Route 7: Stormarn
Zu Lindenpracht und Wassers Kraft
Kloster Nütschau

Ein erster Überblick

Kloster Nütschau

Das dreigiebelige Herrenhaus in Nütschau wurde 1577–79 von Heinrich Rantzau erbaut und ist seit 1951 Sitz eines Benediktinerklosters. Schutzpatron der beschaulichen Anlage im Travetal ist der Heilige St. Ansgar. Der größte Teil des Gartens hinter den Gebäuden ist den Mönchen als Klausurbereich vorbehalten.
Mit der Sanierung des Herrenhauses in den letzten Jahren lädt der schöne Vorplatz wieder weltliche Besucher ein. In Anlehnung an historische Vorbilder wurde der Hofplatz neu gestaltet und mit zwei Baumreihen aus frühlingsblühenden Wildbirnen geschmückt. Diese erinnern an die Baulinien zweier Scheunen, die im 16. Jahrhundert hier standen.
Knorrige alte Linden stehen schützend nahe an einem kleinen Kavaliershaus. Verwunschen führt eine hölzerne Brücke über das Wasser des Grabens zu den jenseits liegenden Tagungs- und Bildungshäusern des Klosters. An der Straße zieht sich eine imposante und ursprünglich gekappte, knapp 200-jährige Lindenallee an der ehemaligen Gutsmauer entlang.


Heinrich Rantzaus Herrenhaus

Schon um das Jahr 800 wurde ganz in der Nähe des heutigen Klosters und nicht weit von der heutigen Nütschauer Wassermühle an der Trave eine Ringwallburg, die Nütschauer Schanze, errichtet, die wohl zum Schutz der nahen Travefurt am „Limes Saxoniae“ diente. Die Reste dieser Burg sind heute noch auf einer Anhöhe zu finden.

Erstmalig erwähnt wird Nütschau 1249 und bald gab es hier auch einen Herrensitz. Schon 1343 ging die Nütschauer Mühle an ein Kloster über, nämlich an das damalige Kloster Reinfeld, welches jedoch mit der Reformation im 16. Jahrhundert aufgelöst wurde.

Das heutige dreigiebelige Herrenhaus entstand 1577–79 unter Heinrich Rantzau (1526–1598) und Inschriften am Herrenhaus erinnern noch an den Erbauer und seine Frau Christina van Hal(l)e. Rantzau, Amtmann zu Segeberg und Statthalter in königlichen Ämtern, hatte das Gut 1573 erworben und förderte als politisch einflussreicher Mann auch die Kunst und Wissenschaft. Die Familie Rantzau hatte zu dieser Zeit in ganz Schleswig-Holstein bedeutenden Einfluss und erwarb und baute eine ganze Reihe von Herrenhäusern.

Das Herrenhaus in Nütschau wurde als Wasserschloss mit einem umlaufenden Graben und Vorwerk errichtet, wie auf einem alten Holzschnitt von 1591 übermittelt ist. 1642 ging das Gut durch Kauf an die Familie von Ahlefeldt, und es folgten verschiedene Besitzerwechsel. 1791 wurde es dann an den Hamburger Kaufmann Amsinck versteigert, der 1793 dem mittleren Giebelhaus des Herrenhauses einen barocken Turm hinzufügte, das Gut aber schon nach wenigen Jahren weiter verkaufte. Insgesamt haben das Nütschauer Gut über die Jahrhunderte über 30 Besitzer ihr eigen genannt, bis es 1951 in kirchlichen Besitz überwechselte.

Das Benediktinerkloster entsteht

Nachdem im Jahre 1938 der damalige Besitzer Nütschaus, John Schuster, der als Jude Deutschland hatte verlassen müssen, enteignet wurde, entstand im Herrenhaus zunächst ein Heim für schwer erziehbare Jugendliche. Als die Familie Schuster 1950 den Besitz zurück bekam, verkaufte sie das Anwesen an die katholische Kirche, so dass der Weg zur Gründung eines Klosters geebnet war.

Vom Mutterkloster im niederrheinischen Gerleve aus wurde das Benediktinerkloster Nütschau 1951 gegründet und hat inzwischen eine Reihe von Neubauten errichtet. Dazu gehören die Kapelle, das Bildungshaus St. Ansgar, das Jugendhaus St. Benedikt und der Konvent. In letzter Zeit wurde auch das Herrenhaus stilvoll und umfassend mit Gemeinschaftsräumen, Archiv, Bibliothek, einem Oratorium und Repräsentationsraum renoviert. Bedeutend sind im Gebäude die alten handbemalte Deckendielen aus der Entstehungszeit, die bei den Sanierungsarbeiten ans Licht kamen und heute wieder im Gebäude zu bewundern sind.

Das lindengesäumte Kavaliershaus

Das kleine Kavaliershaus neben dem Herrenhaus diente einst als Gästehaus und Waschküche und wurde vermutlich um 1800 errichtet. Symmetrisch zu diesem Gebäude gab es ehemals auch auf der Ostseite des Herrenhauses ein entsprechendes Remisenhaus, das aber schon um 1960 abgerissen wurde. Vor beide Gebäude wurde in nur einem Meter Abstand eine Reihe Linden gepflanzt, die vor dem Kavaliershaus noch erhalten ist. Einst wurden diese Linden in etwa zwei Metern Höhe geköpft, damit sie einen schönen Schirm vor den Gebäuden bildeten und diese Schnittstellen lassen sich noch an den Bäumen erkennen. Da die Bäume später nicht mehr geschnitten wurden, sind sie zu mächtigen aufstrebenden Riesen gewachsen. Diese wurden in den letzten Jahren in etwa in Höhe der Traufe des Herrenhauses gekappt, um ein Auseinanderbrechen zu verhindern.

1922/23 wurde das kleine Gebäude für den Sohn des damaligen Besitzers Dr. Heinrich Dräger (1898–1986) vom Architekten Karl Mühlenpfordt als Wohnhaus ausgebaut. Dabei wurde an der östlichen Gartenseite auch die verglaste große Terrasse angebaut.

Die alte Gutsmauer

Etwa 310 Meter lang begleitet eine alte Feldsteinmauer die alleegesäumte Schlossstraße. Diese Mauer ist Teil der alten Gutsmauer, die zu unbekannter Zeit aus verschieden großen, ganzen und behauenen Findlingen errichtet wurde und den einstigen großen Park umschloss. Interessant an der Mauer ist, dass einzelne Abschnitte des vielfarbigen Granitmauerwerks unterschiedliche Steinformate und auch drei verschiedene Mauertechniken aufweisen.

Noch rund 60 Bäume formen die Allee aus Linden, die die Straße begleitet und die schon seit 1937 in das Naturdenkmalbuch des Kreises Stormarn eingetragen ist. Gepflanzt wurden die Bäume vermutlich um 1800. Da auch diese Bäume sehr eng gepflanzt sind, sind sie dem Licht entgegen strebend bis zu 25 Meter hoch gewachsen. Ursprünglich waren die Bäume gekappt, zu Anfang offenbar in rund vier Metern Höhe und später dann in 14 und 15 Metern Höhe. Wie Linien ziehen sich deutlich diese alten Schnittstellen durch die Allee.

Der Garten der Mönche

Hinter dem Herrenhaus Nütschau liegt heute der Klausurbereich der Mönche, der für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist, aber im Rahmen von Führungen besucht werden kann. Hier öffnet sich ein beschaulicher Park mit altem, in Teilen sogar exotischem Baumbestand. Auch erkennt man, dass das Herrenhaus ursprünglich als Wasserschloss von Wasser umflossen war, denn ein Graben umschließt noch heute einen weiten Wiesenbereich.

Dahinter steigt das Gelände zum Wald an. Zwischen den Bäumen sind hier noch die Reste eines alten Eiskellers zu finden: der heutige findlingsgefasste Erdtrichter war noch bis in die 1960er Jahre mit einem sechseckigen reetgedeckten Häuschen überbaut, das wiederum von einem Doppelkranz aus Linden umgeben war. Von diesen Linden sind noch einige rund um den Eiskeller im Waldbestand zu finden. Seit wann sich der Eiskeller hier befand, konnte noch nicht abschließend geklärt werden, aber die Bautechnik lässt vermuten, dass es seit mindestens 1800 hier einen Eiskeller gab. Häufig entstanden solche Eiskeller mit der Ausweitung der Milchwirtschaft und den damals entstehenden Holländereien im 18. Jahrhundert, denn die verschiedenen Milchprodukte mussten in der warmen Jahreszeit ausreichend gekühlt werden. Das Eis zur Kühlung wurde dazu im Winter in großen Blöcken von der Trave und von Teichen geholt und im kühlen Erdreich des überschatteten Eiskellers gelagert, wo es sich bis zum Herbst hielt und bei Bedarf für Küche und Holländerei geholt werden konnte. Meist lagerten hier im Eiskeller auch Milch, Butter und Käse.

Im hoch liegenden Wäldchen ist heute auch ein kleiner Friedhof des Klosters zu finden. Von der Höhe eröffnen sich schöne Ausblicke in die umgebenden obstbaumüberstandenen Schafweiden und auf das Herrenhaus.

In Zukunft soll der Park behutsam nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten saniert werden. Ein erster Schritt wurde im Jahr 2006 mit einem Parkseminar gemacht, bei dem Studenten der Landschaftsarchitektur aus Neubrandenburg zusammen mit dem schleswig-holsteinischen Landesamt für Denkmalpflege erste Ausholzungen vorgenommen haben, um den historisch bedeutenden Baumbestand aus dem Stangenholz des Waldes herauszuschälen. Auch die Reste einer Grotte wurden dabei freigelegt.

Adresse

Schloßstraße 30
23843 Travenbrück-Nütschau

Öffnungszeiten

Außenanlagen ganzjährig frei zugänglich, Klausurbereich hinter dem Kloster nicht zugänglich, Klosterkirche ganztägig geöffnet
Eintritt: kostenfrei

Anreise

Icon Parken

Icon Bus Anruf-Sammeltaxi 8129 (T 04531-17400) "Schloßstraße"

Serviceinformationen

Icon Hund erlaubt   Icon Rollstuhl

Angebote

Führungen: nach Absprache T 04531 - 5004140

Gastronomie

Icon  Cafe  Landhaus Nütschau

Veranstaltungsorte

Kulturstätten: Kloster Nütschau

Gärtnereien & Läden

Gärtnereien: Gärtnerei von Foller

Freundeskreise und Fördervereine

Freundes- und Förderkreis Kloster Nütschau e.V.

Weiterführende Informationen

Bürgerbüro Bad Oldesloe

 

Kontakt

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