Route 7: Stormarn
Zu Lindenpracht und Wassers Kraft
Gutspark Wulfsdorf

Ein erster Überblick

Gutspark Wulfsdorf

Urige Baumgestalten mit zauberhaft moosbewachsenen Wurzeltellern berühren weit über das Wasser geneigt mit ihren Kronen das eigene Spiegelbild. Sie stammen noch aus der Zeit des alten Gutsparks, der bald nach 1900 mit dem neuen Gutshaus (1906–09) des Gutes Wulfsdorf im „Heimatstil“ angelegt wurde und damals schon älteren Baumbestand mit einbezog. Viele exotische Gehölze sind unter den rund 50 Baumarten im Park, die auf einem Naturerlebnispfad des Hauses der Natur entdeckt werden können. Dieser führt auch zu artenreichen Feuchtwiesen mit Pestwurz, Trollblume, Schachbrettblume, Schwertlilie und Orchideen. Der Rundweg war als sogenannter Belt-Walk schon Teil des Gutsparks und eröffnete abwechslungsreiche Parkbilder. Im Gutshaus ist heute das Haus der Natur des Vereins Jordsand ansässig und zeigt eine ständige Ausstellung zum Thema Vögel und Vogelschutz. Auf dem zum Ensemble gehörigen Hof des Gutes Wulfsdorf wird nach ökologischen Grundsätzen angebautes Obst und Gemüse zum Verkauf angeboten.

Der alte Gutspark

Das Dorf Wulfsdorf, welches schon im Jahre 1238 erstmals urkundlich erwähnt wurde, unterstand im späten 16. Jahrhundert Peter Rantzau, der in Ahrensburg zu dieser Zeit sein Schloss baute. Als die Rantzaus 1759 dann Ahrensburg an Heinrich Carl Schimmelmann (1724–1782) verkauften, gehörte dazu auch Wulfsdorf. Das Gut wurde von den Schimmelmanns parzelliert und in der Folge an wechselnde Besitzer vergeben.

Im Jahre 1904 war das Anwesen schließlich in das Eigentum des Hamburger Großunternehmers und Tiefbauingenieur Hermann Vering (1864–1922) übergegangen, der die alten Wohn- und Wirtschaftsgebäude abreißen und ein neues mit Jugendstilelementen versehenes Gutshaus (1906–1909) im „Heimatstil“ als sein Wohnhaus errichten ließ. Im Innern war das Haus mondän mit Zentralheizung, elektrischem Aufzug, großen Bädern und Einbauschränken ausgestattet. Auch entstanden neue Gutsgebäude und Wohnhäuser für die Arbeiter und Verwalter. So wurde Wulfsdorf im frühen 20. Jahrhundert zu einem Mustergut.

Um das Wohnhaus herum ließ Hermann Vering den bis heute erhalten gebliebenen rund 7 Hektar großen Park anlegen. Dieser steht ebenso wie das Gutshaus unter Denkmalschutz. Die Gestaltung fand ihren Ausdruck in formalen Gartenbereichen mit rechtwinklig angelegten Kompartimenten im neobarocken Stil im engeren Umfeld des Gutshauses und verband sich im weiteren Umfeld mit einer landschaftlichen Parkanlage. Dazu führte ein Rundweg nach dem Vorbild eines englischen Beltwalks zu immer wieder neuen Ansichten auf die Gebäude, schöne Parkszenerien und in die umgebende Landschaft und inszenierte damit auf kunstvolle Weise die Natur. Ein weitgehend verlandeter Graben bildete früher die Grenze zu den angrenzenden Feldern und eine alte Rotbuchenhecke schließt noch heute den Park zum Bornkampsweg ab.

Der Weg führte um verschiedene Teiche, von denen zwei noch vorhanden sind. Einer der Teiche, der Küchenteich, diente in seiner betonierten Form früher als Pferdeschwemme, in der die in der Landwirtschaft eingesetzten Pferdefuhrwerke gereinigt wurden, und ist daher nur einen halben Meter tief.

Eine noch in Resten erhaltene Lindenallee mit einst beschnittenen Bäumen war Teil des ehemaligen formalen Gartenbereichs am Haus und führte als Hauptachse vom Wohnflügel aus nach Norden. Parallel dazu und etwas weiter östlich führte eine weitere Wegeachse zu einem Aussichtsbalkon mit Ziegelgeländer am großen Teich, über den noch heute eine imposante Blutbuche ihren Schatten legt.

Wer den Park plante, ist nicht überliefert, jedoch wurde in die Gestaltung sowohl älterer Baumbestand einbezogen als auch neue Bäume gepflanzt, darunter teilweise exotischen Arten. Von den interessanten Bäumen sind heute noch viele Nadelgehölze in mindestens 12 Arten und rund 500 ältere Laubgehölze in mindestens 35 Arten im Park vertreten, darunter Ginkgo, Kanadische Hemlocks-Tanne, Hängewacholder, Rot- und Sumpfeichen, Kaukasische Flügelnuss und verschiedene Schwarzpappel-Hybriden, sogar einige mit goldgelben Blättern. Auch in anderen Gutsparks in Schleswig-Holstein waren im 19. und frühen 20. Jahrhundert solche Baumsammlungen aufgebaut worden, so beispielsweise in Lehmkuhlen im Kreis Plön oder in dem heute vom Institut für Forstgenetik und Forstpflanzenzüchtung genutzten Villenpark „Tannenhöft“ in Großhansdorf.

Das Haus der Natur

Das Gutshaus Wulfsdorf ist seit 1982 Sitz des Hauses der Natur und damit ein naturkundliches Informationszentrum von überregionaler Bedeutung. Hier zeigt der Verein Jordsand zum Schutze der Seevögel und der Natur e.V. eine Dauerausstellung zum Vogelschutz, die besonders bei Schulklassen beliebt ist, und nutzt Werkstätten, Tagungsräumen und ein Labor für seine Jugendarbeit. Für gehobene Semester finden darüber hinaus ständig Vorträge, Seminare und Wechselausstellungen statt. Auch betreut der Verein von hier aus insgesamt 23 Schutzgebiete und Reservate in Niedersachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern.

So nimmt es nicht Wunder, dass auch der Gutspark in die Arbeit des Vereins einbezogen wird. Der Beltwalk fand in Form eines Naturlehrpfades als Teil eines Naturerlebnisraumes eine neue Interpretation. Um Störungen zu vermeiden geht es um den großen Teich nur auf den Wegen und so wandelt man zugleich auch auf gestalterischen historischen Spuren.

Der alte Baumbestand des Gutsparks ist ebenso integriert wie ergänzende Erläuterungen zum Anfassen. Dazu gehören beispielsweise eine Baumorgel, an der unterschiedlich strukturierte Borken verschiedener Baumarten gezeigt werden oder eine aufklappbare Spechthöhle. Diese Stationen eröffnen den Blick in Details der Natur, die ansonsten unterbewusst zur stimmungsvollen Atmosphäre des Parks beitragen.

Aus den Teichen, die neben ihrem gestalterischen Wert auch als Amphibienlaichgewässer bedeutend sind, tönt im Frühjahr ein Froschkonzert. In den angrenzenden Feuchtebereichen fügen sich seltene Pflanzen, darunter auch das Großem Zweiblatt (Listera ovata), in die landschaftliche Gestaltung des ehemaligen Gutsparks.

Die Villa Viljanda ist ein Sommergästehaus für Jugendgruppen im Park und hier finden sich noch einige alte Obstbäume, die zusammen mit Neupflanzungen eine Streuobstwiese bilden.

Der ganze Park und auch das Gut sind damit ideal für den Freiluft-Unterricht, denn er vereint historische, gestalterische, naturkundliche und ökologische Facetten.

Die Holzschnitzereien im Park stammen von Werner Behr.

Ganz nach dem Demeterprinzip

Nach dem Tode Verings erwarb die Freie und Hansestadt Hamburg 1925 von den Erben das Gut Wulfsdorf und betrieb hier etwa 50 Jahre lang ein Jugendheim mit sehr wechselhafter Geschichte. Zuletzt diente das Gutshaus bis Ende der siebziger Jahre als Unterkunft für jugendliche Strafgefangene. Als 1989 auch die Bewirtschaftung als Staatsgut auslief, entstand hier unter Georg Lutz als Pächter ein nach ökologischen Grundsätzen bewirtschafteter rund 250 ha großer Demeter-Hof, der Hof Gut Wulfsdorf.

Eingebettet in eine reizvoll hügelige Endmoränenlandschaft mit Feldern, Knicks, Wäldchen, Feuchtgebieten und Tümpeln vermitteln die großen, um einen Wirtschaftshof gruppierten alten Gutsgebäude und Ställe noch einen Eindruck der Anlage aus dem frühen 20. Jahrhundert.

In einem Hofladen gibt es eine große Vielfalt an Gemüse und Kartoffeln aus eigenem Anbau, die je nach Jahreszeit durch Gemüse und Obst von anderen Biohöfen ergänzt wird. Auch nach Demeter-Richtlinien selbst auf dem Hof erzeugtes Frischfleisch, Käse, Brot, Backwaren und Milchprodukte sowie Weine, Kosmetik und Naturfarben anderer Erzeuger sind hier erhältlich. Zusätzlich gibt es auch eine Anlage zum Selberpflücken von Blumen und Kräuter vor dem Hofladen.

Von Rübchen, Haferwurz und Landgurken

Eine weitere interessante Zusammenarbeit auf Gut Wulfsdorf ist die mit „Kultursaat e.V.“, dem Verein für Züchtungsforschung und Kulturpflanzenentwicklung auf biologisch-dynamischer Grundlage. Ohne den Einsatz biotechnologischer Verfahren wird hier Gemüsezüchtung betrieben und es werden Sorten ausgewählt, die auf die Wachstumsbedingungen ökologisch wirtschaftender Betriebe mit ihrer reduzierten Düngung und einem vorbeugenden biologisch-dynamischen Pflanzenschutz ausgerichtet sind.

Durch die Züchtung im direkten Betriebszusammenhang werden Pflanzensorten an die speziellen Ansprüche dieses Standortes mit seinem norddeutschen Klima und leichten Böden angepasst und auf Widerstandfähigkeit, Geschmack und qualitätvolle Inhaltsstoffe selektiert. Gleichzeitig soll das Sortiment durch Spezialitäten wie gelbe Möhre und gelbe Bete, Landgurken, Rübchen und alte Gemüsearten wie Haferwurz und Klettenwurzel erweitert werden. Die Wurzeln der Haferwurz (Tragopogon porrifolius), die im Mittelalter häufig angebaut wurde, werden beispielsweise wie Schwarzwurzel gegessen, müssen aber nicht geschält werden. Im zweiten Jahr entwickelt die zweijährige Pflanze darüber hinaus hübsche violette Blüten.

Adresse

Bornkampsweg 35
22926 Ahrensburg
Telefon 04102 – 32656

Eigentümer: Verein Jordsand zum Schutze der Seevögel und der Natur e.V.

Öffnungszeiten

Park & Haus der Natur tägl. 10-17 Uhr
Eintritt: Spende erbeten

Anreise

Icon Parken

Icon Eisenbahn U-Bahnhof Buchenkamp (15 Min. Fußweg)

Serviceinformationen

Icon Hund erlaubt   Icon Rollstuhl (teilweise)

Angebote

Führungen: nach Vereinbarungen T 04102-32656 (Verein Jordsand)

Gastronomie

Icon  Cafe  Ladencafé Gut Wulfsdorf

Gärtnereien & Läden

Gärtnereien: Bellandris Pflanzenforum
Gärtnerei Piepereit
Sengana Erdbeerhof H. Unger KG
Läden: Hofladen Gut Wulfsdorf

Freundeskreise und Fördervereine

Initiativkreis Gut Wulfsdorf e.V.
Verein Jordsand zum Schutze der Seevögel und der Natur e.V.

Weiterführende Informationen

Stadt Ahrensburg, Fachdienst Öffentlichkeitsarbeit

 

Kontakt

Die nächsten Veranstaltungen