Route 4: Pinneberg
Von Baumschulbaronen und Pflanzenjägern
Schlossinsel & Seepark, Barmstedt

Ein erster Überblick

Schlossinsel & Seepark Barmstedt Aus der Stadt führt ein alleegesäumter Wanderweg entlang der Krückau zur Schlossinsel. Hier befand sich um 1140 die Burg der Ritter von Barmstede und später der Grafen- und Amtsverwaltersitz Rantzau. Eine idyllische Atmosphäre herrscht auf der Insel. Die Zeit scheint hier stillzustehen, auch wenn an der Caféterrasse des Schlossgefängnisses (1836) die Turmuhr schlägt. Die Geschichte der Insel und der Stadt erzählt das Museum im alten Amtsgerichtsgebäude (1863). Kunst und Kultur haben in Form von Galerien und einer Keramikwerkstatt ebenso ihren Einzug in den backsteinernen Inselbauten gehalten. Eine knorrige „1000-jährige Eiche“ steht als Naturdenkmal vor der ehemaligen Schlossbrauerei unweit der Schlossinsel. Den nahen Rantzauer See mit dem Seepark und der Seebadeanstalt gibt es erst seit 1938. Um 1960 wurde im Seepark dann durch ansässige Baumschulen ein Rhododendronpark mit immergrünen Gehölzen zum Sortenvergleich in den schattenspendenden Hallen des Buchenwaldes angelegt.

Von Gefängnis- und Schlossgärtnern

Die Schlossinsel erhielt ihre heutige Form durch Anlage des Rantzauer Sees in den 1930er Jahren. Ehemals umschlossen an Stelle des Sees die in mehreren Armen mäandrierende Krückau und feuchte Wiesen drei Inseln, die durch Brücken miteinander verbunden waren. Der alte Rittersitz, der seit 1150 hier bestand, war durch seine Lage gut gegen feindliche Übergriffe geschützt.

Als 1650 die Freie Reichsgrafschaft Rantzau entstand, erhielt die Krückauinsel ein Jagdschloss der Grafen Rantzau. Dänemark übernahm ab 1726 die Grafschaft, die fortan von einem Administrator verwaltet wurde. Aus dieser Zeit der königlich-dänischen Administration, die bis zur Gründung des Kreises Pinneberg unter preußischer Verwaltung 1866 bestand, stammt auch im wesentlichen die heutige Bebauung der Schlossinsel.

Das privat genutzte Herrenhaus, ein zweigeschossiger klassizistischer Backsteinbau, entstand 1805/06 an der Stelle der Vorgängerbauten auf der ehemals dritten Insel, wo der Administrator und später der Amtsrichter seinen Sitz hatte. Unweit des Herrenhauses, auf der früheren mittleren Insel, steht das Gerichtshaus von 1863, in welchem sich seit der Aufgabe eines eigenständigen Amtsgerichts 1979 das Museum eingerichtet hat. Noch davor, weiter in Richtung der Schlossbrücke, über die man die Insel betritt, steht das ehemalige Haus des Gerichtsschreibers von 1824. In dem Gebäude befindet sich heute eine Galerie mit Atelier. Dahinter steht ein kleines Fachwerkgebäude, die Remise, im Garten und beherbergt eine Keramikwerkstatt. Einladend ist auch das alte Schlossgefängnis und Gerichtsdienerhaus von 1836 mit dem neu nach alter Vorlage wiedererrichteten Glockenturm, wo heute das Galerie-Café-Schlossgefängnis zu einer Pause einlädt.

Nahe der Insel findet sich auch die Rantzauer Wassermühle, die zeitgleich mit der alten Burg entstand. Der Mühlenbetrieb wurde um 1970 eingestellt aber an den schmuck restaurierten Gebäuden dreht sich weiter das Wasserrad. Eine Fischtreppe an der Freischleuse ermöglicht es beispielsweise den Meeresforellen, zu ihren Laichplätzen im Oberlauf der Krückau zu gelangen.

Es ist bekannt, dass die Häftlinge noch bis 1930 im Gefängnisgarten zur Gartenarbeit herangezogen wurden. Der eigentliche Schlossgarten sowie die Hausgärten der Bediensteten lagen im sogenannten Vorwerk. Auf der Insel selbst waren die wenigen Freiflächen weitestgehend naturbelassen. Eine alte Barmstedterin, die als Kind des Justizinspektors von 1914–27 auf der Insel wohnte, wußte 1985 aus ihrer Kindheit Folgendes zu berichten:

„Romantisch war’s auf „unserer“ Insel, die weißen Rantzau-Lilien, die blühenden Apfelbäume im Garten und den duftenden Jasmin werde ich nie vergessen“

Diese Gartenromantik lässt sich auf der Insel noch heute nachempfinden. Auf den umgebenden Wassern blühen Teichrosen, eine üppige Bepflanzung und alte Bäume umspielen die Gebäude und schöne Alleen führen aus der Stadt zur Insel.

Interessant ist, dass der Museumsleiter auf der Schlossinsel ein Nachfahre der Baumschulfamilie Spieckermann ist. Sein Urgroßvater J.C. Spieckermann (1839–1906), dessen Vater wiederum vom Gut Stendorf nahe Eutin kam, war bis zum Ende der dänischen Administration 1864 Schlossgärtner auf der Barmstedter Schlossinsel. 1808 kam auch der Kammerherr August Adolph Friedrich von Hennings von Eutin nach Barmstedt. Er war hier Administrator und Gerichtsherr bis 1826. Aus diesen Tatsachen ergeben sich für die weitere Erforschung der Gartengeschichte der Schlossinsel interessante Ansatzpunkte, denn in Eutin gab es zu dieser Zeit schon bedeutende Gartenanlagen (siehe Gartenroute 3: Ostholstein), die vielleicht die Gestaltung der Barmstedter Gärten beeinflusst haben könnten. Nach 1864 machte sich der Schlossgärtner Spieckermann auf 1866 von ihm angekauften Schlossländereien mit einer Baumschule selbständig.

Baden und Paddeln

Den Plan, einen Stausee zur Regulierung der Krückau zu bauen und damit die jährlichen großen Überschwemmungen weiter Wiesenflächen zu verhindern, gab es schon seit Ende der 1920er Jahre. Auch sollte der Fremdenverkehr, der durch die Wirtschaftskrise stagnierte, wieder angekurbelt werden. Schon zu dieser Zeit gab es in den feuchten blumigen Wiesen, in etwa in der Mitte des heutigen Sees, eine Badestelle. Boots- und Kahnbesitzer vergnügten sich auf der sich schlängelnden Krückau und im Winter waren die überschwemmten und zugefrorenen Wiesen eine beliebte Eisbahn.

Auf den ehemaligen Ländereien des Rantzauer Wassermüllers, einiger Bauern sowie des Gärtners Spieckermann und der Kirchengemeinde begann man 1934 zunächst im Freiwilligen Arbeitsdienst, dann ab 1935 im Reichsarbeitsdienst mit dem Bau eines Staubeckens. Durchweg waren hier zeitgleich 120 Arbeitsmänner aus allen Teilen Deutschlands im Halbjahreswechsel im Einsatz. Ein Zeitzeuge wusste von der schweren Arbeit zu berichteten:

„Ich denke daran, wie die Krückau mehrfach den Deich durchbrach, der damals noch jung und nachgiebig war, und wie wir tagelang im Schlamm stehen mussten, um die Baustelle wieder frei zu bekommen. (...) ein kleiner Trupp stellte die Insel fertig, planierte und warf den Burggraben zu, wobei so manches alte Erinnerungsstück zu Tage kam: ein alter Degengriff, eine verrostete Vorderladepistole, irgendein zerbrochenes altes Küchengerät. Meine Jungs träumten dort in Einsamkeit beim Frühstück auf der Liebesinsel (...). Zwischendurch mausten sie die Johannisbeeren, bevor wir die rettungslos abgegrasten Büsche ausroden mussten.“

Der See wurde im Herbst 1937 befüllt und darauf im Arbeitsbeschaffungsprogramm der Stadt Barmstedt die Außenanlagen unter anderem mit Ahorn, Birken, Kastanien und Weiden bepflanzt. Zur 800-Jahrfeier der Stadt Barmstedt im Juli 1938 wurde die Anlage unter dem Namen Rantzauer See zusammen mit der attraktiven Seegaststätte und dem Strandbad eingeweiht. Ein Gedenkstein mit der Aufschrift „Rantzauer See 1934–37“ am Parkplatz Wellenbad, aus dem nach 1945 Spaten, Ähren und der Name „Reichsarbeitsdienst“ herausgemeißelt wurden, erinnert heute noch an die Arbeiten.

Ein Rhododendronschaugarten am Wasser

In den späten 1950er Jahren entstand auf Initiative des Bundes Deutscher Baumschulen (BdB) unter der Ägide von Wilhelm Warning von der Baumschule Noack und Heinz Drath von der Baumschule H. J. Drath, die zu dieser Zeit beide im Werbeausschuss der Berufsvereinigung tätig waren, ein Sortenvergleichsgarten der Barmstedter Baumschulen für immergrüne Sträucher. Wilhelm Warning hatte 1956 schon den Minigolfplatz angelegt.

Die Planungen für den Park begannen 1958 und 1959 wurden die ersten Flächen auf dem damalige Waldgelände „Hofkoppel“ durch die Mitgliedern des BdB, federführend durch die ortsansässige Baumschulen Hans Hachmann, Heinz Drath und Ernst Kölling unter Einsatz ihrer Lehrlinge bepflanzt. Insgesamt lieferten 72 Baumschulen die Pflanzen. Eine Erweiterung des Gartens mit schönen herbstfärbenden Gehölzen (z.B. Quercus palustris), solchen mit Rindenzeichnung (z.B. Acer rufinerve) und ungewöhnlicher Blüte (z.B. Cornus controversa) aber auch mit vielen Rhododendron in den 1960er und 1970er Jahren führte dazu, dass der Garten bald Rhododendronpark genannt wurde. Insbesondere der bekannte Rhododendronzüchter Hachmann hat auch später immer wieder seine Neuzüchtungen in den Park gepflanzt.

Der Garten diente damals dazu, die Leistungen der Baumschulen und ihre neuesten Züchtungen vorzustellen. Im Zusammenhang mit Hamburger Gartenschauen wurden zudem Besichtigungsfahrten zum Garten und zu den Betrieben durchgeführt. Im Rhododendronpark waren früher Flächen einzelnen Baumschulen zugeteilt, die diese auch pflegten und beschilderten. Als die Unterhaltungskosten für den Garten zu hoch wurden, übergaben die Baumschulen den Garten dann an die Stadtgärtnerei, die heute selbst Schwierigkeiten hat, den Garten zu erhalten. Dennoch beeindrucken stattliche Rhododendronbüsche unter hohen Buchen, insbesondere zur Blütezeit im Mai.

Bräutigamseichen am Waldesrand

Schon der Rantzauer Administrator Baron von Söhlenthal (1738–1768) gilt als nachhaltiger Förderer von Forstwirtschaft und Gartentechnik, noch bevor das Gebiet zur bedeutenden Baumschulregion wurde.

Vielleicht geht auch die sogenannte Brögamskoppel – Bräutigamskoppel – nahe der Gaststätte „Zum Bootssteg“ auf ihn zurück. Sie erhielt ihren Namen von einer obrigkeitlichen Anweisung aus dem 18. Jahrhundert. Brautpaare mussten hier ein Eichenpaar pflanzen, wenn sie in den Stand der Ehe eintraten. Noch zwei dieser deutlichen Eichenpaare sind auf der Brögamskoppel zu finden und insgesamt bestimmt ein alter Baumbestand die Flächen bis an den Waldrand. Eine uralte sogenannte 1000-jährige knorrige Eiche vor der Rantzauer Schlossbrauerei ist mit einem Stammumfang von fast sieben Metern besonders beeindruckend.

Adresse

Schlossinsel & Rantzauer See
25355 Barmstedt
Telefon 04123 – 4296

Eigentümer: Schlossinsel & Seepark: Stadt Barmstedt, Herrenhaus & Mühle: privat

Öffnungszeiten

ganzjährig frei zugänglich, Museum: Sa 14-18 Uhr, nur für Gruppen nach Vereinbarung, So 14-18 Uhr, an anderen Tagen nach Vereinbarung
Eintritt: kostenfrei. Museum: Eintrittsspende

Anreise

Icon Parken Pinneberger Landstraße & Seestraße

Icon Eisenbahn Barmstedt & Brunnenstraße

Serviceinformationen

Icon WC   Icon Hund erlaubt   Icon Rollstuhl

Angebote

Führungen: nach Vereinbarung, T 04123 – 4296 & Elbmarschenhaus, T 04129 - 955490
Veranstaltungen: Ausstellungen & Kulturveranstaltungen, Mühlentag, Kreiskulturtag

Angebote für Kinder

Gastronomie

Icon  Cafe  Culinarium am See
Galerie-Café-Schlossgefängnis
Restaurant Zum Bootssteg
Seegarten Restaurant und Hotel

Veranstaltungsorte

Kulturstätten: Galerie Atelier III
Galerie-Café-Schlossgefängnis

Gärtnereien & Läden

Gärtnereien: Baumschule H. Hachmann
W. Kordes’ Söhne Rosenschule
Läden: Keramikwerkstatt
Rantzauer Töpfereibedarf

Weiterführende Informationen

Tourismus-Information Elmshorn
Touristinformation Barmstedt

 

Kontakt

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