Route 5: Lübeck
Von Wasserbäumen zu grünen Paradiesen
Wallanlagen

Ein erster Überblick

Wallanlagen

Wie ein grüner Kranz legen sich die Wallanlagen um den Süden der Altstadt. Die Lübecker Wasserläufe umschließen und durchfließen die baumbestandenen Wälle. Bis ins 18. Jahrhundert dienten die Befestigungsanlagen dem Schutz der Stadt. Als dieser entbehrlich wurde, begann man mit der Verschönerung der Wallanlagen, zunächst 1765 durch Alleepflanzungen, dann 1779 mit der Pflanzung exotischer Bäume wie Trompetenbaum und rotem Zedernbaum. Die Wege auf der Wallkrone und am Wallfuß boten damals wie heute reizvolle Spaziergänge mit Blick auf die Altstadt.
Mitte des 19. Jahrhunderts wurde Peter Joseph Lenné mit der Umgestaltung der Wallanlagen beauftragt, um den Einschnitt der Lübeck-Büchener Eisenbahn zu kompensieren. Umfangreiche Veränderungen der Wasser- und Verkehrswege lassen seinen Einfluss aber nur noch als leises landschaftliches Echo erklingen. Aber auch die Neuerungen haben einen starken Reiz: um 1910 entstanden die Sportanlage Buniamshof, die Freilichtbühne sowie der Spielplatz am Kaisertor.

Wasserwege rund um die Altstadt

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts bildeten die Wakenitz und der Krähenteich für Lübeck eine natürliche Barriere nach Osten. Die feuchte Flussniederung der Trave im Westen war wie geschaffen, um die Wallanlagen zu errichten. Das Grundgerüst des Wehrsystems, die Bastionen und der Stadtgraben, wurden dort gebaut. Im Schutze dieses Gürtels konnten die Handelsschiffe auf der Trave sicher Ladung aufnehmen und löschen. Auf den Wasserwegen selbst hinderten bei Bedarf die so genannten Wasserbäume, die aus zusammengeketteten Baumstämmen bestanden, das Eindringen feindlicher Schiffe.

Mit dem Bau des im Jahr 1900 eingeweihten Elbe-Lübeck-Kanals, der den in den Jahren 1392 bis 1398 zwischen Lübeck und Lauenburg gebauten schmalen Stecknitzkanal ersetzte, wurden die Wasserläufe rund um die Wallanlagen grundlegend verändert. Der Ingenieur Peter Rehder (1843–

1920), der auf dem Burgtorfriedhof bestattet ist, leitete die Arbeiten, bei denen im Osten der Altstadt eine schiffbare Verbindung geschaffen wurde. Durch den Kanalbau wurde der Krähenteich längs geteilt und zwei Bastionen von den Wallanlagen abgeschnitten. Außerdem wurde vor dem Burgtor eine Verbindung zur Untertrave hergestellt, womit die Lübecker Altstadt erst zur wahren Insel wurde.

Mit der Umgestaltung der Wasserwege änderte sich das Gesicht der Wallanlagen erheblich. Der vor dem Bau des neuen Kanals vorhandene Zusammenhang zwischen den Bastionen erschließt sich daher heute nicht mehr in allen Abschnitten.

Der Segen fehlenden Geldes

„So bietet der Wall in seiner gegenwärtigen Beschaffenheit nur Nutzen dar und Vergnügen durch seine herrlichen Spaziergänge in den hohen und schattigen Alleen, wo im Frühjahr besonders der ausgezeichnete Reichthum an Veilchen balsamischen Duft verbreitet. Sobald nördliche und östliche kalte Winde den obern Weg unangenehm machen, so gibt der Gang am Fußse neben dem Stadtgraben hinlänglichen Schutz und erquickenden Schatten. Schöne Baumgruppen und wechselnde Durchsichten verleihen ihm einen noch höheren Reiz. Den Ermüdeten laden überall vertheilte Bänke zur Ruhe an schönen Abenden ein. In sanfter Abdachung führen bequemste Fußssteige wieder auf die Höhe. Hier gewährt die freie Gegend die reizendste Aussicht auf die nahen und ferneren Umgebungen. Nach Innen hat man überall den Anblick der Stadt mit ihren Häusermassen und Thürmen in mannigfaltiger Abwechslung“. Diese einladende Beschreibung der Wallanlagen lieferte 1822 Heinrich Christian Zietz, der 1821 die Ansichten der Freien Hansestadt Lübeck und ihrere Umgebungen verfasste. Sie vermittelt eine Vorstellung von der landschaftlichen Gestaltung der Wallanlagen im frühen 19. Jahrhundert. Dabei dienten die Wallanlagen ursprünglich natürlich dem Schutz der Stadt und waren vom 12. bis zum Ende des 17. Jahrhunderts zu immer wehrhafteren Systemen ausgebaut worden. Als diese Form der Stadtsicherung nicht mehr zeitgemäß war, begann man mit der Pflanzung von Bäumen, zunächst zur Befestigung und Nutzholzgewinnung, ab Anfang des 18. Jahrhunderts dann als gärtnerischer Schmuck in Form von Baumreihen und Alleen.

1803 wurde der Beschluss zur Entfestigung der Stadt gefasst. Da die Mittel knapp waren, wurde auf eine Abtragung der Wälle verzichtet. Die wichtigste Neuerung war die Anlage der von Zietz beschriebenen Spazierwege auf der Wallkrone und am Hangfuß, die durch offene Rasenflächen und Baum- und Gebüschgruppen führten und immer wieder Ausblicke auf die Kirchen der Altstadt und das Dächermeer der Innenstadt freigaben. Den Lübeckern wurde damit eine Parklandschaft unmittelbar vor der Haustür geschaffen.

Peter Joseph Lenné in Lübeck

1850 wurden Teile der Wallanlagen eingeebnet, um den Bau der Lübeck-Büchener Eisenbahn zu ermöglichen. Die Eisenbahngesellschaft wurde aber dazu verpflichtet, die Wunden zu heilen und die Wallanlagen zu verschönern. Mit dem Entwurf wurde der Königliche Hofgartendirektor Peter Joseph Lenné beauftragt, der unter anderem die Parklandschaft um Potsdam geschaffen hatte, die auch ältere Parkanlagen, wie die am Schloss Sanssouci einbezog und weiterentwickelte. In Lübeck legte Lenné mit der ihm eigenen Kunstfertigkeit eine landschaftliche Modellierung der Wälle zugrunde, außerdem wurden neue Wege angelegt. Damit gewann die gartenkünstlerische Gestaltung endgültig die Oberhand über das militärische Bauwerk. Spätestens mit dem Ausbau der Wasserwege rund um die Wallanlagen um 1900 verschwanden die von Lenné gestalteten Parkteile jedoch bald wieder.

Neue Partien für die Wallanlagen

Als Erwin Barth 1907 seine Stelle als Lübecker Stadtgärtner antrat, zählte auch die Erhaltung der öffentlichen Grünanlagen zu seinen Aufgaben. In den Wallanlagen sah er besonderen Handlungsbedarf, da diese nach seiner Auffassung zu stark mit Baum- und Strauchflächen zugepflanzt waren und nicht mehr den Charakter einer Lennéschen Planung besaßen. Er ließ den Gehölzbestand stark auslichten, eine Maßnahme, die auch heute wieder betrieben wird, um die Modellierung der Wallanlagen zeigen zu können. Doch bei der Pflege sollte es nicht bleiben. Sozialreformerische Ideen sollten im ausgedehnten Grüngürtel verwirklicht werden, darunter besonders bedeutend der Bau eines Sportplatzes, der Möglichkeiten für die Ausübung verschiedener Sportarten im Freien bot. Im Dreieck zwischen der Wallstraße, dem Bahndamm der Lübeck-Büchener Eisenbahn und dem neuen Elbe-Trave-Kanal entstand ab 1912 der „Buniamshof“, eine moderne Sportanlage, mit der Lübeck der „gesunden Reformbewegung im deutschen Turnen“ Rechnung tragen sollte. Ähnlich einer Festwiese war der Sportplatz von Bäumen umstanden, und es gab sogar einen Kinderspielplatz. Ein weiterer Tummelplatz für kleine Leute wurde 1929 nahe dem Kaisertor geschaffen: im Sommer genießen die Kinder noch heute das warme Wasser des halbkreisförmigen Planschbeckens, über dem auf einer Granitsäule ein Junge mit Turnreifen steht. Auch die zur selben Zeit geschaffene Freilichtbühne, ursprünglich für die Aufführung von Laienspielen angelegt, ist im Sommer ein beliebter Platz für Kino und Theater.

Zur Begrüßung in Lübeck hatte bereits Erwin Barth an der Puppenbrücke Schmuckplätze angelegt, die vor einigen Jahren wieder zum Leben erweckt worden sind und nun einen würdigen Haupteingang zu den Wallanlagen bilden. Besonders e

Empfehlungen für einen Spaziergang

Der empfohlene Wallanlagenrundweg hat eine Länge von ca. 4 km. Eine Möglichkeit zur Abkürzung über den Malerwinkel besteht am Mühlendamm, wodurch die Tour auf 2,5 km verkürzt wird. Beide Routen bieten wunderschöne Stadt- und Parkerlebnisse.

Wallanlagenrundweg

Übersichtskarte als PDF (1,1 MB)

Erläuterungen zum Rundweg als PDF (31 KB)

Nahe dem empfohlenen Ausgangspunkt an der Puppenbrücke liegt das Welcome-Center, eine modern ausgestattete Touristinformation, in der auch zwei PCs mit Internetzugang umfangreiche Informationsmöglichkeiten bieten.

Die Puppenbrücke über den Stadtgraben ist ein sehr guter Startpunkt für die Erkundung der Wallanlagen. Unterhalb der Brücke empfängt der Sonnenplatz den Spaziergänger. Auf dem Weg nach Süden kann man schön zwischen den Ufer- und den Höhenwegen hin und her pendeln und dabei die Ausblicke aufs Wasser genießen. Eine Lindenallee führt den Spaziergänger auf der Wallkrone. Unbedingt ist der Schneckenberg auf der Bastion „Katze“ zu erklimmen, von dem aus man einen fantastischen Blick auf die Altstadtkulisse mit ihren Kirchtürmen hat. Gerade im Vorfrühling, wenn die Bäume noch nicht belaubt sind, sind weite Blicke möglich und die Blüte von Veilchen, Lerchensporn, Schlüsselblume und anderen bereichert das Bild.

Nach Querung der Possehlstraße beginnt der Aufstieg zur Bastion „Kommiss“, die den Minigolfplatz umschließt, wo sich vor 100 Jahren der städtische Anzuchtgarten für Stauden befand. Zur Wipperbrücke über die Obertrave führt der Weg an der Sportanlage Buniamshof und der Freilichtbühne vorbei, deren schöne hohe Hecken leider nur bei Veranstaltungen betrachtet werden können. Jenseits der Brücke führen warme Uferwege in einen Abschnitt starker Gegensätze: der 1929 angelegte Spielplatz vermittelt Leichtigkeit, während die Seefahrtschule über dem Kaisertor von 1899 wuchtig auf der Wallkrone thront.

Oberhalb des Mühlenteichs liegt der Krähenteich, der bei der Anlage des Elbe-Trave-Kanals 1896–1900 verkleinert wurde. Wunderschön ist nicht nur das Lustwandeln auf dem Damm zwischen den beiden Gewässern, das Ufer des Krähenteiches verführt auch zum Sommerpicknick in der Stadt. Eine Pause kann man sich aber auch auf der Uferterrasse des „Sachers“ gönnen. Durch die Wahmstraße geht es den Altstadthügel Richtung Rathaus hinauf, wo mit dem Markt und dem Marzipanparadies Niederegger Lübecker Sehenswürdigkeiten aufwarten. Die Holstenstraße führt auf das Holstentor zu, hinter dem der Ausgangspunkt der Spazierrunde liegt.

Adresse

Possehlstraße, Wallanlagen
23560 Lübeck
Telefon 0451-1226701

Eigentümer: Hansestadt Lübeck

Öffnungszeiten

ganzjährig frei zugänglich
Eintritt: kostenfrei

Anreise

Icon Parken Parkhaus Possehlstraße

Icon Eisenbahn Lübeck Hbf

Icon Bus viele Linien Holstentor

Icon Fähre Obertrave

Serviceinformationen

Icon WC   Icon Hund erlaubt   Icon Rollstuhl (teilweise)

Gastronomie

Icon  Cafe  Café und Restaurant Sachers
Niederegger
Walbaum-Café

Veranstaltungsorte

Festsäle: Walbaum-Café
Standesämter: Lindesche Villa
Kulturstätten: Dom zu Lübeck
Film & Foto: gesamte Lübecker Altstadt

 

Kontakt

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