Route 3: Ostholstein
Flanieren und Philosophieren in lieblicher Seenlandschaft
Kloster Cismar

Ein erster Überblick

Kloster Cismar Der Legende nach war das Benediktinerkloster Cismar im Mittelalter ein Wallfahrtsort. Nicht nur wegen der über 800 Reliquien, sondern auch wegen der heilkräftigen Wirkung, die der Johannisquelle im Brunnenhaus zugesprochen wurde, sollen sich Pilger auf den Weg nach Cismar gemacht haben. Die Bedeutung des Klosters fand in den Meisterleistungen der Backsteingotik ihren Ausdruck, darunter der schmuckvollen Klosterkirche und dem Flügelaltarschrein von 1310/20. Die Klosterinsel verlockt zum Wandeln durch alten Baumbestand. Jenseits des Wassergrabens sind der Friedhof und ein Baumlehrpfad sehenswert und am nahen Haus der Natur ist ein Kräutergarten nach dem Vorbild mittelalterlicher Klostergärten zu bewundern. Die Klosteranlage ist als Teil der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen auch ein Ort der Kunst und Kultur, wo in der Urlaubssaison Kunstausstellungen von nationaler Bedeutung gezeigt werden. Zur Einkehr lädt das Klostercafé Brunnenhaus ein.

Kloster Cismar – ein Wallfahrtsort?

Die Wurzeln des Klosters Cismar liegen in Lübeck, wo im 12. Jahrhundert das St. Johanniskloster gegründet wurde. Den Benediktinermönchen wurde ein zu freizügiges Leben im so genannten Doppelkloster, in dem Mönche und Nonnen gemeinsam wohnten und arbeiteten, vorgeworfen. Sie sollten zwangsweise aufs Land versetzt werden, um Einkehr und Kontemplation halten zu können – und um als christlicher Vorposten im noch weitgehend heidnischen Slawenland zu dienen. So kam es Mitte des 13. Jahrhunderts zur Klostergründung in Cismar. Verschiedene Reliquien fanden ihren Weg nach Cismar, u.a. ein Partikel der Dornenkrone Christi und die Reliquie des Heiligen Blutes, ein Stück eines Seidentuchs, mit dem Blut aus den Wunden Christi aufgefangen worden sein soll. Möglicherweise haben die ca. 800 Reliquien Pilger nach Cismar gelockt – als Wallfahrtsort sind andere Klöster aber sicherlich bedeutender gewesen.

Die Klosteranlage

In der inneren Anlage des Klosters Cismar lässt sich das Grundprinzip erkennen, nach dem mittelalterliche Benediktiner- und Zisterzienserabteien angelegt waren. Die Klosterkirche im Norden und Klausurbauten im Osten und Süden umschließen einen viereckigen Innenhof, der von einem Kreuzgang umgeben war. Diese Wandelgänge sind heute verschwunden, allerdings markieren Granitsteine deren Außenkante am Süd- und Ostrand der zentralen Rasenfläche. An der Außenfassade des Ostflügels sind Reste von Gewölbeansätzen zu entdecken.

Kenntnisse über einen Westflügel gibt es für Cismar nicht, auch ist der Kreuzgang vermutlich nie vollständig geschlossen gewesen. Dort wird der Innenhof heute von einer Mauer und Kugelahornen abgeschlossen. Unter diesen wandelt man in einem arkadengleichen Raum. Die schlichte Rasenfläche im Zentrum des Innenhofs wird von einer wunderschönen Kastanie geprägt. Vermutlich war der Innenhof einst als Garten gestaltet, wo die Mönche der Kontemplation nachkamen.

Im östlichen Klausurgebäude befanden sich die Sakristei und der Kapitelsaal, im heute nicht mehr vorhandenen Obergeschoss das Dormitorium der Mönche.

Der Südflügel beherbergte das Brunnenhaus („lavatorium“) und den Speisesaal („refectorium“) der Mönche. Mit der heutigen Nutzung als Café wurde daher eine würdige Nutzung gefunden. Im Gewölbekeller ist eine Ausstellung zur Klostergeschichte sehenswert.

Die Klosterkirche zählt zu den bedeutendsten Zeugnissen der Backsteingotik außerhalb Lübecks. Von herausragender Bedeutung ist der  kunstvoll geschnitzte und bemalte Flügelaltarschrein von 1310/20. Die Kirche ist ein hervorragendes Beispiel für eine frühe Gebäudeumnutzung. Im 13. Jahrhundert entstanden, diente sie bis ins 16. Jahrhundert als Klosterkirche. Nach der Reformation setzte der Niedergang des Klosters ein, und die Besitzungen gingen an die Herzöge von Schleswig-Holstein-Gottorf über. Die weltlichen Nutzer ließen 1767–1768 zwei Zwischendecken in den westlichen Teil der Kirche einziehen und eine Wohnung für den Verwalter des Amtes Cismar (Amtmann) einrichten. In diesen einmaligen Räumen finden heute von Ostern bis Oktober Ausstellungen statt.

Seit 1835 wird der östliche Teil der Klosterkirche als Pfarrkirche genutzt. Daher kann man jenseits des nördlichen Wassergraben einen schönen, schlichten ländlichen Friedhof bewundern.

Wege des Wassers im Kloster oder: klösterliche Wasserwirtschaft

Wasser spielte im klösterlichen Leben eine bedeutende Rolle. Es diente religiösen Handlungen, war aber auch für den wirtschaftlichen Erfolg – und damit für die Sicherung des Klosterstandorts – von hoher Bedeutung.

Im Keller des Brunnenhauses ist die Johannisquelle, die 1249 für heilig erklärt wurde, in Stein gefasst.  Neben der Versorgung mit Trinkwasser diente das Wasser Ritualen im klösterlichen Alltag, u.a. Reinigungszeremonien.

Der Siedlungsplatz des Klosters wurde ehemals auch durch einen See bestimmt, der den Mönchen zur Fischerei und zum Betrieb einer Wassermühle diente. Auch wenn der Klostersee heute verlandet ist, so ist das Element Wasser doch bei einem Spaziergang in der Umgebung des Klosters wunderbar erfahrbar und gibt eine Ahnung vom mönchischen Leben im Mittelalter.

Es scheint, als sei die Nähe von Cismar zur Ostsee ein weiterer Grund gewesen, das Kloster ausgerechnet hier aufzubauen. Über den Klostersee und den Fluss Grobenezze bestand eine Verbindung zur Ostsee, und offensichtlich wurden die durch das Kloster erwirtschafteten Güter zunächst auf dem Seeweg nach Lübeck transportiert, das als prosperierende Stadt einen hohen Bedarf an Getreideprodukten, Schlachtvieh, Honig, Milchprodukten, Wolle, Fellen und vielem mehr hatte.

Der Klostersee war zusammen mit dem Grömitzbach 1237/38 in den Besitz des Klosters gekommen. Am 15. August 1301 erwarben die Mönche zusätzlich die Sumpfwiese Rethwisch bei Cismar und den Bach Stremmin. In der Liste der Ankäufe stehen vielfach Seen, (Wasser-)Mühlen und Fischteiche, die dem Kloster wirtschaftliche Unabhängigkeit und weitere Einnahmemöglichkeiten bescherten. Es wurden jedoch nicht nur Fische aus der Teichwirtschaft, nämlich Karpfen, Hechte und Brassen, sondern auch Seefische – vorwiegend Aale und Butt verkauft, und zwar insbesondere nach Lübeck und Plön. Anhand dieses Beispiels kann man die weitreichenden Handelsbeziehungen ermessen, die das Kloster unterhielt.

Die Cismarer Klosteranlage liegt auf einer Insel, die von einem breiten Wassergraben umgeben ist, der vor allem dem Schutz und der Sicherung des Klosters diente. Bei einem Spaziergang rund um das Kloster sind in der Umgebung Gräben und Wallanlagen als Teil der ehemaligen Befestigungsanlagen sowie weitere Relikte des klösterlichen Wirtschaftens zu entdecken.

Literatur im Weißen Haus

Mehrere Künstler, Dichter und Schriftsteller können jährlich mit Stipendien des Landes Schleswig-Holstein in der Abgeschiedenheit des Klosters arbeiten. Die Literatur hat im klassizistischen „Weißen Haus“ auf der Westseite des Klosterhofs einen festen Platz. Unter der Leitung der Dichterin Doris Runge finden hier Lesungen und Veranstaltungen statt.

Schon vor etwa 400 Jahren schrieb der erste evangelische Pastor in Cismar, Johannes Stricker, das Theaterstück „De Düdesche Schlömer“, in dem er die Missstände auf den umliegenden Gutshöfen kritisch beleuchtete. Das Stück wird immer wieder einmal in Cismar aufgeführt.

Adresse

Bäderstraße 42
23743 Grömitz-Cismar
Telefon 04366 - 1080, 04621 - 813 222

Eigentümer: Stiftung S-H Landesmuseen Schloss Gottorf

Öffnungszeiten

ganzjährig frei zugänglich
Eintritt: kostenfrei

Anreise

Icon Parken

Icon Eisenbahn Neustadt & Lensahn

Icon Bus 8132, 5800, 5601 Kloster & Alte Meierei

Serviceinformationen

Icon WC   Icon Hund erlaubt   Icon Rollstuhl (teilweise)

Angebote

Führungen: Im Sommerhalbjahr Mi & Sa 17 Uhr, für Gruppen nach Vereinbarung, T 04366 - 1288

Gastronomie

Icon  Cafe  Klostercafé Brunnenhaus
Hof Mougin

Gärtnereien & Läden

Läden: Hof Mougin

Freundeskreise und Fördervereine

Förderkreis Kloster Cismar e.V.

Weiterführende Informationen

Ostsee-Holstein-Tourismus e.V.
Tourismus-Service Grömitz
Strandgut Erlebnistouristik

 

Kontakt

Die nächsten Veranstaltungen