Route 2: Kiel
Mit Picknickkorb ins Fördegrün
Kleiner Kiel, Hiroshimapark, Ratsdienergarten

Ein erster Überblick

Kleiner Kiel, Hiroshimapark & Ratsdienergarten Ursprünglich war der Kleine Kiel ein Meeresarm, der mit dem Bootshafen und der Förde in Verbindung stand. Zur Landgewinnung wurden ab 1862 große Teile zugeschüttet. Hier befinden sich heute Opernhaus, Rathausplatz und die Parkanlagen Kleinen Kiel, Hiroshimapark und Ratsdienergarten, die die Kieler Altstadt im Norden und Westen umschließen. Vom Ufer des Kleinen Kiels eröffnen sich weite Blicke über das Wasser auf die Stadt und ihre Bauten. Der Weg durch die Parks führt unter großen alten Bäumen entlang, vorbei an einem Brunnen (1912) mit Reliefszenen aus dem Werk des plattdeutschen Dichters Klaus Groth (1819-1899), an lauschigen Wasserplätzen, Kunstwerken, Gedenksteinen und schönen Staudenpflanzungen. Künstlerisch und voller Witz ist die Wasserinstallation "Changing Invisibility" des dänischen Künstlers Jeppe Hein im Hiroshima-Park. Wie von Geisterhand öffnen und schließen sich Wände aus Wasserstrahlen und lassen Besucher trockenen Fußes in die Mitte treten – und auch wieder hinaus.

Von Brücken, Bauten und Mutter Bahrs Lehnstuhl

Der Kleine Kiel und der nahe liegende Bootshafen schützten ehemals als Meeresarm die Stadt auf natürliche Weise. Heute ist die Verbindung zwischen Kleinem Kiel und Bootshafen sowie Bootshafen und Förde verrohrt, aber Straßennamen wie Jensendamm und Holstenbrücke erinnern noch an die Dämme und Brücken, die die Stadtinsel schützten und mit dem Festland verbanden.

Zwischen den beiden Seen des Kleinen Kiels liegt heute die moderne Emil-Lueken-Brücke, benannt nach einem ehemaligen Kieler Oberbürgermeister (1920–1933). Seit 2001 ersetzt sie die alte Eisenbetonbrücke an der gleichen Stelle, die dort seit 1909 ihren Dienst tat.

Die erste Brücke an dieser Stelle war ein Holzsteg, der ab 1889 die engste Stelle am Kleinen Kiel überspannte. Bis dahin hatte "Mutter Bahr", die Fährfrau, hier die Riemen in der Hand. Sie führte ihr Unternehmen aus den bequemen Polstern eines Lehnstuhls, den sie an das Kellerfenster eines Hauses in der unteren Fährstraße, benannt nach Mutter Bahrs Fähre, der heutigen Legienstraße, gerückt hatte. Von hier überblickte sie ihren Fähranleger und reagierte erst, wenn mehrere Wartende mit dem lautstarken Ruf "Hahl över" ihren Wunsch kund taten, ans andere Ufer überzusetzen.

Die drei ineinander übergehenden Parkanlagen Hiroshimapark, Kleiner Kiel und Ratsdienergarten gewinnen durch ihre Lage am Wasser Weite und Attraktivität. Zwischen alten, weit ausladenden Bäume ergeben sich immer wieder schöne Ausblicke, besonders auf Rathaus und Opernhaus.

Das Opernhaus wurde in nur zweijähriger Bauzeit nach den Plänen des Berliner Architekten Heinrich Seeling (1852–1932) im Jugendstil errichtet und 1907 mit einer Aufführung von „Parsival“ in Betrieb genommen. Der imposante Kuppelbau wurde bei den Bombardierungen im Zweiten Weltkrieg zerstört und der Jugendstilcharakter vom nüchternen Baustil der 50/60ger Jahre überformt.

Das Kieler Rathaus, im Zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört und danach wieder aufgebaut, wurde 1907–11 nach Plänen des Architekten Hermann Billing (1867–1946) erbaut. Seinen 107m hohen Turm, der sich im Wasser des Kleinen Kiels spiegelt, kann man zu Fuß oder per Fahrstuhl erklimmen und so einen großartigen Ausblick von einem der Kieler Wahrzeichen genießen.

Wasserreiche Kunst

Wasser prägt die Parkanlagen am Kleinen Kiel, die fast schon als Skulpturenparks bezeichnet werden können, und viele ihrer Kunstwerke. Am deutlichsten ist diese Tatsache am Jeppe-Hein-Brunnen zu erleben, der seit Oktober 2004 im Hiroshima-Park unweit des Rathauses sprudelt.

Die Wasserinstallation des dänischen, in Berlin lebenden Künstlers Jeppe Hein (1974*) mit dem Namen "Changing Invisibility" wird seinem Namen gerecht: Wandel und vorübergehende Unsichtbarkeit von Wasserstrahlen und den dahinter verschwindenden Menschen machen den Brunnen zum beliebten Spielwerk. Dabei beeinflusst der Betrachter durch seine Bewegungen die vier raumbildenden, plätschernden Wände des Wasserpavillons, schließt sich ein und befreit sich mit etwas Mut wieder selbst.

Skulpturale Kunst, die Spaß macht und zum Nachdenken anregt, die sich verändert und bewegt, die überraschend und fantasiereich ist, dafür steht Jeppe Hein, dessen rasante künstlerische Laufbahn seit einigen Jahren weltweites Aufmerken verursacht. Der Brunnen im Hiroshimapark kam 2001 zunächst temporär während einer Ausstellung internationaler Künstler – "Changes Possible" – in den Park, welche die Kieler Galeristin Enja Wonneberger ausrichtete. Die Begeisterung für dieses Kunstwerk führte zum Entschluss, den Brunnen dauerhaft im Park zu installieren.

Zur Begehung lädt auch ein metallisch-gitzerndes Kunstobjekt am Martensdamm ein. Die lichtkinetische Spirale von Hermann Göpfert (1926–1982) ist begehbar. Aus ihr heraus ergeben sich interessante Blicke auf das Kieler Rathaus – man wünscht sich allerdings eine bessere Einbindung des Kunstwerks in den Park. Als Vertreter kinetischer Kunst setzt Göpfert Raum, Bewegung und Licht auch hier, wie in vielen seiner Kunstwerke, als direktes Gestaltungsmittel ein. Seine reflektierenden Objekte nutzen Licht sowohl in seiner physikalischen Gesetzmäßigkeit (z.B. Einfallswinkel=Ausfallswinkel), als auch als malendes Element. Die optischen Eindrücke können dabei je nach Standort des Betrachters in Intensität und Wirkung unterschiedlich wahrgenommen werden.

Nur thematisch ist der maritime Bezug des viel diskutierten Denkmals für den Matrosenaufstand von 1918 nachzuvollziehen. Das monumentale Revolutionsdenkmal von Hans-Jürgen Breuste (1878–1982) im Ratsdienergarten ist den Matrosen und ihren Mitstreitern gewidmet, die für die Revolution ihr Leben gelassen haben:

„Der die Pfade bereitet, stirbt an der Schwelle, doch es neigt sich vor ihm in Ehrfurcht der Tod ....“

So lautet die Inschrift am Denkmal, ein Zitat aus Ernst Tollers Stück „Feuer aus den Kesseln“. Es bezieht sich darauf, dass der Matrosenaufstand unter anderem damit begann, dass die Heizer das Feuer unter den Kesseln der Kriegsschiffe löschten, um ein erneutes Auslaufen zu verhindern. Die mächtige Skulptur aus korrodiertem Stahl und Granit heißt "Wik", wie einer der größten Kieler Stadtteile, der ehemals Marinesiedlung war.

Schauplätze des Matrosenaufstands in Kiel finden sich in der Legienstraße, wo einst der Arbeiter- und Soldatenrat seinen Sitz hatte und in der Feldstraße. Die Gefallenen des Aufstands sind auf dem Friedhof Eichhof beigesetzt. Dokumentiert sind die Ereignisse auch im Kieler Schifffahrtsmuseum.

Im Kleinen Kiel treiben zwischen den zahlreichen Wasservögeln einige silberne Dreiecke, die an Segel oder Haifischflossen erinnern. Das beliebte Schwimmobjekt (1987) des Kieler bildenden Künstlers Ulrich Behl (1939*) aus 28 Aluminiumteilen ist beweglich installiert und treibt auf dem Wasser, so dass sich immer wieder neue Bilder ergeben.

Andere Skulpturen im Ratsdienergarten stammen von den Künstlern Bernd Dietrich Stolte, Susan Walke, Dieter Koswig und Johannes Michler.

Ein plätschernder Brunnen für Klaus Groth

Auch das Denkmal, das dem plattdeutschen Dichter Klaus Groth im Kleinen Kiel gesetzt wurde, ist als plätschernder Brunnen konzipiert. Die Figur Klaus Groths rahmen Illustrationen mit Unterschriften aus Groths bekanntestem Werk, dem "Quickborn".

Geschaffen wurde das Denkmal 1912 im Auftrag des Kieler Verschönerungsvereins von dem Kieler Bildhauer Heinrich Mißfeldt (1872–1945), der den Dithmarscher Dichter persönlich kannte. Die Bronzefigur Groths geriet im Zweiten Weltkrieg unter ungeklärten Umständen nach Hamburg, wo sie 1947 auf einem Schrottplatz unter der Bezeichnung "Unbekannter alter Mann, großer Zivilist" wiederentdeckt wurde.

Klaus Groth (1819–1899) war Lehrer, Privatdozent und Dichter. Mit seinem Gedichtband "Quickborn" von 1853 machte er die niederdeutsche Dichtung gesellschaftsfähig. Das Buch, welches plattdeutsche Gedichte Dithmarscher Mundart enthält, wurde bald schlichtweg "dat Book" genannt. Besonders bekannt wurde das Gedicht "Matten de Haas´", welches vom "kleinen Hase Martin" erzählt, der zunächst mit dem Fuchs fröhlich tanzt, ehe dieser ihn verspeist. Verbreitung fanden Groths Gedichte auch durch Vertonungen, wie die des Liedes "Min Modersprak".

Adresse

Lorentzendamm
24103 Kiel
Telefon 0431 – 9013800

Eigentümer: Landeshauptstadt Kiel, Grünflächenamt

Öffnungszeiten

ganzjährig frei zugänglich
Eintritt: kostenfrei

Anreise

Icon Parken Parkeitsystem & straßenbegeitend

Icon Bus 22, 32, 33, 51, 61, 62, 71, 72, 100, 101 „Schlossgarten“ & „Rathaus/ Opernhaus“

Icon Fähre „Seegartenbrücke“

Serviceinformationen

Icon Hund erlaubt   Icon Rollstuhl

Angebote

Veranstaltungen: Jährliche Gedenkveranstaltung für die Opfer des Atombombenabwurfs in Hiroshima

Angebote für Kinder

Gastronomie

Icon  Cafe  Werkstatt-Café

Veranstaltungsorte

Film & Foto: Jeppe-Hein-Brunnen, Hiroshimapark

Weiterführende Informationen

Kiel-Marketing e.V.

 

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