Route 6: Neumünster
Zu grünem Werk und Ernteglück
Friedenshain, Stadtwald & Stadtpark

Ein erster Überblick

Friedenshain, Stadtwald & Stadtpark

Der Stadtwald entstand um 1864 durch Aufforstung des Fleckenmoors zur Brechung der harschen „Wasbeker Winde“ und zur Klimaverbesserung in der aufstrebenden Industriestadt. Ein Teil des Waldes an der ehemaligen Lederfabrik Sager wurde auf Initiative des Stadtverordnetenvorstehers und Salzfabrikanten Carl Geerdts ab 1906 zu einem landschaftlichen Waldpark für die Bürger, dem Stadtpark, verschönert. Motive des heimatlichen Naturwaldes mit malerischen Baumgruppen, Lichtungen und Waldstauden waren dabei die leitende Idee. Ab 1921 entstand zum Gedenken an die gefallenen Soldaten des Ersten Weltkrieges weiter westlich im Stadtwald ein „Heldenhain“ nach den zeittypischen Vorstelllungen Willy Langes (1864–1941) und des Stadtbaurates Wilhelm Junglöw (1856–1931). Heute zum „Friedenshain“ umgewidmet, versinnbildlicht die beeindruckende kreisrunde Anlage mit dem rahmenden Raster aus über 1.000 Gedenkeichen das wandelnde Verständnis von der Heldenverehrung zum Mahnen für den Frieden.

Naturmotive im Stadtpark

Die Zweigschleppen alter Buchen an schönen Waldlichtungen im Stadtpark spielen mit dem Sonnenlicht. Sie stammen teilweise noch aus den Aufforstungen des 19. Jahrhunderts, welche nicht nur der Holzgewinnung dienen, sondern in fortschrittlichem Denken die Luft in der Industriestadt verbessern und die harschen Nordwestwinde brechen sollten. Letztere trockneten damals die Ackerflächen aus und ihnen wurden die vielen Fällen von Schwindsucht zugeschrieben.

Ab 1906 wurde der südöstliche Teil des Stadtwaldes, der sich gleich hinter der bis 1929 bestehenden Lederfabrik Sager befand und bis dahin als „Unsere Tannen“ und dann „Unsere Anlagen“ bezeichnet wurde, zu einem landschaftlichen Waldpark verschönert. Diese Verschönerungen dienten der Erholung der Bevölkerung und sollten auch den anschließenden geplanten Villengrundstücken einen Rahmen geben und sie zu den nahe liegenden Lederfabriken abgrenzen, um sie wertvoller und besser verkäuflich zu machen.

Der Stadtverordnetenvorsteher und Salzfabrikant Carl Geerdts, dessen Denkmal von 1894 im Park zu finden ist, hatte sich für diese Verschönerungen des Stadtparks besonders eingesetzt. Die Pläne dazu lieferte der Gartenarchitekt Wilhelm Hennings aus Hannover. Dieser verwendete Motive des heimatlichen Naturwaldes, integrierte malerisch gewachsene Einzelbäume und Baumgruppen des vorhandenen Forstes und formte Lichtungen zu schönen Waldwiesen, damit Licht und Sonne in die Waldbestände Einzug halten konnten. Dem Naturwald ähnliche Waldsaumbereiche mit Stauden, Wald- und Brombeeren, Traubenholunder, Schneeball und Schlehdorn gaben dem Park eine fröhliche Note. An trockenen und unfruchtbaren Waldstellen kamen Heidemotive mit Wacholder, Heide, Birke und Ginster zum Einsatz.

Gefällige Wegeschwünge sollten den Spaziergänger abwechslungsreich zu den schönsten Punkten und zu Zielen wie dem 1904 errichteten Waldrestaurant „Forsthaus“ (1974 abgebrochen) nahe der Carlstraße und zu geplanten Aussichtsplätzen führen. Bänke und Unterkunftshallen waren in der Planung ebenso vorgesehen, wie ein großer schattiger Spielplatz. Hennings schlug auch die Anlage einer Baumschule im Stadtwald zur Anzucht der benötigten Gehölze vor.

Noch heute klingen die Planungen Hennings im Stadtpark an. Gleichzeitig ist der Park auch Teil des Naturerlebnisraumes „Stadtwald Neumünster“, der Einblicke in Flora, Fauna und ökologische Zusammenhänge gibt.

Die Baumschule der Lederfabrik Sager

Ob die Einrichtung einer ersten Neumünsteraner Baumschule im Bereich des Stadtwaldes und des heutigen Friedenshains durch den Fabrikanten Sager im Jahre 1912 mit dieser Idee Hennings verbunden ist, ist bisher nicht bekannt.

Jedenfalls kamen die gärtnerischen Flächen an der Lederfabrik nicht nur der sozialen und gärtnerischen Neigung des Fabrikanten entgegen, sondern dienten auch zur zweckmäßigen Entsorgung der Industrieabwässer auf Rieselfeldern. Gleichzeitig wurde der Klärschlamm zur Düngung verwendet. Mehrere 1000 Kubikmeter Wasser wurden aus fabrikeigenen Brunnen gewonnen, täglich bei der Lederproduktion gebraucht und waren nach dem Produktionsprozess in der Lederfabrik stark verunreinigt. Dieses Wasser, welches lange Zeit in die Flüsse geleitet wurde, hatte Schwale und Stör derart verschmutzt, dass der Fischfang und die Nutzung der angrenzenden Weideflächen gefährdet waren. Daher wurden um 1900 erste Maßnahmen ergriffen, diesem Missstand zu begegnen.

Der Friedenshain

Der Stadtwald im Anschluss an den Stadtpark blieb als Waldgebiet erhalten. Hier befand sich am Färberredder seit 1900 ein Schuttabladeplatz für Fabrik- und Hausmüll, der 1929 als künstlicher Hügel mit einer noch heute bestehenden Rodelbahn ausgestattet wurde. Ursprünglich plante man hier den Bau eines Bismarckturms als Teil einer monumentalen Gestaltung: Stadtbaurat Wilhelm Junglöw (1856–1931) hatte hierzu schon 1915 erste Ideen für einen kreisrunden Heldenhain entwickelt, der mit dem Turm über eine monumentale Achse verbunden werden sollte. Die Nachkriegszeit mit der Nutzung der Flächen als Kartoffelacker und die wirtschaftlichen Verhältnisse beeinflussten und verzögerten jedoch die Umsetzung des Vorhabens, so dass der Turm nie gebaut wurde.

Die Idee eines Heldenhains aber wurde weiter verfolgt. Anstoß und Gestaltungsmotive zu diesem Vorhaben kamen vom damaligen Berliner Gartenbaudirektor Willy Lange (1864–1941), der in seiner deutschnationalen Auffassung seit 1915 die Schaffung von sogenannten Heldenhainen unter Berufung auf „urgermanische“ Vorbilder propagierte. Aus einem historischen Rundumschlag leitete Lange seine Theorien aus mythisch germanischer Kultur her, die das Ringmotiv und die Eiche als deutsche Sinnbilder verherrlichten. In Anspielungen an die glorreichen Kämpfe der Vergangenheit drückte sich auch die im Ersten Weltkrieg verbreitete Kriegsgläubigkeit aus. Jedoch gab es auch geistige Kräfte, die damals die Verwirklichung von Heldenhainen aus ideellen, ökonomischen und praktischen Gründen ablehnten, so beispielsweise Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst e.V.

Willy Lange veröffentlichte 1915 unter dem Titel „Deutsche Heldenhaine“ modellhafte Vorschläge zur Gestaltung, die regelmäßige Eichenreihen und eine zentrale kreisrunde Platzfläche mit einer umgebenden Wallanlage vorsahen. Auch gründete er in Berlin-Wannsee eine „Arbeitsgemeinschaft für Deutschlands Heldenhaine“, die ihre Schriften an die Kommunen leitete. Lange stand zeitweilig auch in brieflichem Kontakt mit der Stadtverwaltung in Neumünster, so dass seine Vorschläge fast unverändert von Junglöw umgesetzt wurden.

Zwischen 1921 und 1933 wurden dazu fast 1300 Eichenheister im Raster um einen kreisrunden Platz von 200 Metern Durchmesser gepflanzt, ein Baum für jeden der 1217 Neumünsteraner Gefallenen des Ersten Weltkrieges. Deren Namen wurden auf Findlingen verzeichnet, die den Weg um den Platz mit einer Rednerkanzel begleiteten. Bis zu 100.000 Zuhörer sollten hier bei Großveranstaltungen Platz finden. Das Großvorhaben geriet durch die finanziellen Nöte der Inflationszeit und der Wirtschaftskrise jedoch immer wieder in Bedrängnis und konnte nur mit dem ehrenamtlichen Engagement von Krieger- und Militärvereinen, Sportvereinen und Schulen sowie im Rahmen von Notstandsarbeiten fertig gestellt werden. 1933 wurde der Heldenhain mit militärischem Zeremoniell unter Teilnahme von 10.000 Menschen eingeweiht.

Die als „Heldenhain“ geplante Anlage spiegelt eindrucksvoll ein Stück Deutscher Geschichte und die damaligen gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen wider, die 1933 im nationalsozialistischen Regime mündeten.

In der Nachkriegszeit des Zweiten Weltkriegs wurde die Rednerkanzel entfernt und an ihrer Stelle ein Gedenkstein für die Opfer des Zweiten Weltkriegs – zunächst mit der Aufschrift „Für Euch“ – errichtet. Mit der wachsenden kritischen öffentlichen Diskussion um die Rolle der Wehrmacht wurde diese Inschrift in den 1970er Jahren entfernt und es begannen Überlegungen zur grundsätzlichen Neuinterpretation der Anlage. 1987 wurde der ehemalige Heldenhain daher in „Friedenshain“ umbenannt und zwei Jahre später eine Gedenkplatte nach einer Idee von Kirsten Eickhoff-Weber mit dem Text „Wehret den Anfängen – Nie wieder Krieg – Nie wieder Faschismus – den Lebenden zur Mahnung – Den Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft“ in der Mitte des Friedenshains installiert.

Der denkmalgeschützte Friedenshain macht somit als Spiegel der Geschichte des 20. Jahrhunderts den Wandel im Verständnis von Gedenkstätten gestalterisch ablesbar: Von der Heldenehrung des Ersten Weltkriegs über eine Phase des stillen Gedenkens hin zum aktiven Mahnen für eine friedvolle Zukunft.

Adresse

Junglöwweg, Forstweg
24537 Neumünster

Eigentümer: Stadt Neumünster

Öffnungszeiten

ganzjährig frei zugänglich
Eintritt: kostenfrei

Anreise

Icon Parken Geerdtsstraße: Am Ring & Tierpark

Icon Eisenbahn Neumünster Stadtwald

Icon Bus 4, 16 "Bad am Stadtwald", "Tierpark", "Forstweg"

Serviceinformationen

Icon Hund erlaubt   Icon Rollstuhl (teilweise)

Angebote

Führungen: Führungen auf Anfrage bei der Tourist-Information Neumünster, T 04321 – 43280

Angebote für Kinder

Gastronomie

Icon  Cafe  Bistrorant im TierPark

Gärtnereien & Läden

Gärtnereien: Gärtnerei Gerhard Lassen

Weiterführende Informationen

Tourist-Information Stadt Neumünster

 

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