Route 2: Kiel
Mit Picknickkorb ins Fördegrün
Skulpturenpark Seekamp

Ein erster Überblick

Hans-Kock-Stiftung, Skulpturenpark Seekamp Der Park von Gut Seekamp zeigt mit den Skulpturen des Bildhauers Hans Kock (1920-2007), wie durch Kunst die Landschaft in eine neue Dimension gerät. Nach dem Gang durch eine alte Lindenallee begrüßt den Besucher die monumentale „Wächterin“, eine von 12 Großskulpturen, die im Dialog mit dem markanten Baumbestand der Parkanlage ihre stimmungsvolle Ruhe verleihen. Die breitgelagerte Sitzformation lädt ein zu einem eindrucksvollen Panorama maritimer Gartenkultur, atmosphärisch durchflutet von Wind, Meer und Wellen. Seekamp erfuhr mit Beginn des 19. Jahrhunderts eine Wandlung vom Guts- zum Musenhof. Der bedeutende schleswig-holsteinische Maler Hans Olde (1855-1917) war hier zu Hause. Seine Enkelin Anna Olde und deren Ehemann Hans Kock gründeten die von Kunst getragene Begegnungsstätte. Damit besitzt die Stadt Kiel ein gartenarchitektonisches Gesamtkunstwerk von überregionaler Bedeutung.

Künstlertradition auf Gut Seekamp

Mit dem Gutspark in Seekamp verbindet sich eine lange künstlerische Tradition. Als der dänische Etatsrat Erich von Berger (1772–1833), Professor der Philosophie und später Rektor der Kieler Universität, 1801 das adelige Gut Seekamp erwarb, erhielt das Gut eine erste philosphisch-kulturelle Prägung. Durch einen Aufenthalt Bergers auf dem Mustergut des Baron Voght in Flottbek bei Hamburg (s. Jenischpark, Gartenroute 4: Pinneberg) war er von den Idealen der Aufklärung beseelt und verwirklichte auf Seekamp seine romantischen Ideen vom ländlichen einfachen Leben.

Der Charakter eines Musenhofes verließ diesen genius loci nicht mehr und fand eine weitere Erfüllung mit dem Maler Hans Olde (1855–1917). Schon als Kind kam dieser mit seinen Eltern auf das Gut Seekamp, welches in Erbfolge an sie gefallen war. Olde, der durch die französischen Impressionisten angeregte, bedeutende Vertreter der deutschen Freilichtmalerei, wurde, nachdem er 1899 Friedrich Nietzsche portraitierte, Direktor der Weimarer Kunstschule. Hier entwickelte er gemeinsam mit Henry van de Velde und Harry Graf Kessler eine neue Struktur des Kunstunterrichts, die als Vorstufe für die Entstehung des Bauhauses betrachtet werden kann. Auch als Direktor an der Kasseler Kunstakademie (seit 1911) behielt Olde Gut Seekamp als landwirtschaftlichen Betrieb.

In den Sommermonaten waren Literaten wie Detlev von Liliencron (1844–1909) oder der Maler Lovis Corinth (1858–1925) Gäste auf Seekamp und es entwickelte sich ein Ort kultureller Begegnung. So porträtierte Hans Olde beispielsweise mehrfach Klaus Groth (1819–1899). Johannes Brahms (1833–1897) wiederum, dessen Musik gerne auf Seekamp gespielt wurde, hat als Freund von Klaus Groth viele von dessen Werken vertont.

Die beiden älteren Söhne Oldes fielen im Ersten Weltkrieg, und der Jüngste verkaufte 1926 das Gut an die Stadt Kiel, die vorerst die landwirtschaftliche Nutzung und Pflege aufrecht erhielt. Altenteil sowie das von Olde errichtete Atelierhaus blieben in Privatbesitz.

1927 erlebte Seekamp unter der Leitung der Stadt Kiel sogar die erste reformpädagogisch orientierte sogenannte Kinderrepublik, ein Großzeltlager, in welchem 2.300 Arbeiterkinder für vier Wochen ihre „Republik“ mit eigenen Händen aufbauten und verwalteten. Bis 1933 fanden insgesamt 35 solcher Kinderrepubliken in Deutschland, der Schweiz, Österreich, Dänemark und Frankreich statt.

Nach Aufgabe der Landwirtschaft 1972 wurden die Gebäude als Lager für Baustoffe und überwinternde Segelboote genutzt und verfielen zusehends. Anfang der 1950er Jahre heiratete der Bildhauer Hans Kock die Enkelin Hans Oldes – Anna Olde. 1986 errichteten sie gemeinsam mit der Stadt Kiel auf der Hofparzelle Seekamp die Hans Kock Stiftung. Zweck der gemeinnützigen Stiftung ist es, das Lebenswerk des Bildhauers in einer repräsentativen Auswahl der Öffentlichkeit anheimzugeben. Neben dem Skulpturenpark gibt es im Gutshaus eine ständige Ausstellung der Kleinplastiken und im Sommer werden im noch von Anna Kock restaurierten Pferdestall Wort- und Musikveranstaltungen, Werkstattgespräche mit dem Bildhauer sowie periodische Ausstellungen junger Künstler angeboten.

Der Bildhauer Hans Kock

Professor Hans Kock, Bildhauer, Architekt, Maler und Zeichner, Landschaftsgestalter und Philosoph wurde 1920 in Kiel geboren. Seine Tätigkeit als freischaffender Bildhauer begann Hans Kock 1953 nach einem Studium der Architektur in Braunschweig und anschließend der Bildhauerei an der Landeskunstschule Hamburg. Hans Kock nahm an verschiedenen Weltausstellungen (Montreal 1967, Osaka 1970) und Biennalen (Antwerpen 1973, Padua 1979) teil und erhielt viele Stipendien und Preise. 2004 ehrte ihn die Stadt Kiel mit der Verleihung des Kulturpreises für sein Lebenswerk. Erster Preisträger dieser Auszeichnung war 1952 der Maler Emil Nolde.

Das Werk des Bildhauers Hans Kock steht von Anfang an in der Spannung von figürlich und abstrakt. Mit seinen frühesten Granitskulpturen, wie dem „Eulenturm“ (1957/58) an der Schule am Bindfeldweg in Hamburg oder der auf der documenta 3 gezeigten „Mauer“ (1964), die sich jetzt am Hamburger Jungfernstieg befindet, brachte er das Nonfigurative in den öffentlichen Raum ein.

Den Charakter des Abstrakten umreißt Hans Kock selbst anlässlich der Eröffnung der Harald Duwe-Ausstellung „Frühwerk und Ausblick“ am 9. März 2006 in der Akademie der Künste in Hamburg: „Es gibt eben nicht die ABSTRAKTE KUNST im Unterschied zu anderer Kunst, sondern: jede Kunst ist abstrakt, wenn sie Kunst ist. Die Bezeichnung ‘abstrakte Kunst‘ ist ein Pleonasmus. Man abstrahiert von ETWAS, das da ist und bringt es in die große Form des so und nicht anders. Diese Verwandlung des einen in den anderen Zustand ereignet sich als abstrahierende Spontaneität ...“

Zu seinen bekanntesten Arbeiten in Kiel zählen die frühe Bronzeplastik des Springpferdes „Meteor“ (1957) vor dem Landesregierungsgebäude Düsternbrooker Weg 104–108 und der Brunnen mit dem „Tanzpaar“ (1987) auf dem Vinetaplatz. Unter den zahlreichen Arbeiten im Sakralbereich sind das Gemeindezentrum Mümmelmannsberg, St. Cyriacus in Kellinghusen und die Neugestaltung der lithurgischen Mitte im Dom zu Greifswald hervorzuheben. Lebens- und Portraitbegegnungen des Bildhauers sind unter anderem Martin Heidegger, Max Ernst, Theodor Heuss, Heinrich Dräger, Rudolf Hell, Horst Antes und Harald Duwe, der Malerfreund aus Studientagen und häufiger Gast auf Seekamp.

Kunst im Dialog mit der Landschaft

Auf Gut Seekamp, eingebettet in das sanft gewellte Hügelland zwischen Friedrichsort und Schilksee, wird die von Hans Kock eröffnete Symbiose von Natur und Kunst für die Menschen zu einer Begegnungsstätte der Schöpfungsstimmigkeit.

Die zwölf Großplastiken in dem drei Hektar umfassenden Park stehen im Dialog zu dem eigentümlichen dortigen Baumbestand. Dazu Günther Gercken, langjähriger Vorsitzender des Hamburger Kunstvereins: „Der nordische Himmel mit seinen Wolkenbildungen und dem ständig wechselnden Licht, das Wehen des Windes und der Wellenschlag des Meeres, sie sind in den Formen der Skulpturen zu erkennen – nicht als Nachahmung sondern als Formfindung“.

Der Weg nach Seekamp führt durch eine über 100-jährige Lindenallee (Tilia americana) mit kopfsteingepflasterter Zufahrt. Ein ringförmiger Graben, in Teilen begleitet von einer überwachsenen Feldsteinmauer als Überrest des alten Gutsparks und vielleicht einer noch älteren Wasserburg, legt sich schützend um das künstlerische Kleinod und tritt selbst nur stellenweise in Erscheinung. Über diesen Bach betritt man das Stiftungsgelände wo den Besucher vor dem Herrenhaus (1876) die monumentale Granitstele „Wächterin“ (1966) begrüßt, und sieht sich einer weit gespannten Rasenfläche gegenüber, aus der aufragend eine über 200-jährige ehrwürdige Hoflinde (Tilia cordata) ihre Krone über die „Große Stehende“ (1977) breitet. Ähnlich wirkt auch die Aluminiumskulptur „Nomos“ (1979) unter einer urwüchsigen Platane (Platanus x hispanica, Pflanzjahr 1798) eigentümlich aufgehoben, ja behütet. Der Blick der „Großen Stehenden“ geht parallel zu den Backsteinwänden eines Skulpturenhofes zu ihrer Schwester gleichen Namens am fernen Ende der Wiese.

Der Skulpturenhof (1995) ist eine kontrastreiche Anlage mit erhöhter Feldsteinterrasse und den eingebauten Betonreliefs „Gaukler“ und „Geometrische Blumen“ (1995). Eine in ihrer realistischen Figürlichkeit mit den abstrakt-geometrischen Formen des Skulpturenhofes korrespondierende „Große weibliche Figur“ (1952) blickt von hier zum Gutshaus.

Sowohl mit der „Rose für Charly Rivel“ (1979), die als Ausdruck von Hans Kocks Zirkusbegeisterung dem berühmten Clown gewidmet ist, als auch mit „Meteor“ (1957) verbinden sich persönliche Begegnungen Hans Kocks. Der Künstler nutzte mehr als ein Jahr die Elmshorner Geschirrkammer des weltberühmten Springpferdes von Fritz Thiedemann als Atelier. Der in Seekamp ausgestellte Pferdekopf ist ein Teilabguss des monumentalen Standbildes am Düsternbrooker Weg.

Neben weiteren Skulpturen ist ein Höhepunkte des Parks die jenseits des Grabens liegende breit gelagerte Sitzformation. Der Blick schweift von hier über den Park mit seinen einheimischen Gehölzen und es eröffnen sich vielfältige Landschaftsperspektiven.

Adresse

Seekamper Weg 10
24159 Kiel-Schilksee
Telefon 0431 – 372322

Eigentümer: Hans-Kock-Stiftung

Öffnungszeiten

Park ganzjährig frei zugänglich, ständige Ausstellung mit Kleinplastiken von Hans Kock im Gutshaus, Sa 10-12 Uhr & nach Vereinbarung
Eintritt: kostenfrei

Anreise

Icon Parken Seekamper Weg

Icon Bus 33, 501, 502 „Seekamp"

Serviceinformationen

Icon WC   Icon Hund erlaubt   Icon Rollstuhl (teilweise)

Angebote

Führungen: nach Vereinbarung, T 0431 – 372322
Veranstaltungen: Gelegentliche Sonderausstellungen & Veranstaltungen

Veranstaltungsorte

Kulturstätten: Hans-Kock-Stiftung

Gärtnereien & Läden

Läden: Spargelhof Altenholz

Weiterführende Informationen

Kiel-Marketing e.V.
Hans-Kock-Stiftung, Skulpturenpark Seekamp

 

Kontakt

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