Route 4: Pinneberg
Von Baumschulbaronen und Pflanzenjägern
Kloster Uetersen

Ein erster Überblick

Kloster Uetersen Am „uterst end“ der Herrschaft der Ritter von Barmstede entstand um 1234 das ehemalige Zisterzienserinnenkloster, welches mit der Reformation in ein adeliges Damenstift umgewandelt wurde. Aus dieser späteren Phase stammt auch der Großteil der Gebäude, die sich, umgeben von alten Bäumen, im Schatten der hochbarocken Kirche von 1749 um den efeuumrankten Friedhof versammeln. Ein im späten 18. Jahrhundert errichteter klassizistischer Gartenpavillon und verwilderte Schneeglöckchen, Winterlinge und Elfen-Krokusse zeugen von den früheren Gärten der Priörinnen und Klosterpröbste. Zwei Rosen hat das Kloster einen Namen geliehen. Die stark duftende, gefüllt pfirsichfarbene ‘Augusta Luise‘ wurde zu Ehren der Uetersener Konventualin und Rosenfreundin Augusta Louise Gräfin zu Stolberg-Stolberg (1753-1835) getauft, Empfängerin der bedeutendsten Briefe des jungen Goethe. Die ‘Uetersener Klosterrose’ erinnert an die Symbolkraft, die der Rose von den Zisterziensern zugesprochen wurde.

Die Stiftsdamen richten sich ein

Das 1234 von Ritter Heinrich II. von Barmstede für die Töchter der gehobenen Gesellschaft gegründete Zisterzienser-Nonnenkloster wurde zunächst von einer Priörin und zwölf Nonnen aus dem Kloster Reinbek besiedelt. Den Kern der Klosteranlage bildete die Kirche mit den im Süden angebauten und zum Quadrum geschlossenen Gebäudeteilen. Reste dieser mittelalterlichen Klosteranlage sind Teile des Südflügels, die sich am Klosterfriedhof entlang ziehen. Der Burggraben umfließt den einstigen Burgplatz des Klosterstifters Heinrich von Barmstede (ca. 1210–1240).

Mit der Reformation 1555 wurde das Kloster in ein adliges Damenstift der Schleswig-Holsteinischen Ritterschaft umgewandelt, wo unverheiratete Frauen des Adels, die Stiftsdamen, ihren Wohnort fanden. Aus ihrer Mitte wählten die Stiftsdamen (Konventualinnen) eine Priörin und aus der Ritterschaft einen Klosterprobst. Im Falle einer Heirat verließen die Damen das Stift. Noch heute gehören dem Adeligen Damenstift eine Priörin und sieben Damen an, von denen aber keine ihr Wohnrecht wahrnimmt. Die Mitgliedschaft hat für die Damen eher symbolisch-traditionellen Wert.

Der heutige Klosterkomplex mit seinen 14 Einzelgebäuden geht überwiegend auf die Zeit seit Gründung des Damenstifts zurück, also auf die letzen rund 450 Jahre. Ein Schwerpunkt der baulichen Entwicklung des Klosters lag dabei im 17. und 18. Jahrhundert.

Umrankt im Schutz der Klosterkirche

Umschlossen vom Kloster steht die evangelische Klosterkirche, eine bedeutende hochbarocke Saalkirche, die in ihrer heutigen Form auf den Bau von 1749 zurückgeht. Sie wurde unter dem Klosterprobsten Ahlefeld von seinem Jersbeker Baumeister Jasper Carstens (1705–1759) errichtet. Der Kircheninnenraum ist im barocken Stil reich ausgestaltet. Dazu gehören auch eine Orgel (1749) und Deckengemälden aus dem 18. Jahrhundert. Elemente der alten Kirche – Vorgängerbauten gab es hier seit 1240 – wurden ebenso übernommen.

Von einer efeuberankten Ziegelmauer eingefasst, liegt der Klosterfriedhof mit alten Grabsteinen der Priörinnen, Konventualinnen und Klosterpröbste nahe der Kirche. Die früheste Bestattung lässt sich an Hand der Steine auf 1658 datieren. Vom Friedhof stammt auch eine alte steinerne Grabplatte mit einer schlanken Rittergestalt, die 1995 aufgenommen und restauriert wurde und seither, vor der Witterung geschützt, im noch vorhandenen Kreuzgang des Südhauses zu sehen ist.

Ehemals befand sich an der Kirche ein weiterer Friedhof als Bestattungsplatz der Uetersener Bürger. Dieser wurde aber im 19. Jahrhundert aufgegeben und auf das Gelände des heutigen Cäcilie-Bleeker-Parks verlegt.

Von Gärten und Stinzenpflanzen

Die fünf Hektar umfassenden Gärten und Außenanlagen des Klosters mit ihrem alten Baumbestand am Rande der Pinnauniederung wirken heute wie ein weitläufiger Park.

Umschlossen von den Gebäuden Klosterhof 6 und 8 liegt der schöne, sogenannte Baumhof mit seinen alten Bäumen. Von den Gärten, die bereits zur Klosterzeit bestanden haben, ist außer dem vom Burggraben umflossenen Stück Land heute nichts mehr zu finden. Erst aus den Gärten, die seit der Barockzeit am Kloster angelegt wurden, sind einzelne Elemente erhalten geblieben.

In Verknüpfung mit der Stadt, leiten mehrere, teilweise ehemals geschnittene Lindenalleen zum Kloster, die alle im 18. Jahrhundert gepflanzt wurden. Eine Allee führt von der Marktstraße zum Probstenhaus und eine zweite zum Priörinnengarten. Letztere war die Verlängerung der Kastanienallee, die den Verbindungsweg zwischen Klostergelände und der ehemaligen Klostermühle am Teich des heutigen Rosariums begleitete. Der Nachbau eines weißen Gartentores nach historischem Vorbild am Ende der Kastanienallee eröffnet einen Spazierweg entlang des Burggrabens, über den einstigen Garten der Priörin und die Brücke über den Burggraben.

Die Gärten waren im Kloster überwiegend den einzelnen Gebäuden der Stiftsdamen zugeordnet. Der sogenannte ehemalige Priörinnengarten am Burggraben, der sich bis in barocke Zeit zurückverfolgen lässt, war offenbar größer und aufwändiger gestaltet und besteht heute aus drei Bereichen: dem Privatgarten des Klosterprobsten, einer baumüberstandenen Wiese mit einem griechisch-klassizistischen Gartenpavillon und einer vom Burggraben umschlossenen Insel mit Festplatz, dem ehemaligen erwähnten Burgplatz.

Heute erreicht man die Insel wieder über eine 1999 rekonstruierte weiße Bogenbrücke. Eine ähnliche Brücke befand sich hier schon im 18. Jahrhundert und wie verschiedene Quellen zeigen, war der Priörinnengarten in barocker Zeit formal gestaltet. Der kleine Gartenpavillon in Form eines dorischen Vorhallentempels ist bereits auf einer Kartenzeichnung von 1786 dargestellt.

Bereits im 19. Jahrhundert wurden der Priörinnengarten landschaftlich umgestaltet. Dazu wurde in die Lindenallee eine bis heute erkennbare Lücke geschlagen, um die Blickbeziehung auf das Haus und den Ausblick in die gestaltete Landschaft zu verbessern.

In dieser umgebenden Landschaft wurde seit alters her vom Kloster Landwirtschaft betrieben und im sogenannten Vorwerk konzentrierten sich die dazu notwendigen Einrichtungen. Auch das Holsteiner Pferd wurde im Kloster gezüchtet, wie eine Urkunde von 1328 belegt.

Von den alten Gärten zeugen noch einige alte Zierpflanzen, wie Schneeglöckchen, Winterlinge, Lerchensporn oder Elfen-Krokus, die durch Wiesen und Gehölzflächen lugen. Diese sogenannten Stinzenpflanzen sind die lebenden Überbleibsel ehemaliger Gartennutzung. Insbesondere Frühlingsblüher überdauern so oft Hunderte von Jahren und wandern durch ihre unterirdischen Zwiebeln auch an andere Stellen, wo sie, oft im Schutz von Gehölzen, ungestört fortleben. In den letzten Jahren hat die Gesellschaft der Freunde des Klosters Uetersen 8000 zusätzliche Krokusse zur Verschönerung der Klosteranlagen gepflanzt.

Rosen für Goethes Gustchen

Das Kloster hat eine enge Verbindung zu Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832). Von 1770–83 lebte hier die Konventualin Augusta Louise Gräfin zu Stolberg-Stolberg (1753–1835), die rege kulturelle Verbindungen zu den Dichtern und Gelehrten ihrer Zeit, wie Matthias Claudius (1740–1815), Friedrich Gottlieb Klopstock (1724–1803) und anderen unterhielt. Insbesondere stand sie mit Goethe in regem Briefwechsel. Als Empfängerin der bedeutendsten und aufregendsten Briefe des jungen Goethe ging sie als Goethes Gustchen in die Literaturgeschichte ein. Dies spiegelt sich heute in der Namensgebung einer Allee, der Gustchen-Stolberg-Promenade, wider.

Augusta Louise war Rosen besonders zugetan, sagte sie doch von sich: „Ich liebe Blumen mit Leidenschaft, die Rose gehört zu meinen Lieblingen“. Zu Goethes 250. Geburtstag wurde der Uetersener Konventualin eine Rose mit dem Namen ‘Augusta Luise‘ (Tantau, 1999) gewidmet.

Nicht nur durch Augustas Vorliebe gab es im Kloster seit jeher viele Rosen. Im Orden der Zisterzienser hat die Rose einen hohen Symbolwert: Der Jungfrau Maria geweiht, war sie Inbegriff des göttlichen Geheimnisses. So ist zu vermuten, dass sich, schon vor der Umwandlung in ein Damenstift, Rosen im früheren Klosterquadrum des Zisterzienser-Nonnenklosters befanden. An diese Traditionen anknüpfend, hat die Gesellschaft der Freunde des Klosters Uetersen insgesamt 250 Rosen im gesamten Klosterbezirk gepflanzt, darunter auch eine neue Rose mit dem Namen ‘Klosterrose‘ (Tantau, 2005).

Adresse

Klosterhof 1
25436 Uetersen

Eigentümer: Klosterpark & Friedhof: Adeliges Kloster Uetersen, Kirche: Evang.-luth. Kirchengemeinde Uetersen, Wohngebäude: privat

Öffnungszeiten

ganzjährig frei zugänglich, kostenfrei, Kirche: Sa & So 14-16 Uhr, Wohngebäude mit Gärten privat
Eintritt: kostenfrei

Anreise

Icon Parken Markt- & Moltkestraße

Icon Bus 61, 62, 63, 64, 65, 66, 67, 75, 77, 78 „Buttermarkt“

Serviceinformationen

Icon Hund erlaubt   Icon Rollstuhl

Angebote

Führungen: nach Voranmeldung Dr. H.H. Henningsen T 04122 – 83008 & Elsa Plath-Langheinrich T 04122 – 2471
Veranstaltungen: KLOSTERTAGE zu Geschichte & Kultur alle zwei Jahre (September), Gottesdienste, Konzerte, Theater

Gastronomie

Icon  Cafe  Restaurant St. Esprit - Spezialitäten der Provence

Veranstaltungsorte

Standesämter: Standesamtsaußenstelle im Priörinnenhaus
Kulturstätten: Burgplatz & Teehaus
Klosterkirche Uetersen

 

Kontakt

Die nächsten Veranstaltungen