Route 6: Neumünster
Zu grünem Werk und Ernteglück
Klosterinsel Bordesholm

Ein erster Überblick

Klosterinsel Bordesholm

Die ehrwürdige Bordesholmer Linde, die aus den Anfangsjahren des Klosters stammt, breitet ihre Arme über den Lindenplatz am Eingang zum Klostergelände. 1327 waren die Augustiner Chorherren aus Neumünster auf die ehemalige „ufernahe Insel“ übersiedelt. Die Landschaft am Bordesholmer See und die beschauliche Ruhe hatten sie hierher gezogen. Auch heute noch liegt die gotische Klosterkirche (erbaut 1330–1510) eingebettet in eine Parkanlage. Wie einst blickt man vom Lindenrondell und den Resten einer alten Hainbuchenallee auf dem Rücken des Uferhangs auf den Bordesholmer See. Der Amtsmannspark war ehemals den Amtmännern und Landräten vorbehalten, die nach der Reformation hier residierten. Nach Plänen des Gartenarchitekten Harry Maasz wurde der alte Kirchhof 1920 umgestaltet und dabei einige Grabsteine und die Ziegelmauer aus dem 16. Jahrhundert erhalten. Ein Kräutergarten im Schutz der Kirche, der Klosterhof und der Stiftsgarten mit archäologischen Grabungsbereichen sind weitere grüne Ruhepunkte.

Auf Gartenspuren

In den Außenanlagen auf der Klosterinsel Bordesholm spiegelt sich eine rund 800-jährige Geschichte. Die ältesten Spuren führen in die Zeit der Klostergründung. Aus dieser Zeit stammen noch Teile der Klosterkirche und der Gewölbekeller, der heute eine Ausstellung mit Fundstücken aus der Klostergeschichte beherbergt. Auch die Grabungsbereiche mit Mauerresten, Fundamenten und Teilen des ehemaligen Kreuzgangs am Stift und die alte Bordesholmer Linde auf dem Vorplatz führen in die Zeit des Klosters und bis ins 16. Jahrhundert.

Der Park am Ufer des Bordesholmer Sees, der sogenannte Amtmannspark dagegen, zeigt als Landschaftspark mit einzelnen barocken Elementen Überreste aus der Epoche, als die Klosterinsel nach der Säkularisierung ab 1566 Sitz der Amtmänner wurde.

Direkt an der Klosterkirche wurde der alte Kirchhof zu Anfang des 20. Jahrhunderts vom bekannten Lübecker Gartenarchitekten Harry Maasz, der in Neumünster auch den Garten der Villa Wachholtz auf dieser Gartenroute anlegte, als Gedenkstätte für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs gestaltet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Anlage mit weiteren Denkmalen erweitert.

Die neueste Gestaltungsschicht findet sich am Klosterstifts: Im Innenhof, der von der Klosterkirche, dem alten Amtshaus und dem Neubau des Stifts (Alten- und Pflegeheim) umschlossen ist, laden schöne Bänke zum Ausruhen ein. Ein kleiner Kräutergarten liegt mit Blick auf den Bordesholmer See im Schutz der Klosterkirche an der nach Osten zeigenden Wand des alten Amtshauses. Ein neuer Stiftsgarten wird von den Mauerresten des Klosters im Süden des Neubaues gerahmt und ist über den Parkplatz am Stift zu erreichen. Vom Weg, der hier am Gewölbekeller vorbei zum Wanderweg am Bordesholmer See hinabführt, ist auch der alte Pastoratsgarten mit Weidekoppel am Pastorat (von 1799) zu überblicken.

Die Chorherren ziehen nach Bordesholm

1127 hatte Vicelin, der spätere erste Bischof von Oldenburg/Holstein, in Neumünster ein Kloster gegründet. Rund 200 Jahre später dann reichte den Augustiner-Chorherren die klösterliche Ruhe in Neumünster nicht mehr aus, da auf dem vorbeiführenden Heerweg geschäftiges Treiben herrschte. Sie beschlossen daher, das Kloster ins beschauliche Bordesholm zu verlegen. Einer der Gründe für diese Wahl war die landschaftlich schöne Lage mit Äckern, Wiesen, Wäldern, Seen und einem reichen Bestand an Fisch und Wild, der den Chorherren ein sicheres Auskommen versprach.

Erst mit dem Kloster entstand auch der Ort Bordesholm, dessen Name soviel bedeutet wie „ufernahe Insel“, abgeleitet vom Plattdeutschen „Bord“ für Ufer oder Rand und „Holm“, dem Wort für Insel. Über drei Dämme, den Norder-, Wester- und Osterdamm und ein Grabensystem zur Regulierung des Wasserstandes im See machten die Chorherren diese Insel landfest. Bald schon verlandeten die flachen Wasserflächen zu beiden Seiten des Norderdamms, so dass spätestens 1789 weitgehend der mit dem festen Land verbundene heutige Zustand erreicht war. Die alten Dämme lagen im Verlauf der heutigen Straßen Kirchhofsallee (Norden), Wildhofstraße (Westen) und Heintzestraße (Osten). Wie die sonstigen Außenanlagen in der Zeit des Klosters beschaffen und gestaltet waren, ist bislang nicht im einzelnen erforscht. Nur der Wappenbaum von Bordesholm, die rund 650 Jahre alte Linde mit einem Stammumfang von 6,20 Meter am Zugang zur Klosterinsel stammt noch als grünes Zeugnis aus der Klosterzeit. An diesem Baum wurden noch bis Anfang des 19. Jahrhunderts Gerichtsverhandlungen nach „Bordesholmischen Amtsgebräuchen“ abgehalten.

Mit dem Bau der Kirche (geweiht 1332), die im 3-jochigen Ostteils der heutigen Kirche weiterbesteht, wurden 1332 auch die Gebeine Vicelins von Neumünster nach Bordesholm überführt. Die Sage geht, dass die Chorherren hierzu eine beschwerliche Reise über Mühbrook machten, die dem Ort seinen Namen gab: Hier sank der Karren der Chorherren im Bruchwald (brook) ein und konnte trotz aller Mühe (muthe) nicht von der Stelle gebracht werden. Als plötzlich eine Stimme die Mönche an ihre sozialen Pflichten erinnerte, taten sie ein Gelübde, vor dem Kloster in Bordesholm ein Armenhaus zu bauen. Daraufhin konnte der Wagen angeblich plötzlich befreit werden.

Während der Klosterzeit wurde die Hallenkirche in norddeutscher Backsteingotik 1450–62 und 1490–1509 noch zweimal erweitert. Die insgesamt drei Bauabschnitte sind heute noch an den Fenstern auf der Nordseite der Kirche deutlich erkennbar. In der Kirche zeugt noch das Chorgestühl von 1509 und der Bronzekenotaph des Herzogs und seiner Gemahlin Anna von Brandenburg mit lebensgroßen Liegefiguren von 1514 aus dieser frühen Zeit. Der 1521 durch Hans Brüggemann vollendete Bordesholmer Altar wurde dagegen schon 1666 in den Schleswiger Dom überführt.

Ehemals war die Kirche durch zwei Kreuzgänge mit dem Klostergebäude, dem heutigen alten Amtshaus, verbunden. Reste des östlichen Kreuzgangs sind in der sogenannten russischen Kapelle der Kirche erhalten.

Die Amtsmänner richten sich ein

1566 wurde das Kloster Bordesholm im Zuge der Säkularisierung aufgehoben und in eine Gelehrtenschule umgewandelt. In etwa zeitgleich entstand der Amtssitz der Amtmänner. Dieser Wandel verdeutlicht sich auch im herzoglichen Wappen am heute nachgebildeten Turm in der alten Klostermauer. In der Klosterkirche befinden sich zudem die Sarkophage und Grabstätten verschiedener Herzöge des 18. Jahrhunderts. Die ehemalige Gelehrtenschule hatte einen guten Ruf und war Vorläufer der 1665 neu gegründeten Kieler Christian-Albrechts-Universität. Aus diesem Grund sind in der Kirche auch mehrere Kieler Professoren beigesetzt, darunter der Kieler Medizin- und Botanik-Professor Johann Daniel Major (1634–1693), der in Kiel den ersten Botanischen Garten, den Hortus medicus initiierte (s. Gartenroute Kiel – Alter Botanischer Garten). Die wertvolle Bordesholmer Bibliothek mit Inkunabeln, also gedruckten Schriften aus der Frühzeit des Buchdrucks (1450–1500), und Handschriften wurde mit der Schließung der Bordesholmer Gelehrtenschule und der Universitätsgründung nach Kiel und Kopenhagen überführt.

Über die Amtmannzeit zieht sich die Verbindung zwischen Neumünster und Bordesholm auch bis ins 18. Jahrhundert. Neumünster und auch Kiel waren damals dem herzoglichen Amt Bordesholm unterstellt. Caspar von Saldern (1711–1786), der für kurze Zeit auch Amtmann in Neumünster (1745–1749) war, begann danach in zaristischer Zeit seine eigentliche politische Karriere mit Sitz in Bordesholm als Minister der Zarenfamilie unter Peter III. und Katharina II. (der Großen).

Das Amtshaus, in dem sich heute die Heimatstube befindet, wurde als klassizistischer Bau um 1770 von Caspar von Saldern für seinen Sohn gebaut. Die an die Bordesholmer Klosterkirche angebaute Saldern-Kapelle von 1768 ist seine Grabstätte und die seiner Familie.

Nach von Saldern war Bordesholm Sitz einer Folge dänisch-königlicher Amtmänner und ab 1867 bis 1932 preußische Kreisverwaltung.

Der Amtmannspark am Uferhang des Bordesholmer Sees war Teil des Wohn- und Dienstbereichs der Amtmänner und Landräte, die von 1665–1932 im Amtshaus residierten. Seit dem 19. Jahrhundert war der Park auch öffentlich zugänglich. Ein Rondell aus sechs Linden und Teile des alten Baumbestandes sind vermutliche Puzzlestücke aus einer barocken formalen Gestaltung.

Später, vermutlich im späten 18. oder frühen 19. Jahrhundert wurde der Park landschaftlich umgestaltet. Jedoch ist die genaue Gestaltung und die Zeitpunkte von Umgestaltungen des Gartens noch nicht erforscht. In einem Lageplan von 1921 ist am See der „Garten des Landrats“ und auf dem Grundstück gegenüber der Kirche mit ihrem Friedhof der „Gemüsegarten des Landrats“ mit Stall eingezeichnet. Daran schloss sich der Garten des Försters mit Brunnen und Scheune und der Garten des Amtsrichters an (im Bereich des heutigen Stiftsneubaus). Hieraus wird die enge Verknüpfung von Gestaltung und Nutzwert der Gärten auf der Klosterinsel deutlich.

Unter den alten Bäumen im Amtmannspark sind eine Esskastanie und eine Hainbuchenreihe am Uferhang, wo man mit schönem Blick auf den See ein Picknick machen kann, besonders interessant. Auch ein abgestorbener Hainbuchenstamm mit gedrehter Holzstruktur findet allseits Beachtung.

Vom Seeuferweg führt der Weg über den Kaestners Gang mit alter Feldsteinpflasterung und begleitender Hainbuchenhecke und vorbei an einer alten Backsteinmauer aus dem 16. Jahrhundert zur Bordesholmer Linde und zum alten Kirchhof im Norden der Klosterkirche.

Der alte Kirchhof

Auf einem Teil des alten Kirchhofs befinden sich noch einige Grabmale aus dem 19. Jahrhundert, aus der Zeit bevor ein neuer Friedhof, der heutige Alte Bordesholmer Friedhof vor den damaligen Toren der Stadt angelegt wurde.

Ein großer Teil des ehemaligen Kirchhofs wurde jedoch 1920 nach Plänen von Harry Maasz mit einem Obelisken und einer Einfassung aus Feldstein-Gedenktafeln zu Ehren der Gefallenen des 1. Weltkriegs umgestaltet. Solche monumental-verherrlichenden Heldenstätten entstanden damals vielerorts und sind Ausdruck der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Anlage um Wappentafeln der früheren deutschen Ostgebiete (1961) und Gedenksteine für die Opfer beider Weltkriege ergänzt. Auch diese Denkmäler spiegeln die jeweilige Auffassung ihrer Zeit wider.

Adresse

Lindenplatz 11
24582 Bordesholm
Telefon 04322 – 751529, 04322 – 5763

Öffnungszeiten

Klosterinsel ganzjährig frei zugänglich, Kirche: 9-17 Uhr (außer Mo)
Eintritt: kostenfrei

Anreise

Icon Parken

Icon Eisenbahn Bordesholm

Serviceinformationen

Icon Hund erlaubt   Icon Rollstuhl (teilweise)

Angebote

Führungen: nach Voranmeldung, T 04322 - 4051 (Herr Claussen), Kirche: T 04322 - 2765
Veranstaltungen: Gottesdienste und gelegentliche Kulturveranstaltungen in der Klosterkirche, Ausstellungen in Gewölbekeller und Heimatstube

Gastronomie

Icon  Cafe  Reesdorfer Gartencafé
Restaurant-Hotel Seeblick
Seecafé
Ferienhof Lucht

Veranstaltungsorte

Standesämter: Historischer Brautberg Bordesholm
Reesdorfer Gartencafé
Kulturstätten: Klosterkirche Bordesholm

 

Kontakt

Die nächsten Veranstaltungen