Route 7: Stormarn
Zu Lindenpracht und Wassers Kraft
Mühlen & Wasserläufe Bad Oldesloe

Ein erster Überblick

Mühlen und Wasserläufe Bad Oldesloe Alte Wassermühlen sind im Kreis Stormarn häufig anzutreffen. In der Stadt Bad Oldesloe gab es davon dereinst gleich drei an den Flüssen Beste und Trave, die den Altstadtkern umfließen und wasserreich prägen. Durch lauschige Gassen und über Bogenbrücken gelangt man zu den Relikten dieser alten Mühlenkultur. Zwei Mühlengebäude, eine davon heute eine Weinstube, sind davon noch zu entdecken. An der Mühlenstraße, gleich unterhalb des Kirchberges plätschert das Mühlrad der ehemaligen Kornwassermühle. Weiter, vorbei an gemütlichen Häusern und schönen Gärten in der Heiligengeiststraße, führt die Trave zum alten Gebäude der Gloriamühle am Pferdemarkt, die zunächst eine Loh- und später dann eine Getreidemühle war. Die Mühlräder stehen hier jedoch inzwischen still. Eine neue Brücke überspannt den hier breiten Travearm an der Sohlgleite, und immer am Ufer entlang führt der Weg rund um die Altstadt wieder zur alten Kornwassermühle.

Die „Beste Trave Stadt“

Günstig gelegen an den drei Flüssen Trave, Beste und Barnitz, war Bad Oldesloe schon im Mittelalter und bis in die Neuzeit ein wichtiger Handelsumschlagplatz. Gleich hinter dem Lüb‘schen Haus, dem so genannten Blauen Haus befand sich der ehemalige „Hude-Hafen“ am Heiligen Geist-Quartier. Bis hierher war die Trave früher schiffbar.

Die Wasserkraft der Flüsse ermöglichte auch die Ansiedlung von Wassermühlen, die früher die Energie nicht nur zum Mahlen von Korn sondern auch für die unterschiedlichsten Gewerbe und Arbeitsprozesse lieferten. In Bad Oldesloe gab es ehemals gleich drei Mühlen, nämlich eine Getreidemühle, eine Loh- und eine Kupfermühle. Nur von einer, der Kupfermühle, die 1475 auf einer Bestehalbinsel südlich der Stadt errichtet wurde, ist heute nichts mehr zu finden. Von den beiden anderen Mühlen stehen heute noch Gebäude und ein Teil der Mühlentechnik. Über die plätschernden Wasserläufe mit ihren von der Mühlennutzung zeugenden Wehren, Sohlabstürzen und Stromschnellen rund um die Bad Oldesloer Innenstadt, führen auch heute noch von vielen Brücken. Gleichzeitig liegen an den Flüssen auch schöne Plätze und Gärten, beispielsweise an den gemütlichen alten Häusern in der Heiligengeiststraße.

Die Bebauung stammt hier aus dem 17. und 18. Jahrhundert und schon im Mittelalter gab es direkt an der Trave Badestuben, die auch dem Vergnügen und der Geselligkeit dienten. Grün gesäumte Fußwege führen entlang der Wasserläufe rund um die Altstadt mit dem Kirchberg und tragen dazu bei, dass Bad Oldesloe noch heute die seit dem Mittelalter charakteristische Mischung aus Stadt und Landwirtschaft erahnen lässt. Besonders an den Zusammenflüssen von Mühlenarm und Stadtarm der Trave sowie von Trave und Beste lässt einen das sich kräuselnde, rauschende Wasser vergessen, dass man sich mitten in der Stadt befindet. Als Bewohner der Flusslandschaften trifft man in Bad Oldesloe sogar auf die Gebirgsstelze, die hier seit 1850 ihr nördlichstes Vorkommen hat.

Zur alten Kornwassermühle

Die alte Kornwassermühle am Trave-Stadtarm, gleich unterhalb des Kirchbergs an der Mühlenstraße besteht schon seit dem Mittelalter und unterstand ehemals dem Amtmann von Trittau. Sie bildete somit eine herzoglich-gottorfische Enklave mit eigenen Territorialrechten innerhalb der zum dänisch-königlichen Landesteil gehörigen Stadt. Daraus ergaben sich im 18. Jahrhundert ständige Reibereien wegen des Kornhandels und Anstaus. Streitpunkte waren der Kampf um die Wasserkraft mit einer zweiten königlichen Mühle aber auch Überschwemmungen in den Wiesen und Gärten der Stadt.

Ein Stadtbrand im Jahre 1798 zerstörte auch die Kornwassermühle, die danach in königlichen Besitz überging und neu aufgebaut wurde. Als dann beim Bau der königlichen Saline oberhalb der Kornwassermühle ein großes Kunstrad angelegt wurde, entstand ein neuer Zwist um die Wasserkraft der Trave.

Bereits 1842 wurde die Kornmühle dann in Privathand verkauft und 1896 vom Müller Johann Friedrich Ströh aus Wohldorf für seinen Sohn Johannes August Christian Ströh für 120.000 Goldmark erworben. Ströh stellte die völlig heruntergekommene Mühle wieder her und seine Marke „Gloria-Mehl“ entwickelte sich zu einem wichtigen Wirtschaftfaktor für die Stadt. Lange blieb die alte Kornwassermühle jedoch nicht mehr in Betrieb, denn Ströh verlagerte die Produktion an den Standort der ehemaligen Lohmühle auf der Mühleninsel weiter im Norden der Stadt. So wurde die alte Kornwassermühle zu Anfang des 20. Jahrhunderts stillgelegt. Neben dem alten Mühlengebäude (Mühlenplatz 2), in dem ein Teil der mühlentechnischen Anlagen erhalten ist, gehörte zur Mühle auch der Kornspeicher am Mühlengang (Kirchberg 2) und ein Futtermittelspeicher (Mühlenplatz 3a). Am alten Stauwehr spritzt die Wassergischt heute vom Nachbau eines alten Wasserrades. Das Stauwehr wurde früher angelegt, um durch den Wasserraufstau die zur Verfügung stehende Wasserkraft zu erhöhen und damit das Wasserrad zu betreiben. Über ein solches Rad erfolgte ehemals auch der Pumpenantrieb der bis 1865 existierenden Saline. Dabei ist das Mühlrad ein sogenanntes unterschlächtiges, das von unten zulaufendem Wasser angetrieben wird.

Zu Lachs und Gloria-Grieß

Die zweite heute noch in Resten erhaltene Mühle in Bad Oldesloe lag oberhalb der Kornwassermühle am Pferdemarkt und war ursprünglich eine Lohmühle. Da diese Lohmühle über der Kornmühle lag, konnte sie dieser das Wasser abziehen und auch dieses führte häufig zu Streitigkeiten.

Eine Lohmühle diente zum Stampfen von Eichenrinde, die durch Abschälen „lebender Bäume“ von Hand gewonnen und in der Mühle zu Lohe verarbeitet wurde. Diese Lohe benötigten die Gerber als Zusatz zum Gerben von Tierhäuten.

Durch die Mühle siedelten sich daher zahlreiche Schuster in Bad Oldesloe an, da diese früher meist gleichzeitig auch Gerber waren, die ihr eigenes Schuhleder herstellten. Das Travewasser wurde zum Einweichen der Tierhäute verwendet und das zum Abschaben der Häute verwendete Kalkwasser floss mit den Tierhaaren zurück in die Trave. Wegen des Gestanks und unschönen Anblicks war diese Tätigkeit bald nur noch nachts erlaubt, und wiederholte Seuchen führten später zum Verbot.

Um 1900 hatte Johannes Ströh, der Besitzer der Kornwassermühle auch diese Lohmühle erworben, die er 1910 abriss, um einen neuen Kornmühlenkomplex an der Verzweigung der Trave in ihren Stadt- und Mühlenarm aufzubauen. In dem viergeschossigen Backsteinbau mit hölzernem Ständerwerk wurde noch bis Ende 1997 auf 25 Mahlstühlen Getreide gemahlen. Zu dieser Zeit war der Betrieb am Pferdemarkt auf insgesamt 19 Gebäude mit Silos, Lagerräumen, Werkstätten und Bürogebäude angewachsen. „Gloria-Mehl“ und „Gloria-Kindergrieß“ waren seit den 1950er Jahren in jedem Haushalt zu finden.

1998 wurden die Erweiterungsbauten abgerissen und nur die alte Weizenmühle als Restaurant und Hotel in eine Neubebauung einbezogen. Auch die Wehrinsel wurde renaturiert und eine Fußwegeverbindung zur Innenstadt geschaffen.

Ein Sohlabsturz von fast 2 Metern, also ein von Menschen künstlich geschaffener Wasserfall am Wehr der Mühle wurde dabei ebenso in eine naturnah gestaltete langsam ansteigende Sohlgleite umgebaut, die es den Fischen, wie Lachsen wieder ermöglicht, flussaufwärts zu ihren Laichplätzen zu gelangen. Heimische Fische, die die Barriere bisher nicht überwinden konnten, sollen dadurch wieder in den Flüssen angesiedelt werden.

Wassermühlen in Stormarn

Wassermühlen begleiten die Gartenroute durch den Kreis Stormarn mit ihrem Plätschern, laden zu Kaffee und Kuchen und erzählen die Geschichte der Mühlenkultur. Oftmals stehen diese Zeugen der Technikgeschichte auch unter Denkmalschutz. Schön liegen sie in blühenden Wiesentälern und am Waldesrand, spiegeln sich in Mühlenteichen mit Weiden und Erlen. Schöne alte Brücken, wie die um 1800 aus Granitquadern erbaute Napoleonbrücke in Trittau oder die hölzerne „Donnerbrücke“ in Nütschau überspannen ihre Wasserläufe.

Während Getreidemühlen überall betrieben wurden, konnten sich in Mittel- und Norddeutschland an großen und wasserreichen Flüssen auch äußerst leistungsfähige Handwerks- und Industriemühlen entwickeln.

In der alten Glinder Kupfermühle am Oberlauf der Glinder Au erzählt das Museum von der Wandlung der Mühle seit 1648. Die Mühle diente beispielsweise zunächst als Walkmühle zur Lederbearbeitung und als Farbholzmühle, seit 1679 dann als Kupferhammer und schließlich von 1868 bis 1952 als Kornmühle.

Einige, auch private Mühlen in Stormarn öffnen jährlich am Deutschen Mühlentag (jeden Pfingstmontag) und am Tag des offenen Denkmals (jährlich im September) ihre Pforten. Informationen hierzu sind unter www.muehlen-dgm-ev.de zu finden.

Adresse

Mühlenstraße, Heiligengeiststraße, Pferdemarkt, Bürgerpark, Weg am Stadtarm
23843 Bad Oldesloe
Telefon 04531 - 5040

Öffnungszeiten

ganzjährig frei zugänglich
Eintritt: kostenfrei

Anreise

Icon Parken Bürgerpark/Exer

Icon Eisenbahn Bad Oldesloe

Icon Bus alle Stadtbuslinien "Hagenstraße"

Serviceinformationen

Icon Hund erlaubt   Icon Rollstuhl (teilweise)

Angebote

Führungen: Stadtführungen nach Vereinbarung, T 04531-5040
Veranstaltungen: Stadtfeste und jährliches „Vogelschießen“ im Bürgerpark.

Angebote für Kinder

Gastronomie

Icon  Cafe  Café Travestübchen
Weinhaus Alte Mühle

Gärtnereien & Läden

Gärtnereien: Gärtnerei von Foller
Obsthof Lienau
Süßmosterei Paul Schmidt

Freundeskreise und Fördervereine

Deutsche Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung (DGM) e.V.

Weiterführende Informationen

Bürgerbüro Bad Oldesloe

 

Kontakt

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