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Route 10: Westmecklenburg
Musische Schlossgärten
Schlosspark Wiligrad

Ein erster Überblick

Schlosspark Wiligrad

Wie auf einer Waldlichtung liegt das Schlossensemble, umgeben von einem schützenden Waldpark, am Steilufer des Schweriner Sees. Einzelne Baumexoten treten nahe dem Schloss aus dem Buchenwald auf die Parkwiesen. Als eines der jüngsten Schlösser in Mecklenburg wurde es im Stil der Neorenaissance als ländlicher Rückzugsort für Herzog Johann Albrecht (1857–1920) und seine Frau Elisabeth (1854–1908) nach Plänen des Architekten Albrecht Haupt 1896–98 errichtet. Zusammen mit den klinkernen Nebengebäuden wirkt die Anlage wie ein schmuckes Walddorf im Sinne einer „ornamented farm“. Blickverbindungen über den See verknüpfen das Refugium auf romantische Weise mit der Schweriner Residenz. Musisch inspirierte Spazierwege führen zu einigen der erhaltenen sinnreichen Gedenksteine und vorbei an der Elisabethquelle hinunter zum See. Ein mit Blütenformen verziertes schmiedeeisernes Gartentor deutet auf die alte Schlossgärtnerei, die heute ökologisch bewirtschaftet wird und zum Kaffee einlädt.

Zwei Wege führen nach Wiligrad

Von Lübstorf führen zwei Wege nach Wiligrad. Im Ort markiert noch ein Ziegeltorpfosten den Eingang zum Waldpark. Die direkte und schnellere Verbindung ist die heutige Straße. Nach der Devise „Der Weg ist das Ziel“ führt aber auch noch ein zweiter, rund drei Kilometer langer Friedrich-Franz-Weg auf verschlungenen Wegen nach Wiligrad, der einst für Spaziergänger und Reiter an Marmorvasen, Gedenksteinen, Statuen und Wegesteinen vorbei durch den Wald zum Schloss ging. Benannt wurde der Weg 1897 in Gedenken an Großherzog Friedrich Franz III von Mecklenburg. Johann Albrecht hatte nach dem Tod dieses Bruders von 1897-1901 für kurze Zeit die Regentschaft für das Herzogtum Mecklenburg-Schwerin für seinen noch minderjährigen Neffen, den späteren Großherzog Friedrich Franz IV., übernommen. Ab 1998 wurde der Weg, der zur Zeit der Polizeischule in Wiligrad (1951-90) der Öffentlichkeit nicht zugänglich war, wieder freigelegt, von den vielen kunstvollen Wegmarken sind heute nur noch wenige erhalten. Die Wege von Lübstorf durch den Wald enden in einer runden Umfahrt vor dem Schloss. Hier begrüßte einst die Statue eines welfischen Bronzelöwens nahe der mächtigen Platane die Gäste. Dieser war 1914 als Dank für die Regentschaft (1907-13) Johann Albrechts über das Herzogtum Braunschweig nach Wiligrad gekommen. Der verschwundene Löwe soll als Nachguss wieder aufgestellt werden. Im Schloss selbst sind heute der „Kunstverein Wiligrad e.V.“ und das Landesamt für Bodendenkmalpflege ansässig. Hier finden auch wechselnde Ausstellungen und Konzerte statt.

Herrschaftliche Blicke

Die Gartenseite des Schlosses eröffnet inhaltsreiche und reizvolle Blicke über den Schweriner See und in den Park. Zentraler Ausgangspunkt dieser Sichten war einst der Salon des Fürsten. Von hier ging der Blick zum Schweriner Schloss. Hierdurch sollte symbolisch die Verbindung zur Residenz der mecklenburgischen Herzöge gezogen werden. Heute ist noch die Dachlaterne des Schweriner Schlosses zu erkennen, die weitere Sicht ist auf Schweriner Seite zugewachsen. Auch der Name Wiligrad erinnert mit seiner slawischen Bedeutung für „Große Burg“ an den Namen der nahen Stammburg im Dorf Mecklenburg und damit an die herzogliche Familientradition.

Einen weiteren symbolträchtigen Blick aus dem Salonfenster und dem darüber gelegenen Schlafzimmer auf die als Liebesinsel bezeichnete Insel Rethberg widmete Johann Albrecht seiner Frau Elisabeth. Der dritte Blick ging vom Schloss zum Schlossteich mit seiner doppelten Rhododendronhecke. Diese Sichtachse war lange durch die Bunker der Ausbildungsstätte der Volkspolizei, die 2013 abgerissen wurden, verstellt. Fichten waren bis an den von der Polizei zugeschobenen Teich vorgedrungen, dessen Wasser in einen Sickerschacht abgeführt wurde, damit es nicht einen Schießstand überflutete. Heute rahmen die alten Rhododendren wieder den wiederhergestellten Teich, dahinter erhebt sich der hochstrebende Buchenwald. Wege führen von hier über fichtenumstandene Plätze, die eine mystische Stimmung verbreiten, vorbei an einem zweiten Teich zurück zum Schloss. Der einstige Blick vom Marstall Johann Albrechts zur Büste Elisabeths in einer Rhododendronnische am Teich versinnbildlicht die innige Verbindung der Eheleute auch über ihren Tod hinaus. Der Park wird so zu begehbarer, lyrisch inszenierter Geschichte.

Spazierwege erzählen Geschichte

Wildromantisch sind die Spazierwege in Wiligrad, die vom hoch gelegenen Schloss rund 27 Meter den Hang hinab bis zum Schweriner See führen. In diesem Schluchtgarten gehören auch umgestürzte Bäume und efeuberankte Baumstubben zur Inszenierung. Herzog Johann Albrecht ließ sich dabei mit seinem Förster Ahrens vom Belvedere in Weimar inspirieren, dem Jugendpark seiner aus Weimar stammenden Frau Elisabeth Herzogin zu Sachsen-Weimar. Durch die jahrelang fehlende Pflege waren die alten Wege in Wiligrad durch Laubfall und Hangrutsch schnell überschüttet worden und konnten erst in den letzten Jahren wieder hergestellt werden. Ob die alte Mauern aus Feldsteinen, die die Wege begleiten und den Hang sichern, einstmals noch ruinenartiger gestaltet waren, um die romantische Atmosphäre zu verstärken, weiß man nicht. Daher wurden die Mauern soweit möglich am Originalstandort nur wie vorgefunden ausgebessert.

Vier Abgänge führen auf unterschiedlichen Pfaden hinab zum Schweriner See. Benannt sind die Wege nach herzoglichen Familienmitgliedern, Ereignissen oder denen, die auf die Gestaltung des Parks Einfluss nahmen. Wie im Belvedere gibt es an den Wegen immer wieder Plätze als Aufweitungen, die mit Bäumen markiert sind und das Nützliche gestalterisch inszenieren und den Spaziergänger von einem Höhepunkt zum nächsten weiterreichen.

An der Platane vor dem Schloss führt die so genannte Kaisertreppe als kürzester Weg über rund 120 Stufen zum ehemaligen Dampferanlegesteg am Wasser. Vermutlich wurde der Weg so benannt, als Kaiser Wilhelm II 1903 in Wiligrad zu Besuch war und hierher mit dem Dampfer aus der Residenzstadt Schwerin kam. Ein runder Stein am Ufer ist vielleicht der Sockel eines alten Leuchtfeuers am ehemaligen Steg.

Der zweite Abgang führt an der Gartenseite nahe dem Schlossturm über die Elisabethquelle. Diesen Weg markierten oben ehemals zwei Spanische Tannen (Abies pinsapo), von denen die eine noch an der Treppe steht, die zweite aber nur noch als Baumstubben im Laub zu finden ist. Die Bäume gehören zu den vielen exotischen Bäumen, von denen heute noch einige im Park erhalten sind, wie Säuleneiche, Ginkgo, Gurkenmagnolie, Esskastanie und Tulpenbaum. Einst lud an der Elisabethquelle ein steinerner Tisch mit Bank zur Rast. Das Wasser der Elisabethquelle fließt über eine steinerne Findlingsrinne zum See, kalkt beim Fließen über die bemoosten Steine aus und hinterlässt so den Eindruck von Tuffstein. Zwischen den Einmündungen der beiden beschriebenen Wege führt der Ahrensweg am See entlang Richtung Begräbniswald, wo sich ein weiterer Aufgang zum Park befindet. Er wurde in Andenken an den Förster benannt, der an der Gestaltung des Parks mitwirkte. Am Ahrensweg liegt das Pumpenhaus mit dem vorgelagerten Pozzo, einem Wasserhebeschacht, der einst Wasser aus dem See in den Schlossturm als Wasserreservoir zur Wasserversorgung und zum Betrieb der Zentralheizung, einer elektrischen Waschmaschine und zur Stromerzeugung pumpte. Das Schloss war damals, zur Zeit seiner Entstehung, hoch modern.

Unweit des Pumpenhauses lag eine geschützte Mole für Segelboote. Hier steht heute wieder eine nachgebaute Bank am Originalstandort. Ganz in der Nähe befindet sich im Hang eine ummauerte Nische zum Ausruhen. Von dieser Nische ging der Blick über die Skulptur eines Flötenspielers, dessen steinerner Sockel noch zu finden ist, zur Insel im See.

Der vierte Weg führt südlich der Mole, wie an der Schlucht eines Waldbaches entlang, vom See an der Tre Fontane vorbei, wieder hinauf zum Teich im Park. Die Tre Fontane, ein künstlich angelegter Zusammenfluss von drei Quellen, war zur Zeit der Polizeischule zum Schießstand geworden und konnte erst in den letzten Jahren wieder freigelegt werden. Am oberen Hang flossen die drei Quellen hinter dem Teich ehemals um einen marmornen liegenden Jüngling, der derzeit restauriert wird und dann museal ausgestellt werden soll.

Ein Ort zum Entspannen

Nach einem inspirierenden Spaziergang durch den Hanggarten am Schweriner See entspannt man im Café der alten Schlossgärtnerei. Umgeben von Obst- und Gemüseanzucht sitzt man zwischen den alten Gewächshäusern mit Blick auf Gärtnerhaus, Waldhaus und Marstall. In dieser dörflichen Umgebung spürt man noch heute die gestalterische Absicht der Bauherren, ein ländliches Refugium zu schaffen.

Adresse

Wiligrader Straße
19069 Lübstorf
Telefon 03867 - 61110

Öffnungszeiten

Park ganzjährig frei zugänglich, Schloss: Mo geschlossen, Di - Sa 10 - 17 Uhr, So 11 - 17 Uhr
Eintritt: Park kostenfrei, Schloss eintrittspflichtig

Anreise

Icon Parken am Schloss

Icon Eisenbahn Lübstorf

Icon Bus 8 ab Schwerin Hbf Schloß Wiligrad

Serviceinformationen

Icon WC   Icon Hund erlaubt   Icon Rollstuhl (teilweise)

Angebote

Führungen: Führungen auf telefonische Anfrage, T 03867 - 61110
Veranstaltungen:

Der Kunstverein lädt regelmäßig zu Ausstellungen und Konzerten ein, s. www.kunstverein-wiligrad.de; Tag des offenen Denkmals

Gastronomie

Icon  Cafe  Gartencafé Sonntagsgrün
Gartencafé Wiligrad

Gärtnereien & Läden

Gärtnereien: Staudengärtnerei Sylvia Göbel
Läden: Schlossgärtnerei Wiligrad

Freundeskreise und Fördervereine

Kunstverein Wiligrad e.V.
Verein der Freunde des Wiligrader Schlosses e.V.

Weiterführende Informationen

Tourist-Information Schwerin

 

Kontakt

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