Route 7: Stormarn
Zu Lindenpracht und Wassers Kraft
Barockgarten Jersbek

Ein erster Übrblick

Barockgarten Jersbek

Die beeindruckenden Alleen im Jersbeker Park stammen aus der Barockzeit, als Bendix von Ahlefeldt (1678–1757) ab 1726 seinen schon bald weithin bekannten prunkvollen Garten anlegte. Von Ahlefeldt gehörte zu den frühen Mitgliedern der Hamburger Freimaurerloge. Nach barocken Gestaltungsprinzipien leuchtet symbolisch ein Himmelsstrich an einem langen, oben offenen Heckengang und wo sich die Bäume am Zugang einer Querachse zum Rondell weiten, bilden die Kronen der Bäume einen dunkel gerahmten Himmelsmond. Raffiniert ist auch die 500 m lange, perspektivisch angelegte Lindenallee zum Wald mit seinem Jagdstern, die zu Beginn schmaler ist als am fernen Ende. Auch Paschen von Cossel (1714–1805), neuer Besitzer ab 1774, besaß eine naturreligiöse und freimaurerische Haltung und legte 1791 im Wald ein mystisches wallumschlossenes Freigrab für seine Frau an. Um 1840 dann kamen im Zuge einer landschaftlichen Umgestaltung die heute schön gewachsenen Baumexemplare in das ehemalige barocke Parterre und Boskett.

Ein prachtvoller Barockgarten

1726 kam Bendix von Ahlefeldt durch Heirat mit Anna Margarethe von Buchwaldt in den Besitz von Jersbek, ließ das Herrenhaus umbauen und legte den prunkvollen Barockgarten an. Ähnlich wie in Sestermühe, wo sein Vater Hans Hinrich von Ahlefeldt einen Barockgarten mit der noch heute vorhandenen langen Allee anlegte, wurde der Jersbeker Garten vermutlich zu einem erheblichen Anteil durch den Bauherren selbst entwickelt, denn das Wirken eines Gartenkünstler ist nicht überliefert.

Von Hamburg kommend geleitete damals wie heute eine fast 800 Meter lange Lindenallee die Gäste zum Eingang des Jersbeker Gartens am Torhaus (1678) mit einem kreisrunden Vorplatz. Ausgangspunkt der barocken Gartengestaltung war aber nicht das schon 1617 bis 1620 entstandene und von Ahlefeldt umgebaute Herrenhaus, sondern ein beheizbares, prunkvoll ausgestattetes neues Gartenhaus (1738/39). Anlass dieses Baus war vermutlich die Schließung der Hamburger Oper, wo Ahlefeldt zeitweise mäzenatischer Direktor war. Fortan konnte der kunstgesonnene Bendix von Ahlefeldt in diesem Gebäude Konzerte und Singspiele veranstalten und Jersbek entwickelte sich zum Treffpunkt von Wissenschaftlern, Künstlern, Gelehrte und Schauspielern.

Wie in zwei alten Kupferstichen von 1726 und 1747 überliefert, war das barocke Parterre kunstvoll mit voluten- und muschelförmigen Beeten und Wasserspielen komponiert. Besonders eindrucksvoll war ein Bassin mit Titanengruppe und hoher Fontäne. Auch vergoldete Götterstatuen, Vasen und kostbare Kübelpflanzen gehörten zur Ausstattung des Gartens. Gerahmt war das Parterre von zwei- und vierreihigen Alleen und einem Heckengang, der nach oben offen als sogenannte Allée cuverte gestaltet war und den Blick auf den Himmel nur in einem schmalen Streifen frei ließ. Über die 500 Meter lange Hauptallee strahlte der Glanz des Gartens in barocker Prunkentfaltung bis in weite Ferne.

Heute überzieht im späten April ein Meer von Schlüsselblumen das Rasenmittelstück der Allee mit zartem Gelb. Lust- und Zierboskett luden zum Lustwandeln und intimen Gespräch, in anderen Bereichen wurden Obst und Gemüse angebaut. Auch gab es einen Küchengarten mit Frühbeeten und Orangerie und jenseits des Heckengangs einen großen Obstgarten, dort wo noch heute Obstwiesen zu finden sind.

Ab 1774 vereinfachte Paschen von Cossel das Parterre und Zierboskett und die in der Unterhaltung aufwändigen Elemente wie Fontänen und Broderien wurden aufgegeben. Auch das Gartenhaus wurde um 1820 vermutlich wegen Baufälligkeit abgebrochen.

Noch heute aber lassen sich die Grundstrukturen des Gartens durch das erhaltene Alleensystem gut nachvollziehen. Ein aus zwölf Linden bestehender „Grüner Salon“, der auch als die „Zwölf Apostel“ bezeichnet wird, ist ebenso ein Überbleibsel aus dem 18. Jahrhundert wie die trapezförmigen Aufweitungen in den Seitenalleen: hier befanden sich vermutlich dereinst Lattenpavillons mit bemalten Leinenbespannungen, die Szenen der griechischen Götterwelt zeigten. Einige wenige erhaltene skurrile Barockstatuen stehen heute am privaten Herrenhaus, wo auch die restaurierte Titanengruppe vom Bildhauer Ludwig von Lücke (1703–1780) zu finden ist. Das alte Feuerwehrgerätehaus am Vorplatz des Gutes, das 1879 nach einem Hofbrand errichtet wurde, dient heute als Lapidarium für weitere steinerne Überreste der barocken Gestaltung. Es wird im Rahmen von Führungen geöffnet. Im alten Eiskeller, jenseits der Straße, der bei Führungen offen steht, kann heute auch ganz unverfroren der Bund fürs Leben geschlossen werden.

Im 19. Jahrhundert ließ Graf Theodor von Reventlow, Besitzer von Jersbek seit 1840, im ehemaligen Parterre- und Boskettbereich malerisch verteilt Solitäre pflanzen, darunter Buchen, Eichen, Kiefern, Eschen, Linden und Maronen, die heute teilweise als prachtvolle Exemplare den Park bereichern. Besonders beliebt ist Jersbek mit dem größten Vorkommen von Schlüsselblumen in einem Park im späten April, wenn die Blüten das 500 m lange Rasenmittelstück der Allee in einen gelben Teppich verwandeln.

Von Eislawinen und Wasserschlägen

Die Alleen und Heckengänge im Park mit ihren rund 500 Bäumen haben das hohe Alter von über 250 Jahren. Lange Zeit wurden die ehemals geschnittenen Bäume nicht mehr gepflegt und waren in den 1980er Jahren zu hohen Baumriesen gewachsen, die nach und nach in Stürmen verloren gingen. Zur Rettung der Alleen ersann man unter fachlicher Begleitung des Gartenarchitekten Ulrich Brien ein wirkungsvolles Sanierungskonzept: Seit Mitte der 1980er Jahre wurden Bäume in den entstandenen Lücken nachgepflanzt und die vorhandenen in einer Höhe von etwa acht Metern geköpft. Dies dient zum Erhalt der Bäume, die mit zunehmender Höhe und Gewicht der mehrstämmigen Kronen auseinanderzubrechen drohten.

Durch den ehemaligen Schnitt konnten sich in den Zwickeln der hoch aufragenden Stämme auf waagerechten Flächen und in Vertiefungen über lange Jahre Laub und Wasser sammeln. Dies hatte zu Fäulnis und zu Höhlungen in den Bäumen geführt. So gingen immer wieder fast hohle Bäume bei Stürmen verloren. Das in die hohlen Bäume laufende Wasser bildete dabei in den Stämmen oft meterhohe Wassersäulen. In strengen Wintern sind daher Frostrisse durch das sich ausdehnende gefrierende Wasser in den Stämmen manchmal so stark, dass sich an den Austrittstellen an den Stämmen lawinenartig bizarre Eisskulpturen bilden. Interessant ist dabei die Regenerationsfähigkeit der Linden: Die Risse schließen sich gut sichtbar durch starke Holzbildung wie bei einer Narbe, was als Überwallung bezeichnet wird. In der Vergangenheit wurden bei Baumsanierungen wasserableitende Rohre und Edelstahlanker eingesetzt, um die Bäume auch in Zukunft standsicher zu erhalten. Auch diese sind heute überwallt und an vielen der Bäume nur noch als kreisförmige Narben im Stamm zu erkennen. Eine der Linden, die bei einem Sturm umgestürzt war, wurde mit Hilfe des Technischen Hilfswerks (THW) wieder hochgezogen und ist heute wieder gut angewachsen.

Ausgetüftelte ist im Jersbeker Park auch die barocke Entwässerung. Da der Grundwasserstand hier sehr hoch liegt, wurde die Hauptallee als Damm ausgebildet, damit die Bäume nicht im Wasser standen. Drei wasserführende Querschläge ziehen sich senkrecht zu den Baumachsen unter diesen hindurch und leiten das überschüssige Wasser in Gräben am Rand des Parks. Dadurch war es möglich, trotz der ungünstigen Wasserverhältnisse imposanten Baumreihen aufzubauen. Noch heute funktioniert dieses ausgefeilte System.

Durch die Lappen gehen

Weit hinten im Wald des Barockgartens Jersbek zielen noch heute zwei Schneisen der barocken Jagdsterne auf das Ende der langen Lindenhauptallee, die sich vom ehemaligen Gartenhaus am Parkeingang bis hierher erstreckt. An diesem Wechselpunkt markiert ein achteckiger „Feuerlöschteich“, der aus dem Wald gespeist wird, die Stelle, wo sich früher ein aufwendig gestalteter Blickpunkt befand. Als Waldschneise strahlt die Allee auch weiter in die weite Landschaft, heute ein schöner Spazierweg.

Ein barocker Jagdstern war so konzipiert, dass sternförmig Schneisen in den Wald geschlagen wurden, die sich in einem Mittelpunkt trafen. Davon gab es in Jersbek zwei – rechts und links der Hauptachse. Während der Treibjagd nahm der bedeutendste Jagdgast im Zentrum des Sterns seine Aufstellung und konnte so rundum in alle Schneisen schießen. Die anderen Jagdgäste platzierten sich am Ende einer jeden Schneise und konnten deshalb das Wild nur in jeweils einer Richtung erlegen. Nicht selten kam es auch zu Jagdunfällen, selbst wenn die Reichweite der damaligen Waffen begrenzt war.

Das Wild wurde von Treibern innerhalb des Sterns im Kreis herum getrieben. Damit die Tiere nicht in die freie Feldflur entweichen konnten, wurden am Rande des Waldes bemalte oder bedruckte Jagdlappen gespannt. Gelang doch einmal einem Tier die Flucht, so war es „durch die Lappen gegangen“. Von dieser Tradition leitet sich unsere heutige Redewendung ab, die sich ab dem 18. Jahrhundert durchsetzte.

Cossels Grab

Vom Ende der Hauptallee ist es nicht weit zu Cossels Grab, das Paschen von Cossel 1791 im Wald für seine Frau Marie Elisabeth anlegte und wo auch er selbst seine letzte Ruhestätte fand. Ehemals betrat man die von einer Ringmauer aus Feldsteinen umgebene Anlage durch eine Vorkammer, die von einem Titanen bewacht wurde. Diesen hatte der Freimaurer Paschen von Cossel vom alten barocken Brunnen des Parterres hierher versetzt.

An der Grabstelle lassen sich verschiedene freimaurerische Symbole entdecken. Zwei Grabsteine rahmen einen Widmungsstein mit den freimaurerischen Lichtsymbolen Sonne, Mond und dem aus zwei übereinander liegenden Dreiecken gebildeten Hexagramm, das auch als flammender Stern gedeutet wird. Das Hexagramm ist im weitesten Sinn ein Symbol der Durchdringung von sichtbarer und unsichtbarer Welt und in der Alchemie, die den alten Freimaurern nahe stand, auch Symbol der Vereinigung aller Gegensätze, wie es sich auch in der Inschrift des Steines ausdrückt:

„Dem, Unbekannten – Bekanntesten

Unsichtbaren – Sichtbarsten

Dem Worte

Ewige Anbetung“

Zugleich symbolisieren die Buchstaben „A“ und „O“ – also Omega als letzter Buchstabe im griechischen Alphabet auf dem Stein – Anfang und Ende.

In der Vieldeutigkeit der Symbole liegt der verborgene Reiz, denn den Freimaurern zufolge soll ein jeder seine ganz eigene persönliche Deutung darin finden!

Adresse

Allee 1
22941 Jersbek

Öffnungszeiten

ganzjährig frei zugänglich, Herrenhaus privat
Eintritt: kostenfrei

Anreise

Icon Parken Gasthof Fasanenhof

Icon Eisenbahn Bargteheide

Icon Bus 8111, Anrufsammeltaxi 8119 (T 04532-2883324) "Allee" & "Sportplatz"

Serviceinformationen

Icon Hund erlaubt   Icon Rollstuhl (teilweise)

Angebote

Führungen: auf Anfrage zu Park, Eiskeller & Lapidarium,
T 04532 - 6620 (Frau Danger) & T 04532-21227 (Frau Lohse) &
T 04532 - 7264 (Herr Nuppenau)
Hamburger Literaturreisen, Vera Rosenbusch, T 040 - 46882387

Gastronomie

Icon  Cafe  Landgasthof Zum Fasanenhof

Veranstaltungsorte

Standesämter: Eiskeller am Barockgarten Jersbek

Gärtnereien & Läden

Gärtnereien: Gut Stegen
Gärtnerei JENTSCH

Weiterführende Informationen

Bürgerbüro Bad Oldesloe
Stadt Ahrensburg, Fachdienst Öffentlichkeitsarbeit

 

Kontakt

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