Route 3: Ostholstein
Flanieren und Philosophieren in lieblicher Seenlandschaft
Jagdschlösschen am Ukleisee

Ein erster Überblick

Jagdschlösschen am Ukleisee Im Herzen der wald- und seenreichen Holsteinischen Schweiz liegt der sagenumwobene Ukleisee. Die malerische Landschaft, die idealisierten Landschaftsbildern gleichkam, inspirierte Fürstbischof Friedrich August, sich von seinem Hofbaumeister Georg Greggenhofer 1776 ein Jagdschloss hoch über dem See errichten zu lassen. Ganz im Sinne der Aufklärung wurde ein „Lustgehölz“ angelegt, das dem Naturgenuss diente und zum Lustwandeln einlud. Die historischen Pfade schlängeln sich heute wieder durch den Wald und führen an Orte, die bereits der Gartentheoretiker C.C.L. Hirschfeld um 1780 bewundert haben soll: zum fantastischen Blick über die Hangterrassen auf den Ukleisee, zu Aussichtspunkten, einem plätschernden Bach und nicht zuletzt zur bezaubernden weißen Anglerbrücke am Seeufer. Diesen wunderbaren Ort kann man heute besonders eindrucksvoll bei einem klassischen Konzert im Jagdschlösschen oder einem einstündigen Spaziergang um den Ukleisee erleben.

Ein bloßer Lustort

Das „Jagdschlösschen am Ukleisee“ wurde auf einer Anhöhe zwischen dem Kellersee und dem Ukleisee errichtet. Mit seiner Gebäudevorderseite war es auf den Kellersee und die ländliche Szene um das Dorf Sielbeck mit seinen Feldern, Wiesen und Wäldern in kuppigem Gelände ausgerichtet. Dieser Blick ist heute verbaut, so dass heute der mystische Ukleisee das Landschaftserlebnis am Jagdschlösschen bestimmt.

Christian Cay Lorenz Hirschfeld lieferte im Anhang zum zweiten Band seiner „Theorie der Gartenkunst“ eine ausführliche Beschreibung von „Sielbeck“ wie es im 18. Jahrhundert genannt wurde. Das Jagdschlösschen war „nicht zur beständigen Bewohnung, sondern zur kurzen Erholung, dem Genuß der Ergötzung der Natur bestimmt;“. Es wurde als Teehaus, für Jagdgesellschaften und kleinere Feiern genutzt. Das Gebäude hatte für den vollkommenen Genuss der Landschaft einen „doppelten Prospect“, d.h., dass sowohl auf der Vorderseite als auch auf der Rückseite Fenster angeordnet waren, die die Aussicht in Richtung beider Seen ermöglichten. Diese Ausblicke müssen sehr kontrastreich gewesen sein: nach Westen zum Kellersee eine offene, heitere Landschaft aus Wiesen und Feldern mit rahmenden Wäldern und Gehölzen, nach Osten dagegen eine schmale Waldschneise, die den Blick auf den tief unten liegenden, waldgerahmten, dunklen Ukleisee freigab. Diese rückwärtige Szenerie lässt sich in Hirschfelds immerhin über 200 Jahre alter Beschreibung problemlos wieder finden:

„Eine steile Terrasse, mit Rasensitzen verziert, lässt, indem man sich mehr der Öffnung nähert, den furchtsamen Blick hinabfallen. Unten am Ufer bemerkt man Bänke, und eine zum Vergnügen des Fischfangs sowohl, als zum bequemen Einsteigen in die hiezu bestimmten Boote in den See hinein angelegte Brücke (hiermit ist die oben genannte Anglerbrücke gemeint). Wandelt man zu den Seiten dieser Öffnung auf bequemen Gängen zum Ufer hinab, so sieht man den See ganz, wie er von Hügeln, Buschwerk und Waldungen bekränzt ist. Das Ganze ist ein schöner Umzug. Nirgends findet eine ausgedehnte Sicht statt; sie reicht nicht weiter, als bis an die Bekränzung des nahen Ufers dieses kleinen Sees.“

Der Erhalt und die Wiedergewinnung dieser gestalteten Landschaft ist auch dem gartendenkmalpflegerischen Engagement der Sparkassenstiftung Ostholstein zu verdanken.

An der Nordseite des Jagdschlösschens führt eine Lindenreihe den Hügel hinab zu einen Bachlauf. Dieser ist der Ablauf aus dem Ukleisee in den Kellersee und bildet einen kleinen Wasserfall, der sich wunderbar in die gesamte Szene einfügt, wie schon Hirschfeld resümierte: „man sieht dem Wasserfall auf beyden Seiten von zwei kleinen Rasenerhöhungen zu, die nahe unter dem Wasserfall über den Bach führen nicht blos zur Verbindung, sondern auch zur Verzierung.“ Diese Brücke und verschiedene Wegeanschlüsse sind 2005 wieder hergestellt worden und sollten beim Spaziergang um den Ukleisee nicht ausgelassen werden, um einen Gesamteindruck  zu erhalten, denn:

„Dieser Lustort ist nach seiner Anlage und nach der Beschaffenheit der Landschaft umher ungemein geschickt, den Genuss der Empfindungen zu geben, die man hier sucht. Er ist kein Park, sondern, was er seyn soll, ein Lustort, ein Aufenthalt der ländlichen Ruhe und Ergötzung.

Daher sollte man sich Zeit nehmen beim Durchstreifen dieses ungewöhnlichen Stückchens Holsteinischer Schweiz und sich nicht nur auf das Offensichtliche, nämlich den Blick vom Jagdschlösschen auf den Ukleisee beschränken.

Der Ukleisee in Kunst und Literatur

Um den  Ukleisee ranken sich verschiedene Sagen und Legenden, die sich dem Wandelnden auf seinem Rundgang erschließen.

Die Sage vom Ukleisee

Wo jetzt das Wasser über einem bodenlosen Abgrund schweigt, hat einst eine schöne Wiese ihren grünen, blumengeschmückten Teppich ausgebreitet. Inmitten hat ein Kranz heiliger Wodanseichen sich erhoben und in ihrem Schatten ist ein heller, lauterer Quell aufgesprungen. Bewacht wurde dieser von einer feinen, zierlichen Nymphe, deren Blondhaar um den hohen Mittag in der Sonne wie Gold geleuchtet und um die tiefe Mitternacht im Mondschein wie Silber geschimmert hat. Sie hat nichts von den Menschen gewusst und in seliger Schwesternschaft mit Bäumen und Pflanzen gelebt. Da ist eines Tages in blitzender Rüstung ein junger Rittersmann über den Wiesenplan geschritten, ist kühn in den Kranz heiliger Wodanseichen eingedrungen und hat die zitternde Nymphe in seine Arme emporgerissen, dass ihr das Herz plötzlich wie ein Menschenherz in Lust und Leid aufgeflammt ist. Auf seine stürmische Werbung hat sie ihm bekannt, dass sie ihm angehören dürfe, wenn er zwölf Monde ihr die Treue wahren würde. Zwölf Monde sind ihr in Bangen und Sehnen hingeflossen, dass ist er zu ihr zurückgekehrt, und sie hat in seinen schuldigen Augen das fremde Menschenweib  geschaut, an das sein Herz sich draußen in der Welt gehängt hat. Da hat sie geweint den langen Tag, und mit ihr haben Himmel und Erde, Bäume und Blumen geweint. Als am anderen Mittag die Sonne wieder über die hohen Wipfel heraufgestiegen ist, da hat unten in der Tiefe der dunkle Tränensee getrauert, und seine leise bewegte Oberfläche hat die Leiche des Ritters geschaukelt, dessen weit offenen Augen zum Himmel emporgestarrt haben (Professor Dr. Hagen)                                      

Auch Künstler und Gelehrte wurden vom Ukleisee inspiriert, darunter Wilhelm von Humboldt, Johann Heinrich Voss, Carl Maria von Weber und Johann Heinrich Wilhelm Tischbein.

So hat auch der Ukleisee seinen Anteil am Beinamen „Weimar des Nordens“, der dem nahe gelegenen Eutin zugesprochen wird.

Der Spaziergang um den Ukeisee

Ein Spaziergang um den tief gelegenen See mit seinen bis an die Ufer bewaldeten Hängen ist ein ganz besonderes atmosphärisches Erlebnis. Dafür bietet der unbelaubte Winterwald eine ebenso schöne Kulisse wie der Sommerwald, in dem immer wieder Lichtreflexe von der Wasseroberfläche auf die Spazierwege blitzen.

Der Ukleisee erfasst das Gemüt des Lustwandelnden mit großer Intensität. Dass das Lustgehölz auch Einkehr befördert, hatte schon Hirschfeld beschrieben: „An den Spaziergängen laden Bänke und Rasensitze zum Ausruhen oder zum Genuss einer Aussicht ein. Zuweilen ist diese blos auf einen inneren Prospect oder auf den waldigten Umzug eines kleinen Bezirks eingeschränkt;“. Diese Worte verdeutlichen die Geisteshaltung von Aufklärung und Empfindsamkeit sehr eindrücklich.

Der Rundweg führt auch in die Frühgeschichte der Region. Schon die Slawen hatten hier einen geeigneten Siedlungsplatz erkannt, wovon noch Reste des „Ukleiwalls“ zeugen. Im Spätmittelalter wurde am Seeufer eine Turmhügelburg errichtet, deren Konturen sich noch deutlich im Gelände abzeichnen.

Der Spaziergang um den Ukleisee lässt sich hervorragend mit einem Abstecher ins „Forsthaus am Ukleisee“ verbinden. In der ländlichen Idylle werden Holsteiner Spezialitäten angeboten, die den Landschaftsgenuss am Lustort „Sielbeck“ abrunden und zu einem besonderen Erlebnis machen.

Adresse

Zum Ukleisee 19
23701 Eutin
Telefon 04521 - 85612

Eigentümer: Sparkassenstiftung Ostholstein

Öffnungszeiten

ganzjährig frei zugänglich; aber: Jagdschlösschen von Mitte Mai bis Mitte September
Eintritt: kostenfrei

Anreise

Icon Parken Waldparkplatz

Icon Bus 5506, 5507 "Zum Ukleisee"

Serviceinformationen

Icon WC   Icon Hund erlaubt   Icon Rollstuhl (teilweise)

Gastronomie

Forsthaus am Ukleisee

Veranstaltungsorte

Standesämter: Jagdschlösschen am Ukleisee

Gärtnereien & Läden

Gärtnereien: Pflanzencenter Buchwald

Weiterführende Informationen

Kur & Touristik Eutin GmbH
Ostsee-Holstein-Tourismus e.V.
Strandgut Erlebnistouristik

 

Kontakt

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