Route 2: Kiel
Mit Picknickkorb ins Fördegrün
Forstbaumschule, Hirschfeldblick, Diedrichsenpark

Ein erster Überblick

Forstbaumschule, Diederichsenpark & Hirschfeldblick Bis zu 200 Jahre alte Baumgestalten durchziehen den abwechslungsreichen Stadtpark „Forstbaumschule“, der 1898 angelegt wurde. Diese sind Zeugen der ehemaligen königlich-dänischen Forstbaumschule, die Prof. August Niemann (1761-1832) ab 1788 hier schuf, um die Waldwirtschaft zu fördern. Eingebettet in die schön modellierte Wiesen- und Teichlandschaft liegt seit 1904/05 die Gastwirtschaft gleichen Namens. Schon im 19. Jahrhundert wurde den Ausflüglern an dieser Stelle im Parkwärterhaus Milch und Teewasser gereicht. Der Diederichsenpark, ehemals ein privater Villengarten, erweiterte ab 1958 die grüne Oase bis zum Hindenburgufer. An der Stelle der blumenumrankten Aussichtsterrasse stand früher die Villa „Forsteck“ (1867-1944). Noch davor war dieser Park Teil der von C.C.L. Hirschfeld (1742-1792) neben der Forstbaumschule gegründeten Fruchtbaumschule. Der Hirschfeldblick mit wunderbarer Aussicht auf die Förde erinnert an den wichtigen Kieler Gelehrten, Philosophen und Gartentheoretiker.

Die Kieler Obst- und Baumzucht

Mit dem Ziel, die Obstbaumzucht zu fördern, wurden in vielen dänisch verwalteten Orten zu Ende des 18. Jahrhunderts Obstbaumschulen eingerichtet. Die dänische Krone, der Kiel zu dieser Zeit unterstand, war darauf bedacht, das Land nach den Zerstörungen des 30-jährigen Krieges (1618–1648) wieder aufzubauen, und hierzu sollte auch die Kieler Fruchtbaumschule beitragen, die nördlich der heutigen Lindenallee angelegt wurde.

Initiiert wurde die Fruchtbaumschule vom Gartentheoretiker Christian Cay Lorenz Hirschfeld (1742–1792). Dieser war Professor der Philosophie und Schönen Künste in Kiel und verband in der Fruchtbaumschule das Schöne mit dem Nützlichen. 1784 begann die Bewirtschaftung auf der ehemaligen Bauernstelle bei Bellevue mit schönen Ausblicken über die Förde bis zur Eiderkanalmündung und mit einer Wegeverbindung bis zum Schlossgarten, der schon damals als schöner Spazierweg beliebt war. Das ehemalige bäuerliche „Krusenhaus“ wurde Hirschfelds Wohnhaus, wo sich auch seine umfangreiche Bibliothek und Kupferstichsammlung befand. Bereits 1789 gab es in der Fruchtbaumschule über 80.000 junge Obstbäume verschiedenster Arten und Sorten. Diese wurden an die Untertanen unentgeltlich abgegeben, worin sich das von Hirschfeld propagierte aufklärerische Gedankengut der Zeit widerspiegelt.

Fast zeitgleich, nämlich 1785, wurde an der Kieler Universität auf Anregung August Heinrich Niemanns (1761–1832) mit Unterstützung des Staatsministers in Kopenhagen, Graf Christian Detlef von Reventlou auch eine Forstlehranstalt im Kieler Schloss eröffnet. Hier wurden Soldaten des Jägercorps zu Forstleuten ausgebildet, um im dänischen Gesamtstaat die Forstwirtschaft zu befördern. So entstand neben der Fruchtbaumschule 1788 auf Veranlassung Niemanns eine zunächst einen Hektar große königlich-dänische Forstbaumschule in Düvelsbek für die praktische Ausbildung der Forsteleven. Das Gelände der Kieler Forstbaumschule, welches Bauern vormals zur Schweinemast genutzt hatten, lag nordwestlich des Düsternbrooker Gehölzes und der Fruchtbaumschule mit der südlichen Grenze am heutigen Forstweg.

Die in der Forstbaumschule herangezogenen Bäume dienten zur Aufforstung der königlichen Gehege und wurden bald auch an Privatleute verkauft. So fanden die Gehölze aus Düsternbrook ihren Weg in manchen schleswig-holsteinischen Landschaftsgarten und bereicherten dort die Artenvielfalt.

Das Gelände der Forstbaumschule war in unterschiedliche Quartiere aufgeteilt, von denen einige streng formal mit rechteckigen Baumschulquartieren, andere landschaftlich mit einem geschwungenem Wegesystem gestaltet waren. In einem Verzeichnis, welches Niemann 1822 herausgab, waren 350 in der Forstbaumschule erhältliche Gehölze aufgelistet, darunter auch viele Exoten aus Nordamerika, und die Zahl der Arten stieg bis zur Mitte des Jahrhunderts immer weiter an. Zur Sicherung der Baumbestände war zu Anfang des Jahrhunderts ein Wachhaus als Wohnsitz des Försters eingerichtet worden.

Von der Baum- zur Hopfenwirtschaft

1833 wurde das Forstlehrinstitut nach Kopenhagen verlegt. Die Forstbaumschule sollte aufgegeben werden. Der damalige Verwalter, Forst- und Jägermeister von Warnstedt setzte sich jedoch vehement für den Erhalt ein, um die wertvolle Sammlung einheimischer und ausländischer Pflanzen, die weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt war, zu erhalten. So genehmigte der König den Erhalt unter der Auflage, dass die Baumschule ihre Unterhaltskosten fortan selbst zu tragen habe. Die Forstbaumschule wurde so noch bis 1898 unter wechselnder Trägerschaft weitergeführt und entwickelte sich zu einem beliebten Ausflugsort: Im Wärterhäuschen wurde ein kleiner Erfrischungsbetrieb eingerichtet, wo an Gartentischen Teewasser und Milch ausgeschenkt wurden. Im Laufe der Zeit nahm die Gastwirtschaft immer mehr an Bedeutung zu und das ehemalige Wärterhaus wurde zum Restaurationsbetrieb mit Biergarten erweitert.

Auch die Fruchtbaumschule nahm eine ähnliche Entwicklung. Nach Hirschfelds Tod 1792 wurde die Fruchtbaumschule zunächst weitergeführt, jedoch mit weniger sozialem und aufklärerischem Engagement. So wurde die langsam verfallende Baumschule 1829 an den Gärtner Christian Eckart aus Stellingen verkauft, der sie in eine florierende Handelsbaumschule mit einem breiten Obstbaumsortiment umwandelte. Eckardt unterhielt auch eine Gastronomie in einer Scheune neben dem Wohnhaus. Das Gebiet mit dem bezeichnenden Namen „Bellevue“ wurde ein gepriesenes Ausflugsziel mit Aussichtspunkten auf die Kieler Förde. Als die Scheune 1869 abbrannte, wurde an gleicher Stelle ein großes Logierhaus „Bellevue“ errichtet, welches im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt und als heutiges Hotel Maritim neu aufgebaut wurde.

Die Forstbaumschule wird zum Park

Die Forstbaumschule kam schon 1874 in den Besitz der Stadt Kiel, wurde aber noch bis 1898 von privaten Pächtern betrieben, dann aber von der Stadt in einen öffentlichen Park umgestaltet. Ein Entwurf von 1902 liegt hierzu im Stadtarchiv und zeigt den anmutigen Park im englischen Landschaftsstil mit seinem Wechselspiel von Wald- und Wiesenflächen mit markanten Baumgruppen und geschwungenem Wegen, dessen grundlegende Gestaltung noch heute anzutreffen ist.

In den Park wurden viele Bäume der ehemaligen Forstbaumschule einbezogen, die seit dem Ende des 18. Jahrhunderts hier gepflanzt wurden. So finden sich über 200-jährige Bäume wie Edel-Kastanie, Österreichische Schwarzkiefer, Platane, Pyramideneiche und Holländische Linde aus der Zeit Niemanns, sowie Rotbuchengruppen, Sumpfzypressen und Kiels größter 120 Jahre alter Mammutbaum im Park. Diese majestätischen Baumveteranen geben dem Park die Ausstrahlung großer Ruhe.

Das alte Forstwärterhaus aus dem 19. Jahrhundert wurde 1904 abgerissen und an gleicher Stelle die Ausflugsgaststätte „Forstbaumschule“ bis 1905 von Stadtbaurat Pauly neu errichtet. 1926 kam sogar noch ein Musikpavillon dazu. Die alte Ausflugstradition wurde damit fortgeführt und lädt auch heute noch des Sommers in den schönen Biergarten.

1928 wurde der Park um Flächen für Sport und Spiel auf den sogenannten „Katholikenwiesen“ und Mitte der 1950er Jahre nochmals bis zur Schlieffenallee auf seine heutige Größe von 12,5 Hektar erweitert. Es entstanden ein neues Rhododendrontal, ein Spielplatz und die Anlagen um den alten Weiher. Stauden- und Rosenbeete aus dieser Zeit wurden 1990 zu einem anheimelnden kleinen Bauerngarten umgestaltet.

Der Blick zur Förde

Durch die Industrialisierung und den Ausbau Kiels zum Reichskriegshafen ab 1871 stieg die Nachfrage nach Bauland in Förde- und Hafennähe. Teile der alten Fruchtbaumschule wurden parzelliert und es entstand das schöne Villengebiet rund um die Bismarckallee.

Auch der Hamburger Import- und Exportkaufmann Heinrich Adolph Meyer (1822–1889) kaufte eine Teilfläche mit wunderbarer Aussicht auf die Förde und baute dort die Villa „Forsteck“ (1867) in einem privaten Park. Von 1893–1942 waren Haus und Park dann im Besitz Heinrich Diederichsens (1865–1942). Dieser war Kieler Kaufmann und Reeder und rettete 1926 die in wirtschaftliche Schwierigkeiten geratenen Howaldtswerke durch Kauf vor dem Zusammenbruch. An diese Tatsache erinnert eine Gedenktafel am Hindenburgufer im heutigen Diederichsenpark, die zur Parkeröffnung 1958 eingeweiht wurde.

Schon nach dem Tod Diederichsens erwarb die Stadt Kiel den Park. Das Gebäude wurde jedoch 1944 durch Bomben zerstört und nach dem Krieg entstanden zunächst Kleingärten. 1958, zur ersten Kieler Woche nach dem Krieg, wurde dann aber mit Spenden der Howaldtswerft der Diederichsenpark als Erinnerung an den ehemaligen Firmeninhaber und Ehrendoktor der Universität Kiel eröffnet.

Die neue Gestaltung nahm Diplomgärtner Karl Porschke nach Entwürfen des Stadtbaumeisters Prof. Jensen vor. Stattliche Sommerlinden, Eßkastanien, und vielstämmige Flügelnüsse erinnern auch in diesem Park an das Vorleben als Villenpark. Die Grundmauern des Hauses bilden die heutige blumige Aussichtsterrasse, von wo der Blick bis nach Laboe über die Förde schweift.

An die noch vor dem Villenpark bestehende Fruchtbaumschule und ihren Begründer Hirschfeld erinnert der unweit des Diederichsenparks und südlich des Hotels Maritim gelegene Hirschfeldblick, der 1993 als Aussichtspunkt eingeweiht wurde. Nicht weit von dieser Stelle befand sich einst das Wohnhaus Hirschfelds mit fantastischem Ausblick auf die Kieler Förde. Eine gewundene Treppenanlage führt vom Hindenburgufer hinauf zu diesem großartigen Panoramablick über die Kieler Förde mit der dortigen Seebadeanstalt.

Adresse

zwischen Feldstraße, Koesterallee, Hindenburgdamm
24105 Kiel
Telefon 0431 – 9013800

Eigentümer: Landeshauptstadt Kiel, Grünflächenamt

Öffnungszeiten

ganzjährig frei zugänglich
Eintritt: kostenfrei

Anreise

Icon Parken umliegende Straßen

Icon Bus 32, 33, 41, 42 „Düvelsbeker Weg“, „Diederichsenpark“, „Roonstraße“

Icon Fähre „Bellevue“

Serviceinformationen

Icon Hund erlaubt   Icon Rollstuhl (teilweise)

Angebote

Führungen:

Geo step by step e.V., T 0431 – 363118

Veranstaltungen: Im Sommer Konzerte/ Jazz an der Gaststätte Forstbaumschule

Gastronomie

Icon  Cafe  Restaurant und Park-Café Forstbaumschule

 

Kontakt

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