Route 3: Ostholstein
Flanieren und Philosophieren in lieblicher Seenlandschaft
Kurpark Malente

Ein erster Überblick

Kurpark Malente Im Herzen Malentes hat Karl Plomin in den 1960er Jahren einen herausragenden Kurpark geschaffen. Gemeinsam mit dem Architekten Peter Arp entstanden in engem Dialog zwischen Architektur und Landschaft sachlich-elegante Kureinrichtungen wie die Liegehalle, die Kaminhäuser und die Musikmuschel. Die umgebende ostholsteinische Landschaft hat Plomin künstlerisch inszeniert: Im Schatten schlanker Buchen auf dem Brahmberg blühen, Rhododendron, Magnolien und Blumenhartriegel begleitet von Waldstauden. Der Weg hinab in die Schwentineniederung führt ins Licht, wo im Herbst Sumpfzypressen, Flügelnüsse, Katsurabäume und Schildblätter ungeahnte Farbklänge in rot und gelb zaubern und sich in kreisrunden Himmelsaugen spiegeln. Sumpfstauden, Wasservögel und Insekten beleben diese Teiche. Nach umfassenden Sanierungsarbeiten im Jahr 2007 erstrahlt der Kurpark in neuem Glanz und bietet neben Entspannung und Naturgenuss  Möglichkeiten zum Boulen, Schachspielen oder Kneippen.

Kuren in der Holsteinischen Schweiz

Mit der Errichtung des Hotels „Holsteinische Schweiz“ am Kellersee nahe Malente war der Grundstein für den Tourismus in der Holsteinischen Schweiz gelegt. Die Lieblichkeit der seenreichen Landschaft, die seit dem 18. Jahrhundert von Literaten, Philosophen und Künstlern der Aufklärung gepriesen wurde, hatte die Standortwahl sicherlich maßgeblich beeinflusst. Malente wurde 1925 Luftkurort und beantragte 1955 den Status eines Kneippheilbades. Voraussetzung für diese Anerkennung war ein Kurpark, der im Zentrum von Malente angelegt werden konnte. Der bewaldete Brahmberg und die Schwentineniederung bildeten ideale Voraussetzungen zur Gestaltung eines einzigartigen und eigenständigen Kurparks, der aber auch Elemente der ostholsteinischen Landschaft verinnerlichte.

Mit der Luisenhöhe  besaß der Kurpark sogar einen Aussichtspunkt auf den Dieksee und den Kellersee. Bereits 1840 war das Areal als „Lustort“ für Frau Cäcilie aus dem Hause der Eutiner Herzöge von Bedeutung. „Großherzog Paul-Friedrich-August (1829–1853, Sohn des Schöpfers des Eutiner Schlossgartens Peter-Friedrich-Ludwig) … ließ für seine naturliebende Gemahlin Cäcilie im Brahmberg Spazierwege und durch Abholzung Aussichtspunkte schaffen. Der schönste Punkt war für sie die sogenannte „Cäcilienruh“, auf der Ruhebänke standen.“

Der Gartenarchitekt Karl Plomin (1904–1986)

Die Gestaltung mit der Pflanze stand im Mittelpunkt des künstlerischen Schaffens von Karl Plomin. Er orientierte sich dabei an natürlichen Landschaftsbildern, dennoch waren seine Pflanzungen gärtnerisch geprägt. Er verstand sich selbst als Gärtner und verwendete gern nicht heimische Arten und züchterisch weiter entwickelte Sorten. Sein Ziel war es, dadurch farbenfrohe und formenreiche Vegetationsbilder zu schaffen. Er galt als Gartenarchitekt, der mit Pflanzen malte.

Schon vor der Arbeit am Kurpark Malente hatte Plomin sein Können bei der Gestaltung zahlreicher Hausgärten, Firmengelände, Wohnsiedlungen und Parks unter Beweis gestellt. Besondere Bedeutung in seinem Werk hatten die Internationalen Gartenausstellungen in Hamburg 1953 und 1963 („Planten un Blomen“). Herausragendes Merkmal dieser Parkanlage im Herzen Hamburgs ist der hohe Freizeitwert, der auf Themengärten, Wasserspielen und einer Vielzahl an Vergnügungsangeboten beruht.

Die Moderne im Kurpark von Malente

Die gebauten Kureinrichtungen sind untrennbar mit der Parkanlage verbunden. Die 1960er Jahre waren geprägt vom Experimentieren mit Baumaterialien, funktionaler Gestaltung und neuen Ausdrucksformen. Der in Ostholstein renommierte Architekt Peter Arp paarte Mut zu modernen Formen mit Liebe zum Detail und schuf in enger Zusammenarbeit mit Karl Plomin die Bauten des Kurparks. Die offene, großflächig verglaste Liegehalle scheint am Hang zu schweben und weist Einschnitte auf, die einst Standorte von Buchen waren. Es scheint, als hätten die glatten Buchenstämme von drinnen – sitzend – berührt werden sollen. Besondere Kleinode sind vier baugleiche Kaminhäuser, in denen ein lebendiges Flammenspiel entfaltet werden kann. Belebend sind auch die den Kaminhäusern zugeordneten Wasserbecken mit kleinen Fontänen, deren Plätschern zum Niederlassen einlädt.

Die Musikmuschel verdient eher die Bezeichnung Musikzylinder. Mit der vertrauten Form einer aufgestellten Muschel, wie sie vor allem in vielen älteren Kurparks zu finden ist, hat diese nicht zu tun. Ein Mechanismus erlaubt überdies ein Drehen der Rückwand und damit die Ausrichtung auf die Freilichtbühne oder den Vorplatz der Liegehalle – je nach geplanter Veranstaltung.

Die verwendeten Materialien wirken kühl, sachlich und elegant. Schwarz, anthrazit, grau und weiß sind die dominierenden Farben der Wandflächen und Bodenbeläge. Dieses Farbspiel setzt sich im Freiraum mit weißen und schwarzen Waschbetonplatten und Blockstufen fort. Die Platz- und Wegeflächen haben gerade, strenge Formen, die aber durch die Geländemodellierung und das weiche Spiel der Pflanzen überspielt werden. Sie geben den Pflanzen einen diskreten Hintergrund und unterstützen die Farbigkeit der Pflanzen.

Eigens von Karl Plomin für den Kurpark entwickelte Gartenmöbel unterstreichen diesen Eindruck. Filigrane weiße Metallstühle, die im Park ihren Platz wechseln können, verführen zur Suche nach einem Lieblingsplatz.

Vegetationsbilder

Die Schöpfung einprägsamer Pflanzenbilder war ein Hauptanliegen von Karl Plomin. Auf dem Brahmberg zitieren die Rotbuchen mit ihren grauen Stämmen die ostholsteinischen Wälder. Ihre Unterpflanzung jedoch entspringt nicht der regionalen Flora. Eine Vielzahl von Rhododendron, zumeist Williamsianum-Arten und kleinblütige Wildformen mit einem Schwerpunkt auf rosa Blütentönen, bildet einen Hauptaspekt im Kurpark und macht das späte Frühjahr und den Frühsommer zu einer besonders reizvollen Besuchszeit. Einige der Raritäten unter den Rhododendron sind zur Zeit nicht einmal bestimmt.

Magnolien in großer Fülle und Blumenhartriegel bieten mit ihren ungewöhnlichen Blütenformen Parkerlebnisse besonderer Art. Als Arten sind zu nennen: Kobushi-Magnolie, Tulpenmagnolie (Magnolia soulangiana ’Lenne’’) und der Blütenhartriegel (Cornus kousa var. chinensis). In der Unterpflanzung mit Waldstauden sind Farne, Storchschnäbel und Doppelsporn (Dicentra) von besonderer Bedeutung.

Ein besonderes Bild auf dem Brahmberg ist der Kirschenhügel, auf dem eine Anzahl abgestuft blühender Kirschen steht, die im Verbund mit Chinodoxa wunderschöne Blütenbilder zeigen. Etliche Kirschen sind nicht mehr vorhanden, sollen aber im Zusammenhang mit gartendenkmalpflegerischen Wiederherstellungsarbeiten ab August 2006 nachgepflanzt werden.

In der Schwentineniederung zeigt sich ein ganz anderes Bild. Die steilen Hänge des Brahmberg stoßen auf die ebene Niederung der Schwentine. In den sumpfigen Auenflächen hat Karl Plomin acht kreisrunde Teiche anlegen lassen. Diese setzen im satten Grün der Niederung fantastische Akzente als Himmelsspiegel. Wasser- und Sumpfstauden bereichern das Bild, großzügig sind Seerosen, Schwertlilien, Funkien und Schildblätter an den Teichen angeordnet. Leider sind die von Plomin errichteten Steganlagen, die über dem Sumpfboden schwebten und den Blick von oben ermöglichten, nicht mehr vorhanden, sie sollen aber wieder errichtet werden.

Bestimmende Baumarten sind Sumpfzypressen, Katsurabäume, Flügelnüsse und Weiden, die die Niederung rhythmisch räumlich gliedern und trotz ihrer unregelmäßigen Stellung eine besondere Ordnung erzeugen. Die Herbstfärbung der Sumpfzypressen in Kombination mit den Schildbättern zeigt  ein herausragendes Farbenspiel.

Die Hauptpromenade am Fuß des Brahmbergs ist in den gleichen weißen und schwarzen Waschbetonplatten wie auf dem Brahmberg gehalten. Hier sind einige Sonnenterrassen, nach Süden und Westen orientiert angelegt, von denen aus der Blick weit über die Schwentineniederung streichen kann. Hier finden sich auch die weißen Bänke und Metallstühle des Brahmbergs wieder. Entlang der Hauptpromenade sind großflächige Staudenpflanzungen mit verschiedenen Storchschnäbeln, Wiesenraute, Taglilie, Chinaschilf, Akelei und Johanniskraut entstanden, die im reizvollen Kontrast zum dezenten Ausdruck der umgebenden Orchideenwiesen stehen.

Im Kurpark von Malente gibt es noch viele weitere Details zu entdecken, Pflanzenfreunde treffen hier auf anregende Szenerien. Aber auch die vielfältigen Erholungsangebote vom Kneippen über Schachspiel und Boule sowie zahlreiche Veranstaltungen und Feste machen den Kurpark zu einem besonderen Anziehungspunkt.

Adresse

Bahnhofstraße 4a
23714 Malente
Telefon 04523 - 9920 36

Eigentümer: Gemeinde Malente

Öffnungszeiten

ganzjährig frei zugänglich 9–18 Uhr, Sommer bis max. 22 Uhr
Eintritt: kostenfrei, bei Führungen Spenden erbeten

Anreise

Icon Parken Sebastian-Kneipp-Straße, Godenbergstraße

Icon Eisenbahn Malente

Icon Bus verschiedene Bahnhof Malente

Serviceinformationen

Icon WC   Icon Hund erlaubt   Icon Rollstuhl

Angebote

Führungen: für Gruppen ab 6 Personen nach Voranmeldung, Freunde des Kurparks e.V., T 04523 - 3748, 04523 - 1658

Gärtnereien & Läden

Gärtnereien: Pflanzencenter Buchwald

Freundeskreise und Fördervereine

Freunde des Kurparks e.V.

Weiterführende Informationen

Ostsee-Holstein-Tourismus e.V.
Tourismus-Service Malente
Strandgut Erlebnistouristik

 

Kontakt

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