Route 4: Pinneberg
Von Baumschulbaronen und Pflanzenjägern
Jenischpark, Hamburg-Altona

Ein erster Überblick

Jenischpark Die schön modellierte Parklandschaft des Jenischparks war Teil einer ab 1785 angelegten „ornamented farm“ des Baron Voght, eines vehementen Verfechters aufklärerischer Ideen. Hier verband sich das Nützliche des Landbaues mit dem Schönen malerischer Baumgestalten, weiter Wiesen und großartiger Aussichten auf die Elbe mit ihren Segelschiffen. Am berühmten Mustergut lag auch eine Baumschule unter der Regie des Schotten James Booth. Sie gilt als Wiege der Baumzucht im Kreis Pinneberg und ihre Spuren lassen sich bis ins europäische Ausland verfolgen. Ab 1828 gestaltete Senator Martin Johann Jenisch das Anwesen zu einem klassischen Landschaftspark. Aus dieser Zeit stammen einige ausgefallene Bäume. So befindet sich der älteste Ginkgo Hamburgs, vielleicht aus Booths Baumschule, im Park. Jenisch besaß auch eine hoch geschätzte Palmen-, Orchideen- und Kakteensammlung. Einige dieser Pflanzenarten finden sich in den heutigen Schaugewächshäusern.

Das Mustergut des Baron Voght

Caspar Voght (1752–1839), späterer Reichsfreiherr, war ein weltoffener Vertreter der Aufklärung, erfolgreicher Kaufmann, Landwirt, Gartenkünstler und Gentleman. Er trat über Jahrzehnte für die Reform des Armenwesens ein, wofür er 1802 den Titel des Reichsfreiherrn erhielt.

1785 erwarb Voght Ländereien im Tal des Baches Flottbek mit einigen Höfen in einer Landschaft, die nach dem 30-jährigen Krieg weitgehend entvölkert war. Beeinflusst von Reisen nach England und Schottland gestaltete er nach dem Vorbild der ornamented farm „The Leasowes“ des Dichters William Shenstone bis 1828 sein Mustergut in Klein Flottbek, das sowohl mit der modernen Landwirtschaft als auch gartenkünstlerisch europaweite Berühmtheit erlangte und zu einem wichtigen Treffpunkt der Aufklärung wurde. Voght entwickelte neue landwirtschaftliche Maschinen und Methoden, forstete weite Landstriche auf und begründete das norddeutsche Baumschulwesen indem er den schottischen Landschaftsgärtner James Booth nach Klein-Flottbek holte.

Baron Voght gestaltete sein Gut, das aus Süderpark (heutiger Jenischpark), Norderpark (heute u.a. Botanischer Garten), Osterpark (heute u.a. Golfplatz) und Westerpark bestand, als eine Abfolge malerischer Landschaftsbilder, die über einen Beltwalk (Rundweg) erschlossen wurden.

Im Zentrum befand sich das frühklassizistische Landhaus, das 1794 von Johann August Arens (1757–1806) erbaut wurde und noch heute an der Baron-Voght-Straße steht. Ganz in der Nähe schuf Voght 1790 auch die Instenhäuser, die den Tagelöhnern eine für damalige Verhältnisse komfortable Bleibe boten.

Das landwirtschaftliche Mustergut war im Stil eines englischen Landschaftsparks gestaltet und, in Verbindung des Schönen mit dem Nützlichen, die Felder mit Getreide, Rüben und Kartoffeln harmonisch in die Gestaltung integriert.

Der Süderpark war schon immer ein besonders intensiv gestalteter Park, der in seinen wesentlichen Strukturen seit 200 Jahren im heutigen Jenischpark erhalten ist. Hier fanden sich zur Untermalung der Landschaft und zur geistigen Erbauung verschiedene Staffagen und Bauwerke, wie die Knüppelbrücke (1790, Nachbau 1997), von der Besucher die Gutsarbeiten beobachten konnten ohne die Erntewagen zu stören, oder die Eierhütte (1790, Nachbau 1995), die Voght mit einer Inschrift den Freunden und der Muße (amicis et quieti) weihte.

Voght pflanzte nur einheimische Gehölze und legte den Park offenbar eigenständig an. Verschiedene Bäume sind heute noch aus der Zeit der ornamented farm (1785–1828) im Jenischpark anzutreffen, insbesondere urige alte Eichen, die früher in Knicks (Feldhecken) zur Unterteilung der Felder dienten und von Voght aus dem ursprünglichen Waldbestand erhalten wurden. Schön sind im Frühjahr auch die Blüte der Buschwindröschen, Wildtulpen und des Lerchensporns und die bunten Blumenwiesen, deren Artenvielfalt noch aus den Voght‘schen Heuwiesen stammt, für die Grassaat aus Mittel- und Süddeutschland eingeführt wurde.

Der repräsentative Landschaftspark

1828 verkaufte Voght sein Gut an den jungen befreundeten Martin Johann Jenisch, Bankier und Senator, und suchte mit ihm zusammen die Stelle für dessen neues Landhaus aus, von wo aus jedes vorbeisegelnde Schiff sichtbar war. Das Jenisch Haus wurde 1831–34 von Franz Gustav Forsmann (1795–1878) unter Berücksichtigung von Entwürfen Karl Friedrich Schinkels (1782–1841) als klassizistisches Landhaus errichtet.

Die Familie Jenisch wirkte von 1828–1927 im Jenischpark und gestaltete den Süderpark zum spätklassizistischen Landschaftspark am herrschaftlichen Sommersitz um. Die Felder wurden unter Anleitung des hamburgischen Garteninspektors Ohlendorff Stück für Stück in eine Parklandschaft umgewandelt und der Park mit neuen Toren und Eingangsbereichen verschönert. Voghts Schöpfungen im Süderpark blieben dabei aber in weiten Teilen erhalten.

Martin Johann Jenisch besaß auch eine Palmen-, Orchideen- und Kakteensammlung, die hoch geschätzt war. Der kulturelle Einfluss Englands und der Überseehandel förderten die Orchidomanie in der Hansestadt, die im 19. Jahrhundert in Europa um sich griff. In den Pleasureground, der vermutlich als Blumengarten zwischen Herrenhaus und Gewächshäusern (1833–44) entstand, fanden auch einige fremdländische Gehölze Einzug, die vermutlich zumindest in Teilen aus Booths Baumschule kamen.

Rückkehr von Eierhütte und Bogenbrücke

Im Jahre 1927 gelang es der Stadt Altona, den Park anzupachten, 1937 erfolgte der Ankauf, um die Umwandlung in eine Golfsportanlage zu verhindern. Zwar konnte die begonnene Parzellierung gestoppt werden, die Gestaltung des Park veränderte sich aber. Die ehemals prachtvollen baufälligen Gewächshäuser wurden in den 1950 Jahren abgerissen und zur Internationalen Gartenbauausstellung durch eine moderne Gewächshausanlage (1955/56) ersetzt.

Seit rund zehn Jahren finden in dem denkmalgeschützten Park auf Grundlage eines Parkpflegewerks gartendenkmalpflegerische Wiederherstellungen statt, um das historische Ensemble wieder erlebbar zu machen. Zunächst wurden Panoramablicke und die weiten gefächerten Sichten zurück gewonnen. Auch einige Bauwerke und Parkarchitekturen wie das Eierhaus, die Bogenbrücke, die Instenhäuser und Eingangstore wurden bereits wiederhergestellt und saniert.

Die Baumschule James Booth

Die Baumschule von James Booth (1760–1814), die 1795 in Klein-Flottbek gegründet und unter dem Namen James Booth & Söhne weitergeführt wurde, war im 19. Jahrhundert weithin bekannt. Durch die Ansiedlung wohlhabender Altonaer Bürger in prächtigen Villen mit großen Parks auf den Elbhängen im Zuge des Aufschwungs der Häfen in Hamburg und Altona, erlebte auch der Gartenbau eine Blütezeit. Die Nähe zu den Häfen und die weltweiten Handelsbeziehungen erleichterten dabei die Einfuhr neuer, unbekannter Pflanzen. Auch hatte Booth auf Grund seiner schottischen Herkunft viele Kontakte zu britischen Firmen und trieb so die Einführung und Einbürgerung ausländischer Gehölze aus Amerika und Asien voran. 1827 brachte die Firma auch die Douglasie nach Deutschland und verbreitete sie in Europa.

Das „Verzeichnis der vorzüglichsten Gärtner“ im Altonaer Adressbuch von 1802 nennt auch die Gärtnerei Booth und 1850 wurde die Gärtnerei sogar als Sehenswürdigkeit für Fremde im Hamburger Adressbuch aufgeführt. Die Baumschule lieferte ausgefallene Bäume und Sträucher in manchen Guts- und Herrenhausgarten, die Parks und Gärten der Elbvororte sind voll von Booths Pflanzen, und auch Fürst Pückler kaufte für seinen Park in Muskau bei Booth. Historische Akten, so zum Beispiel zum Gut Altjeßnitz bei Bitterfeld, geben mit den dort vorhandenen Baumbestellzetteln des 19. Jahrhunderts einen Einblick über das weite Sortiment ausgefallener Baumarten, das bei James Booth erhältlich war. Bestellt wurde zum Beispiel eine Vielzahl verschiedener Eichenarten, schlitzblättrige Birke (Betula pendula ‘Laciniata‘), Gingko (Ginkgo biloba), Schnurbaum (Sophora japonica) und Zürgelbaum (Celtis spec.).

Mit wachsender Nachfrage nach Baumschulpflanzen vergab Booth Aufträge zur Gehölzanzucht in die nahe liegenden holsteinischen Gemeinden Halstenbek und Pinneberg. Flottbek gehörte damals noch zur Drostei Pinneberg und damit zum dänischen Gesamtstaat. Die Baumschulen gingen bald auch zur Anzucht von Gehölzen auf eigene Rechnung über. Die Baumschule Booth kann somit als Wiege der Pinneberger Baumschulwirtschaft angesehen werden.

Die Baumschule wurde noch bis 1884 als Familienbetrieb geführt und lag zwischen Holztwiete und Elbchaussee. Nachfolger auf einem kleinen Teil des Betriebsgeländes war die Gärtnerei Ansorge, die den Betrieb noch bis vor kurzem führte. Carl Ansorge war 1868 in die Baumschulen als Gehilfe eingetreten und seine Firma wurde später insbesondere durch die Dahlien- und Orchideenzucht bekannt. Leider ist geplant, das verbleibende Gärtnereigelände und Relikt der ehemals berühmten Baumschule Booth zu bebauen.

Bei James Booth hatte auch Johannes von Ehren seine Ausbildung erhalten und gründete 1865 eine eigene Baumschule, die 1898 sein Sohn Lorenz übernahm. Als eine der ältesten Sortimentsbaumschulen Deutschlands, war von Ehren lange auch im Bereich des Westerparks ansässig. Überreste der ehemaligen Baumschulnutzung finden sich dort noch in den Reihen aus Kugelahorn oder Säuleneichen.

Adresse

Hochrad 75
22605 Hamburg-Altona

Eigentümer: Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt, Freie und Hansestadt Hamburg

Öffnungszeiten

ganzjährig frei zugänglich, Schaugewächshäuser: Mo-Fr 9.30-15.30 Uhr, Sa & So 10.30-15.30 Uhr, Hunde in Schaugewächshäusern verboten
Eintritt: kostenfrei

Anreise

Icon Parken Baron-Voght-Straße, Hochrad

Icon Eisenbahn Klein Flottbek

Icon Bus 15 „Marxsenweg“

Icon Fähre „Teufelsbrück“

Serviceinformationen

Icon WC   Icon Hund erlaubt   Icon Rollstuhl (teilweise)

Angebote

Veranstaltungen: Veranstaltungen der Parkfreunde, Ausstellungen in Barlach & Jenisch Haus

Angebote für Kinder

Gastronomie

Icon  Cafe  Museumscafé im Jenisch Haus
Ralph’s Kiosk

Gärtnereien & Läden

Läden: Museumsladen Jenisch Haus

Freundeskreise und Fördervereine

Freunde des Jenischparks e.V.

Weiterführende Informationen

Tourist Information im Hbf Hamburg

 

Kontakt

Die nächsten Veranstaltungen