Route 4: Pinneberg
Von Baumschulbaronen und Pflanzenjägern
Arboretum Ellerhop-Thiensen

Ein erster Überblick

Norddeutsche Gartenschau im Arboretum des Kreises Pinneberg Das Arboretum Ellerhoop-Thiensen ist aus dem Sichtungsgarten der ehemaligen berühmten Baumschule Timm & Co. hervorgegangen. Heute wird der Garten vom Förderkreis Arboretum Baumpark Ellerhoop-Thiensen e.V. bewirtschaftet und unter der Leitung von Prof. H.-D. Warda entwickelte sich eine thematisch spannende Kombination aus Schulbiologie, Baumwissenschaft und Gartenkunst. Das Gartenjahr beginnt mit blühenden Kamelien im Januar und endet im Herbst mit den glühenden Farben der Rot-Ahorne und Sumpfzypressen. Highlights sind auch die Dichternarzissenwiese, die im Mai ein riesiges duftendes Blütenmeer ausbreitet und der Bauerngarten mit seiner heiteren Mischung aus Nutz- und Zierpflanzen. Der Heidegarten, die Hortensiensammlung, das große Strauch-Pfingstrosensortiment und die zauberhaften Farbgärten setzen besondere Akzente. Überwältigend ist auch die exotische Lotosblumenblüte im spätsommerlichen Teich. Kinder begeistert ein Erlebnispfad mit Sauriern und Baumversteinerungen der Urzeit.

Baumgärten und Pflanzenjäger

Als parkartig gestalteter Baumgarten zeigt ein Arboretum, dessen Name sich vom lateinischen Wort arbor – der Baum – ableitet, eine umfassende Sammlung von Sträuchern und Bäumen. Arboreten entstanden schon seit dem späten 18. Jahrhundert, nachdem eine Vielzahl neuer und ungewöhnlicher Gehölze durch Forschungsreisen, Pflanzenexkursionen und zunehmende Handelsgeschäfte aus aller Herren Länder nach Europa kamen. Nicht nur zu wissenschaftlichen, forstlichen und gartenbaulichen Zwecken wurden die neuen Pflanzen in Arboreten zusammengetragen. Bedeutende Baumsammlungen waren auch oft Teil der in dieser Zeit entstehenden Landschaftsparks und unterstrichen die Weltoffenheit und den Einfluss ihrer Besitzer.

Rund 4000 verschiedene und ungewöhnliche Pflanzenarten und -sorten finden sich heute auf 17 ha im Arboretum Ellerhoop-Thiensen, das seit 1956 besteht. Neben der Sammlung, Prüfung und Präsentation von Bäumen und Sträuchern liegt ein besonderes Augenmerk der Parkanlage darauf, durch die Verbindung von Gartenkunst, Naturschutz, Schulpädagogik und Baumwissenschaften einen Ort kurzweiliger Bildung und Erholung für die Öffentlichkeit zu schaffen.

Von duftig Weiß bis leuchtend Rot

Gestalterische Höhepunkte des Arboretums sind die verschiedenen Themengärten und Farbgestaltungen, die die Baumvielfalt reizvoll ergänzen.

Gleich am Eingang präsentiert sich einer der schönsten dieser Themengärten: der große blütenreiche Bauerngarten. Hier lehnt sich bäuerliches Kulturgut mit einer üppigen Mischung aus Zier- und Nutzpflanzen in alten Kulturformen an den Südgiebel des 350 Jahre alten, restaurierten Münsterhofes. Gepflegt wird der Bauerngarten in ehrenamtlicher Arbeit vom langjährigen Gärtner im Ruhestand, Herrn Mahn.

Im Anschluss fügt sich das graugrüne und gelbe Blattspiel des Heidegartens harmonisch an den Bauerngarten. Während die Heide – bestehend aus einem großen Erica- und Calluna-Sortiment – im Spätsommer violett erglüht, mischen sich Kiefern, Wacholder, Gräser, Königskerzen oder Oregano zu anderen Zeiten in den blaulila-gelben Blütenreigen. Hortensien bilden mit einem von Blauregen umkränzten Pavillon den sogenannten „Blauen Bogen“ als besonderen Blickpunkt.

Schon im Januar und Februar findet man im Kamelienhaus, unweit des Bauerngartens, die ersten blühenden Vorboten des Frühlings. Herausragend ist auch die Dichternarzissenwiese, die im Frühjahr ein duftendes Blütenmeer vor dem Münsterhof ausbreitet. Nach der Narzissenblüte wird die Wiese von Mohn und Wiesenkerbel und wieder später dann von Wiesenraute und Wiesenflockenblume zartrosa überhaucht.

Einen weiteren Frühjahrsfarbenrausch genießt man in einer Allee aus hochstämmig gezogenen Glyzinien, die wie eine blaue Wolke einen spiralförmigen Weg begleiten. Verschiedene Farbpflanzungen, wie der Weiße Garten, die Purpurnen Impressionen und die Blaue und Gelbe Rabatte, haben im Sommer dann ihren Blütehöhepunkt.

Einen Eindruck vom „Indian Summer“ vermittelt ein Sortiment spektakulär färbender Gehölze, das mit einem Gräser-Astern-Garten kombiniert wurden und so die Gartensaison bis spät in den Herbst hinein verlängert. Von diesem Gartenteil erstrecken sich prächtig herbstfärbende Gehölze, wie Rot-Ahorne (Acer rubrum) und Nymphenbäume (Nyssa sylvatica) bis zum angrenzenden Weiher, in dem Sumpfzypressen (Taxodium distichum und Taxodium ascendens) einen ungewöhnlichen aber passenden Standort gefunden haben.

Microrauigkeit und Pflanzenforschung

Eine ganz spezielle Besonderheit sind die im Teich wachsenden Lotosblumen, die von Juli bis September eine üppige Exotik in den Garten bringen.

Interessant ist bei Lotosblumen das Phänomen der sogenannten Microrauigkeit: Durch die spezielle Oberflächenstruktur der Blätter perlt Wasser von diesen ab und reißt dabei auch Schmutzpartikel mit sich. Aus diesem Grunde gelten die immer sauber wirkenden Pflanzen in asiatischen Religionen auch als Symbol der Reinheit. Gleichzeitig inspiriert die selbstreinigende Eigenschaft auch die Forschung in der Entwicklung technischer Produkte, wie Lacke, Farben, Glasfassaden oder Solarzellen.

Wissenschaftlich fundierte Sammlungen und Forschungsprojekte im Arboretum unterstützen auch die akademische und gärtnerische Fachausbildung. Dazu gehören die von Erich Frahm zusammengestellte größte Zierapfelsammlung Deutschlands oder das umfangreiche Zierkirschensortiment. Hinzugekommen sind die Gehölze der Wasserwälder, Bambusarten, eine große Hortensiensammlung und über 250 Strauchpfingstrosenarten und -sorten, die größte Sammlung dieser Art in Deutschland.

Saurier und Bäume der Urzeit

Kinder begeistern besonders die Modelle der pflanzenfressenden Saurier aus dem Jura, die in einem „Steinkohlewäldchen“ am See weiden. Die dort gezeigten Pflanzen, zu denen Ginkgo (Ginkgo biloba), Araucarien (Araucaria araucana) und Schachtelhalme gehören, sind heute noch lebende Vertreter der Vegetation früherer Erdzeitalter. Die Entwicklungsgeschichte der Bäume verdeutlicht sich auch in den 27-30 Millionen Jahre alten verkieselten Stammstücken von Sumpfzypressen (Taxodium spec.), die zwischen Königsfarnen (Osmunda regalis) und unter Mammutbäumen (Sequoiadendron giganteum) einen Platz gefunden haben.

Interessant ist ebenso der geologische Erlebnispfad, der sich mit vielen interessanten und zum Teil seltenen Steinexponaten durch das Arboretum zieht. Besonders beeindruckend mit seinem Alter von 1,5 Milliarden Jahren ist ein Azul do Macaubas, ein meeresblauer Quarzit aus Brasilien.

Neben diesen Gartenbereichen können auch die Nutzpflanzenabteilung, die fleischfressenden Pflanzen, ein ökologischer Lehrpfad oder die Beobachtung von Tieren am Wasser den Schulunterricht interessant ergänzen. Zum Spielen lädt der Spielplatz „Arborelli“ ein.

Vom Baumschulschaugarten zum Arboretum und Gartenparadies

Entstanden ist das Arboretum in Ellerhoop-Thiensen 1956 aus einem Schau- und Sichtungsgarten der damals bekannten Baumschule Timm & Co., die hier Neuzüchtungen oder aus dem Ausland bezogene Arten und Sorten beobachten und auf ihre Garteneignung und Sortenechtheit prüfen wollte. Schon damals ging es nicht nur um das Sammeln, sondern auch um die Präsentation all derjenigen Gehölze, die für die Verwendung im Garten als wertvoll erachtet wurden. So spiegelten die ursprünglichen Schwerpunkte des Arboretums sehr deutlich die in den 1950er und 1960er Jahren in der Gartengestaltung beliebten Pflanzen wider. Hierzu gehörten Zieräpfel, Zierkirschen, Fliederzüchtungen, Heidegartenpflanzen, niedrige Koniferen und Bodendecker sowie schöne Rindenfärber und Zierfruchtgehölze. Einige davon, wie der durch seine kupferfarbene Rinde auffällige Zimt-Ahorn (Acer griseum), von dem das größte Exemplar Deutschlands im Arboretum zu finden ist, nahmen von hier aus ihre Verbreitung.

Der Mitinhaber der Firma Timm & Co, Erich Frahm (...), legte das Arboretum ab 1956 zunächst auf einer 2,5 ha großen Fläche am historischen Münsterhof an. Unterstützung bei der Planung fand er bei dem bekannten Dendrologen Gerd Krüssmann (...), der zu dieser Zeit bereits in Dortmund tätig war. Dieser hatte, aus britischer Kriegsgefangenschaft in Dithmarschen entlassen, als Baumschulgärtner einige Zeit bei Timm & Co gearbeitet, wo er sich mit dem Juniorchef Erich Frahm anfreundete. Krüssmann unternahm später viele Reisen in alle Welt zum Kennenlernen von Pflanzen am Naturstandort, die er in seinen bekannten Standardwerken zu Laub- und Nadelgehölzen beschrieb. Einrichtungsgegenstände aus Krüssmanns Büro sowie Teile seiner Bibliothek und seines Archivs befinden sich heute im Arboretum in der Obhut von Prof. Hans-Dieter Warda, selbst namhafter Dendrologe.

Nach der Auflösung der Firma Timm & Co. erwarb der Kreis Pinneberg 1980 das Arboretum mit dem Anspruch, den bislang nur einem Fachpublikum vorbehaltenen Garten einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Entwicklung der Gesamtthematik und Gestaltungskonzeption für das nunmehr auf 17 ha angewachsene Arboretum lag in den Händen von Prof. Dipl.-Ing. Hans-Dieter Warda, damals Leiter des Botanischen Gartens in Hamburg, der 1985 auf ehrenamtlicher Basis die künstlerische und wissenschaftliche Leitung übernahm und den Pflanzenbestand seither kontinuierlich erweiterte.

Adresse

Thiensen 4
25373 Ellerhoop
Telefon 04120 – 218

Eigentümer: Kreis Pinneberg. Rechtsträger: Förderkreis Arboretum Baumpark Ellerhoop-Thiensen e.V.

Öffnungszeiten

Eintritt: 7, ermäßigt € 6, Kinder von 8 -16 Jahren € 2. Kinder bis 7 Jahren frei

Anreise

Icon Parken

Icon Bus 185 „Arboretum“

Serviceinformationen

Icon WC   Icon Hund erlaubt   Icon Rollstuhl

Angebote

Führungen: für Gruppen, T 04120 – 218
Veranstaltungen: Vorträge und gelegentliche Kunstausstellungen

Angebote für Kinder

Gastronomie

Icon  Cafe  Café im Münsterhof
Cafe-Express im Park
Kiosk auf dem Hof des Arboretums

Veranstaltungsorte

Kulturstätten: Große Diele im Münsterhof
Veranstaltungsforum im Arboretum
Film & Foto: Arboretum Ellerhoop-Thiensen

Gärtnereien & Läden

Gärtnereien: Pflanzenverkauf am Arboretum, Staudengärtnerei Heiko Müller

Freundeskreise und Fördervereine

Förderkreis Arboretum Baumpark Ellerhoop-Thiensen e.V.

Weiterführende Informationen

Tourismus-Information Elmshorn
Touristinformation Barmstedt
Gartenführerinnen des LandFrauenVerbandes Schleswig-Holstein e.V.

 

Kontakt

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