Route 4: Pinneberg
Von Baumschulbaronen und Pflanzenjägern
Gutspark Haseldorf

Ein erster Überblick

Gutspark Haseldorf Der Gutspark Haseldorf beherbergt eine Vielzahl ausgefallener Baumarten aus aller Herren Länder. Im späten 18. Jahrhundert begründete Hans Heinrich von Schilden (1745-1816) diese exotische Artenvielfalt, zu der Tulpenbaum, Lachshimbeere und Gurkenmagnolie gehören. Wo die Baumriesen ihr Alter zeigen, legt sich eine romantisch verwunschene Stimmung über den leicht verwilderten Park mit seiner Vogelwelt. Für die sonst in weiten Teilen baumlosen Elbmarschen ist dieser Baumgarten, der sich in den Schutz des Elbdeiches mit seinen begleitenden alten Eichen und Eiben schmiegt, ganz außergewöhnlich. Vorbei an Obstbaumkulturen auf den von Gräben umgebenen Inseln zieht sich eine rund 250-jährige geschnittene Lindenallee zum Herrenhaus. Nachdem bereits Klopstock im 18. Jahrhundert in Haseldorf weilte, machte der Dichterprinz Emil von Schoenaich-Carolath-Schilden (1852-1908) das Schloss endgültig zum Dichtertreffpunkt. Der wertvolle Baumbestand im Park inspirierte so die Werke Rilkes und Liliencrons.

Die Gutsanlage Haseldorf

Wall und Gräben schützen noch wie einst die alte Gutsanlage auf deren rundem Burgplatz sich schon im 12. Jahrhundert eine erste Ritterburg befand. Das heutige Herrenhaus im Stil des dänischen Klassizismus wurde 1804 vom dänischen Landbaumeister Christian Friedrich Hansen für Hans Heinrich von Friccus-Schilden errichtet und Ende des 19. Jahrhunderts mit einer Freitreppe und Dachgauben ergänzt. Die weiteren Gebäude des Gutshofes (Kavaliershaus, Marstall, ehemaliges Dienerhaus, Museum) stammen aus dem späten 18. Jahrhundert.

1495 gelangte die Vogtei Haseldorf durch Kauf von der dänischen Krone an Friedrich von Ahlefeldt und wurde 1551 unter seinen drei Söhnen geteilt. Dabei fiel Haseldorf an Bendix, Haselau an Wulf und Seestermühe an Hans, woraus sich Verbindungen zwischen den Herrensitzen ergaben.

Zu dieser Zeit bestanden die Freiflächen rund um das Haus überwiegend aus Nutzgärten, wie einem Baumgarten, einem Hopfengarten, Reetflächen und einem Kohlgarten, aber es gab auch schon einen kleinen Garten am Haus mit regelmäßigem Wegenetz.

Noch bis 1726 wirkten die Ahlefeldts in Haseldorf. Dann erwarb Heinrich Andreas von Schilden 1731 das in Konkurs geratene Gut. Einige der alten Eichen im Park zwischen Burggraben und Deich werden schon in Briefwechseln dieser Zeit erwähnt und Mitte des 18. Jahrhunderts zeigen Zeichnungen einen kleinen Ziergarten am Burgplatz, der in Folge weiter ausgebaut wurde. Relikte der formalen Gärten des 18. Jahrhunderts sind heute die fünf hochgewachsenen sogenannten Klopstocklinden, die ehemals zu einem Salon geschnitten waren. Auch die Lindenallee an der Zufahrt stammt aus dieser Zeit, denn 1758 bekam der Gutshof die heutige repräsentative Zufahrt von Norden über einen Damm, den die Linden wie heute begleiteten.

Gurkenmagnolie und Tulpenbaum

Hans Heinrich von Schilden (1745–1816), der das Gut ab 1770 besaß, scheint der Initiator eines Landschaftsparks mit ungewöhnlichem Baumbestand aus vieler Herren Länder gewesen zu sein, den er ab ca. 1780 anlegte und mit Bau des Herrenhauses 1804 noch erweiterte. So entstand in Haseldorf eines der ältesten Arboreten Norddeutschlands mit einem ungewöhnlichen Artenreichtum. Auch einige uralte Eiben mit einem vermuteten Alter von 800 Jahren wurden in die Gestaltungen einbezogen.

Hans Heinrich von Schildens großes Interesse an fremdländischen Pflanzen findet sich in seinem Tagebuch. 1778 berichtet er anläßlich seiner Reise nach Pyrmont vom gartentheoretischen Werk „Der Hausvater“ (1765–1773) von Otto II. von Münchhausen (1716–1774) und dessen neuartigem Garten in Schwöbber, wo dieser mehr Wert auf exotische Pflanzen als auf die architektonische Ausstattung seines Parks legte.

In Haseldorf finden sich diese Naturgartenideale wieder, denn Hans Heinrich von Schilden ließ keine Gebäude im Park bauen, sondern konzentrierte sich auf die pflanzliche Bereicherung des Gartens. Ausführliche Listen exotischer Arten hatte von Schilden im Tagebuch verzeichnet. Er bezog Gehölzsamen und Pflanzen aus Holland, Eisenach, Weimar und Altona. So ist es nicht verwunderlich, dass schon 1790 Haseldorf bei Gartenliebhabern als Ort bekannt war, wo man ungewöhnliche Saat bekommen konnte. Später dann, 1925, schwärmte auch die Deutsche Gartenbau-Gesellschaft nach einem Besuch von den bedeutenden und seltenen Bäumen, wie einer Butternuss (Juglans cinerea).

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ergänzten und vollendeten Schildens Erben den Park mit neuen Pflanzungen und mit Holzbrücken und Stegen.

Nachdem 1896 der letzte von Oppen-Schilden gestorben war, fiel das Gut Haseldorf an den Prinzen Emil von Schoenaich Carolath Schilden, dessen Nachkommen noch heute Besitzer der Marschgüter sind. Dieser ließ den Haseldorfer Baumbestand auch in seine Dichtungen einfließen. Auch brachte er manchen zusätzlichen exotischen Baum von seinen ausgedehnten Reisen mit in den Park.

Unter den vielen ungewöhnlichen Bäume und Sträuchern befinden sich auch heute noch Exoten, die hauptsächlich auf der privaten Schlossinsel wachsen. Jedoch sind die Bäume auch vom romantischen Park aus zu betrachten. Zu den Besonderheiten zählen Gurkenmagnolie (Magnolia acuminata), Tulpenbaum (Liriodendron tulipifera), Hemlockstanne (Tsuga canadensis), Mähnenfichte (Picea breweriana), schlitzblättrige Buche (Fagus sylvatica ‘Asplenifolia‘) und natürlich die alten Eiben, Eichen und geschnittenen Lindenalleen.

Einige der imposanten Bäume hatten sogar schon einen Auftritt im Film. Die weit ausladende Gurkenmagnolie im privaten Garten konnte beispielsweise einer Szene in Gustaf Gründgens Faust (1960) eine stimmige Szenerie verleihen.

Klopstocks Linden und Bäume zum Träumen

In Haseldorf kreuzen sich seit dem 18. Jahrhundert viele Wege der Kunst und Kultur. Die Aufenthalte Klopstocks (1724–1803) in Haseldorf sind durch die dortigen sogenannten Klopstocklinden seit Jahrhunderten mit dem Park verwachsen. Vermutlich tragen sie ihren Namen von einem Gedicht, welches Klopstock im ausgehenden 18. Jahrhundert über die Tochter des damaligen Eigentümers Heinrich Andreas von Schilden, die schöne Henriette dichtete. Diese war mit nur knapp 27 Jahren 1752 gestorben. Ihr zu Ehren und zu der ihrer sieben Kinder pflanzte ihr Mann Friedrich Carl von Friccius einen Kreis aus acht Linden. Fünf dieser Linden bilden noch heute in hochgewachsenem Zustand einen beeindruckenden Lindendom jenseits des Wassergrabens auf der Burginsel. Eine andere Auslegung ist die, dass Klopstock unter den Linden angeblich Teile des „Messias“, der zwischen 1748 und 1773 entstand, geschrieben hat und die Linden daher ihren Namen haben. Dies ist auf Grund des Baumalters aber eher unwahrscheinlich.

Im späten 19. Jahrhundert versammelte sich dann abermals ein Künstlerkreis um Prinz Emil Schoenaich-Carolath-Schilden (1852–1908). Seit 1896 lebte dieser mit seiner Frau, der Baronesse Katharina von Knorring, in Haseldorf. Schon in seinem Breslauer Elternhaus traf er auf Persönlichkeiten aus Kunst und Kultur und wurde so früh mit den schönen Künsten vertraut. Auch Aufenthalte in Italien wirkten anregend. Angeblich weckte aber eine enttäuschte Liebe seine dichterische Schaffenskraft, die von Melancholie durchdrungen war. Diese Melancholie findet sich auch in seinem Gedicht „Verblühter Frühling“, das vielleicht auch vom Haseldorfer Park inspiriert war und hier in Auszügen wiedergegeben wird:

Tief in des Parkes Blätternacht

Ein Rauschen schläft, ein trüber Schall

Als würd´ ein Glück zu Grab gebracht

Bei leisem Frühlingsregenfall.

Noch träumt verschollen in der Luft

Ein Lachen, das im Park verstob

Noch schwimmt im jungen Grün der Duft

Der einst ihr blondes Haar umwob.

(Prinz Emil von Schoenaich-Carolath-Schilden 1898)

Als anerkannter Dichter pflegte der Prinz Freundschaften und künstlerischen Austausch mit bedeutenden Dichtern wie Rainer Maria Rilke und Detlev von Liliencron.

Rainer Maria Rilke (1875–1926) hielt sich in den Jahren 1901 und 1902 einige Zeit in Haseldorf auf. Von hier schrieb er Briefe an befreundete Künstler und an seine Frau, in denen er auch den Park beschreibt. So heißt es in einem seiner Haseldorfer Briefe vom 25.6.1902 an den Worpsweder Maler Otto Modersohn:

„Der große Park um das Schloß ist nicht zu gepflegt und wirkt vor allem durch seine Riesenbäume. Es gibt Linden und Kastanien wie Berge; Bäume mit dunkelroten Blättern (ich weiß nicht, wie sie heißen), die wie Träume sind, und Nadelhölzer, irgendwelcher fremdländischer Art, mit langen zottig hängenden Zweigen, die an das Fell urweltlicher Urtiere erinnern. Und das Blühen all dieser großen, alten Azaleenbüsche und ganzer hoher Hänge von Jasmin!“ (zitiert in: Puls 1991: 92).

Rilkes Gedichte wurden sicher vom Aufenthalt in Haseldorf beeinflusst. Stimmungvolle Beschreibungen, wie in Rilkes bekanntem Gedichte „Herbsttag“, legen diese Vermutung nahe, hat man doch fast das Gefühl durch den Haseldorfer Park zu wandern, wenn man sich in die Zeilen vom unruhig durch die Alleen Wandelnden vertieft. Es wird auch angenommen, dass Rilke Haseldorf als Ort im "Malte" übernahm.

In Anknüpfung an diese Jahrhunderte währende kulturelle Tradition, ist das Gut auch heute noch nicht nur Austragungsort des Schleswig-Holstein Musikfestivals sondern auch Mittelpunkt weiterer kultureller Aktivitäten.

Kirche St. Gabriel

Auf dem kleinen Friedhof an der spätromanischen Backsteinkirche Sankt Gabriel, deren Entstehung bis ins frühe 13. Jahrhundert reicht, finden sich die Gräber des Dichterprinzen Prinz Emil von Schoenaich-Carolath-Schilden und seiner Frau.

Das große Epitaph am Ostgiebel der Kirche von 1599 erzählt auch ein Stück Familiengeschichte in den sechs Wappenfelder der von Ahlefeldts. So waren Dedlof van Alefelt und Hans Brocktorp 1599 im Dorfe Brake vom Vetter Marquart van Ahlefelt und dessen Knecht nach langem Familienzwist „ganzun(chris)t/lick, tiransch ud erbarmlick“ ermordet worden. In der Gruft der Kirche mit sehenswerter Ausstattung, die bis in das 15. Jahrhundert zurück reicht, befinden sich die alten Grabstätten der Familien Ahlefeldt und Schilden.

Obst und Weiden

Zu Anfang des 20. Jahrhunderts war die Haseldorfer Marsch ein wichtiges Obstbaugebiet und das Gut exportierte Früchte bis in die Schweiz. An jedem größeren Bauernhof fand sich ein Obstgarten, der wegen der in der Marsch am besten gedeihenden Apfelbäume als „Appelhoff“ bezeichnet wurde. Auf den Inseln des Haseldorfer Gutsparks wurden Obstbäume und Beerensträucher als Reminiszenz an die alte Obstbautradition nachgepflanzt. Ehemals gab es auch einen großen Gemüsegarten. Hier wuchsen so ausgefallene Kulinaria wie Melonen, Artischocken und weiße Erdbeeren. Zukünftig sollen diese Nutzgärten wiederbelebt werden.

Noch vor dem Obstbau war der Anbau von Weiden bedeutend. Schon im 17. und 18. Jahrhundert schützten die vor den Deich gepflanzten Kopfweiden die Deiche. Um 1800 ließen sich dann die ersten sogenannten Bandreißer in der Marsch nieder, als der planmäßige Weidenanbau für Fassreifen und die Korbmöbelindustrie seinen Anfang nahm. Die Weidenkulturen wurden durch ein ausgefeiltes System von Gräben und Dämmen geschützt und auf dem Gut Haseldorf standen in den 1930er Jahren rund 400 Hektar Land in Weidenkultur. Die Geschichte der Bandreißerei und der Weidenkultur wird in der Bandreißerkate in Haseldorf erzählt.

Adresse

Schloßweg
25489 Haseldorf

Eigentümer: privat

Öffnungszeiten

Park ganzjährig frei zugänglich, Gebäude & hausnaher Garten privat, Kirche: Mai – Anfang Oktober So 14-17 Uhr & zu Gottesdiensten
Eintritt: kostenfrei

Anreise

Icon Parken freiwillige Feuerwehr Hauptstraße

Icon Bus 589 „Schloss“

Icon Fähre „Haseldorfer Binnenelbe“

Serviceinformationen

Icon Hund erlaubt   Icon Rollstuhl

Angebote

Führungen: Elbmarschenhaus, T: 04129–955490

Angebote für Kinder

Gastronomie

Icon  Cafe  Haseldorfer Hof

Veranstaltungsorte

Kulturstätten: Galerie am Park im Rendantenhaus
Rinderstall am Gutshof Haseldorf

Gärtnereien & Läden

Gärtnereien: Obstbaumschule Cordes

Weiterführende Informationen

Elbmarschenhaus

 

Kontakt

Die nächsten Veranstaltungen