Route 3: Ostholstein
Flanieren und Philosophieren in lieblicher Seenlandschaft
Alter u. Neuer Kurpark Timmendorfer Strand

Ein erster Überblick

Alter und Neuer Kurpark Timmendorfer Strand Der Alte und der Neue Kurpark bilden Gegensätze, die sich hervorragend ergänzen. Der im Jahr 2000 umgestaltete Rosengarten ist die Flaniermeile des Seebades, an der die denkmalgeschützte Trinkkurhalle, in der viele Veranstaltungen stattfinden, zwischen Kiefern in reinem Weiß erstrahlt. Zum ruhigen Spazieren dagegen lädt der etwas landeinwärts liegende alte Kurpark ein, der um 1930 von Harry Maasz angelegt wurde und noch viele Zeugnisse aus seiner Entstehungszeit enthält. Herzstück des Parks sind drei formale Teiche, die von einigen alten Trauerweiden gesäumt werden. Von Westen kommend bildet eine Kastanienallee den Auftakt zu einem expressionistischen Parkerlebnis. Dichte Baumgruppen aus Birken und Buchen wechseln mit offenen Rasenpartien und vollführen ein zauberhaftes Licht- und Schattenspiel. Beim Fortschreiten in Richtung Ostsee passiert man seltene Arten von Eichen und Ahorn. Abseits vom sommerlichen Trubel ist die Betrachtung der Seerosenblüten ein Genuss!

Parkanlagen in Timmendorfer Strand

Timmendorfer Strand trägt zu recht den Beinamen „Ostseeheilbad im Grünen“, denn die dichte Bebauung ist von weitläufigen Grün- und Freiflächen durchzogen und umgeben. Zwischen Scharbeutz und dem Niendorfer Hafen verläuft die Strandpromenade auf einer baumbestandenen Düne. Insbesondere Kiefern prägen das Bild und geben dem Ort ein einzigartiges Gesicht an der Lübecker Bucht. Von der Promenade aus führen in unregelmäßigen Abständen kleine Parkanlagen und Grünzüge in den Ort.

Neuer Kurpark: Seepferdchen an der Trinkkurhalle

Im Zentrum von Timmendorfer Strand, nahe der Seebrücke, erstreckt sich zwischen der Kurpromenade, die die Flaniermeile des Ortes ist, und der Strandpromenade eine ausgedehnte Grünzone. Dieses ist der „Neue Kurpark“ oder ehemalige Rosengarten. Hier spannen Kiefern einen schönen dunkelgrünen Schirm über ausgedehnte Rasenflächen. Zwischen ihnen leuchtet das Weiß der Trinkkurhalle, eines denkmalgeschützten Baus der 1950er Jahre, der ein schönes Beispiel für die filigrane Architektur dieser Zeit ist. Das transparente Gebäude ist ein beliebter Veranstaltungsort, hier finden Ausstellungen, Konzerte, Versammlungen und Vorführungen statt. Von der Rotunde aus hat man einen schönen Blick durch den Park bis zur Kurpromenade. Der angrenzende Seitenflügel schirmt einen Sitzplatz gegen kühle Ostwinde ab und schafft einen Veranstaltungsraum im Freien.

Die Kurpromenade ist im Jahr 2000 neu gestaltet worden. Hier scheinen die Ostseewellen bis auf die Bebauung zu treffen, das jedenfalls vermittelt das wellenförmig verlegte Pflaster, das bis an die mondänen Gebäude reicht. Farbenfrohe Staudenpflanzungen, kombiniert mit Rhododendrongebüschen, vermitteln Leichtigkeit und Lebensfreude. Brunnenanlagen erinnern an die Meeresnähe und ein Wasserbecken mit Seepferdchenskulpturen ist ein reizvoller Anziehungspunkt für Kinder zum Turnen und Enten füttern.

Spurensuche im Alten Kurpark

Aus dem neuen Kurpark gelangt man mit wenigen Schritten in den Alten Kurpark, der Mitte der 1930 Jahre von Harry Maasz geplant worden ist. Harry Maasz, geboren 1880, wurde 1912 Garteninspektor in Lübeck und gründete dort 1922 sein Atelier für Gartengestaltung. Er wurde mehrfach für seine Planungsleistungen auf nationalen und internationalen Gartenbauausstellungen ausgezeichnet.

Maasz hatte eine Vision vom "Volkspark der Zukunft", die er als einen Beitrag zur Lösung der sozialen Probleme der Gründerzeit verstand. Der Park sollte der Gesundheit und Erholung der Bürger dienen. Stets versuchte er, die umgebende Landschaft in die Gestaltung seiner Gärten einzubeziehen.

Im Alten Kurpark fand Harry Maasz einen privaten Park und einen Entwässerungsteich vor. Von hier ausgehend sollte auf westlich angrenzenden Feuchtwiesen der Kurpark entstehen. So lautete ein Plantitel „Aus feuchten Wiesen ein Kurpark“. Die am tiefsten gelegenen Flächen eigneten sich hervorragend zur Anlage weiterer Entwässerungsteiche, so dass eine Abfolge von drei Teichen entstand. Vermutlich erreichte Maasz durch die Anlage der Teiche die Entwässerung der umliegenden Böden und schuf die Voraussetzungen für eine vielfältige Bepflanzung des Kurparks. Der sogenannte alte Entwässerungsteich war annähernd rund. Daraus leitete Maasz runde Aufweitungen an den westlichen Enden der Teiche ab. Am mittleren Teich wurde diese mit einem Doppelkranz aus Trauerweiden bepflanzt, die im Winter mit ihren gelben Zweigen noch immer Farbe in den Kurpark zaubern.

Ein Pendant zu diesem Baumkranz befand sich im Nordteil des Parks. Dort wo heute Tennisplätze angelegt sind, deutlich höher als die Teiche gelegen, muss ein doppeltes Baumrondell dem Park ein starkes Gepräge gegeben haben. Dieses war durch eine Allee mit der Kastanienallee am Westeingang des Kurparks verbunden. Vermutlich war auch diese Allee eine Kastanienallee, da ein Rest noch von der Eingangsallee abzweigt. Es ist ein kleines Suchspiel, diese zu finden!

Zwischen der Nordgrenze des Parks und der Teichkette öffneten sich bogenförmig weite Wiesenflächen, an deren Rändern Einzelbäume und Baumgruppen so angeordnet waren, dass zwei lang gestreckte Rasenflächen entstanden, die den Kurpark größer erschienen ließen. Dieses ist ein Gestaltungsmittel, das schon in den Landschaftsparks des 18. und 19. Jahrhunderts angewendet wurde.

Von Birkengruppen und Trauerbuchen

Es wird sehr schön deutlich, wie Harry Maasz den Park bepflanzt hat: er hegte eine Vorliebe für die flächenhafte Anpflanzung einzelner Gehölzarten. Besonders auffällig sind Birkengruppen, die an verschiedenen Stellen im Park ihre weißen Stämme tanzen lassen. Für das Spiel zwischen dunklen, stark beschatteten Baum- und lichtdurchfluteten Rasenpartien sind Rotbuchen ideale Bäume. Für dieses Spiel der Kontraste setzte Harry Maasz auch weiße Brücke über dunklen Wasserflächen gezielt ein.

Ähnliche Motive, nämlich die Zuordnung von Straucharten zu Baumarten, sind auch beim Landsitz Lindenhof in Warnsdorf (Nr. 9 dieser Route), der von Erwin Barth ca. 20 Jahre früher angelegt worden ist, zu erkennen.

Auf den Rasenflächen sind schöne alte Solitärbäume zu finden. Hierzu zählen zwei Trauerbuchen und zwei Flügelnüsse, von denen eine vor einigen Jahren auf den Stock gesetzt werden musste und die sich nun wieder neu entwickelt. Im Eingangsbereich nahe dem Trauerweidenkranz sind verschiedene Ahorne, darunter der seltene Acer monspessulanum zu finden. Auch Eichen spielen im Park eine besondere Rolle.

Pflanzpläne in Archiven sprechen dafür, dass es einmal ausgedehntere Strauchbestände gegeben hat, insbesondere am Alten Entwässerungsteich. Neben Rhododendron und Azaleen waren u.a. Schneebälle, Goldregen, Hartriegel, Kirschen und Zieräpfel verzeichnet. Einzelne Exemplare haben bis heute an dieser Stelle überdauert.

Die Suche nach den Spuren von Harry Maasz ist eine besondere Herausforderung beim Besuch des Alten Kurparks. Doch auch ohne diese Spurensuche bieten die Grünanlagen von Timmendorfer Strand ein vielfältiges und kontrastreiches, in Teilen auch farbenfrohes Bild, das durch die unmittelbare Nähe der Ostsee noch attraktiver wird.

Adresse

Bergstraße, Kurpromenade
23669 Timmendorfer Strand
Telefon 04503 - 807125

Eigentümer: Gemeinde Timmendorfer Strand

Öffnungszeiten

ganzjährig frei zugänglich
Eintritt: kostenfrei

Anreise

Icon Eisenbahn Timmendorfer Strand

Icon Bus 5951, 5815 Bergstraße / Ecke Bahnhofstraße und Hotel Atlantis

Serviceinformationen

Icon WC   Icon Hund erlaubt   Icon Rollstuhl

Angebote

Veranstaltungen: Konzerte , Vorträge und Lesungen in der Trinkurhalle

Veranstaltungsorte

Standesämter: Trauzimmer Kurverwaltung Timmendorfer Strand

 

Kontakt

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