Route 5: Lübeck
Von Wasserbäumen zu grünen Paradiesen
Godewindpark

Ein erster Überblick

Godewindpark Travemünde wurde bereits 1802 drittes Seebad Deutschlands. Um 1900 erlebte der Badeort einen enormen Aufschwung. Seine Beliebtheit drückte sich auch in der Gründung der von Hermann Muthesius geplanten Villenkolonie Neu-Travemünde (1905) aus, in der Lübecker und Hamburger Gäste ihre Sommerhäuser errichten konnten. Am Rand der Villenkolonie mit schönen Straßennamen wie Backbord, Steuerbord, Mittschiffs und Achterdeck liegt der Godewindpark. Ein ausgedehnter Teich wird von weitläufigen Rasenflächen umspannt, die von altem Baumbestand geziert werden. Besonders schöne Exemplare stammen aus den Gattungen der Eichen und der Ahorne. Am Südausgang des Parks liegt der Strandbahnhof, der seit 1912 den Anschluss an das Kurhotel mit dem angrenzenden Kurgarten bildet. Im Schatten des Kalvarienberges ist eine Vielzahl alter Bäume zu bewundern. Eine wunderschöne Lindenallee führt ins Zentrum von Travemünde, wo man an der Vorderreihe das Treiben auf der Trave verfolgen kann.

„Nach Travemünde geht es immer geradeaus...“

Im Jahr 1901 erschien der Roman „Buddenbrooks“ von Thomas Mann, der den Untertitel „Verfall einer Familie“ trägt. In meisterlicher Sprachkunst wird geschildert, wie sich das Wesen der Lübecker Großkaufleute und Senatoren über vier Generationen wandelt. Auch die Familie Buddenbrook verbrachte viele Sommer in Travemünde, der Weg dorthin war wohlbekannt. Tony Buddenbrook stellte bei ihrer Ankunft in der Sommerfrische fest: „Was für eine prachtvolle Luft! Man riecht den Tang bis hierher. Ich bin entsetzlich froh, wieder in Travemünde zu sein!“ Das Seebad Travemünde war im Sommer Treffpunkt der Lübecker und Hamburger Gesellschaft. Im 19. Jahrhundert wurden umfangreiche Kureinrichtungen auf dem Leuchtenfeld geschaffen, das nach dem dort befindlichen Alten Travemünder Leuchtturm von 1827 benannt ist. Man traf sich im Kurhaus, das heute in neuem Glanz erstrahlt und genoss die Freizügigkeit des Sommerlebens.

Muthesius Villenkolonie

Um die Bequemlichkeit der Anreise nach Travemünde zu erhöhen und noch mehr Gäste in den Ort zu locken, wurde der Strandbahnhof an der Bertlingstraße geplant. Damit einher ging auch die Konzeption einer Villensiedlung mit Sommerhäusern für die wohlhabenden Lübecker und Hamburger Sommergäste. Der Berliner Architekt Hermann Muthesius (1861-1927) plante die Siedlung 1905 im Stil englischer Gartenstädte mit einer zentralen Parkanlage, dem Godewindpark, und großzügigen baumbestandenen Straßen. Die Anlage der Siedlung war schiffsförmig, daher die Straßennamen wie Backbord und Steuerbord. In seiner Tätigkeit als Kulturattaché in London hatte Muthesius ab 1898 Einblicke in die Tendenzen englischer Baukultur erhalten und veröffentlichte nach seiner Rückkehr das einflussreiche Werk „Das englische Haus“, in dem er die neuen Landhäuser beschrieb. Hermann Muthesius teilte sein Gedankengut unter anderem mit dem Lübecker Gartenarchitekten Harry Maasz, der bei der Neuauflage eines weiteren Buches, „Landhaus und Garten“, für den gärtnerischen Teil zuständig war.

Häuser und Gärten bildeten danach eine Einheit und waren den vorgesehenen Nutzungen entsprechend gestaltet. Die Gärten dienten als Wohnräume im Freien, Handwerk und regionale Traditionen spielten bei der Gestaltung eine große Rolle. Diese neuen Ideen sind an einigen Villen, die auf den Godewindpark blicken, sehr schön nachvollziehbar. Hermann Muthesius selbst plante die Villa Godewind Nr. 3.

Ruhe im Godewindpark

Während die Gärten der modernen Villen im progressiven architektonischen Stil errichtet wurden, wurde der Godewindpark landschaftlich mit geschwungener Wegeführung und baumbestandenen Rasenflächen angelegt. Das moorige Gelände wurde durch die Anlage eines Teiches entwässert und der Bodenaushub vor Ort verwendet, um ausreichend hoch über dem Grundwasser liegende Parkflächen schaffen zu können. Seitdem sind die Bäume zu stattlichen Gestalten herangewachsen. Eindrucksvolle Trauerweiden am Teichrand, Blutbuchen und viele Eichen verweisen auf das Alter des Parks, der gerade auch mit herbstlichem Laubschmuck und an frostigen Wintertagen besonderen Charme besitzt.

Nach fast hundertjährigem Bestehen wurde der Park 2000-2002 von den Lübecker Landschaftsarchitekten Trüper Gondesen Partner überarbeitet. Als Herz der Anlage wurde die so genannte „Schmetterlingsbrücke“ an der Engstelle des Teiches neu errichtet. Großzügig wurden Sitzplätze angelegt, auf denen man sich in Ruhe der Abgeschiedenheit vom Strand hingeben kann. Mit schlichten, rosenberankten Pergolen wird ein altes Gartenmotiv neu interpretiert. Zu hohen Bögen gezogene Hainbuchenhecken lassen von Ferne betrachtet der Phantasie freien Lauf: sind das Hufeisenbäume oder spazieren drei Elefanten durch den Park?

Weit leuchtet das Kunstobjekt „Parallel Lines“ des dänischen Künstlers Mikael Hansen. Die parallelen weißen Vierkantstäbe besitzen aus verschiedenen Blickwinkeln ganz unterschiedliche Wirkungen: von linear über dicht, schmal und geschlossen bis zu transparent und offen reicht das Spektrum der Eindrücke für den Parkspaziergänger.

Lindenallee und Narzissenwiese

Aus dem historischen Kurgebiet gelangt man durch eine stattliche, ca. 200-jährige Lindenallee an die Vorderreihe, das Zentrum Travemündes, wo sich das geschäftige Bootstreiben auf der Trave abspielt. 1802, im Jahr der Gründung des Seebades, wurde die Allee als Verbindung zwischen dem Fischerdorf Travemünde und dem neuen Kurgebiet gepflanzt. Dieses bestand zunächst nur aus dem Kurhaus, der strandnahen Badeanstalt und Badekarren am Strand. Außerdem wurde der Kalvarienberg aufgeforstet, auf dem die Buchen noch heute die markante Hügelform nachzeichnen. Ein Aufstieg lohnt sich besonders zur Blütezeit der Buschwindröschen. Die unbelaubten Bäume geben den Blick auf die Trave und die Ostsee frei.

Der Zippelpark hält einen besonderen Frühlingsgruß bereit: ein gelber Schleier aus Narzissen legt sich über eine Feuchtwiese an der ehrwürdigen Lindenallee. 24 verschiedene Arten und Sorten sind hier zu finden, von der gewöhnlichen Osterglocke bis zu Formen der Dichternarzisse. Um deren jährliche Wiederkehr zu sichern, wird die Wiese erst im August gemäht. So können die Nährstoffe in die Zwiebeln eingelagert werden und im folgenden Frühjahr wieder die neue Blütenpracht erstrahlen lassen. Doch die späte Mahd begünstigt auch andere Blütenpflanzen, die den Kurgarten in eine farbenfrohe Sommerwiese verwandeln. Hiermit wird außerdem ein wichtiger Beitrag zum Naturschutz geleistet.

Adresse

Godewind, Außenallee
23570 Lübeck
Telefon 0451-1226701

Eigentümer: Hansestadt Lübeck

Öffnungszeiten

ganzjährig frei zugänglich
Eintritt: kostenfrei

Anreise

Icon Parken Parkplatz Godewind

Icon Eisenbahn Travemünde-Strandbahnhof

Icon Bus 38 Am Fahrenberg

Icon Fähre Vorderreihe & Travepromenade

Serviceinformationen

Icon Hund erlaubt   Icon Rollstuhl

Gastronomie

Hermannshöhe
Grand SPA Resort A-ROSA Travemünde

Veranstaltungsorte

Standesämter: Viermastbark "Passat"
Film & Foto: Travemünde Vorderreihe bis Brügmanngarten

 

Kontakt

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