Route 5: Lübeck
Von Wasserbäumen zu grünen Paradiesen
Bürgergärten

Ein erster Überblick

Bürgergärten

Versteckt hinter ehrwürdigen Bürgerhäusern und hohen Gartenmauern laden beschauliche grüne Paradiese zu Sehgenüssen ein. In der dicht bebauten Lübecker Altstadt verschmelzen die weitläufigen Gärten zu einer Oase der Kunst. Der Garten des Heiligen-Geist-Hospitals erinnert fern an Klostergärten, sprudelndes Brunnenwasser verströmt kontemplative Stimmung. Moderne Skulpturen kontrastieren mit bizarr gewachsenen Obstbäumen. Eine andere Sicht auf Bäume gewährt eine rote Gartenmauer, auf die von der Sonne Blätter und Zweige gezeichnet werden.
Der Nachbargarten gehört der „Gesellschaft zur Beförderung Gemeinnütziger Tätigkeit“ - er wurde ursprünglich von Erwin Barth entworfen, dann 1924 von Harry Maasz umgestaltet und später noch erweitert. Die Restaurantterrasse des „Heinrichs“ gibt einen guten Überblick über den inzwischen überarbeiteten, ruhig daliegenden Garten. Ein schlichtes Wasserband sorgt für stete Bewegung und bereitet Kindern unbändiges Vergnügen.

Zwei Gesichter einer Stadt

Lübeck ist eine steinerne Stadt. Zu ihren Straßen und Gruben hin zeigen die Lübecker Bürger seit dem Mittelalter stolz die Treppengiebel, welche die ohnehin imposanten Gebäude noch größer erscheinen lassen. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts beschränkte sich das Stadtgebiet auf den wasserumschlossenen Altstadthügel. Auch für die vielen Arbeitskräfte, die das Funktionieren der Stadt erst möglich machten, musste dort Wohnraum geschaffen werden. Da die Grundstücke streng parzelliert und sehr lang waren, entstanden, quasi hinter der Bühne, kleine Ganghäuser und Gangbuden. 50 m² können hier schon mal auf 3 Etagen verteilt sein. Diese Häuschen dienten früher großen Arbeiter- und Tagelöhnerfamilien als Heim. Heute erscheinen die „Gänge“ als ruhig-romantische, teilweise sehr grüne Wohn- und Arbeitswelt, die nach wie vor nur durch schmale und niedrige Zugänge erreichbar ist. Beim Stadtspaziergang gilt es die Augen nach diesen Einlässen offen zu halten!

Im starken Gegensatz dazu stehen die großzügigen Gärten hinter den Bürgerhäusern der Stadt, insbesondere denen an der Königstraße, die in ihrer Gesamtheit eine ungeahnte Großzügigkeit besitzen.

St. Marien, zentral auf der Altstadtinsel gelegen und eines der bedeutendsten Werke der Backsteingotik, ist die Kirche der Kaufleute. In ihrer Nähe befand sich das Quartier mit großen Kaufmannshäusern, das im Zweiten Weltkrieg stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. In der Mengstraße sind noch einige dieser imposanten Gebäude zu bewundern, so auch das Schabbelhaus (Nr. 36) und das Buddenbrookhaus (Nr. 4), Hauptschauplatz des Romans „Buddenbrooks“ von Thomas Mann und heute Museum. Im Schabbelhaus, in dem ein Restaurant betrieben wird, kann man bei gutem Essen in die Welt wohlhabender Kaufleute in der Zeit um 1900 eintauchen.

In den Bürgerhäusern an der Königstraße dagegen umfängt den Besucher Schöngeist und das Bewusstsein sozialer Verantwortung. Auch die dahinter liegenden Gärten künden von kulturellen Engagement und Fürsorge für die Mitmenschen.

Bürger als Stifter und Wohltäter

Der ungeheure wirtschaftliche Erfolg, den die Lübecker Fernhandelskaufleute an der Drehscheibe des Ostseehandels hatten, mündete schon früh in sozialem Engagement. Bereits im Jahr 1286 wurde das Heiligen-Geist-Hospital von einer Stiftung Lübecker Kaufleute fertig gestellt. Im Laufe der Jahrhunderte wurden Stiftshöfe zur Versorgung von Witwen und Waisen errichtet. Der prächtigste von ihnen befindet sich ganz in der Nähe der Bürgergärten, nämlich in der Glockengießerstraße 23–27. Im 17. Jahrhundert wurde dort aus dem Nachlass des Schonenfahrers Johann Füchting der Füchtingshof mit 21 Wohnungen geschaffen, in denen Kaufmanns- und Schifferwitwen freie Wohnung auf Lebenszeit hatten. Bei einem Besuch des großzügigen Hofs kann man Rosen und Sonne genießen. Vielleicht freut sich eine der hier lebenden Seniorinnen über einen Plausch! Nebenan in der Glockengießerstraße 21 hat das Günter-Grass-Haus mit seinem Ausstellungsgarten eine Heimat gefunden. Bereits aus den 1960er Jahren stammt die Idee, die Bürgergärten vom Heiligen-Geist-Hospital bis zu den Gärten der Glockengießerstraße durch Tore miteinander zu verbinden – ein Gedanke, der aktuell aber nicht umgesetzt ist.

Soziales, aber auch kulturelles Engagement ist das Ziel der „Gesellschaft zur Beförderung Gemeinnütziger Tätigkeit“, kurz „Gemeinnützige“ genannt, die an der Königstraße ihren angestammten Platz hat. Aus lockeren privaten Treffen eines intellektuellen Zirkels wurde 1789 die Gemeinnützige ins Leben gerufen, deren Zweck in der „Förderung von Bildung, Gedankenaustausch und sozialem Engagement“ besteht. Zu einer Reihe von Tochtergesellschaften gehört auch die Overbeck-Gesellschaft, ein Verein von Kunstfreunden, dessen Ausstellungspavillon im Garten des benachbarten Behnhauses liegt.

Im Garten des Heiligen-Geist-Hospitals

Das Heiligen-Geist-Hospital zeigt seine markante Seite dem Koberg, einem der mittelalterlichen Marktplätze. In der Gründerzeit war er begrünt und hieß Geibelplatz, benannt nach Emanuel Geibel (1815–1884), dem spätromantischen Lübecker Dichter und Ehrenbürger der Stadt. Stand sein Denkmal einst auf dem Geibelplatz, musste es bei einer von vielen Änderungen des Platzes weichen und wacht nun seitlich vom Heiligen-Geist-Hospital am Zugang zu den Bürgergärten.

Das Heiligen-Geist-Hospital wurde seit seiner Gründung 1286 von alten und hilfsbedürftigen Menschen bewohnt. Bis Ende der 1970er Jahre dienten die winzigen Kabäuschen im Innern der sakralen Hospitalhalle noch als Herberge! Heute erscheinen die kleinen Räume beim alljährlichen Weihnachtsmarkt als Buden für jeweils einen Kunsthandwerker gerade angemessen.

Noch immer ist das Heiligen-Geist-Hospital Altersruhesitz. Dafür wurden die Nebengebäude umgebaut. Im nur nach telefonischer Voranmeldung (T 0451 – 799 56 10, Herr Moll) zugänglichen Frauenhof wurde 2007 vom Bereich Stadtgrün und Friedhöfe ein Sinnesgarten mit einem großen Angebot an Duft- und Blütenstauden sowie Sinnesstationen zur therapeutischen Unterstützung bei Demenzerkrankungen angelegt. Öffentlich zugänglich sind der Hof, in dem im Frühjahr eine Kirsche üppig blüht, und der etwas höher gelegene Garten, der Bewohner und Besucher im zu einem schönen Spaziergang lockt. Dort laden auch viele Bänke zum Sonnengenuss ein, für den die hohen Backsteinmauern einen warmen Rahmen bilden. Moderne Plastiken, knorrige Obstbäume und romantische Rosen sind beschauliche Ruhepunkte für das Auge. Wer Lust hat, zieht in den benachbarten Garten der Gemeinnützigen um und gibt sich dort einer ganz anderen Szenerie hin.

Ein gemeinnütziger Garten

Der Garten der Gemeinnützigen war im Jahr 1924 vom Lübecker Landschaftsarchitekten Harry Maasz (1880–1946) umgestaltet und 1935/36 noch einmal erweitert worden. Sein Einfluss ist nur noch leise spürbar. Im Jahr 2002 verlieh das Büro Kühlert ter Balk aus Lübeck dem Garten ein neues Gesicht, in dem sich die geradlinige, ruhige Gestaltung wieder findet, die auch Handschrift von Harry Maasz im benachbarten Behnhausgarten war. Seitdem begleiten Kopflinden, die aussehen, als stünden sie schon immer dort, das Gebäude der Knabenkantorei von St. Marien. Die Knaben kommen nicht nur zum Singen – es kann schon vorkommen, dass die zentrale Rasenfläche auch fürs Fußballspiel herhalten muss. Pergolen und niedrige Terrassen laden zum Verweilen und (Zu-)schauen ein. An manchem Platz grüßen der Turm der Seefahrerkirche St. Jacobi und die Dächer altehrwürdiger Gebäude. Über eine Treppe erklimmt man die historische Restaurantterrasse des Bürgerhauses und gewinnt eine neue Perspektive auf die Gärten mit ihren majestätischen Bäumen. Sacht über Granit plätscherndes Wasser verdeutlicht die Introvertiertheit der Bürgergärten und verankert grüne Erinnerungen an Lübeck im Gedächtnis.

Adresse

Königstraße 5
23552 Lübeck
Telefon 0451-75454

Eigentümer: Gesellschaft zur Beförderung der gemeinnützigen Tätigkeit

Öffnungszeiten

ganzjährig frei zugänglich
Eintritt: kostenfrei

Anreise

Icon Parken Kanalstraße, Koberg

Icon Eisenbahn Lübeck Hbf

Icon Bus verschiedene Linien Heiligen-Geist-Hospital

Serviceinformationen

Icon WC   Icon Hund verboten   Icon Rollstuhl (teilweise)

Gastronomie

Icon  Cafe  Historische Gaststätte Schiffergesellschaft
Kartoffelkeller
MIERA, Feinkost-Bistro-Restaurant-Weinbar
Niederegger

Veranstaltungsorte

Kulturstätten: Heiligen-Geist-Hospital
St. Marien
St. Petri
Film & Foto: gesamte Lübecker Altstadt

 

Kontakt

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