Route 2: Kiel
Mit Picknickkorb ins Fördegrün
Schrevenpark

Ein erster Überblick

Schrevenpark Der beliebte Kieler Park wurde 1900-02 nach einem Entwurf von Gartenbauinspektor Ferdinand Hurtzig (1872-1939) für das umliegende, um die Jahrhundertwende entstehende großbürgerliche Wohnquartier angelegt. Hier promenierte man auf geschwungenen Wegen zu Schmuckgärten mit blumenreichen Teppichbeeten und zeigte sich an der Uferpromenade. Auch das Bootfahren auf dem Schreventeich war sehr populär. Spätere Umgestaltungen brachten einen duftenden Rosengarten, ein Planschbecken und eines der größten Freigehege für Wasservögel in Deutschland in den Park. Erhalten ist ein interessanter 100-jähriger Baumbestand, darunter Persische Eiche und Schlitzblättrige Buche. Viele dieser Bäume wurden nach einem Zeitungsappell 1901 von Gartenbesitzern zur Parkverschönerung gestiftet. Im liebevoll wiederhergestellten Rosengarten mit der Skulptur der "Schlummernden" (1911/26) kann man in den Tag träumen oder auf Holzstegen am Wasser die Seele baumeln lassen.

Kühles Nass in Wasserröhren

Ein großer Teil des Schrevenparks, nämlich zwei Drittel, besteht aus Wasser. Der Schreventeich hatte schon Jahrhunderte vor Anlage des Parks eine zentrale Bedeutung für Kiel. Er lag ehemals weit außerhalb der Stadt auf gräflichem Besitz und hieß deshalb im Volksmund auch „s grevensdiek“ – „des Grafen Teich“ – woraus sich der spätere Name Schreventeich ableitet. Vom 16.–18. Jahrhundert lief von diesem Teich eine Wasserleitung aus ausgehöhlten Baumstämmen zum Schlossgarten und speiste dort die Brunnen und Wasserspiele. 1862 erwarb dann die Stadt den Teich, um ihn als Wasserreservoir für die Wasserversorgung der Stadt zu nutzen. Dazu wurde er vergrößert und vertieft. Im Stadtmuseum Warleberger Hof in der Dänischen Straße 19 kann man im Keller noch eine Zisterne des alten Wasserversorgungssystems besichtigen.

Als zeitgleich mit dem Park 1901 das städtische Elektrizitätswerk an der Goethe- und Humboldtstraße entstand, nutzte man das Wasser des Schreventeichs zur Kühlung der Dampfmaschinen. Die Stelle, wo die Leitung in den Teich mündete, war mit einem Zierhäuschen attraktiv umbaut. So verband sich das Schöne mit dem Funktionalen. Den Ort erkennt man heute nur noch an einem unscheinbaren Steg mit Geländer am Ufer. Zugleich ist der in der Parksilhouette erkennbare Kraftwerksturm eng mit dem Schrevenpark verbunden.

Mit dem Boot zum achten Weltwunder

Nach der Reichsgründung verwandelte sich Kiel von der provinziellen herzoglichen Nebenresidenz zur aufstrebenden Großstadt. Rund um den Schreventeich entstand ein neues großbürgerliches Wohnquartier mit fünf- bis sechsgeschossiger Bebauung. Hohe Beamte, Offiziere, Kapitäne, Unternehmer und Ingenieure ließen sich hier nieder, wie die Adressbücher des frühen 20. Jahrhunderts zeigen. Schon 1897 hatte der neue Generalbebauungsplan für Kiel von Joseph Stübben (1845–1936) einen neuen Stadtpark um den Schreventeich ausgewiesen, der über den Lessingplatz und Arndtplatz mit der Wohnbebauung verzahnt werden sollte.

Nach ersten Planungen für den neuen Park von 1898 legte Ferdinand Hurtzig (1872–1939), Absolvent der Königlichen Gärtnerlehranstalt Potsdam-Wildpark und seit 1900 neuer Kieler Stadtgärtner, im selben Jahr einen Entwurf für den Park vor, der dann auch umgesetzt wurde. Von den vielen Planungen, die Hurtzig während seiner Zeit als Stadtgärtner entwarf, kann der Schrevenpark, der in Würdigung des preußischen Herrscherhauses als „Hohenzollernpark“ eingeweiht wurde, als sein künstlerisches Hauptwerk betrachten werden. Vorbild für den Park mag der ähnlich gestaltete Kölner Stadtwald (1895–98) gewesen sein, in welchem Hurtzig vorher tätig war.

Der qualitätvoll gestaltete Hohenzollernpark sollte zum einen dem neuen Wohngebiet eine repräsentative grüne Mitte geben und zugleich die Volksgesundheit durch die Bereitstellung von Spiel-, Sport- und Erholungsflächen fördern. Durch die schöne moderne Anlage erhofften sich Spekulanten auch eine Wertsteigerung ihrer Immobilien.

Typisch für die Zeit der Jahrhundertwende um 1900 war der gemischte Gestaltungsstil der Lenné-Meyer’schen Schule. Hierbei wurden in den landschaftlichen Park mit seinem geschwungenen Wegenetz aufwändig gestaltete, formal-geometrische Schmuckgärten mit blumigen Teppichbeeten integriert. Das Wasser mit Brücken und einer Insel war in den landschaftlichen Partien malerisches Element und diente in den intensiv gestalteten Bereichen der Unterhaltung und Zerstreuung: Am Seeufer, nahe einer großen Uferterrasse, entstand eine Gastwirtschaft mit Bootshaus als nordisches Blockhaus mit geschnitzten Drachenköpfen. Von hier aus unternahmen die Kieler am Wochenende Ruderbootpartien auf dem Teich. In den 1920er Jahren gab es für kurze Zeit sogar ein Wasserkarussell auf dem Schreventeich, das der Betreiber als „8. Weltwunder“ bezeichnete. Auf der Insel, die mit Findlingen geschmückt und über eine Knüppelholzbrücke zu erreichen war, gab es einen rustikalen 8-eckigen offenen Pavillon mit Säulen aus roh belassenen Baumstämmen. Dieser Pavillon wurde zum beliebten Postkartenmotiv. Zwei Rasen-Tennisplätze und ein Reitweg entlang der Goethestraße dienten der exklusiven Sportbetätigung. Ein Kinderspielplatz wurde als große hippodromförmige, baumumsäumte Sandfläche mit Bänken angelegt.

Wo anfangs ein Sommerblumengarten mit Teppichbeeten bestand, wurde in den 1920er Jahren ein neuer Rosengarten vor der Knüppelholzbrücke zur Insel angelegt. In diesem Rosenduft fand 1926 die "Schlummernde" ihre Aufstellung. Die Skulptur wurde schon 1911 von Richard Engelmann (1868–1957), späterem Professor an der Kunsthochschule Weimar, geschaffen. 1950 wurde die beleibte Schöne mit dem spottenden Spitznamen „Venus von Kilo“ für rund 50 Jahre in den Hiroshimapark umgesiedelt, von wo sie erst 2002 zur Wiedereröffnung des wiederhergestellten Rosengartens an ihren alten Platz zurück kam.

Verschiedene Wiederherstellungen und Neugestaltungen der letzten Jahren haben auch die Ufer des Schreventeichs mit ihren Ausblicken, Holzstegen und schönen Pflanzungen wieder besonders attraktiv gemacht. Der wichtigste erhaltene großbürgerliche Stadtpark der Wilhelminischen Ära in Kiel war im Zweiten Weltkrieg stark in Mitleidenschaft gezogen und 1947 in Schrevenpark umbenannt worden. Unter Leitung von Gartenbaurat Carl Rektorik wurde der Park zwischen 1946 und 1953 vereinfacht wiederhergestellt. Dabei entstand auch das Planschbecken, das noch heute beliebter sommerlicher Treffpunkt ist.

Bäume aus Nachbars Garten

Ohne die Bürger Kiels hätte der Schrevenpark nicht den großartigen alten Baumbestand, den er heute besitzt: Um dem Park von Anfang an ein reifes Aussehen zu geben, richtete man 1901 einen Zeitungsappell an die Besitzer von Privatgärten, möglichst große Gehölze, die in ihren Gärten zu ausladend geworden waren, zur Parkverschönerung zu stiften. Mehr als 100 Großgehölze fanden so ihren Weg an den Schreventeich und viele Baumspender entwickelten von Anfang an eine besondere Beziehung zum Park, der am 26. Juli 1902 feierlich der Öffentlichkeit übergeben wurde. Auch die große Begeisterung mit der der Park angenommen wurde, war sicher Ausdruck dieser Verbundenheit. Einige überzählige Bäume kamen auch aus der alten Forstbaumschule im Norden Kiels, die zur selben Zeit neu gestaltet wurde.

Auch heute noch ist im Schrevenpark ein interessanter Baumbestand aus rund 90 verschiedenen Gehölzarten und -sorten erhalten, der beispielsweise mit Tulpenbaum (Liriodendron tulipifera), Gelbroter Pavie (Aesculus discolor), Weißbuntem Bergahorn (Acer pseudoplatanus ‘Leopoldi‘), Kolchischem Ahorn (Acer  cappadocicum) und Schmalblättriger Esche (Fraxinus angustifolia) aufwarten kann. Darunter sind viele gut 100-jährige Bäume aus der Entstehungszeit. Ein Silberahornring umschloss einst kranzförmig den gesamten Park. Auch dieser ist noch in Teilen erhalten.

Zu Haubentaucher & Co.

Mit den Umgestaltungen des Schrevenparks in den 1950er Jahren entstand eines der größten Freigehege für Wasservögel in der Bundesrepublik im Park. Da das Wasser des Schreventeiches durch die Kühlwassernutzung im Winter fast nie zu friert, finden die Tiere hier besonders ideale Lebensbedingungen. Auch kümmert sich ein Tierpfleger der Stadt Kiel um die bunte Wasservogelwelt, zu der rund 20 verschiedene Gänse- und 30 Entenarten gehören. Geschützte, abgezäunte Brutmöglichkeiten sind am Wasser des Teiches eingerichtet, eine Wassergeflügelstation befindet sich im ehemaligen Blockhaus auf einer kleinen Gewässerinsel.

Ein Problem, das sich durch die Vögel ergibt, ist die starke Nährstoffanreicherung im Teich. Zur Abhilfe wurde eine Wasserkaskade auf der Insel neu angelegt. Hier wird das vom Kraftwerk kommende Wasser mit Sauerstoff angereichert, damit die organischen Stoffe im Teich zersetzt werden.

Auch ein weiterer Vogel findet sich im Park: 1971 wurde eine Eulenskulptur nach einem Modell des Bildhauers Prof. Kurt Schwerdtfeger (1897–1966) und ausgeführt von einem seiner Schüler als testamentarisches Geschenk des Buchhändlers Theo Dohrenwend im Park aufgestellt. Sie soll Symbol für die Weisheit durch Belesenheit sein.

Adresse

Schiller- und Goethestraße
24116 Kiel
Telefon 0431 – 9013800

Eigentümer: Landeshauptstadt Kiel, Grünflächenamt

Öffnungszeiten

ganzjährig frei zugänglich
Eintritt: kostenfrei

Anreise

Icon Parken straßenbegleitend

Icon Bus 22, 51, 71, 72, 81, 82, 91 „Stadtwerke“, „Arndtplatz“ & „Hansastraße“ / „Hauptfeuerwache“

Serviceinformationen

Icon WC   Icon Hund erlaubt   Icon Rollstuhl

Angebote

Veranstaltungen: Bouleturniere im Sommer, gelegentliche Feste, auch im Rahmen der Kieler Woche

Angebote für Kinder

Gastronomie

Icon  Cafe  Kiosk Castello

Weiterführende Informationen

Kiel-Marketing e.V.

 

Kontakt

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