Route 6: Neumünster
Zu grünem Werk und Ernteglück
Grünes Band an der Schwale

Ein erster Überblick

Grünes Band an der Schwale

Begleitet von der Schwale erstreckt sich ein grünes Band von der alten Papierfabrik an der Gartenstraße bis zum Selck’schen Park an der Klaus-Groth-Straße. Die Abfolge grüner Oasen erzählt die Geschichten mehrerer hundert Jahre: Bischof Vicelin, Namensgeber der Vicelinkirche mit ihrem baumumkränzten Kirchplatz, hatte um 1130 in Neumünster ein Chorherrenstift gegründet. Der nahe Teich war ehemals ein klösterliches Staugewässer, das Gerbereien, Tuchfabriken und Brauereien später zur Wasserentnahme nutzten. Auf der Klosterinsel wurde ein Nonnenkloster errichtet, später folgten die Nutzung als Herrensitz und der Betrieb einer „Wollfabrique“. Heute erinnern Klostergraben und Bastionen an den Ursprung des Parks. Der Rencks Park ist eng mit dem Aufschwung Neumünsters zur Industriestadt verbunden. Hans-Lorenz Renck stiftete 1870 das grüne Familienjuwel zur Erbauung der Bürger seiner Heimatstadt Neumünster. Der verwunschene Selck‘sche Park führt in die Schwalelandschaft und zur Villa Wachholtz.

Vicelins Erbe

Auf einem schönen lindenumsäumten Rasenplatz steht die Vicelinkirche aus gelbem Ziegelmauerwerk. Sie wurde 1829–34 an Stelle der 1811 abgebrochenen und noch aus der Zeit Vicelins stammenden Bartholomäuskirche als Emporensaalkirche errichtet. Als Werk von Christian Friedrich Hansen gilt die Vicelinkirche als ein Hauptwerk des Klassizismus in Schleswig-Holstein. In ihrem Inneren befinden sich verschiedene Kunstwerke, darunter das Relief „Jesus segnet die Kinder“ (1837) von Bertel Thorwaldsen und ein Altarbild (um 1830) von Detlev Konrad Blunck. Ein Holzrelief stammt noch aus dem 16. Jahrhundert. Das alte Kirchhofsgelände, welches rund 700 Jahre, nämlich von 1125 bis 1813, als Friedhof diente, wurde nach dem Bau der neuen Kirche im 19. Jahrhundert mit einem Baumkranz versehen und gärtnerisch gestaltet. Auch später in den 1920er Jahren, fanden Umgestaltung des Kirchplatzes statt. Eine alte Esche innerhalb der Lindenrahmung ist heute eingetragenes Naturdenkmal.

Ihren Namen hat die Kirche vom späteren ersten Bischof von Oldenburg/ Holstein Vicelin (gestorben 1154), der 1127 in Neumünster ein Kloster gründete. Dieses bestand rund 200 Jahre in der Stadt und siedelte dann nach Bordesholm über (s. Klosterinsel Bordesholm). Das erste Kloster an der alten Bartholomäuskirche, welches heute nicht mehr erhalten ist, gab Neumünster auch seinen Namen, der sich von „Novum Monasterium“ ableitet.

Von Mönchen, Mühlen und Klöstern

Vom Kirchplatz führt der Weg über die Fußgängerzone zu den Teichuferanlagen. Der dortige Teich existiert vermutlich bereits seit dem 13. Jahrhundert, als die Mönche des von Vicelin gegründeten Klosters die Schwale zum Antrieb ihrer Mühle zum Mühlenteich anstauten. Auch später dienten Teich und Schwale der Stadt, boten sie doch die notwendige Wasserversorgung für die Industrie.

Die heutige Gestaltung stammt weitestgehend aus den 1960er Jahren und soll in den nächsten Jahren ein neues Kleid bekommen. Ein Uferweg führt bis zum Großflecken und schließt an die dortige Klosterinsel mit ihrer schönen Geländemodellierung an.

Die Geschichte der Klosterinsel beginnt im Jahr 1498, als Herzog Friedrich im Schutz des Schwalebogens, der heute noch als Graben zu erkennen ist, ein Nonnenkloster einrichtete. Nach der Reformation im 16. Jahrhundert wurde der Besitz Residenz des Herzogs und später Sitz des Amtmanns, dann Zucht- und Tollhaus bis schließlich 1760 die erste "Privilegierte Wollzeugfabrique" hier eingerichtet wurde. Diese war zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Besitz der Tuchmacherfamilie Renck, die hier 1824 die erste Dampfmaschine aufstellte.

Nachdem die Rencks ihren Besitz zu Ende des 19. Jahrhunderts veräußert hatten, erwarb 1915 die Stadt die Klosterinsel. Schon 1933 wurden die letzten Klostergebäude abgerissen. Die ehemaligen Gräben wurden mit Trümmerschutt des Zweiten Weltkriegs verfüllt und 1960 schließlich eine Parkanlage auf der Klosterinsel eingeweiht.

Noch heute erkennt man im Grundriss die vier Eckbastionen des ehemaligen Klosters und Herrensitzes. Auch Reste der Gräben zeichnen sich noch im Gelände ab. Ein von einer Baumreihe aus Buchen begleiteter Pfad führt hinauf zu einem alten Wall mit Resten der südöstlichen Bastion.

Die Skulptur des liegenden Hirtengottes Pan aus weißem Granit am Eingang zum Park vom Großflecken wurde um 1910 von Hans Bauer aus München geschaffen und befand sich ehemals im Garten der Villa Köster in der Parkstraße 11. Wandert man weiter entlang der Schwale Richtung Rencks Park, schimmert diese Villa schon vom anderen Ufer des Flusses durch das Laub des Gehölzes auf der Klosterinsel.

Nachrichten aus Rencks Park

Im Rencks Park zeugt der schöne alte Baumbestand aus Rot-, Blut-, Trauer- und schlitzblättriger Buche, Säuleneiche, Platane, Rosskastanie, Ginkgo und Magnolie noch vom alten privaten Villenpark, den der Tuchmacher Detlef Anton Renck (1809–1867) 1857 auf dem südöstlich der Klosterinsel anschließenden freien Gelände anlegte. Im Jahre 1870 schenkte sein Neffe Hans Lorenz Renck (1840–1893) den Park einschließlich eines Kapitals, das den Unterhalt des Parks aus Zinsen gewährleisten sollte, der Stadt Neumünster, um den Garten zum Wohle der Bürger zu erhalten. Die Rencks hatten es seit dem 17. Jahrhundert zu einem beachtlichen Vermögen gebracht und zahlreiche Stiftungen zur Unterstützung bedürftiger Bürger und der Stadt eingerichtet. Der Park wurde jedoch zunächst noch weiter durch die Familie genutzt, zuletzt von Heinrich Renck, der schließlich 1920 auf die Nutzung des Gartens verzichtete. Schon im darauffolgenden Jahr wurde der Park der Öffentlichkeit übergeben.

Schnell jedoch wurde der Park des Nachts verschlossen, um Ruhe und Ordnung zu wahren. Ein für heutige Verhältnisse unterhaltsamer Polizeibericht lamentierte beispielsweise, dass „Scharen von Kindern schon soviel Unfug getrieben [haben], daß ihre Fernhaltung unter allen Umständen notwendig ist und abends wurde von der Polizei eine so große Anzahl Pärchen angetroffen, daß wirklich Erholungsbedürftige dort keine Stätte zum Ausruhen finden.“

In den 1920er Jahren häuften sich wegen der verschlossenen Parkeingänge dann aber auch die Beschwerden, die in den alten Akten zum Park erhalten sind. Aus einem dieser amüsanten Briefe eines Bürgers, die auch die Beliebtheit des Parks widerspiegeln, hier eine Kostprobe:

„Als ich gestern abend, am 5. November abends 5 Uhr nach einem kurzen Spaziergang den Renckschen Park verlassen wollte, fand ich beide Eingänge verschloßen. Wie mir erging es noch vier Frauen, darunter einer alten Frau mit einem Kinde und einem Herrn mit zwei Kindern. Ich war gezwungen über den Stacheldrahtzaun an dem Lyceum zu steigen. Von da begab ich mich zur Polizeiwache im Rathaus, wo ich den Vorgang erzählte. Auf der Polizeiwache war man auch gleich zur Hilfe bereit, so daß eine eingeschlossene Frau alsbald befreit wurde. Die übrigen Personen hatten sich durch Übersteigen des Zaunes, wobei ich der alten Großmutter behilflich war, selbst befreit.“

Zur Verbesserung der Zugänglichkeit wurde 1927 der Klosterweg als Verbindung zwischen Großflecken und der heutigen Rencks Allee, eingerichtet. Auch weitere Umgestaltungen wurden im Park vorgenommen, die 1928 wegen der schönen Bäume, des Blumenflors und neuen Bänke gelobt wurden. Wie begehrt die Bänke waren, verdeutlicht ein Leserbrief, der an die sogenannen „Dauersitzer“ appelliert, doch nicht stundenlang auf einer Bank zu verharren:

Auf Anregung eines weiteren Leserbriefes im Holsteinischen Courier wurde 1927 eine Terrakottatafel für den Stifter der Anlage Hans Lorenz Renck an einem der Sitzplätze in die Umfassungsmauer eingelassen. Eine weitere Gedenkbüste aus Bronze von Georg Fuhg enthüllte man 1963 für den Stifter.

Der Max-Roer-Platz leitet vom Rencks Park über in den von der Schwale durchflossenen, verträumten Park der ehemaligen Villa Selck, der mit den Überresten einer alten Kastanienallee entlang der Schwale bis in den Neuen-Schwale-Park östlich der Klaus-Groth-Straße führt. Zukünftig ist hier die Verknüpfung mit dem Garten der Villa Wachholtz und dem Skulpturenpark der Gerisch-Stiftung vorgesehen.

Adresse

zwischen Kleinflecken, Am Teich, Lütjenstraße, Parkstraße, Holstenstraße & Klaus-Groth-Straße
24534 Neumünster

Eigentümer: Stadt Neumünster

Öffnungszeiten

ganzjährig frei zugänglich
Eintritt: kostenfrei

Anreise

Icon Parken innerstädtische Parkplätze

Icon Eisenbahn Neumünster

Icon Bus verschiedene Stadtbusse "Teich-Brücke", "Kleinflecken", "Parkcenter"

Serviceinformationen

Icon Hund erlaubt   Icon Rollstuhl (teilweise)

Angebote

Führungen: Führungen auf Anfrage bei der Tourist-Information Neumünster, T 04321 – 43280
Veranstaltungen: Kunstflecken – jährliches Kulturfestival, www.kunstflecken.de & Konzerte in der Vicelinkirche.

Angebote für Kinder

Gastronomie

Icon  Cafe  Restaurant Blechnapf
Restaurant Stadthalle

Veranstaltungsorte

Kulturstätten: Vicelinkirche

 

Kontakt

Die nächsten Veranstaltungen