Route 5: Lübeck
Von Wasserbäumen zu grünen Paradiesen
Stadtpark

Ein erster Überblick

Stadtpark

Eingebettet in ein gründerzeitliches Villenviertel und gerahmt von Kirschenalleen ist der Stadtpark eine ruhige Insel zwischen den belebten Straßen Travemünder Allee und Roeckstraße. Eine verlandete Bucht der Wakenitz wurde mit der Anlage des Stadtparks kultiviert. Damit wurde eine weiteres Ausflugsziel für die Lübecker Bürger vor den Toren der Stadt geschaffen. 1897 legte der Lübecker Stadtgärtner Metaphius T. A. Langenbuch den Entwurf vor, und 1902 wurde der Landschaftspark feierlich eingeweiht. Langenbuch hatte sein Handwerk unter anderem in der Großherzoglichen Hofgärtnerei in Eutin und in den Anlagen des Fürsten Pückler zu Muskau gelernt. Er legte im 12 ha großen Park einen See an, der von großzügigen Rasenflächen und ungewöhnlichem Baumbestand umgeben ist. Besonders reizvoll sind schöne Baumveteranen wie Blutbuchen, Silberahorne und eine Gurkenmagnolie. Bei den Lübeckern ist der Park im Frühjahr besonders beliebt, wenn Krokusse und Narzissen ihr Stelldichein geben.

Wohnen vor dem Burgtor

Noch Mitte des 19. Jahrhunderts befanden sich vor den Toren der Stadt Sommerhäuser und Gärtnereien, eingebettet in eine malerische Landschaft, durch die sich der Strom der Trave wand. Alleen führten strahlenförmig von der Altstadt ins Land und spendeten Ausflüglern und Reisenden Schatten. Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Land zwischen der lindenbestandenen Roeckstraße und der Israelsdorfer Allee, heute Travemünder Allee, als Bauland erschlossen und mit repräsentativen Villen bebaut. Beim Schlendern durch die den Stadtpark umgebenden Straßen lässt sich hier der gebaute Bürgerstolz bewundern. Der Blick über die Gartenzäune fällt auf so manchen sorgfältig gepflegten Vorgarten mit altem Gehölzbestand. Großzügige Straßen, bei deren Anlage Bäumen Raum gegeben wurde, runden das Bild ab. Eine besondere Augenweide ist die Kirschenblüte in der Parkstraße, der Krügerstraße und der Curtiusstraße, die im Frühjahr viele Bewunderer findet.

Ein kleiner Bruder des Bremer Bürgerparks

Der weitläufige Bremer Bürgerpark stand Pate bei der Gestaltung des Lübecker Stadtparks. In der Schwester-Hansestadt hatte sich der malerische Landschaftspark zu einem beliebten Ausflugsziel gemausert. Ein ähnliches Bild hatten auch die Lübecker Stadtväter vor Augen, als schon 1882 mit der Planung des Stadtparks begonnen wurde. Für den heute 12 ha großen Park waren zu diesem Zeitpunkt noch größere Ausmaße vorgesehen, er sollte sich bis zum heutigen Ehrenfriedhof auf dem Sandberg (Garten Nr. 6 der Gartenroute Lübeck) ausdehnen. Ähnlich der „Waldbühne“ im Bremer Bürgerpark war ein zentrales Restaurant mit Konzertplatz an einem Wasserbecken vorgesehen. Mit der Entstehung der Villengegend verkleinerten sich die Parkpläne, wurden aber wegen der mangelnden Bebaubarkeit des sumpfigen Landes nicht aufgegeben. Daher wurden ab 1902 die Galgenbrookwiesen entwässert und um naturnahe Teiche bereichert, die dem Park noch immer einen besonderen Reiz verleihen. Trauerweiden und Hängebuchen neigen sich zum Wasser, Blutbuchen spiegeln ihr dunkles Rot auf der Oberfläche und Inseln zaubern eine verwunschene Atmosphäre. Eine Besonderheit ist der von Steinen gefasste frühere Quellteich, an dessen Ufer der Froschkönig wacht. Geschwungene Wege führen an den Teichufern entlang, durch Gehölzgruppen hindurch und queren weitläufige Rasenflächen.

Rhododendron und Azaleen tauchen den Stadtpark im Frühsommer in ein Farbenmeer und sind damit ein zweiter gärtnerischer Höhepunkt nach den Zwiebelpflanzen im Frühling. Aufgrund des engagierten Einsatzes der Stadtgärtner wetteifern Krokusse, Narzissen und Blausterne um die Gunst der Besucher. Sie allein locken Anwohner, aber auch Bewohner anderer Stadtteile in den Park und sind begehrte Fotomotive.

Im Gegensatz zur landschaftlichen Gestaltung des Stadtparks steht der rechteckige Hindenburgplatz, der einen formalen Auftakt von der Travemünder Allee her bildet. Sorgfältig geschnittene Kopflinden empfangen den Parkbesucher und bilden als Halbrund, von Rosen begleitet, einen repräsentativen Parkzugang. Der Bereich Stadtgrün und Friedhöfe der Hansestadt Lübeck hat damit begonnen, diesen Hauptzugang wieder stärker in Szene zu setzen. 2006 wurde mit einer Pflanzung von rund 3000 weißen Narzissen, 12.000 blauen Schneeglanz und 3600 weißen Puschkinien ein erster Schritt getan. Der Blick vom Halbrund zum Teich wurde freigestellt und rechts von einer rotlaubigen Buche, sowie links von einer rotlaubigen Esche gerahmt. Die Stadtparkteiche wurden entschlammt und die Uferbefestigungen erneuert.

Ein Eldorado für Baumfreunde

Die Begeisterung des planenden Stadtgärtners Langenbuch und seiner Nachfolger für Gehölze ist auch heute noch offenkundig. Etwa 900 Bäume zählt man im Park, darunter so viele Besonderheiten, dass eine Beschilderung sinnvoll erschien und sich Pflanzenkenntnisse heute spielend erweitern lassen. Viele heimische Bäume wie Eiche, Ahorn, Buche und Linde sind mit ihren fremdländischen Verwandten oder kultivaren Spielformen vertreten. Mammutbaum (Metasequoia glyptostroboides), Schnurbaum (Sophora japonica) und andere sind als stattliche Exemplare zu bewundern. Diese Pflanzen, die heute in vielen Baumschulen geführt werden, waren zur Zeit der Parkanlage echte Besonderheiten und daher bei den gestaltenden Gärtnern und ihren Auftraggebern häufig sehr beliebt. Viele dieser Bäume sind wie der Park über 100 Jahre alt und somit zu beachtlichen Baumgestalten herangewachsen. Die Tradition der Pflanzung dendrologischer Raritäten wird vom Bereich Stadtgrün und Friedhöfe fortgeführt. So wurde 2006 neben der im Herbst rotlaubigen Purpuresche (Fraxinus oxycarpa „Raywood“), die auch im Carlebachpark zu finden ist, an einer feuchten Stelle der Wiese gegenüber dem Langenbuchdenkmal am großen Teich erstmals in Lübeck ein Nymphenbaum (Nyssa sylvatica) gepflanzt. Dieser kegelförmige Baum mit den auffallend horizontal ansetzenden Ästen liebt feuchte Böden und begeistert durch eine prächtige orangerote Herbstfärbung.

Im Laufe der Zeit wurden immer wieder Bäume nachgepflanzt, die auch Moden widerspiegeln, wie z.B. Gruppen von Zieräpfeln in den 1950er Jahre. Dabei wurde aber immer das Grundprinzip des Parks gewahrt, nämlich ein idealisiertes Abbild einer lieblichen Natur zu inszenieren, in dem malerische Baumgruppen eine Kulisse für weite Rasenflächen und glitzernde Teiche bilden.

Familienzwist unter Gärtnern

T. A. Langenbuch war von 1879 bis 1907 Lübecker Stadtgärtner. Seine Arbeiten standen in der Tradition der landschaftlichen Garten- und Parkgestaltung. Um seine Nachfolge bewarb sich unter anderem sein Sohn, August Nikolaus Langenbuch, der zu der Zeit „Aufseher des allgemeinen Gottesackers“, also des Burgtorfriedhofs (Garten Nr. 5 der Lübecker Route) war und der für den geplanten Vorwerker Friedhof bereits einen Entwurf vorgelegt hatte. Aufgrund seines Gegenentwurfs für den Vorwerker Friedhof trat aber schließlich Erwin Barth (1880–1933) die Nachfolge an, der später Gartendirektor von Berlin wurde. Als junger Gartenarchitekt, der von den Idealen der Reformbewegung beseelt war, der klare Formen und die vielfältige Nutzbarkeit der Grünanlagen anstrebte, kritisierte Erwin Barth verschiedene Langenbuch´sche Gestaltungen. Schon kurz nach Amtsantritt begann er, im Stadtpark Gehölzpflanzungen zurückzunehmen, die auf Langenbuch zurückgingen. Der Redakteur Wilhelm Haase begründete dieses in der Presse damit, dass der Stadtpark „nur nach gärtnerischen, nicht nach künstlerisch und allgemein praktischen Grundsätzen“ angelegt gewesen wäre. Die Maßnahmen und die Darstellung in der Presse wertete die Familie Langenbuch als Affront, und es entspann sich ein lebhafter Zwist, an dem verschiedene Familienmitglieder beteiligt waren.

Die heutige Beliebtheit des Stadtparks würdigt und bestätigt jedoch das Werk Langenbuchs. Ihm zu Ehren wurde im Park ein Gedenkstein errichtet.

Adresse

Roeckstraße
23568 Lübeck
Telefon 0451-1226701

Eigentümer: Hansestadt Lübeck

Öffnungszeiten

ganzjährig frei zugänglich
Eintritt: kostenfrei

Anreise

Icon Parken straßenbegleitend

Icon Eisenbahn Lübeck Hbf

Icon Bus 12,31,32,34 (1,3,4,10,11,21) Adolfstraße (Schulstr. Roeckstr.)

Serviceinformationen

Icon Hund erlaubt   Icon Rollstuhl

Gastronomie

Café Steinhusen

 

Kontakt

Die nächsten Veranstaltungen

  • DinnerKRIMI „Das große Halali“

    Mittwoch 14.12.2016
    Uetersen ...mehr

  • Heiligabend:Gottesdienst im Stall

    Samstag 24.12.2016
    Warder ...mehr