Karte

Zur Karte

Sehenswertes in der Umgebung

Hörnbrücke

Route 2: Kiel
Mit Picknickkorb ins Fördegrün
Volkspark Gaarden

Ein erster Überblick

Volkspark Gaarden Hoch über der Kieler Förde mit Blick auf das Werftgelände gelegen, wurde der Volkspark 1899 als Park für Bedienstete der kaiserlichen Werft eingeweiht. Mit der Entwicklung zum Kriegshafen nach der Reichsgründung entstanden in Kiel zahlreiche Werften und im Zusammenhang damit auf kaiserliche Anordnung auch Wohlfahrtseinrichtungen. Der „Werfterholungspark“ war ein wichtiger Bestandteil davon und beherbergte ein Erholungshaus mit Festsaal, einen idyllischen Karpfenteich, einen großen baumumstandenen „Platz für Jugendspiele“ und sogar einen Bärenzwinger. Nach Plänen des Städtebauers Willy Hahn (1887-1930) und des Gartenarchitekten Leberecht Migge (1881-1935) wurde der Park von 1923-25 zum Volkspark für Sport und Spiel umgebaut. Seit 1999 entstanden im Park mit seinem lebendig bewegten Gelände und weiten Liegewiesen durch Wiederherstellung und Neugestaltung ruhige Sitzplätze, Spielbereiche mit Planschbecken und ein großartiger farbenfroher Staudengarten.

Der Werfterholungspark der Kaiserlichen Werft

Die Arbeiterschaft hatte im Zuge der Industrialisierung viele soziale Missstände zu verkraften. Zu Ende des 19. Jahrhunderts verdeutlichte sich immer mehr, dass eine Verbesserung der Wohn- und Arbeitsverhältnisse unabdingbar war. Krankheiten und körperliche Schwäche wirkten sich auch auf Wirtschaftskraft und Wehrtüchtigkeit aus und daher versuchten Kapital und Krone eine Verbesserung im Lebensstandard herbeizuführen.

Die Arbeiter der neu entstehenden Werften in Kiel Gaarden und Ellerbek kamen so in den Genuss zahlreicher sozialer Verbesserungen. Zur Unterbringung der Beschäftigten entstanden moderne Arbeitersiedlungen unter der Ägide des 1889 gegründeten „Arbeiterbauverein für Ellerbek und Umgebung“.

Zudem mussten auf Anordnung Kaiser Wilhelms II. alle Staatsbetriebe Arbeiterausschüsse bilden, die wiederum Wohlfahrtseinrichtungen für die Betriebsmitglieder einzurichten hatten. So gründete sich der „Wohlfahrtsverein für die Angehörigen der Kaiserlichen Werft“, der unter anderem eine Werftkantine sowie Verkaufsstellen für Grundnahrungsmittel und Kleidung einrichtete und zwischen 1893–99 den 14 ha großen „Werfterholungspark“ in direkter Nähe zur Werft und den entstehenden Arbeitersiedlungen ausbaute. Grundfinanziert wurde der Park aus dem Erlös der Verkaufsstellen des Wohlfahrtsvereins, also im Folgeschluss auch durch die Betriebsangehörigen der Werft.

Das landschaftlich reizvolle Gelände wurde durch Baggergut aus dem Hafenbecken modelliert und im gemischten Stil der Lenné-Meyer’schen Schule als Volkspark gestaltet. Die alte Terrassierung ist noch an der Böschungsseite zur Werftstraße zu erkennen. Hoch oben befand sich hier auch der Aussichtsweg entlang des Parks mit weitem Blick über das Gelände der Kaiserlichen Werft, die Förde und die Stadt Kiel. Heute kann man nur noch an wenigen Stellen diesen Blick durch die baumbestandene Böschung erhaschen.

Der Haupteingang führte von der Kaiserstraße durch einen hölzernen Torbogen mit der Aufschrift „Werftpark“ in den Park. Über dem Schriftzug befand sich ein von Bienen umschwärmter Bienenkorb als Versinnbildlichung des Arbeiterfleißes. In diesem belehrenden Unterton drückte sich der Wunsch aus, die Arbeiterschaft zur Arbeitsfreude anzuhalten. Im Sinne sittlicher und patriotischer Erziehung fanden sich im Park des weiteren verschiedene Gedenksteine, so ein bronzenes Bildnis Kaiser Wilhelms I., ein Gedenkstein für Kaiser Friedrich sowie für Bismarck.

Im Zentrum des Parks auf einer Anhöhe stand das Werfterholungshaus, ein Gasthaus mit großem Festsaal, Kegelbahn, Clubräumen und einer Holzveranda, auf der im Sommer Gartenkonzerte stattfanden. Hier vergnügten sich sowohl die Werftarbeiter als auch die Beamten. Ein großer baumumstandener „Platz für Jugendspiele“, dort wo sich heute der Blaschke-Sportplatz befindet, diente der körperlichen Ertüchtigung.

Die landschaftlich geschwungenen Wege des Parks führten auch zum idyllisch gelegenen Karpfenteich und eine Vogel- und Kleintiermenagerie am Ufer des Teiches trug noch weiter zur Beliebtheit des Parks bei. Im heutigen Staudengarten im Norden des Parks befand sich um 1900 sogar ein Bärenzwinger. An die drei aus verschiedenen Ländern stammenden echten Bären, die ein Geschenk des Prinzen Heinrich waren, der seinerzeit im Kieler Schloss wohnte und die die kaiserliche Marine von ihren Auslandsfahrten mitgebracht hatten, erinnern heute die Holzskulpturen „Voller“, „Elly“ und „Gaardy“. Anekdoten erzählen davon, dass man, um dem größten Bären die zu lang gewordenen Krallen zu schneiden, einen Eimer Bier, den man noch mit einem kräftigen Schuss Schnaps verfeinert hatte, aus dem Werfterholungshaus holte und dieses Gebräu dem Bären einflößte, der daraufhin in einen tiefen Schlaf fiel. So konnte der Tierarzt gefahrlos die Tatzen des Tieres behandeln.

Weiterer Anziehungspunkt im Park war das Fischerhaus, ein reetgedecktes Überbleibsel der Fischersiedlung Ellerbek von 1699, die der Erweiterung der Werft um 1900 weichen musste. Das Haus wurde abgebaut, ergänzt und auf der Anhöhe oberhalb des Teiches neu errichtet. Unter großer Beteiligung der Ellerbeker Fischerfamilien weihte man dieses kleine Freilichtmuseum 1904 ein. Heute befindet sich an dieser Stelle ein Jugendheim der 1960er Jahre.

Licht, Luft und Sonne

Eine Umgestaltung zum Volkspark erfuhr der Park nach Übernahme durch die Stadt im Jahre 1921. Mit dem Zusammenbruch des Kaiserreiches und der kaiserlichen Marine nach dem Ersten Weltkrieg, verlor der Werfterholungspark seine alte Funktion und der Wohlfahrtsverein konnte die Pflege des Parks nicht mehr bewerkstelligen.

Dr. Willy Hahn (1887–1930), Städtebauer und Leiter des Hochbau- und Siedlungsamtes, entwickelte gemeinsam mit dem Gartenarchitekten Leberecht Migge (1881–1935) einen „Grünflächen- und Siedlungsplan der Stadt Kiel“, der eine Überplanung auch des gesamten Ostufers vorsah. Unter der Leitung von Gartenbaudirektor Hurtzig (1872–1939) begannen im Herbst 1923 die Umbauten.

Nicht mehr das repräsentative Flanieren stand im neuen großen Volkspark im Vordergrund, sondern die aktive und praktische Nutzung des Parks für Sport und Spiel. In den Umgestaltungen lässt sich auch der Wunsch zur Demontage des Kaiserreiches nachvollziehen, denn alles Pompös-Repräsentative wurde durch Funktional-Praktisches ersetzt. Geschwungene Spazierwege wurden teilweise aufgelöst oder begradigt, der Sportplatz wurde modernisiert und an die Turn- und Sportvereinigung übergeben, der Spielplatz vergrößert und ein schönes Kinderfreiluftbad mit Planschbecken eingerichtet. Das Werfterholungshaus wurde teilweise abgebrochen und zu einem Jugendheim umgebaut und die Grundmauersteine des ehemaligen Festsaals fanden Verwendung in den Mauern des neuen Spielplatzes. Nahe dem Jugendheim entstand ein neuer Brunnen von der Kieler Kunstkeramik AG nach einem Entwurf des Frankfurter Bildhauers Georg Mahr mit Skulpturen von Seehunden, Delphinen und anderen Meeresbewohnern, der leider im Krieg zerstört wurde.

Picknick in Stauden und auf Wiesenwellen

Im heutigen Park mit seinem schön bewegten Gelände, weiten Wiesenzügen, ruhigen Sitz- und interessanten Spielplätzen finden sich Spuren aller Gestaltungsepochen seit 1893. Den Namen Volkspark Gaarden erhielt der Park 1947. Nach starken Schäden im Zweiten Weltkrieg – die naheliegenden Werften waren ein besonderes Angriffsziel – wurde der Park in den 1950er und 1960er Jahre neu gestaltet. Mit dem 100-jährigen Jubiläum des Parks 1999 setzten dann umfangreiche Wiederherstellungsarbeiten und Umgestaltungen ein, die an das Konzept Migges und Hahns anknüpfen. Die Aussichtsterrassen, das Kinderfreiluftbad mit Planschbecken und eine großartige Staudenpflanzung laden so zu Picknick, Spiel und Sonnenbad. Auf den weiten Wiesenflächen, die wie eine geschwungene Welle den Hang hinunterrollen, finden zur Kieler Woche Open-Air-Veranstaltungen statt.

Rodeln, schippern, lachen

Für Kinder ist der Hang im Winter als Rodelhügel eine Wucht. Auf dem großen Spielplatz am Freiluftbad mit Planschbecken schippert ein Kletterboot mit Matrosen durch die sandigen Wellen.

Ein breites Theaterrepertoire zeigt das speziell für Kinder und Jugendliche konzipierte Theater im Werftpark. Preisgekrönt und sehr erfolgreich gibt es dieses Theater schon seit den 1960er Jahren.

Am Theater wurden Stahlskulpturen aufgestellt, die unter Anleitung des Bildhauers Uwe Appelt von Auszubildenden der Howaldtswerke-Deutsche Werft GmbH (HDW) entworfen und gefertigt wurden.

Adresse

zwischen Werftstraße und Ostring
24143 Kiel
Telefon 0431 – 9013800

Eigentümer: Landeshauptstadt Kiel, Grünflächenamt

Öffnungszeiten

ganzjährig frei zugänglich
Eintritt: kostenfrei

Anreise

Icon Parken Theater im Werftpark

Icon Bus 11, 22, 71, 72, 100, 101 „Ernestinenstraße“ bzw. „HDW“ / „Große Ziegelstraße“

Serviceinformationen

Icon Hund erlaubt   Icon Rollstuhl (teilweise)

Angebote

Veranstaltungen: Programm des Theaters im Werftpark, Open Air-Veranstaltungen im Rahmen der Kieler Woche

Angebote für Kinder

Veranstaltungsorte

Kulturstätten: Theater im Werftpark

Weiterführende Informationen

Kiel-Marketing e.V.

 

Kontakt

Die nächsten Veranstaltungen