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Dorfanger Eichede

Ein erster Überblick

Dorfanger Eichede

Der Dorfplatz von Eichede ist einer der schönsten und am besten erhaltenen Angerplätze in Schleswig-Holstein. Gerahmt wird er von einem prägenden Baumkranz aus Winterlinden, ringsum stehen die alten Bauernhöfe und das Pastorat. Blickpunkt des Angers ist die alte Fachwerkkirche (1757) mit ihrem Friedhof, dessen heckengesäumte Feldsteinmauer sich halbrund in die weite Rasenfläche des Angers schmiegt. Die Gebäude der ehemaligen Dorfschule und Mahnmale für die Opfer der beiden Weltkriege vervollständigen das Ensemble. Seine geschichtliche Bedeutung schöpft Eichede wohl aus seiner Hochlage zwischen den Quellgebieten mehrerer Flüsse an der Wasserscheide von Nord- und Ostsee. Dies führte früh zur bäuerlichen Besiedelung, und schon zur Zeit des Wendenfürsten Slavomir erhielt Eichede seinen Namen Slamersekede, was soviel bedeutet wie „Eichen des Slavomir“. Auf dem schmucken Anger jedoch finden sich heute keine Eichen, daher ranken sich verschiedene Deutungen und Legenden um die Herkunft dieses Namens.

Von Hufnern und Kätnern

Das Kirchdorf Eichede wurde 1259 erstmalig urkundlich erwähnt, entstand aber vermutlich schon früher. In der Umgebung gibt es beispielsweise verschiedene vorgeschichtliche Grabhügel, und bei archäologischen Grabungen traten bronzene Fibeln und Nadeln und verschiedene Urnen zu Tage.

Das Dorf stand anfänglich vermutlich unter adeliger Grundherrschaft, später gehörte Eichede dann zum Gottorfer Amt Trittau. Dörfliche Erzählungen führen den Eichedeer Straßenname „Paradies“ jedoch darauf zurück, dass Unfreie, die sich hierher in das freie Bauerndorf flüchteten, in Eichede Schutz fanden und, wenn sie sich fleißig bewährten, dadurch ihre Freiheit erlangen konnten.

Im frühen 15. Jahrhundert hatte das Dorf 18 sogenannte Hufen, und eine Steuerliste vom Amt Trittau von 1631/1632 nennt zu dieser Zeit 16 Hufner, sechs Halbhufner, einen Kätner, acht Bödner und vier Insten in Eichede. Der größte Hof war der sogenannte „Christinenhof“.

Als eine Hufe wurde seit dem Frühmittelalter ein Bauerngehöft bezeichnet, das ausreichende Acker- und Weideflächen zur Ernährung einer Familie besaß. In Eichede hatte eine Hufe noch 1909 rund 55 Hektar. Die Hufner waren Bauern mit eigenem Landbesitz und standen in der dörflichen Hierarchie als Vollbauern und Besitzer eines Hofes mit Ackerland vor den Kätnern, Bödnern und Insten.

Die Kätner dagegen waren Dorfbewohner, die eine Kate mit einem kleinen Nutzgarten besaßen. Da der Ertrag häufig nicht für den Lebensunterhalt ausreichte, verrichteten sie meist zusätzlich handwerkliche Arbeiten oder arbeiteten im Tagesdienst auf Bauern- und Herrenhöfen. Ihr Landbesitz betrug meist eine achtel bis zu einer halben Hufe, sie besaßen wenig Vieh und höchstens ein Pferd. Oft mussten die Kätner als Gegenleistung für die Überlassung eines Hauses mit Grundstück zur eigenen Bewirtschaftung an den Grundherrn nicht nur Steuern sondern auch Hand- und Spanndienste leisten, also beispielsweise bei der Ernte helfen.

Bödner waren dagegen Kleinstbauern zwar mit eigenem Haus, aber kaum mit Grundbesitz und so gut wie keinem Vieh. Die Insten waren Tagelöhner ganz ohne eigenen Grundbesitz, die zur Miete wohnten. Daneben gab es in Eichede auch verschiedene Handwerker sowie eine Anzahl Gaststätten.

Eichede gehörte auch zu den 17 sogenannten Holzdörfern im heutigen Kreis Stormarn, die 1708 zum landesherrlichen Amt Trittau gehörten. Die Bauern der Holzdörfer besaßen im Gegensatz zu anderen Dörfern bis in das 19. Jahrhundert hinein gewisse Sonderrechte in der Waldnutzung. Neben der gängigen Schweinemast, Waldweide und Köhlerei, konnten die Bauern alle drei Jahre je Hufe einen sogenannten „Faden“ Nutz- und Radholz beanspruchen. Wieviel ein Faden war, lässt sich schwer genau sagen, da es hierbei regional und zeitlich zum Teil erhebliche Unterschiede gab. Ein Faden lag in Holstein zwischen 1,7 und 2,6 cbm. Über die Einhaltung der Waldrechte und -pflichten wachten dazu vier Holzvögte, die dem Trittauer Hausvogt unterstanden. Durch diese Sonderrechte hatten im 19. Jahrhundert einige Einwohner einen Nebenverdienst durch Holzhandel bis nach Hamburg.

Der Eichedeer Anger

Der Anger war der zentrale Dorfplatz, ein grasbewachsenes Stück Land, das sich in Gemeindebesitz befand und von den Bewohnern gemeinschaftlich genutzt wurde. Er hatte damit die Funktion einer Allmende. Der Anger spannte sich typischerweise als langovale Aufweitung zwischen zwei weit auseinander liegenden Häuserreihen, den Bauernstellen. Oft wurde auf dem Anger des Nachts das Vieh gehütet. Daneben diente er auch als Futterplatz für die Tiere von Durchreisenden und Händlern.

Heute sind in den Orten die ehemaligen Anger oft verschwunden und finden sich nur noch in Orts- und Straßennamen wieder, manchmal sind die Anger auch zu Parkanlagen weiterentwickelt worden. In Eichede dagegen ist seit dem Spätmittelalter die ehemalige Angerstruktur noch fast unverändert erhalten. Durch eine Feuersbrunst im Jahre 1864, welche den ganzen westlichen Teil des Dorfes in Schutt und Asche legte, gibt es rund um den Anger jedoch verhältnismäßig viele Häuser, die erst nach dieser Zeit entstanden sind. Als Zentrum des Ortes fanden sich auf dem Anger auch die Gemeinschaftseinrichtungen des Dorfes, und dies war auch in Eichede der Fall. Hier stehen noch heute die frühere Dorfschule, die Schulscheune und die Kirche mit dem Friedhof. Gerahmt wird die Angerfläche durch alte Linden.

Rundbogenfenster und Pastorengräber

Als Blickpunkt steht noch heute die Fachwerkkirche inmitten des kleinen alten Friedhofs auf dem Eichedeer Anger. Ein Kirchspiel ist Eichede bereits seit etwa 1280, jedoch ist das genaue Datum des ersten Kirchenbaus nicht bekannt. Die jetzige Kirche stammt aus dem Jahre 1757 und ist ein Fachwerkbau, dessen Westwand mit dem Glockenturm aus Ziegelstein besteht. Errichtet wurde die Kirche vom Zimmermeister Franz Hinrich Hansen aus Havighorst im Amte Reinbek. Im damaligen Bauvertrag wurde festgelegt, dass Holz, Steine und Dachpfannen der alten abgebrochenen baufälligen Kirche so weit wie möglich wiederverwendet werden sollten, so dass sich in dem Bau sicher so mancher alte Stein befindet. In der Kirche gibt es einen Altar von 1640, eine alte Taufe von 1643 und weitere Kunstwerke des 17. Jahrhunderts. Das älteste Stück der Kirche ist aber eine der Glocken, die bereits mehr als 650 Jahre alt ist.

Das Erbauungsjahr der Kirche findet sich gleich zweimal verewigt an der Kirche: Einmal auf der vergoldeten Wetterfahne und dann etwas mehr versteckt im behauenen Feldstein des Fundaments an der Südwestecke der Kirche. Hier ist zusätzlich auch das „Monogramm“ Jesu Christi „JHS“ für Jesus Hyos Soter (Jesus Sohn Retter) eingehauen.

An der westlichen Turmfassade dienen Rundbogenöffnungen verschiedenen Nutzungen: Über der doppelflügeligen Kirchentür gibt es zunächst drei Rundbogenfenster auf Höhe der Orgelempore, darüber zwei Luken, die früher dazu dienten, auf dem Kirchenboden Korn für Notzeiten einzulagern. Diese Tatsache unterstreicht auch die landwirtschaftliche Funktion, die dem Anger zukam. Auf Ebene der Glocken im Turm öffnen sich auf drei Seiten Luken, um den Schall hinauszulassen, und ganz oben befinden sich die Bögen der Turmlaterne.

Heckenumfriedet sind auf dem Friedhof die einzelnen Grabstellen. Dabei sind die Pastoren-, Pastorenwitwen- und Organistengräber, die zum Teil aus dem frühen 19. Jahrhundert stammen, besonders interessant. Weiterhin befindet sich auf dem Friedhof ein für die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts typisches Ehrenmal der Kirchengemeinde für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs.

Auf dem Anger, vor der Mauer des Friedhofs, mahnen Steine der Dorfgemeinschaft an jedes einzelne Jahr der beiden Weltkriege und ihre Opfer.

Die Sanierung des Angers

Der denkmalgeschützte Dorfanger in Eichede ist einer der letzten in Schleswig-Holstein, der in seiner ursprünglichen, noch auf das Spätmittelalter zurückgehenden Struktur erhalten gebliebenen ist. Neben der Kirche befindet sich auf dem Anger auch die einstige Schule mit Schulscheune, deren Gebäude saniert wurden und neue Gemeindenutzungen, wie die Feuerwehr und ein Jugendzentrum aufgenommen haben. Auch viele der Gebäude rund um den Anger sind noch typische Bauernstellen. Hier findet sich auch das Pastorat von 1906, welches nach einem Blitzschlag und dem Brand des Vorgängerbaus neu errichtet wurde.

Etwa 100 Winterlinden (Tilia cordata) rahmen den Dorfanger von Eichede. Die meisten der Bäume haben ein Alter von rund 110 Jahren. In Lücken, die Sturm und Pilzbefall in die Reihen gerissen haben, wurden in den letzten Jahren junge Bäume nachgepflanzt, um die imposante Baumrahmung auch zukünftig zu erhalten. Unterstützung fand die Gemeinde dabei bei Günther Fielmann, dem Optiker mit Baumsinn, der den Platz mit 38 gespendeten Linden komplettierte.

Insgesamt ist der Baumbestand sanierungsbedürftig und soll daher in den nächsten Jahrzehnten abschnittsweise gefällt und nachgepflanzt werden, um das einheitlich schöne Gesamtbild des Angers auch in Zukunft zu erhalten.

Adresse

zwischen Lindenallee und Kirchenstraße
22964 Steinburg-Eichede

Öffnungszeiten

ganzjährig frei zugänglich
Eintritt: kostenfrei

Anreise

Icon Parken

Icon Bus 917, 8127 "Kirche Eichede"

Serviceinformationen

Icon Hund erlaubt   Icon Rollstuhl

Angebote

Führungen: Führungen auf Anfrage, T 04534-7478, der Schlüssel zur Kirche ist im Pastorat (Kirchenstraße 10, T 04534-611) erhältlich
Veranstaltungen: (Open-Air) Gottesdienste, Dorffeste, Theater und Konzerte

Gastronomie

Icon  Cafe  Gartencafé Boie
Gasthof unter den Linden

Veranstaltungsorte

Kulturstätten: Kirche Eichede

Gärtnereien & Läden

Gärtnereien: Gärtnerei Holzwart

Weiterführende Informationen

Stadt Ahrensburg, Fachdienst Öffentlichkeitsarbeit

 

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