Route 3: Ostholstein
Flanieren und Philosophieren in lieblicher Seenlandschaft
Schloss Weißenhaus

Ein erster Überblick

Schloss Weißenhaus

Nahe der Hohwachter Bucht mit ihren Stränden und Steilküsten liegt das Schloss Weißenhaus. Der Garten entstand um 1740 in barocker Form und wurde durch Lindenreihen gerahmt. Ungewöhnlich für die spätbarocke Gestaltung war die Inszenierung der Landschaft: das Parterre lag deutlich tiefer als die angrenzenden Gartenpartien. Über eine 10-stufige Treppenanlage gelangten die Bankettgäste der Grafen von Platen Hallermund zu einem Aussichtspunkt, der einen fantastischen Blick über romantische Wiesen und Weiden auf die Ostsee eröffnete. Um 1830 erfolgte die Umgestaltung der Barockanlage in einen Landschaftspark unter Verwendung ungewöhnlicher Gehölze. Hiervon zeugt noch eine Wellingtonie. Der Park lädt heute zu einer historischen Spurensuche ein, die zum neugotischen von Laves-Denkmal führt, das mystisch von dunklen Eiben und Ilex umstanden ist. Ein Abstecher durch die breite Lindenallee zur Ostseeküste sollte beim Rundgang ebenso wenig fehlen wie der Besuch des Rosengartens im ehemaligen Küchengarten.

Die barocke Gartenanlage

Die Ursprünge des Gutes Weißenhaus gehen auf das Jahr 1607 zurück. Nachdem die adligen Familien Rantzau und Pogwisch im Wechsel Besitzer des Gutes waren, ging es 1735 an die Grafen von Platen Hallermund über, die aus dem Hannoverschen kamen. Franz Ernst von Platen hatte sich am Hof in Hannover sehr verdient gemacht und unter anderem das General-Erbpostmeisteramt erhalten. Dieses einträgliche Amt wurde 1735 von Georg II., Kurfürst von Hannover und König von Großbritannien, zurückgekauft, was den Erwerb mehrerer Güter in Ostholstein ermöglichte, darunter eben auch Weißenhaus. Schon kurz darauf entstand, vermutlich nach den Plänen des Gartenarchitekten Ernst August Charbonnier, ein Lustgarten im Régence-Stil. Ein tief gelegenes Blumenparterre war von breiten Promenaden und Lindenreihen gerahmt und wurde durch eine erhöht liegende Aussichtsfläche begrenzt, von der aus der Blick auf die Ostsee gelenkt wurde. Eine großzügige Lindenallee wurde gepflanzt, die auch heute noch zur Ostsee führt. Die Inszenierung der Landschaft war ungewöhnlich für einen Barockgarten, der üblicherweise introvertiert und zum Rand hin abgeschlossen war.

Ein weitläufiger Landschaftspark

Bei einer Sturmflut 1777 wurde der tiefer liegende Teil des Lustgartens überflutet. Dem Zeitgeist entsprechend wurde der Garten daraufhin ab 1818 zum Landschaftspark umgestaltet und ab 1895 erheblich erweitert, nachdem das Herrenhaus abgebrannt war und in neobarocken Formen wieder aufgebaut wurde. Dabei wurden Wege angelegt, auf denen stimmungsvolle Spaziergänge mit fantastischen Ausblicken in die gestaltete Natur und auf das Meer unternommen werden konnten. Unterhalb des bereits in der Barockzeit angelegten Aussichtsplatzes entstand eine ausgedehnte Wiesenfläche, die als Pferdewiese genutzt wurde. Über diese Wiese schweift noch heute der Blick bis ans Meer. Sie wird von malerischen Baum- und Strauchgruppen gerahmt, in denen ein „Beltwalk“ verläuft, ein Spazierweg, der anmutig am Rand der Pferdewiese verläuft und besonders attraktive Landschaftsszenen freigibt.

Im sogenannten Pleasureground, dem gebäudenahen und aufwändiger gestalteten Teil des Parks, wurden seltene und für die damalige Zeit ungewöhnliche Bäume gepflanzt. Davon zeugen noch eine Wellingtonie (Riesenmammutbaum, Sequoiadendron giganteum), eine Traueresche und eine Blutbuche. Der Pleasureground dient heute als Kaffeegarten und lädt zum Genuss des herrlichen Baumbestandes ein.

Die Auffahrt zum Herrenhaus bestimmt ein Kranz aus Säuleneichen. Zwei Sandsteinlöwen wachen an einem der Kavaliershäuser. Sie sollen an das frühere General-Erbpostmeisteramt der Grafen Platen erinnern.

Es lohnt sich, einen Streifzug in frischer Meeresbrise über die Gutsanlage zu unternehmen und die vielen Kleinode und Ausblicke zu genießen.

Das Laves-Denkmal

1833 verstarb Julia, die Gattin von Georg Wilhelm Friedrich Graf von Platen Hallermund, eine geborene Gräfin von Hardenberg. Für diese wurde vom hannoverschen Hofbaurat Georg Ludwig Friedrich Laves ein neugotisches, gusseisernes Denkmal errichtet. Eine schmiedeeiserne Pforte gegenüber dem Küchengarten  weist den Weg zu diesem Denkmal, das, eingebettet in dunkle Stechpalmen- und Eibengebüsche, Teil einer melancholischen Landschaftsszene ist. In diesem Parkteil kann man mit etwas Glück verwilderte Zwiebelpflanzen – Schneeglöckchen, Herbstzeitlose, Milchstern –, aber auch Iris entdecken, die Zeugen eines früheren Staudengartens sind.

Der Rosengarten im historischen Küchengarten

Geschützt vor rauen Meereswinden liegt hinter hohen Backsteinmauern der ehemalige Küchengarten des Gutes. In dieser warmen Insel der Gutsanlage wurden bis 1960 Obst und Gemüse zur Versorgung des gräflichen Haushalts gezogen. Es gab unter anderem ein Weinhaus, in dem blaue Trauben, eine Besonderheit so weit im Norden, gezogen wurden. Doch auch die Blumenanzucht spielte eine große Rolle. Im Rosengarten steht der Korpus eines Orchideenhauses. Aus einem gemauerten Sockel erheben sich Stahlträger, die gebogene Scheiben trugen. Diese tragen zum ungewöhnlichen Erscheinungsbild des Gewächshauses bei, das noch auf seine Sanierung wartet. Bis 1939 wurden von hier aus die altehrwürdigen Hamburger Hotels „Atlantic“ und „Vier Jahreszeiten“ mit Orchideen versorgt.

Im Jahr 1990 wurde mit der Anlage eines Rosengartens eine sehr schöne Nachnutzung des Küchengartens gefunden. Gemeinsam mit der Firma Rosen Kordes, deren Firmengarten in der Gartenroute 4: Pinneberg vorgestellt wird, wurde ein Schaugarten mit etwa 30 Rosensorten angelegt, die einen schönen Überblick über die Zuchterfolge von Kordes geben.

Die Rosenbeete werden durch Stauden, Einjährige und Sträucher bereichert. Lavendel, Ringelblumen, Schmetterlingsflieder  und Clematis sind nur einige Begleiter, die Farbe in den Garten zaubern. Weiße Bänke laden zum Verweilen ein, und viele Besucher genießen die Wärme des Rosengartens nach einer Entdeckungsreise über die Gutsanlage.

August Graf von Platen Hallermund: ein Dichter

In der Familie der Grafen Platen gab es viele diplomatische oder militärische Talente und Karrieren. Eine Ausnahme war der Dichter August Graf von Platen Hallermund (1796-1835). Er gab seine militärische Laufbahn zugunsten der Dichtkunst auf. Dieses ist eines seiner schönsten Gedichte:

Sonett

Wer wusste je das Leben recht zu fassen,

Wer hat die Hälfte nicht davon verloren

Im Traum, im Fieber, im Gespräch mit Toren,

In Liebesqual, im leeren Zeitverprassen?

Ja, der sogar, der ruhig und gelassen,

Mit dem Bewusstsein, was er soll, geboren,

Frühzeitig einen Lebensgang erkoren,

Muss vor des Lebens Widerspruch erblassen.

Denn jeder hofft doch, dass das Glück ihm lache,

Allein das Glück, wenn´s wirklich kommt, ertragen,

Ist keines Menschen, wäre Gottes Sache.

Auch kommt es nie, wir wünschen Bloß und wagen:

Dem Schläfer fällt es nimmermehr vom Dache,

Und auch der Läufer wird es nicht erjagen.

Adresse

Parkstraße 1
23758 Weißenhaus
Telefon 04382 9262 1718 Fax 04382 9262-1704

Öffnungszeiten

Eintritt: kostenfrei

Anreise

Icon Parken am Schloss

Icon Eisenbahn Oldenburg i.H.

Icon Bus 4310 Weißenhaus B202

Serviceinformationen

Icon WC   Icon Hund erlaubt   Icon Rollstuhl

Gastronomie

Icon  Cafe  Bootshaus Weissenhaus und Alte Liebe

Veranstaltungsorte

Festsäle: Schloss Weißenhaus

 

Kontakt

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