaren Zwiebelpflanzen wie Tulpen, Lilien und Kaiserkronen das Schloß. Im Norden hinter dem Nutzgarten mit edlem Obst gingen die Gärten in die noch heute als Park erhaltene Wildkoppel mit ihren Fischteichen über. Ab 1721 kam es zu Veränderungen, die sich zunehmend einschneidender bis ins 20. Jahrhundert fortsetzten. Der Park wurde daher 1985 neu gestaltet. Im „Englischen Garten“ schmiegen sich nun alte Bäume in das schön modellierte Ufer des Mühlenteichs und rahmen Blicke auf die Schloßfassade. Eine alte Lindenallee markiert die Grenze des ehemaligen Lustgartens und im Anschluss daran greift ein zarter Wasserlauf das Thema der Fischteiche der alten Wildkoppel auf.

Der alte Mühlenteich des Klosters

Bevor das Schloß Reinbek erbaut wurde, hatte es ganz in der Nähe ein Zisterzienserinnenkloster gegeben, das aber bereits 1534 verwüstet wurde. Schon zu dieser Zeit wurde die Bille zum Mühlenteich angestaut. Das Gewässer war also nicht zum Schutz des Schloßes gedacht, sondern diente schon zur Zeit des Klosters zum Betrieb von Mühlen. Unter den Mühlen war auch eine Kornmühle, deren Gebäude später von den Elektrizitätswerken genutzt wurde und heute ein Bürogebäude ist. Ehemals gab es auch noch eine Säge- und Brettmühle und spätere Lohmühle sowie eine Walkmühle, die aber bereits 1815 abgerissen wurden. Rauschend stürzt jedoch noch heute das Wasser des Teiches über die Staustufe. Auch eine alte einbogige Granitquaderbrücke von 1793 führt nahe am Museum Rade über einen Altarm der Bille.

Der Schloßgarten der Renaissance

Ein großer und ein kleiner Lustgarten sowie Nutzgärten mit weißdornumrankten Bogengängen und einer Einfassung aus Plankwerk schmückten zur Zeit der Renaissance das neu erbaute Schloß. Auf dessen Südseite lag der Garten, der in seiner abgeschlossenen Form fast noch an einen mittelalterlichen Hortus conclusus erinnerte.

Der große Lustgarten, im Stil wie die gesamte Anlage niederländisch beeinflusst, bestand aus gleich großen quadratischen Quartieren umgrenzt von Bogengängen (sogenannten Berceaux), die mit Weißdorn, Hainbuchen, Rosen und Johannisbeersträuchern bepflanzt waren. Seit 1586 gab es auch ein Gartenhaus mit Laubengang aus rot gestrichenem Treillagewerk mit vergoldeten Kugelknöpfen.

Duftende Kräuter wie Lavendel, Salbei und Thymian, Rosmarin, Ysop und Weinraute wurden als Randeinfassung und zur Nachzeichnung und Bepflanzung der in den Beeten verwendeten stern-, kreis- und kreuzförmigen Ornamente benutzt. Die zur Zierde im Garten verwendeten Pflanzen hatten aber auch noch einen ganz praktischen Nutzen. In einem ehemals in Reinbek vorhandenen Destillierofen wurden sie zu Riechstoffen und Tinkturen zur arzneilichen und sonstigen Verwendung verarbeitet.

Der Küchen- und Kohlgarten im Norden des Lustgartens, aus dem der Hof Obst und Gemüse bezog, war durch Laubengänge abgetrennt. Hier wurden Gewürz- und Arzneikräuter und ausgefallene Gemüse wie Artischocken, Melonen und Augurken (Schlangengurken) sowie Hopfen zum Bierbrauen und edle Obstsorten gezogen, darunter neben Äpfeln, Birnen, Kirschen, Pflaumen und Quitten auch Pfirsiche, Maulbeeren und Aprikosen. Dieser Küchen- und Kohlgarten ist heute verschwunden, aber Teile des Geländes gehören noch zum landschaftlichen Park.

Färberpflanzen waren sowohl zum Färben von Tuch als auch von Speisen und in der Zuckerbäckerei sehr beliebt und waren daher ebenfalls im Nutzgarten zu finden. Die anschließende Wildkoppel bereicherte die Tafel mit Fisch und Wild.

Ab dem 17. Jahrhundert zogen vermehrt Zwiebelgewächse in die Gärten ein. Diese kamen zu dieser Zeit in Mode, wie auch der Gottorfer Codex, ein großartiges zwischen 1649 und 1659 geschaffenes botanisches Prachtwerk, verdeutlicht. Darin sind viele Narzissen, Hyazinthen, Tulpen, Gladiolen, Lilien, Scilla und Krokus in unterschiedlichsten Sorten abgebildet (s. Route Schleswig, Neuwerkgarten am Schloß Gottorf). In Reinbek sind unter anderem Tulpen, weiße Lilien und Kaiserkronen im 17. Jahrhundert nachweisbar.

Aber auch Sommerblumen wie Nelken, Sonnenblumen, Lupinen, gelbe Violen, Maiblumen und Römische Kamille bereicherten den Garten, der mit Löwenskulpturen, einer Sonnenuhr und hölzernen Pyramiden geschmückt war. Dabei wurden später auch die fürstlichen Wappen aus Blumen in die Quartiere gepflanzt.

Die Gärten, wie für die Renaissance üblich, nahmen wenig Bezug auf das Haus, lagen vielmehr als eigenständige Oasen mit ihren blumengeschmückten quadratischen Quartieren und einem Lust- und Badehaus dahinter, waren in sich gekehrt und abgeschlossen. Sie erstreckten sich bis zum Ufer der zum Mühlteich aufgestauten Bille.

Das Wasch- und Badehaus wurde um 1606/07 vermutlich nahe dem Mühlenteich gebaut und wurde über ein Brunnenhaus und Rohrleitungen mit Wasser versorgt. Vielleicht kam dieses Wasser, wie das im Nutzgarten verwendete, über einen Kanal von den Fischteichen der Wildkoppel. Badehäuser, die bald auch Lusthäuser genannt wurden, dienten nicht nur der Reinlichkeit sondern auch dem Vergnügen und entstanden aus dem Bedürfnis, den mangelnden hygienischen Verhältnissen der Renaissance zu entfliehen. Die Wassergräben der Wasserschlösser entwickelten sich damals im Sommer nämlich meist zu stinkenden versumpften Kloaken. Neben dem Wasser half gegen diese Widrigkeiten auch der Duft der Kräuter, der in den Gärten die Nase umschmeichelte.

An lauschigen Wasserplätzen und unter mächtigen Bäumen

Im 18. Jahrhundert wurden die Gärten weitgehend barock ausgeschmückt, rückten jetzt aber das Schloß mehr in den Mittelpunkt. Im darauffolgenden Jahrhundert trennte die neue Eisenbahnlinie die Wildkoppel vom Schloßgarten ab, und der landschaftliche Geschmack in der Gartenkunst brachte neue, auch fremdländische Gehölze in den Park.

Nachdem Holstein 1867 preußisch geworden war, wurde das Schloß 1874 an einen Hotelier verkauft und schließlich 1919 an Freiin von Patow, die hier ein Erholungsheim einrichtete und den Garten nach den Vorstellungen der Zeit funktional mit Spielfeldern, Nutzgarten und Gesellschaftsrasen umgestalten ließ.

Nach weiteren einschneidenden Veränderungen im 20. Jahrhundert und dem Übergang des Ensembles in öffentlichen Besitz, fasste man nach der Sanierung des Schloßes 1985 den Entschluss, den Park neu nach den Plänen des Landschaftsarchitekten Hinnerk Wehberg zu gestalten. Für eine Rekonstruktion des Renaissancegartens war die originale Substanz und Gestaltung des Gartens zu sehr durch spätere Entwicklungen verändert worden. Erhalten blieben jedoch all diejenigen historischen Elemente, die einen Hauch der Geschichte vermitteln. So finden sich unter den alten Linden am Ufer des Mühlenteichs lauschige Plätze am Wasser. Diese umspielen auch den Blick über das Wasser auf die Schloßfassade, der sich vom Wanderweg am gegenüber liegenden Ufer des Mühlteichs eröffnet.

Eine alte Lindenallee von 1840 markiert noch die Grenze des ehemaligen Lustgartens. Hier wird der alte Renaissancegarten mit einem mit Gold- und Blauregen berankten Pergolengang und einem Wegekreuz andeutet. Die alten Bäume dieses Gartenteils, darunter eine Blutbuche (Fagus sylvatica var. purpurea), eine Douglasie (Pseudotsuga menziesii) und ein Riesen-Lebensbaum (Thuja plicata), stammen aus späteren Jahrhunderten.

Im Anschluss daran, im ehemaligen Nutzgarten, greift ein zarter Wasserlauf das Thema der Fischteiche der alten Wildkoppel und der einst von dort in den Mühlenteich fließenden „Rönne“ auf. Über eine weite Wiese fließend, mündet er plätschernd in einem fächerförmigen modernen Wasserbecken am Schloß. Im Schloß und Schloßpark selbst finden heute unterschiedlichste Veranstaltungen, wie Kunstausstellungen oder auch Trauungen statt.

Adresse

Schloßstraße 5
21465 Reinbek

Öffnungszeiten

Park ganzjährig frei zugänglich bis Anbruch der Dunkelheit,
Schloß Mi-So 10-17 Uhr

Eintritt:

Eintritt Schloss 3 €,
Park kostenfrei

Anreise

Icon Parken

Icon Eisenbahn Reinbek

Serviceinformationen

Icon WC   Icon Hund erlaubt   Icon Rollstuhl (teilweise)

Angebote

Führungen:

im Schloß für Gruppen nach Voranmeldung T 040 727 346 -11 und -13

Veranstaltungen: Im Schloß findet ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm statt, gelegentliche Kunstausstellungen, Konzerte und Brunchveranstaltungen im Schloßpark.

Angebote für Kinder

Gastronomie

Icon  Cafe  Restaurant im Schloß Reinbek

Veranstaltungsorte

Festsäle: Schloß Reinbek
Standesämter: Schloß Reinbek: Schloßpark & Gottorfzimmer
Kulturstätten: Schloß Reinbek

Gärtnereien & Läden

Gärtnereien: Dahlienzucht Wagschal

Freundeskreise und Fördervereine

Freunde des Schloßes Reinbek e.V.

Weiterführende Informationen

Bürgerbüro im Rathaus Reinbek

 

Kontakt

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