Route 4: Pinneberg
Von Baumschulbaronen und Pflanzenjägern
Langes Tannen, Uetersen

Ein erster Überblick

Museum Langes Tannen Der Name “Langes Tannen” kommt vom kieferndurchsetzten Waldgebiet, welches die Familie Lange hinter der 1727 hier erstmalig errichteten Windmühle anlegte. Neben dem Mühlenbetrieb in Uetersen baute die Müllerfamilie im 19. Jahrhundert einen lebhaften Getreidehandel bis nach Amerika und eine Schiffsbrotbäckerei auf und gründete 1872 eine Zweigstelle in Altona. Der Müller Johann Peter (III.) ließ für seine gartenbegeisterte Frau Catharina 1826 einen Garten mit Lindenlauben und Blumenbeeten aus den Sanddünen ausheben, in dessen Mitte ein großes C (Catharina) in Rasen geschnitten war. Aus dem 19. Jahrhundert sind noch ein riesiger alter Goldregen, Eiben und duftender Flieder erhalten. Eine harmonisch schöne Stimmung liegt über dem Gelände, und im lindenumstandenen klassizistischen Wohnhaus findet sich heute ein Museum zur bürgerlichen Wohnkultur des 19. und 20. Jahrhunderts.

Langes Mühle

Als der Müller Johann Hinrich Carstens 1727 mit einer Konzession des dänischen Königs Friedrich IV eine Windmühle bei Uetersen errichtete, war dies die sogenannte Neue Mühle, denn das Kloster betrieb schon seit längerem zwei eigene Mühlen, eine Wind- und eine Wassermühle. Die Konkurrenz missfiel dem Kloster und so versuchte es, den Aufbau der Neuen Mühle immer wieder zu behindern. Auch wurde die Neue Mühle wiederholt ein Opfer der Flammen (1738, 1796), anschließend aber immer wieder aufgebaut.

1739 war die Mühle durch Heirat der verwitweten Müllersfrau Maria Cicilia Carstens in den Besitz der Familie Lange gelangt. Zusammen mit ihrem Mann, dem Müllermeister Jacob Lange, baute Maria Cicilia neben dem Mahlbetrieb auch den Handel mit Mehl und Graupen auf und die Mühle nahm einen regen Aufschwung.

Über Generationen blieb die Mühle in den Händen der Familie Lange. Ein kurioses Verwirrspiel dabei ist, dass die Müllersöhne, wie im 19. Jahrhundert üblich, immer wieder den Vornamen Johann Peter erhielten, so dass sie in der Mühlengeschichte wie Thronfolger durchnummeriert wurden.

Die Scheune brannte 1990 ab und wurde daraufhin nach altem Vorbild von 1762 wieder aufgebaut. Das heutige klassizistische Wohn- und Kontorhaus entstand im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts unter Johann Peter (II.) und seiner Frau Cicilia.

Dem Garten an der Mühle widmete Johann Peter (III.) und insbesondere seine Frau Catharina Schultz, die er 1826 heiratete, größere Aufmerksamkeit. Der mit einem Wall umschlossene große Garten hatte üppige Blumen- und Gemüsebeete und war für Catharina Arbeitsort aber auch ein willkommener Rückzugsort nach getaner Arbeit in Mühle und Schiffsbrotbäckerei, die die Langes neben der Mühle und dem Getreidehandel inzwischen unterhielten. Margarete Stender, geb. Lange beschreibt den Garten 1915 aus ihrer Erinnerung:

“Vorn am Eingang und ganz hinten lud je eine geräumige Lindenlaube zum Sitzen ein; links befanden sich zwei kleinere von Syringen. Eine lange Einfassung hinten im Garten lockte im Frühjahr zum Pflücken köstlich duftender Veilchen, und ein Saum von grünen Waldbäumen und Syringen ragte auf den Wällen.”

Als die Langes1886 den Firmenhauptsitz in die seit 1872 bestehende Zweigstelle in Altona verlegten, wurde die Uetersener Mühle zunächst verpachtet. Die Windmühle von 1796 brannte 1889 erneut ab und wurde diesmal nicht wieder aufgebaut. Seither befindet sich auf dem Gelände nur noch der Mühlenstumpf, der heute ein uriges Ambiente für ein Café bereithält.

Seit 1903 als auch der Betrieb der Dampfmühle eingestellt wurde, diente das Anwesen in Uetersen der Familie als Landsitz. Landwirtschaft und Gartenbau, die einst zur Versorgung des großen Hausstandes und der Angestellten dienten, wurden weiterbetrieben. Peter August Lange, der sich nach einem Schlaganfall aus der Altonaer Firma zurückgezogen hatte, richtete sogar eine Schweinemästerei, eine Spargelplantage und Obstanlage ein. Ein umfangreicher Nutzgarten bot noch in den 1950er und 1960er Jahren Kräuter, Obst, Gemüse und Schnittblumen zum Verkauf an, neben vielen gängigen Produkten auch Artischoken und Spargel.

1948 legte der Gartenarchitekt Karl Plomin, der auch den Kurpark von Malente (Route 3 – Ostholstein) anlegte, einen Vorschlag zur Umgestaltung für den Lange’schen Besitz vor, der jedoch größtenteils nicht umgesetzt wurde. Nur die Kastanienallee, die heute die schöne Zufahrt zur Mühle begleitet, scheint zu dieser Zeit gepflanzt angelegt worden zu sein.

Als Werner Lange, der letzte Eigentümer 1979 starb, vermachte er den Uetersener Besitz in Form einer Stiftung der Stadt. Er legte in seinem Testament fest, dass das Anwesen im bisherigen Stil zu erhalten, zu restaurieren und ein öffentliches Museum mit einem Park zu errichten sei. So konnte das Museum nach Restaurierung 1985 eröffnet werden. Das Grab Werner Langes befindet sich auf der Familiengrabstätte auf dem Uetersener Neuen Friedhof.

Das Ensemble Museum Langes Tannen liegt eingebettet in die Hausweide als Überrest landwirtschaftlicher Nutzung und in den Wald Langes Tannen mit seinem rund 100-jährigen Bestand aus Eichen, Buchen und Kiefern. Von der bürgerlichen Gartenanlage des 19. Jahrhunderts zeugen noch die Reste des alten Küchengartens und die über 60 Gehölzarten im gesamten Museumspark von etwa 23 Hektar, darunter viele alte Eichen und Linden, aber auch Trauerbuche, Korkbaum, Walnuss und Esskastanie.

Eine Hartcakesbäckerei für die Schiffe der Welt

Der Aufschwung, den der Mühlenbetrieb der Langes erfuhr, ist eng mit den Handelsmöglichkeiten verknüpft, die der Hamburger und Altonaer Hafen eröffnete. Auch die Aufhebung des Mühlenzwangs 1854, die Einführung der Gewerbefreiheit 1869 und die Reichsgründung 1871 trugen zur wirtschaftlichen Blüte des Lange’schen Familienbetriebs bei. Um 1840 wurde in Uetersen, als eine der ersten in Holstein, eine Dampfmühle in Betrieb genommen.

Schon bald nach der Gründung der Mühle, hatte die Familie den Handel mit Mehl und Graupen aufgenommen und der Getreidehandel ging später in alle Welt und bis nach Amerika. Auch verschaffte sich Johann Peter (III.) mit seinem Schwager Kahlke in Haseldorf von der Generalzollkammer in Kopenhagen schon früh die Erlaubnis, Getreide aus dem Ausland einzuführen und nach der Vermahlung wieder zu exportieren.

Im 19. Jahrhundert richteten Johann Peter (III.) und insbesondere seine Frau Catharina Schultz zusätzlich auch noch eine Hartcakesbäckerei ein, die „Schiffsbrot“ herstellte und vorwiegend nach Amerika exportierte.

Durch ihren weltweiten Handel, reisten die Langes selbst auch in die Welt. So unternahm Johann Peter Lange (V) beispielsweise zu Anfang des 20. Jahrhunderts mehrere Reisen in die USA, Kanada und nach Südrussland.

Walfänger und Pflanzenjäger

Nicht nur die Langes öffneten sich im 19. Jahrhundert der Welt. Von Uetersen aus liefen von 1823 bis 1859 auch Grönlandfahrer zum Walfang in arktische Gewässer. Genauso ist von anderen Orten, wie Elmshorn, dieses Fernweh bekannt. Als Erinnerung an diese Zeit des Walfangs finden sich noch heute Tore aus Walkieferknochen in einigen wenigen Gärten der Gegend. Auch auf dem Lange’schen Mühlenbesitz soll sich ein solches Tor ehemals befunden haben. Vielleicht gelangten die Knochen mit den eigenen Handelsfahrten nach Uetersen, aber dies ist nur eine Spekulation.

Doch nicht nur ins arktische Eismeer führten die Reisen, auf die sich Forscher, Händler und Weltenbummler insbesondere seit dem 18. Jahrhundert begaben. Auch Botaniker und Pflanzenjäger machten sich auf die Suche nach neuen Schätzen der Pflanzenwelt. Insbesondere über England, wo viele bekannte Pflanzenjäger die Pflanzenwelt früh mit Exoten aus fernen Ländern bereicherten, kamen viele neue Pflanzen auch nach Schleswig-Holstein und in die Gärten und Baumschulen der Region, die hier seit Ende des 18. Jahrhunderts entstanden. Die Nähe zum Hamburger Hafen und damit die direkte Anbindung an das Weltgeschehen war hierbei sicherlich förderlich.

Adresse

Heidgrabener Straße
25436 Uetersen
Telefon 04122 – 979106

Eigentümer: Stadt Uetersen

Öffnungszeiten

ganzjährig frei zugänglich, Museum: Mi, Sa & So 10-18 Uhr, Café tgl. außer Di & Do 14-18 Uhr
Eintritt: Museum € 1

Anreise

Icon Parken

Icon Eisenbahn Tornesch

Icon Bus 6667 „Langes Tannen“

Serviceinformationen

Icon WC   Icon Hund erlaubt   Icon Rollstuhl

Angebote

Führungen: Parkführungen auf Anfrage beim Museum LangesTannen, T 04122 – 979106
Veranstaltungen: Ausstellungen, Konzerte, Theater, Lesungen, Keramiktage

Angebote für Kinder

Gastronomie

Icon  Cafe  Café Langes Mühle

Veranstaltungsorte

Standesämter: Trauzimmer im Café Langes Mühle

Gärtnereien & Läden

Gärtnereien: Staudengärtnerei Alpine Raritäten Jürgen Peters

Freundeskreise und Fördervereine

Förderverein Museum Langes Tannen e.V.

Weiterführende Informationen

Bürgerbüro Rathaus Uetersen

 

Kontakt

Die nächsten Veranstaltungen