Route 6: Neumünster
Zu grünem Werk und Ernteglück
Gerisch-Skulpturenpark

Ein erster Überblick

Gerisch-Skulpturenpark

Im idyllischen Tal an der Schwale liegt der Gerisch-Skulpturenpark. Sorgfältig abgestimmt auf den ursprünglich privaten Hauspark der Villa des Stifterehepaares Herbert und Brigitte Gerisch befinden sich dort Skulpturen bedeutender Künstler. So schwebt ein zartes, wie aus Pergament gehauchtes Kleeblatt von Katsuhito Nishikawa auf dem Wasser. Nahe bei fügt sich das Paar Philemon und Baucis des Künstlers Ian Hamilton Finlay harmonisch in das Blätterwerk einer schützenden Insel. Horst Antes Kopffüßler gesellt sich zu einer Baumgruppe. Auf einer Lichtung steht die geheimnisvolle Figurengruppe der kopflos Schreitenden der polnischen Künstlerin Magdalena Abakanowicz. Der Park am Lauf der Schwale soll zukünftig das grüne Band der Stadt um 30 Hektar erweitern. Auch hier ergreift die zeitgenössische Kunst das Wort. Renommierte Künstler werden die Frage nach dem heutigen Arkadien beantworten – regional auf den Ort bezogen, aber zugleich mit internationaler Perspektive.

Ein Park der Kunst

Der ruhevolle Park der Gerisch-Stiftung am Lauf der Schwale entstand vor rund 25 Jahren als privater Garten des Stifterehepaares. Mit Wasserflächen, Bächen, Inseln, Hainen ist ein inzwischen reicher reifer Park entstanden. Verknüpft mit diesem sind verschiedene Skulpturen international bekannter Künstler. Sie sind der Beginn der künstlerischen Sammlung unter freiem Himmel, die von der Herbert-Gerisch-Stiftung seit 2001 hier ausgestellt wird. Es ist geplant, die beiden Stiftungsziele zur Förderung bildender Kunst und Denkmalpflege im neuen Gerisch-Park-Zentrum in der angrenzenden Villa Wachholtz und in einer Erweiterung des Gerisch-Parks zu einen. Im Tal der Schwale soll der Park dazu im Lauf der nächsten 25 Jahre, naturnah gestaltet, auf 30 Hektar anwachsen.

Gestalterisch bekommen so der Flusslauf und die Auenlandschaft besondere Bedeutung. In seinen wiederherzustellenden Mäandern entstehen natürlich-kunstvoll Bühnen, Räume, die sich mit den Werken der Künstler verbinden werden. Anknüpfen wird der neue Park sowie der wiederhergestellte Wachholtz’sche Villengarten an den Selck’schen Park im vorhandenen Grünen Band an der Schwale. So lässt sich bald die Stadt von West nach Ost auf blau-grünen Pfaden kunstbeseelt durchschlendern – von der Vicelinkirche bis zum Brachenfelder Gehölz.

Der Gerisch-Skulpturenpark lädt ein zum ruhevollen Genießen. An lauschig-schönen Flecken sind hier und da Bank, Stuhl und Sessel aufgestellt. So öffnet sich die Parklandschaft zu immer wieder neuen schönen Blicken und wechselvollen Perspektiven.

Auf diese Parklandschaft beziehen sich auch zahlreiche Kunstwerke, die in engem Dialog mit der Natur stehen und auf diese formal wie inhaltlich antworten. Auch die einzelnen Kunstwerke nehmen untereinander Verbindung auf. So steht der Kopffüßler von Horst Antes im Gegensatz zu den kopflos Schreitenden von Magdalena Abakanowicz. Auch arbeiten die Kunstwerke zeitgenössisch modern mit geschichtlichen Ereignissen und Mythen.

Von der Vergänglichkeit

Gewisse Ruhe braucht man, um das "Occhio Piangente" (1984) des Künstlerpaares Anne und Patrick Poirier versteckt in einer Baumgruppe am Wasser zu entdecken. Die beiden französischen Künstler gleichen Jahrgangs (1942) arbeiten in der "Spurensicherung", einer Kunstrichtung, die Relikte der Vergangenheit aufspürt und verdeutlicht. Dabei sind die Zerbrechlichkeit und Zerstörung von Kulturen und die Erinnerung daran hervortretende Themen.

Das „Weinende Auge“ schufen beide Künstler beeindruckt von fernöstlichen Kulturen. Dazu griffen sie auf eine Legende zurück: Ketas, ein hinduistischer Pilgerort in Indien bedeutet übersetzt – wie die Skulptur – "Weinendes Auge". Es heißt, die Trinkquelle bei den Ruinen Ketas, ein spiritueller Ort, sei durch die Tränen von Gott Shiva entstanden, der hier den Tod seiner Frau Sati betrauerte. Daran erinnernd, steht das Auge im Park der Gerisch-Stiftung an einer Wasserfläche.

Flüchtig wie Tränen schwebt auch das Kleeblatt "Floating Clover“ (2005) von dem japanischen Künstler Katsuhito Nishikawa auf dem Wasser. Von Natur bestimmt sind für den Künstler Mensch, Kunst und Kultur, sie zeigt die Richtung, Grenzen, Möglichkeiten. Aus dieser Philosophie heraus entwickelt Nishikawa Kunstwerke von anmutiger Stille und voller Konzentration. Bei ihrer versunkenen Betrachtung lässt sich die Welt ganz leicht vergessen.

Mahnen an den Frieden

Frieden und Liebe verkörpern die „Kissing Birds“ (1999/2000) von Menashe Kadishman (1932 Tel Aviv). Bedeutung gewinnt die Skulptur besonders vor dem Hintergrund des politischen Engagements des Künstlers, der sich für die Aussöhnung zwischen Israel und Palästina einsetzt.

Menashe Kadishman ist vielen Menschen durch die Installation Shalechet (Gefallenes Laub) in der „Leerstelle des Gedenkens“ im Jüdischen Museum in Berlin bekannt. Hier wandert man mit schepperndem Geräusch auf über 10.000 eisernen Gesichtern mit schmerzgeweiteten Mündern.

Zum Frieden ruft auch Mimmo Paladinos "Krieger des Friedens" – "Guerriero della Pace" (2003) – auf, der wie ein Wächter am Eingang der Gerisch-Villa steht. Die Haltung der Figur strahlt Ruhe und Entschlossenheit aus. Sich über einer zerbrochenen Schale – dem Zeugnis der Zerstörung – erhebend, gibt sie mit dem Schild in der Linken den Vögeln einen Halt. Der italienische Künstler greift in seinen Werken gern die Symbole verschiedener Kulturen und Religionen auf. So entstehen rätselhafte Zeichen, Fabelwesen und neue Bilderwelten, die auf eine mystische Welt verweisen, in der Lebende und Tote nebeneinander existieren.

Zu Philemon und Baucis

Kaum ein anderer Künstler des 20. Jahrhunderts hat die Bedeutung des Wortes und die damit verbundenen Bilder so sehr auf den Garten bezogen wie der schottische Künstler Ian Hamilton Finlay (1925–2006). Der utopische Traum einer Umgestaltung der ganzen Welt in einen Landschaftsgarten nach den Ideen Rousseaus, verstanden als Raum der Neuordnung einer Gesellschaft freier Individuen, wird zum Ausgangspunkt eines Werkes, das der Künstler immer auch politisch verstanden hat. Sein Schaffen begeistert im von ihm gestalteten Garten „Little Sparta“ unweit Edinburghs die Welt mit in die Natur gehauchter Kunstpoetik.

Finlay schuf Kunstwerke in aller Welt, er ist in der Londoner Tate Gallery genauso vertreten wie im Max Planck Institut in Stuttgart, dessen Park nach Plänen von Hans Luz mit seinen Arbeiten ausgestattet wurde.

Im Paar "Philemon und Baucis" (1984) im Gerisch-Skulpturenpark vereinen sich auf die für Finlay typische Art und Weise Mythologie und Poesie, Natur und Kunst. Das Werk bezieht sich auf eine Sage aus der griechischen Mythologie, die in den „Metamorphosen“ von Ovid verewigt ist:

Die auf der Suche nach einem Nachtquartier in Phrygien überall abgewiesenen Götter Jupiter und Merkur finden schließlich in einer einfachen Hütte bei dem greisen Paar Philemon und Baucis Unterkunft. Hier werden sie mit Gastfreundschaft empfangen: Die beiden Alten bieten alles auf, was ihnen an Vorräten zur Verfügung steht. Am Ende geben sich Jupiter und Merkur zu erkennen und belohnen Philemon und Baucis. Als einzige aus der "gottlosen Nachbarschaft" werden sie vor der Strafe der Sintflut gerettet. Ihre Hütte wird in einen Tempel verwandelt und die Götter stellen ihnen einen Wunsch frei. Sie wünschen sich, als Priester im Tempel dienen und zur gleichen Zeit sterben zu dürfen. Ihr Wunsch wird erfüllt und sterbend werden sie in nebeneinander stehende Bäume verwandelt.

Im Park der Gerisch-Stiftung sind Philemon und Baucis in Stein gehauen an zwei nah beieinander stehenden Bäumen zu finden.

Adresse

Brachenfelder Straße 69
24536 Neumünster
Telefon 04321 – 555120

Eigentümer: Herbert-Gerisch-Stiftung

Öffnungszeiten

Mi-So 11–18 Uhr; im Sommer von April bis Oktober am Wochenende bis 19 Uhr
Eintritt: Eintrittsgebühr

Anreise

Icon Parken City-Parkhaus Plöner Str. 27 / Ecke Brachenfelder Str. (Fußweg 8 Min.)

Icon Eisenbahn Neumünster

Icon Bus Anruf-Linien-Taxi B "Brachenfelder Straße"

Serviceinformationen

Icon WC   Icon Hund erlaubt   Icon Rollstuhl

Angebote

Führungen: Führungen auf Anfrage, T 04321 – 555120
Veranstaltungen: Umfangreiches Kulturprogramm mit Ausstellungen, Lesungen, Vorträgen, Workshops, Konzerten und Theater, Malwerkstatt

Angebote für Kinder

Gastronomie

Icon  Cafe  Café Harry Maasz

Veranstaltungsorte

Standesämter: Gerisch-Galerie
Kulturstätten: Herbert-Gerisch-Stiftung
Film & Foto: Gerisch-Skulpturenpark

Freundeskreise und Fördervereine

Malschule Neumünster e.V.

Weiterführende Informationen

Tourist-Information Stadt Neumünster

 

Kontakt

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