Route 5: Lübeck
Von Wasserbäumen zu grünen Paradiesen
Schulgarten

Ein erster Überblick

Schulgarten

Eine Oase für Pflanzenfreunde ist der Schulgarten nahe der Wakenitz. Schon Erwin Barth hatte als Lübecker Stadtgärtner 1909 Pläne für einen Schulgarten entwickelt. Realisiert wurde der Garten aber erst durch seinen Nachfolger Harry Maasz 1913. Der Schulgarten war Ausdruck reformpädagogischer Ideen und ist auch heute noch dem Zweck der Anschauung und Bildung gewidmet. In den verschiedenen Gartenräumen wird eine Vielzahl von gärtnerischen und naturkundlichen Themen präsentiert. Den Auftakt formt der architektonisch gestaltete Senkgarten, in dem sich ein wahres Blütenfeuerwerk entfacht. Sonnige Sitzplätze werden von Laubengängen aus Linden und Kletterpflanzen gerahmt. Ein schattiges Plätzchen bietet das umrankte Seerosenbecken. Wildblumenwiese, Feuchtbiotope, der Heidegarten und das Alpinum geben Einblicke in natürliche Landschaften und vermitteln die ihnen innewohnenden Stimmungen. Im Rondell des Bauerngartens hat die Skulptur „Der Panther“ von Fritz Behn ihren Platz gefunden.

Die Falkenwiese – Sport und Bildung an der Wakenitz

Um 1900 wurde zwischen Wakenitz und Kanaltrave ein neues Wohngebiet erschlossen, dessen Straßen nach ehemaligen Lübecker Bürgermeistern benannt wurden. Der tief gelegene Uferstreifen der Wakenitz wurde von der Bebauung freigehalten. Für das Areal wurden viele Ideen entwickelt, unter denen auch die eines Lehrgartens besonderes Gewicht hatte. Die Schulbehörde und fortschrittliche Lehrer traten immer wieder mit diesem Wunsch an die Stadtpolitiker heran. Schon der Lübecker Stadtgärtner Langenbuch, dessen Hauptwerk der Stadtpark ist (Garten Nr. 4), hatte sich um einen solchen Garten bemüht. Seinem Nachfolger Erwin Barth (1880–1933) war es ein besonderes Anliegen, der Bevölkerung die Pflanzen näher zu bringen, weshalb er das Projekt weiter voranbrachte. Zunächst gelang es ihm aber nur, eine zweite städtische Baumschule zu errichten, die jene in den Wallanlagen (Garten Nr. 1) ergänzte. Der eigentliche Schulgarten entstand dann erst ab 1913 unter Barths Nachfolger Harry Maasz (1880–1946).

Doch nicht nur Bildung für alle war das Bestreben von Sozialreformern zu Beginn des 19. Jahrhunderts, auch körperliche Ertüchtigung an der frischen Luft sollte ermöglicht werden. Dafür war die Falkenwiese ideal. 1909 wurde dort die nach wie vor äußerst beliebte Flussbadeanstalt eröffnet, die unmittelbar neben dem Schulgarten liegt, ebenso wie ein Spielplatz, auf dessen Einrichtung schon Erwin Barth besonderen Wert gelegt hatte. Zuvor war bereits eine Sportwiese geschaffen worden. Ein Uferweg von hier in Richtung Moltkebrücke und ausgedehnte Rasenflächen laden zur Erholung beim Spazieren und Verweilen ein.

Nicht nur bei den Bewohnern des Stadtquartiers, sondern bei allen Lübeckern ist die Falkenwiese noch immer ein beliebtes Ziel. Ganze Sommertage können hier unbeschwert verbracht werden.

Eine wechselvolle Geschichte

Schon kurz nach seinem Entstehen wurde der Schulgarten im Ersten Weltkrieg zum Gemüse- und Kartoffelfeld für darbende Lübecker. Doch den ordnenden Rahmen, den Harry Maasz aus Hecken und Laubengängen angelegt hatte, schien das nicht zu beeinträchtigen. Harry Maasz war mit dem Erfolg des Schulgartens offensichtlich sehr zufrieden, schrieb er doch 1920, als er vergeblich eine Erweiterung anstrebte: „ermutigt durch seinen unverkennbaren erzieherischen Einfluß auf das Gartenleben und die Naturliebe der Laienbevölkerung verschloß ich dieses neue Gartenreich nicht ängstlich den Blicken der Vorübergehenden, sondern ich ordnete es ein, öffnete Sichten und schuf sogleich mit dem sinnigen Anzuchtfeld den Schmuckgarten für die sonst an Blütenschönheit arme Wohnstadt“. Schon aus dieser kurzen Beschreibung ahnt man die Vielfalt des Gartens, die im Zweiten Weltkrieg wieder rein praktischem Nutzen weichen musste. Die Wiedererstehung des Lehr- und Schaugartens konnte 1949 erfolgen. Es folgten Jahre des Gestaltens und Umbauens, in denen auch so manches Refugium für Pflanzen und Tiere geschaffen werden konnte. Der Garten zeigt sich daher heute neben gärtnerischen auch naturnahe Seiten, weshalb Besuche rund ums Jahr lohnen.

Blütenfülle rund ums Jahr

Schon beim Eintritt in den Schulgarten schlägt das Herz des Gartenfreundes höher: Blumenpracht wohin das Auge schaut! Der Schulgarten ist ein gärtnerisches Experimentierfeld, in dem eifrig gepflanzt, geschnitten und versetzt wird. Entsprechend viel gibt es zu betrachten und beschnuppern, so dass gerade Freunde von Stauden und Rosen voll auf ihre Kosten kommen. Nach außen ist der Garten abgeschirmt und im Innern unterteilen geschnittene Hecken die verschiedenen Themengärten.

Im Schutze von Hecken liegt auch der Senkgarten, der zusätzliche Rahmung durch Laubengänge und Pergolen erhält. Wunderbar ist der Tunnel aus kunstvoll geschnittenen Linden, an dessen lichtem Ende die „Dorothea“ in anmutiger Verbeugung Wasser schöpft. Ihr offizieller Name lautet denn auch „Wasserschöpfendes Mädchen“, sie wurde zwischen 1910 und 1920 von E. Müller geschaffen. Die umgebenden Pergolen sind Schauflächen für eine Vielfalt von Rankpflanzen von zarter Clematis bis zum gelbbunten Efeu.

Im Innern des Senkgartens geben Wasserbecken eine Ordnung für die Vielzahl kleiner Beete vor, in denen Frühjahrs- und Sommerblumen, Zwiebel- und Knollengewächse gezeigt werden. Zu jeder Jahreszeit herrscht eine andere Farbe vor. Experimente mit Stauden schaffen eine Vielfalt, die insbesondere im Sommer und Spätsommer sehenswert ist. Sonnig, geschützt und farbenfroh ist diese Gartenpartie einer der beliebtesten grünen Plätze in Lübeck.

Das zentral gelegene Seerosenbecken nahe bei ist dagegen ein beliebter Schattenplatz. Breite Schirme ausgewachsener Felsenbirnen legen sich schützend über das kreisrunde Wasserbecken, dessen weiße Seerosen mit den umgebenden Bänken im Dialog stehen. Eine ähnliche formale Kraft entfaltet der Bauerngarten, der nach klassischem Grundmuster angelegt ist. Vier buchsbaumgefasste Beete ordnen sich um ein Rondell, in dessen Mitte der „Panther“ von Fritz Behn wacht. Dieser hatte lange seine zum Sprung bereite Haltung im Eschenburgpark eingenommen, der ab 1955 bis in die 1980er Jahre als Außenstelle des Schulgartens diente.

In seinem traditionellen, farbenfrohen Erscheinungsbild ist der Bauerngarten ein schöner Rückzugsort. Der Blick über die Blumenfülle auf das hellblaue, reetgedeckte Wirtschaftshaus lenkt die Gedanken unweigerlich auf romantisch verklärte frühere Zeiten.

Der Garten als Ort des Lernens

Schon Kindergartenkinder kommen im Schulgarten in engen Kontakt mit Pflanzen und können diese kennenlernen. Regelmäßig kommen Schulklassen zu Besuch, für die ein breites Angebot zur Ergänzung und Vertiefung des Unterrichts angeboten wird. Für Kinder jeden Alters ist der Bereich mit den Kulturpflanzen spannend: Olivenbäumchen, Kaffeesträucher und Rhizinus können so manches Staunen hervorrufen. Aber auch gängige Nutzpflanzen wie Salat oder Petersilie können, von manchem Kind sicher erstmals im Leben, als ganze Pflanze bewundert werden.

Eine Besonderheit des Schulgartens ist die Umsetzung der Idee der Pflanzensysteme. Der Stammesgeschichte der Pflanzen ist eine eigene Gartenpartie gewidmet, in der das Modell von der Verwandtschaft der bedecktsamigen Pflanzen (Angiospermae) auf den Boden übertragen wurde. Ausgehend von den Magnolien kann man Verwandtschaftslinien anhand von Pflasterlinien verfolgen. Die Pflasterlinien münden in Pflanzfelder einiger Vertreter der Pflanzengruppe. Damit wird sehr anschaulich gezeigt, wie vielgestaltig die Pflanzenwelt ist und dass Zaubernuss und Brennessel mehr miteinander zu tun haben als Hahnenfuß und Storchschnabel.

Ausdrucksvoll umgesetzt werden auch die Mendel´schen Gesetze, denen sich der Gartenteil „Vererbung“ widmet. Hier werden Veränderungen der Zierpflanzen von Generation zu Generation wie aus dem Lehrbuch gezeigt. Auch alle Erwachsenen sind im Schulgarten herzlich eingeladen, ihr Schulwissen zu überprüfen und aufzufrischen.

Nach getaner Denkarbeit gibt es zum Glück im ganzen Schulgarten ausreichend Gelegenheit, die rauchenden Köpfe auslüften zu lassen und die neu gewonnenen Erkenntnisse zu verarbeiten.

Adresse

An der Falkenwiese
23564 Lübeck
Telefon 0451-1226701

Eigentümer: Hansestadt Lübeck

Öffnungszeiten

1.4. - 31-10. Mo-Fr 7-19 und Sa & So 10-19 Uhr
Eintritt: kostenfrei

Anreise

Icon Parken straßenbegleitend

Icon Eisenbahn Lübeck Hbf

Icon Bus 8, 10 An der Falkenwiese

Icon Fähre Moltkebrücke

Serviceinformationen

Icon WC   Icon Hund erlaubt   Icon Rollstuhl

 

Kontakt

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