Route 7: Stormarn
Zu Lindenpracht und Wassers Kraft
Kurpark Bad Oldesloe

Ein erster Überblick

Kurpark Bad Oldesloe

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war der Kurpark Mittelpunkt eines beliebten Sol-, Moor- und Schwefelbades, das der Oldesloer Apotheker Dr. Friedrich August Lorentzen 1813 gründete. Eine noch im Park aufgestellte Solebadewanne aus Granit stammt aus dem damaligen Badepavillon. Den Kurpark plante vermutlich der Bremer Kunstgärtner Isaak Hermann Albert Altmann (1777–1837), und von dieser Gestaltung zeugen noch die Reste alter Kastanien- und Lindenalleen. Ab 1898 erlebte das Kurbad dann mit aufwändigen Neubauten und Schmuckbeeten eine zweite Blüte. Heute liegt der Park als naturnahe grüne Oase inmitten der Stadt, gefasst von einer Schleife der Beste. Wo einst Gradierwerke am Fluss und Badehäuser am Salzteich standen, spiegeln sich romantisch Baumgestalten im salzhaltigen Wasser. Zwar stärken sich heute keine Kurgäste mehr an der Sole, doch eine salzhaltige Quelle speist noch ein kleines Moor im Park und lässt interessante Pflanzengemeinschaften entstehen, die einer reichen Vogelwelt Quartier geben.

Alleen und Badepavillons

Um 1824 hatte sich Bad Oldesloe zum beliebten Kurort entwickelt. Davon zeugt noch heute der „Kurpark“ südlich des Altstadtkerns und Straßen mit den Namen „Kurparkallee“, „Salinenstraße“ und „Brunnenstraße“. Seit Jahrhunderten schon war hier Salz produziert worden, aber erst zu Anfang des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Idee, das salzhaltige Quellwasser auch zu gesundheitlichen Zwecken und zur Erbauung von Kurgästen einzusetzen. Diese Unternehmung wurde nach der Entdeckung einer schwefelhaltigen Quelle im Jahr 1812 vom Apotheker und Justizrat Dr. Friedrich August Lorentzen (1765–1842) vorangetrieben, der zu dieser Zeit Administrator der Oldesloer Saline war. Die Quelle versprach Heilung bei vielerlei körperlichen Beschwerden.

Schon im 17. Jahrhundert entwickelten sich in Deutschland um heilkräftige Quellen erste Gesundbrunnen, die auch die Landesherren regelmäßig besuchten. So gründete man beispielsweise schon 1667 das Staatsbad Pyrmont in Niedersachsen oder 1684 den Gesundbrunnen in Bad Freienwalde in Brandenburg. Zur Mode für die gehobene Gesellschaft wurden solche Kurorte ab dem 18. Jahrhundert, zunächst besonders in Großbritannien, und ab dem frühen 19. Jahrhundert auch auf dem europäischen Festland. Die „Sommerfrische“ in einem Kurort gehörte damals zum guten Ton.

In Bad Oldesloe wurde 1813 ein erster achteckiger Badepavillon mit sieben Badestuben und wenige Jahre später ein zweiter errichtet. Hier hatten die Gäste die Auswahl zwischen verschiedenen Wannen aus Holz, Kupfer, Zinn, Marmor, Granit oder Sandstein.

Die beiden Pavillons waren über gedeckte Gänge oder Pergolen mit einem „Restaurationshaus“ zur Bewirtung der Kurgäste verbunden. Es wird angenommen, dass der königliche Oberbaudirektor Christian Frederik Hansen (1756–1845) aus Kopenhagen hierzu die Pläne lieferte. Auch ein Logierhaus auf einer Anhöhe am heutigen Standort der Kreisverwaltung entstand 1823 nach Entwürfen Hansens.

Zum Lustwandeln, Sehen und Gesehen werden erstreckte sich rund um die Gebäude der Kurpark. Lorentzen beauftragte dazu einen „Gartenkünstler aus Bremen“, wahrscheinlich den Kunstgärtner Isaak Hermann Albert Altmann (1777–1837), der auch für die landschaftliche Umgestaltung der Bremer (ab 1803) und der Hamburger Wallanlagen (ab 1804) verantwortlich zeichnete.

Ein Lageplan von 1823/24 zeigt ein Bild des Kurparks zu dieser Zeit. Dazu gehörte ein landschaftlich gestalteter Park am Logierhaus, der an den Kurgebäuden im Zentrum der Anlage formaler wurde. An der Stadtseite führte eine markante vierreihige Allee als Promenade vom Landweg nach der Stadt und nach Pölitz bis an eine Brücke über die Beste. Diese Allee verlief etwas weiter südlich parallel zur heutigen Straße „Kurparkallee“. Das östliche Ende der Kurparkallee führte dabei gerade auf den östlich anschließenden Hang und damit auf das Logierhaus zu.

Die noch am Parkeingang vorhandenen großen alten Eichen und vielleicht Teile einer Lindenreihe dürftten ein Rest dieser Promenadenallee aus der Zeit um 1823 sein. Auch weitere Alleen durchzogen den mit Teichen, Wiesen und Hainen gestalteten Park. Einzelne Bäume dieser geschichtlichen Linien begleiten auch heute noch die Wege.

Das von Bombenangriffen stark beschädigte Logierhaus wurde 1950 abgebrochen und dort 1951/52 das neue „Stormarnhaus“ als Sitz der Kreisverwaltung neu errichtet. Die Granitquader am stadtseitigen Haupteingang sind als bauliche Zeugen des Logierhauses erhalten.

Niedergang und neue Blüte

Bis in die 1830er Jahre entwickelte sich Oldesloe schnell zu einem Modebad und selbst der Landesherr, Friedrich VI., König von Dänemark und Herzog von Schleswig und Holstein, weilte hier mehrfach zur Kur. Jedoch ließ bereits Ende der 1830er Jahre die Anziehungskraft wieder nach, da die um 1830 gegründeten Seebäder, wie Wyk auf Föhr, Helgoland oder Haffkrug den älteren Kurorten den Rang abliefen.

Ein Problem in Oldesloe war auch die konstante Sole-Versorgung des Kurbetriebs, denn die Sole kam nicht aus einem eigenen unter der Stadt gelegenen Salzstock, sondern floss von weiter her zu. So wurde der Salinenbetrieb wegen des geringen Salzgehaltes 1865 schließlich eingestellt. Der Kurpark wurde daraufhin auf den Ländereien der alten Saline bis an das Ufer der Beste erweitert.

Ab 1898 erlebte das Kurbad dann bis zum Ersten Weltkrieg eine zweite Blüte. Unter dem Fabrikanten Nikolaus Dürkop als neuem Besitzer wurden zahlreiche aufwendige Neubauten errichtet und der Kurpark im Stil der Jahrhundertwende mit aufwändigen Gartenanlagen mit geometrischen Schmuckbeeten direkt am Kurkomplexes und mit einem romantischen, von Wald und Gewässern geprägten Park im weiteren Umfeld verschönert. Der Konzertplatz gegenüber dem Kurhaus wurde dabei von dem Gartenarchitekten Rudolph Jürgens (1850–1930) aus Hamburg geplant. Bereits 1928 wurde der Kurbetrieb dann aber endgültig eingestellt und anschließend die Kurgebäude abgebrochen. Auf der Fläche des alten Konzertgartens befinden sich heute ein Alten- und Pflegeheim und eine Freilichtbühne.

Eine behutsame Restaurierung und Weiterentwicklung des Kurparks als historische Parkanlage ist für die Zukunft geplant. Eine neue Kurparkbühne wurde 2006 bereits eingeweiht. Hier findet alljährlich auch das Kurparkfest statt.

Salz in Luft und Wasser

Um 1823 befand sich am Ufer des Flusses Beste ein Wasserrad, das durch die Wasserkraft des Flusses in Bewegung gesetzt wurde. Dieses sogenannte „Bestrad“ mit kleinem Betriebsgebäude trieb ein „Gestaenge“ an, mit dessen Hilfe die schwach salz- und schwefelhaltige Sole aus dem Brunnen auf Gradierwerke gepumpt wurde. Diese Gradierwerke – dicht mit Bündeln aus Schlehenzweigen verkleidete Holzgerüste – zogen sich auf einer Länge von rund 100 Metern am östlichen Ufer der Beste entlang und weiter bis zum Salzteich, der in späteren Jahren in den Kurpark einbezogen wurde. Eine Reihe älterer Gradierwerke lag auch westlich des Kurparks und südlich der Salinenstraße, die mit ihrem Namen an die alten Salzquellen erinnert.

Rieselte das salzhaltige Wasser über das Geäst mit seiner großen Oberfläche, verdunstete das Wasser langsam durch Wind- und Sonneneinwirkung, so dass sich nach mehreren Durchgängen der Salzgehalt der Sole langsam auf die gewünschte Konzentration erhöhte und dann in den Badestuben verwendet werden konnte. Gleichzeitig setzen sich auch Verunreinigungen wie Kalk an den Zweigen ab und bildeten so den so genannten „Dornstein“.

Oftmals führten rund um die Gradierwerke auch Wandelgänge zur Freiluftinhalation salzhaltiger Luft, eine Wohltat für die Atemorgane. Ob dies auch in Bad Oldesloe der Fall war, ist jedoch nicht überliefert. Ein solches Gradierwerk findet sich heute in Schleswig-Holstein beispielsweise in Damp, wo Meerwasser über eine Reisigwand rieselnd befreiende Soleluft verströmt. Die Gradierwerke imitierten damit auch den Effekt der heilenden Meeresluft und wurden häufig auch dort eingesetzt, wo das Meer weiter entfernt war. Heute finden sich solche teils historischen Gradierwerke beispielsweise in Bad Wilsnack in Brandenburg, in Bad Reichenhall in Bayern oder in Bad Salzuflen in Nordrhein-Westfalen.

Um 1900 war der Salzteich im Kurpark als ovale Wasserfläche von Badekabinen umstanden. Auch hier konnte man sich der salzigen Heilwirkung des Wassers hingeben. Nahe bei sorgte ein Aussichtsturm für die weitere Unterhaltung der Gäste.

Naturschutz im Kurpark

Zwar wird das salzhaltige Wasser in Bad Oldesloe heute nicht mehr zur Stärkung und Genesung der Kurgästen eingesetzt, aber eine Salzquelle speist heute noch ein kleines Moor im Kurpark. Die Besonderheit des salzhaltigen Wassers lässt dabei interessante Pflanzengemeinschaften entstehen.

Auch ausgedehnte Röhrichte, die einer reichen Vogelwelt Quartier geben, entwickeln sich in Bereichen mit geringerem Salzgehalt. Umgeben vom bewegten Relief des reifen Buchenwaldes und der naturnahen Beste mit ihren Flussmäandern und Steilufern lassen sich Abendsegler, Zwergfledermäuse, Eisvögel, Teichhuhn und Teichrohrsänger im Park beobachten.

Ganz in der Nähe, im Nordwesten der Stadt Bad Oldesloe, liegt auch das Naturschutzgebiet Brenner Moor, das größte binnenländische Salzmoor in Schleswig-Holstein. Der Salzgehalt der zahlreichen Salzquellen, die hier zutage treten, erreicht dabei den der Nordsee. Dadurch finden sich rund um die Quellen Pflanzen ein, die sonst nur in Küstennähe wachsen. Dazu gehören beispielsweise die Bottenbinse (Juncus gerardii), der Strand-Dreizack (Triglochin maritima), die Salzaster (Aster tripolium), oder das Milchkraut (Glaux maritima). Diese salztoleranten Pflanzen, sogenannte Halophyten, haben besondere Eigenarten entwickelt, die ihnen das Überleben in salzhaltiger Umgebung ermöglichen. Die Salzaster transportiert beispielsweise das Salz in die Blätter, wo es sich anreichert. Sobald die Salzkonzentration einen kritischen Wert erreicht, werden die belasteten ältesten Blätter abgeworfen. Auch sind die Blätter der Pflanze dickfleischig, so dass die Verdunstung verringert wird und weniger Wasser aufgenommen werden muss. Das Milchkraut dagegen besitzt eine andere Strategie der Anpassung. Es besitzt punktförmige Drüsen an den Blatträndern, die das aufgenommene überschüssige Salz ausscheiden, bevor es in der Pflanze negative wirken kann. Im Kurpark lassen sich so neben der Reise in die Geschichte auch solch interessante Pflanzengesellschaften betrachten.

Adresse

Kurparkallee
23843 Bad Oldesloe
Telefon 04531 - 5040

Öffnungszeiten

ganzjährig frei zugänglich
Eintritt: kostenfrei

Anreise

Icon Parken Bahnhof

Icon Eisenbahn Bad Oldesloe

Icon Bus 1, 2, 3, 4 "Kurparkallee"

Serviceinformationen

Icon Hund erlaubt   Icon Rollstuhl (teilweise)

Angebote

Führungen: nach Vereinbarung, T 04531-5040
Veranstaltungen: jährliches Kurparkfest und Theateraufführungen auf der Freilichtbühne

Angebote für Kinder

Veranstaltungsorte

Festsäle: Freilichtbühne Kurpark Bad Oldesloe
Kulturstätten: Bühne Kurpark Bad Oldesloe

Gärtnereien & Läden

Gärtnereien: Gärtnerei von Foller
Kakteenzucht Klein-Mexico
Obsthof Lienau
Süßmosterei Paul Schmidt

Freundeskreise und Fördervereine

Tennis- und Hockeyclub "Blau-Weiß" e.V.
TIK - Treffpunkt Innenstadt Kultur Bürgerforum e.V.

Weiterführende Informationen

Bürgerbüro Bad Oldesloe

 

Kontakt

Die nächsten Veranstaltungen

  • Woher kommen die Flecke?

    Sonntag 22.07.2018
    Ellerhoop ...mehr

  • Hibiskus

    Sonntag 26.08.2018
    Ellerhoop ...mehr