Route 6: Neumünster
Zu grünem Werk und Ernteglück
Garten am Casper-v.-Saldern-Haus

Ein erster Überblick

Garten am Caspar-von-Saldern-Haus

Das ehemalige Amtshaus wurde 1744–46 für den Amtmann Caspar von Saldern (1711–1786) als herrschaftliches Stadtpalais erbaut. Von Saldern residierte jedoch nur bis 1749 in Neumünster, weil er Opfer einer Intrige wurde – die Gründung einer Schützengilde brachte ihn zu Fall. Dennoch machte von Saldern später Karriere als holsteinisch-russischer Diplomat und Staatsminister Katharinas II. von Russland. Vom ehemaligen ländlich barocken Garten, der sich mit Baumgarten und Pavillon bis zur Boostedter Straße erstreckte, zeugt noch eine Allee aus gekappten Linden. Eine zweistämmige Blutbuche und eine imposante fünfstämmige Rotbuche sind aus der späteren Gartenentwicklung des 19. Jahrhunderts erhalten. Nach Auflösung des Amtes 1867 fand das Gebäude wechselnde Nutzungen vom Amtsgericht bis zur Jugendherberge. Zwei Flügelbauten wurden 1947 hinzugefügt, als es englisches Offizierskasino war. Heute ist das sanierte Baudenkmal Kulturzentrum. Auch der Garten soll in Kürze in neuem Glanz erstrahlen.

Caspar von Saldern gibt sein Debut

Caspar von Saldern (1711–1786) war zunächst Neumünsteraner Amtsverwalter, Zoll- und Licenteinnehmer und, als 1745 Neumünster zum selbständigen Amt erklärt wurde, Amtmann. Kaum hatte er, teilweise mit seinen privaten Geldern, ein prächtiges neues Amtshaus (1744–46) errichten lassen, musste er es 1749 nach einem Räumungsbefehl auch schon wieder verlassen und kaufte 1751 das Gut Schierensee nahe Kiel, welches er später zu kulturellem Glanz brachte.

Größten Einfluss erlangte von Saldern, als er ab 1762 Konferenzrat zunächst unter Zar Peter III. und nach dessen Ermordung russisch-großfürstlicher Staatsminister unter Katharina der Großen war. In dieser Funktion vertrat er die Interessen des russischen Herrscherhauses in den Gottorfer Besitzungen in Holstein. Zu dieser Zeit war er auch in Bordesholm ansässig.

Katharina die Große wünschte aus machtpolitischen Gründen Frieden mit Dänemark. Mit großer Energie setzte sich von Saldern für einen Austausch zwischen beiden Ländern ein, so dass es 1767 zu einer Vereinbarung über die Gottorfer Frage und 1773 zum Vertrag von Zarskoje Selo kam. Dabei tauschte Russland den Gottorfer Reststaat gegen andere Gebiete an König Christian VII. von Dänemark ein. Die Wiedervereinigung der Herzogtümer Schleswig und Holstein unter dem Dach des dänischen Gesamtstaates, die wesentlich durch von Salderns Wirken herbeigeführt wurde, brachte eine Phase kultureller und wirtschaftlicher Blüte im Lande.

Von Saldern zog sich ab 1771 auf sein Gut Schierensee zurück und fand später in einer von ihm schon zu Lebzeiten angebauten Grabkapelle an der Südseite der Bordesholmer Klosterkirche seine letzte Ruhestätte.

Maronniers und Höge-Büsche

Das 1746 fertig gestellte spätbarocke Caspar-von-Saldern-Haus ist heute das älteste Baudenkmal Neumünsters. Der Amtmann Caspar von Saldern errichtete das Haus als Amtshaus, wobei unklar ist, aus wessen Hand die Entwürfe zu dem repräsentativen zweigeschossigen Putzbau mit Walmdach stammen. Bekannt ist nur, dass die Arbeiten durch Zimmermeister Runge ausgeführt wurden. Eingebettet war das Haus in einen ländlich barocken Garten, der heute noch in Resten erhalten ist.

Die „Strohm-Karte“ von 1774 vermittelt jedoch ein Bild des Gartens in dieser Zeit. Danach dehnte er sich über rund 200 Meter langgestreckt hinter dem Haus bis in den Bereich der heutigen Boostedter Straße. Vor dem Haus, am heutigen Haart, befand sich eine angerartige Erweiterung und eine in barocker Manier auf das Hauptgebäude bezogene Hofanlage mit zwei Wirtschaftsflügeln.

Auch gab es eine Vielzahl von Nebengebäuden zur Bewirtschaftung des landwirtschaftlichen Betriebes. In zeitgenössischen Beschreibungen des Baron von Mardefeld, des von Saldern nachfolgenden Amtmanns, vom 4. Dezember 1749 werden diese Wirtschaftsgebäude genauer beschrieben. So gab es Geschirr- und Knechtkammern, ein Waschhaus, Wagen- und Torfschauer sowie Ställe zur Unterbringung von Pferden, Kühen, Schweinen, Gänsen und Hühnern. Eingefasst war dieser Vorhof mit einer „Befriedung von 70 Fuß mit eichen Palisaden 8 Fuß hoch bis an das Torfschauer gehend“ und der ganze Hof war „überall fachweise mit großen und kleinen Steinen gepflastert“.

Hinter dem Haus dagegen erstreckte sich ein Garten ganz anderer Natur, der wohl auch der Repräsentation diente. Dem Gartensaal vorgelagert, lag eine leicht erhöhte Terrasse mit zwei Rasenparterres und einem Boulingrin. Daran schloss sich ein von Alleen gefasster Baumgarten an, der durch eine Querachse untergliedert war. Auch von Saldern selbst erwähnt seinen Garten 1949 und die „mit Maronniers und Höge Büsche besetzten langen Allee, item dero im Garten und überhaupt und bey dem Hause befindlichen Lindenbäumen“ und er schreibt, dass „der anliegende Platz (...) mit 130 Maronier und einigen Hegebuchen besetzet (ist). An Linden befinden sich im Garten 132 Stück, alle sind gesäumt von einer ungewissen Länge und bei 12000 Stück Hegebüsche im besten Wachstum.“ Bei den „Maronniers“ handelte es sich um Esskastanien, die „Höge-„ oder „Hegebüsche“ waren Heckenpflanzen.

Hieraus ergibt sich das Bild eines Gartens mit typischen barocken Elementen. Die Beschreibungen vermitteln auch den Eindruck, dass das von Saldern‘sche Stadtpalais ein auf die städtischen Verhältnisse ausgerichtetes Herrenhaus war, das sowohl zur Versorgung als auch der Repräsentation diente. Teile der erwähnten Linden finden sich heute noch in Form einer geschnittenen Allee im Garten.

In neuerer Zeit

Wie sich der Garten nach von Saldern weiter entwickelte, ist wenig bekannt. Es liegt nahe, dass er bis zur Auflösung des Amtes Neumünster 1867 weiterhin von den Amtmännern genutzt und vielleicht auch umgestaltet wurde. Dies lassen auch einige mächtige Bäume im Garten vermuten, die wahrscheinlich aus der Mitte des 19. Jahrhunderts stammen. Nach 1867 und bis 1930 befand sich im Haus das Amtsgericht. Auch in dieser Zeit umgab das Haus eine repräsentative Grünanlage, jetzt auch im Bereich des ehemaligen Wirtschaftshofes. Entlang des Haart war im ausgehenden 19. Jahrhundert eine Lindenreihe gepflanzt worden, die es heute nicht mehr gibt.

Es wird vermutet, dass der Garten zur Zeit des Amtsgerichts schon zumindest zeitweilig öffentlich zugänglich war. Nach 1930 diente das Haus wechselnden Nutzungen, so als Dienstwohnung des Oberbürgermeisters aber auch als Sitz der NSDAP-Kreisleitung, Britisches Offizierskasino, Jugendherberge und Volkshochschule.

Viele der alten Bäume im Garten gingen in der Nachkriegszeit verloren. In den 1950er Jahren wurde das Gelände mit einem Spielplatz und Gehölzpflanzungen versehen. Im Zuge der Restaurierungen am Haus und der Einrichtung einer Musikschule in neuester Zeit sollen auch die Außenanlagen unter Berücksichtigung der Gartengeschichte neu gestaltet werden.

Adresse

Haart 32
24534 Neumünster

Eigentümer: Stadt Neumünster

Öffnungszeiten

ganzjährig frei zugänglich
Eintritt: kostenfrei

Anreise

Icon Parken

Icon Eisenbahn Neumünster

Icon Bus 6, 66 "Saldernhaus"

Serviceinformationen

Icon Hund erlaubt   Icon Rollstuhl

Angebote

Führungen: Führungen auf Anfrage bei der Tourist-Information Neumünster, T 04321 – 43280
Veranstaltungen: Konzerte, Lesungen und Sommerfeste im Haus

Gastronomie

Icon  Cafe  Galerierestaurant und Hotel Kontraste

Veranstaltungsorte

Festsäle: Gartensaal und weitere Räume im Caspar-von-Saldern-Haus
Standesämter: Caspar-von-Saldern-Haus
Kulturstätten: Caspar-von-Saldern-Haus

Freundeskreise und Fördervereine

Förderverein Caspar-von-Saldern-Haus e.V.

Weiterführende Informationen

Tourist-Information Stadt Neumünster

 

Kontakt

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