Route 3: Ostholstein
Flanieren und Philosophieren in lieblicher Seenlandschaft
Landsitz Lindenhof

Ein erster Überblick

Landsitz Lindenhof Der Landsitz Lindenhof besitzt eine einmalige Lage am Hemmelsdorfer See. Heute wird hier unter dem Namen Schloss Warnsdorf eine Fastenklinik betrieben. Der Gartenarchitekt Erwin Barth wusste die landschaftlichen Gegebenheiten hervorragend zu nutzen und inszenierte 1910-1914 für seinen Bauherrn, den Industriellen Arthur Donner, einen abwechslungsreichen Spaziergang. Den Besucher empfängt ein Lindenrondell, das den Blick über eine weite Rasenfläche auf das Schloss freigibt. Im Waldpark sind Bäume und Sträucher kunstvoll angeordnet und im späten Frühjahr besticht die Blütenfülle riesiger Rhododendron. In Höhe des Herrenhauses streift man die grünen „Zimmer“ Rosengarten und Blumenterrasse, deren Konturen noch gut nachvollziehbar sind. Von der Terrasse aus schweift der Blick über die Pferdewiese, um die ein Rundweg bis zur Badestelle am Hemmelsdorfer See führt. Hohlwege aus Flieder, Jasmin und Rosen machen den Frühjahrs- und Sommerspaziergang zu einem einzigartigen Dufterlebnis.

Eine Parkanlage Erwin Barths

Erwin Barth war Gartenbaudirektor von Lübeck und später von Charlottenburg, wo er zahlreiche Stadtplätze schuf und auch federführend bei der Gestaltung von Parks war. Der Landsitz Lindenhof zählt zu seinen frühen Werken und bot die Chance, Landschaft großzügig zu einer privaten Gartenanlage zu gestalten.

Ursprünglich führte ein Redder, d.h. ein von Wallhecken (die in Schleswig-Holstein Knicks genannt werden) gerahmter Weg durch die Feldmark zum Landsitz Lindenhof. Die Reste des Redders münden auch heute noch in ein Lindenrondell. Von hier aus hat man einen fantastischen Blick in den Park und auf das Schloss. Der langgestreckte Park gliedert sich in den östlichen Waldpark, die zentralen Grünen Zimmer, die das Herrenhaus umgeben und die Pferdewiese am Hemmelsdorfer See im Westen.

Blickbeziehungen in die Landschaft und innerhalb des Parks sind bedeutende Bestandteile der Parkgestaltung. Zwar kehrt sich der Park durch Knicks, Hecken und Hohlwege von der umgebenden Landschaft ab,  doch der Bauherr, der deutsch-amerikanische Industrielle Arthur Donner, war Pferdeliebhaber und ließ verschiedene „Pferdetränken“, aufwändig gestaltete Teiche, in die Nahtstellen zwischen Park und freier Landschaft bauen, die gleichzeitig als Fenster in die Landschaft dienten.

Der Waldpark

Die zentrale Sichtachse des Ensembles erstreckt sich vom Lindenrondell über die ca. 300 m lange Rasenfläche quasi durch die Mittelachse des Herrenhauses über die Pferdewiese zum Hemmelsdorfer See. Im Waldpark sind zwei Hauptquerachsen vorhanden, die durch die Baum- und Strauchpflanzungen malerisch gerahmt werden. Bedeutender Blickpunkt einer dieser Querachsen ist die ehemalige Remise, ein aufwändig gestalteter Klinkerbau, in der heute u.a. eine Cafeteria eingerichtet ist.

Beeindruckend ist ein Rundgang durch den Waldpark, dessen Baumbestand eine starke Ausstrahlung besitzt. Erwin Barth pflanzte große Baumgruppen, in denen einer oder wenigen Baumarten ganz bestimmte Sträucher zugeordnet waren. Daraus entwickelten sich einprägsame Pflanzenbilder, die überwiegend noch klar erkennbar sind.

Lichte Silberahorne und Eschen sind die großen Begleiter von Schneeball und Weißdorn, die helle Lichtreflexe im Park setzen und im Herbst mit rotem Beerenschmuck aufwarten. In starkem Kontrast dazu steht eine Blutbuchengruppe, von denen einige als Rondell gepflanzt sind. Knorrige Eichen (Stieleichen und amerikanische Eichen) bestimmen das Bild bei weiterer Annäherung an das Herrenhaus. Deren Unterwuchs bilden riesige Rhododendron, Eiben und Buchsbäume, deren bizarr geformte Stämme lichtsuchende Kronen tragen. Den westlichen Abschluss des Waldparks bilden Birken, deren weiße Stämme aus dunklen Eibengebüschen leuchten. In diesem Teil des Parks näherten sich die Herrschaften ihrem Landsitz, genossen die besonderen Pflanzenbilder und dann und wann Ausblicke über die weitläufige Rasenfläche.

Nahe der Remise auf der Nordseite des Parks formen Schwarzkiefern und Ilex dunkle Konturen, die gemeinsam mit Eichen und Birken sowie weiteren Rhododendrongruppen die Remise rahmen. Wohlplatzierte Einzelbäume laden ein, einen dichten Baumschirm aus Hainbuchen zu betreten. Nahe am ehemaligen Gärtnerhaus sind noch einzelne Mehlbeeren (Sorbus) und Ulmen Zeugen der wohlsortierten Gehölzvielfalt.

Auf dieser Seite des Parks, wo sich heute Garagen und Stellplätze befinden, näherten sich einst Bedienstete dem Haupthaus und hatten damit direkten Zugang zu den Wirtschaftsräumen und zum Nutzgarten.

Wegegabelungen im weit verzweigten Wegesystem werden durch große Findlinge, aber auch durch Pappel- und Eibentore markiert. Eine Freude sind die vielen Frühlingsblüher, unter anderem Narzissen, Scilla und Schneeglöckchen.

Die Grünen Zimmer

Auf Höhe des Hauptgebäudes gibt es einen abrupten Wechsel zwischen dem dichten, an dieser Stelle dunklen Waldpark und den offenen „Grünen Zimmern“, mit denen Erwin Barth dem Zeitgeist entsprechend Wohnräume im Freien schuf. Diese wurden in strengen Formen angelegt, und auch hier spielten Blickachsen eine besondere Bedeutung.

Auf der Nordseite des Gebäudes, wo die Wirtschaftsräume untergebracht waren, lag dereinst der Wirtschaftsgarten, der durch verschiedene Neubauten verloren gegangen ist. Nur noch Reste des Obstgartens sind vorhanden. Eine Besonderheit ist die alte Gartenmauer, in der – in den ehemaligen Blickachsen – ovale „Gucklöcher“ Blicke in die umgebende Landschaft freigeben.

Auf der Südseite dagegen sind die Grünen Zimmer noch an der Geländeform zu erkennen: Der Rosengarten ist ein Senkgarten, in dessen Mitte ein Wasserbecken mit Fontäne angenehmes Plätschern verbreitet. Ursprünglich war er von Laubengängen umgeben, die üppigst mit Rosen bepflanzt waren.

Der Laubengang bot Einblick in den darunter liegenden Staudengarten, der heute überdacht ist. Noch immer ist aber der (inzwischen umgenutzte) Teepavillon am Ende der Querachse zur Blumenterrasse vorhanden. Von der Gesellschaftsterrasse und der Blumenterrasse am Landsitz öffnen sich weite Blicke über die Pferdewiese zum Hemmelsdorfer See. Eine bogenförmig gepflanzte Eibenhecke rahmt die Terrassen und markiert die Durchgänge in seitliche Gartenpartien.

Pferdewiese und Badestelle

Der Hemmelsdorfer See war einst eine Förde der Ostsee. Mit 45 m unter NN liegt auf dem Seegrund der tiefste Punkt Deutschlands. Noch Napoleon hatte Pläne, den Abfluss des Sees zu verbreitern und hier einen Seehafen einzurichten. Heute scheint die ausgedehnte Seefläche mit ihren naturnahen Ufern über alle strategischen Überlegungen erhaben zu sein. Es lohnt sich, zur Badestelle am See zu schlendern, die Ruhe zu genießen und sich dabei das frühere reetgedeckte Badehaus und den Bootssteg vorzustellen.

Ein ausgewachsener Rest einer Ahornhecke zeugt noch von einer gestalteten Zone im naturbelassenen Ufersaum. Die Wege zum See ließ Erwin Barth als Hohlwege anlegen, die die Pferdewiese von den umgebenden landwirtschaftlich genutzten Flächen abschirmten. In der Tradition der schleswig-holsteinischen Knickanlage wurde der Wallkern aus Findlingen gebildet, die mit Boden überdeckt und später bepflanzt wurden.

Während die für die Gegend typischen „bunten Knicks“ aus verschiedenen heimischen Sträuchern bestehen, pflanzte Barth Flieder, Duftjasmin, Wildrosen, Pfaffenhütchen, Geißblätter und Vogelkirsche und wies die Hohlwege damit eindeutig als Teil der Parkanlage aus. An warmen, windarmen Tagen fängt sich der Duft der Blühsträucher betörend in den Hohlwegen.

Nach dem vielfältigen Rundgang durch den Park sind Besucher (Reisegruppen nur nach Voranmeldung) in die häusliche Teeküche der Fastenklinik eingeladen, um das Zusammenspiel von Park und Gebäude aus der Halle zu erleben.

Adresse

Schlossstraße 10
23626 Warnsdorf
Telefon 04502 - 840100

Öffnungszeiten

Einzelpersonen bei Tageslicht, Gruppen 8-12 und 14-20 Uhr
Eintritt: kostenfrei

Anreise

Icon Parken auf dem Gästeparkplatz

Serviceinformationen

Icon WC   Icon Hund erlaubt   Icon Rollstuhl (teilweise)

Angebote

Führungen: nach Voranmeldung, T 04502 - 840100
 

Kontakt

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