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Route 10: Westmecklenburg
Musische Schlossgärten
Schlosspark Ludwigslust

Ein erster Überblick

Schlosspark Ludwigslust

Ludwigslust besticht durch seine Wasserkünste: Kilometerweit strahlen die barocken Kanäle in den Parkwald, durchbrochen von Brücken und plätschernden Wassersprüngen. Eine Kaskade vor dem Schloss (1772–76) sprudelt zwischen imposanten Sandsteinfiguren. Die Barockanlage entwickelte sich, als Herzog Friedrich und seine Frau Luise Friederike Ludwigslust 1756 zu ihrer Hauptresidenz machten. Den barocken Charme versprüht noch heute das alljährliche „Kleine Fest im großen Park“ mit Theater, Musik und Feuerwerk, wo Künstler und Phantasten ihre Talente zeigen. Ab 1785 entstand dann beidseits der barocken Hofdamenallee und am Schweizer Haus (1790/91) ein englischer Garten nach den Prinzipien eines empfindsamen Landschaftsparks mit sanft geschwungenen Teichen, Inseln, Baumgruppen und weiten Rasenfächen. Eine Grotte, Denkmale, verschiedene Gartenhäuser und Tempel bilden romantische Blickpunkte mit Symbolgehalt. Ab 1852 brachte Lenné die Gestaltung zur Meisterschaft.

Die Ludwigsluster Wasserkünste

Bereits 1724 ließ der kunstsinnige und jagdfreudige Herzog Christian II. Ludwig von Mecklenburg-Schwerin (1683-1756) ein erstes Jagdschloss errichten an dem sich um 1730 auch ein Garten befand. Damals hieß der Ort, der 1754 zu Ehren des Herzogs in „Ludwigs Lust“ umbenannt wurde, noch Klenow. Der erste Garten befand sich in etwa auf der Fläche des heutigen Rasenparterres am Schloss und erstreckte sich bis zum Johannisdamm. Im Osten des Geländes lag der Küchengarten. Der barocke Prunk entstand jedoch erst nach 1756 unter Herzog Friedrich (1717-1785) und seiner Frau Louise Friederike von Württemberg (1722-1791), nachdem diese die Regierungsgeschäfte von Schwerin nach Ludwigslust verlegt hatten. Planender Architekt war Johann Joachim Busch (1720-1802). Neben dem nach Versailler Vorbild errichteten Schloss entstand zusammen mit dem weitläufigen Park, der imposanten Kirche, der großen Kaskade und weiteren Bauten an Schloss-, Basin- und Kirchplatz ein spätbarockes Stadtensemble. Dabei wurde das Schloss, vermutlich aus finanziellen Gründen, nie ganz fertig gestellt, denn es fehlen ihm die seitlichen Flügel.

Die barocken Gartengestaltungen vereinen in Ludwigslust das Schöne mit dem Nützlichen. So wurden die weit in die Landschaft strahlenden barocken Kanäle – zunächst auch geschaffen, um Baumaterialien für den Schlossbau heranzutransportieren – zu einem gestalterischen Höhepunkt des Parks. Ein 28 Kilometer langer Kanal zwischen den Flüssen Stör und Rögnitz brachte Wasser und Baustoffe nach Ludwigslust. Gleichzeitig beinhalten die Wasserspiele in Ludwigslust eine Menge symbolischer Anspielungen, denn in der trockenen Landschaft der Lewitz wurde dem Wasser als lebenswichtigem Element besondere Bedeutung beigemessen. Das Wasser – von der Stör kommend – wird an der Kaskade vor dem Schloss, die ursprünglich aus Holz gebaut war und erst ab 1772 durch Busch ihre steinerne Fassung erhielt, durch die prunkvolle Gestaltung gefeiert und dann in Richtung Rögnitz gleichsam „verabschiedet“. Die drei vom Hofbildhauer Rudolf Kaplunger (1746-1795) geschaffenen spätbarocken Sandsteinfigurengruppen stellen dieses Szenario allegorisch dar, denn die mittlere Gruppe versinnbildlicht die Flussgötter Stör und Rögnitz. Auch die kilometerlange Allee, die einst von Ludwigslust bis nach Friedrichsmoor führte, und auf dem Teilstück ab Neustadt-Glewe noch erhalten ist, zeugt von der Bedeutung dieser Wasserversorgung. Dabei sind die Kanäle gleichzeitig auch eine ingenieurtechnische Meisterleistung, die mit geringem Gefälle und ohne Pumpen nur nach dem Prinzip der kommunizierenden Röhren einen gleichmäßigen Wasserfluss gewährleisten und die Wasserspiele in Ludwigslust ermöglichen.

Interessant ist auch der Gegensatz zwischen den schneller fließenden barocken Kanälen und den ruhigen Gewässern, die sich als teichförmige Kanälen durch den späteren landschaftlichen Parkteil ziehen und so Ausdruck unterschiedlicher Gestaltungsphilosophien sind. Die Namen der Teiche, wie Inselteich, Eichenteich, Karauschenteich und Kirchteich deuten dabei auf die jeweiligen Besonderheiten hin. Im Barock waren an diesen Stellen teilweise bereits Nutzgewässer wie Fischteiche oder Gräben zur Wasserzuleitung und zum Transport vorhanden, die mit der landschaftlichen Umgestaltung ab dem späten 18. Jahrhundert eine ästhetische Note erhielten.

Der Johannisdamm erhielt seinen Namen, da zu Johanni, also am 21.6., die Sonne genau in seiner Achse untergehen soll. Am Damm treffen aber auch barocke und landschaftliche Gestaltung aufeinander und die Namen der beiden Kanäle, die den Johannisdamm begleiten, verdeutlichen das gestalterische Zusammenspiel von schnell und langsam fließendem Wasser. So befindet sich links des Dammes, also auf der Seite des großen Kanals der „Fleißige Kanal“. Hier sammelt sich aus den Überläufen der barocken Kanäle und Teiche das Wasser, wodurch die Fließgeschwindigkeit hoch ist. Der rechte „Faule Kanal“ auf der anderen Seite des Johannisdamms dagegen fließt gemächlicher dahin, da er das Wasser von den still fließenden Gewässern im landschaftlichen Park weitergibt. Am fernen Ende des von Bäumen torartig gerahmten Johannisdamms geht der Blick weit in die Landschaft. Hier befand sich einst eine herzogliche Badestelle.

Am großen Kanal (um 1760) spielen die Wassergeräusche der Wasserspiele eine wichtige Rolle. Von der tosenden Kaskade an der „Steinernen Brücke“ (1780) mit ihrer girlandengeschmückten Sandsteinvase nimmt der Klangpegel immer mehr ab, je weiter man dem Verlauf des Kanals folgt. Über die so genannte Verfallung, einen Höhenversprung in Form einer flachen Kaskade und den Springstrahl des „Mönchs“ führt der Weg am Kanal entlang bis zu den 700 Meter weiter liegenden 24 Wassersprüngen. Diese sprudeln sacht in einem runden Becken im Parkwald. Der weiter vorne im Kanal liegende „Mönch“ springt nur über den natürlichen Gefälledruck seiner Zuleitung in die Höhe und wächst im Winter zu bizarren Eisgebilden heran.

Einst waren die Wälle am Kanal als scharfe barocke Rasenböschungen modelliert, in denen sich Rasenbänke als Ruheplätze befanden. Hinter den 24 Wassersprüngen gab es einst auch eine technisch ausgefeilte Klappschleuse hinter einer Reihe von Staustufen. Die Schleuse füllte sich langsam durch den Wasserzufluss des Kanals und brach voll automatisch unter Wassertosen auf, sobald ein bestimmter Wasserstand erreicht war. Diese Einrichtung zur Wasserregulierung brachte zugleich ein stimmungsvolles Überraschungsmoment in den Park.

Alte Bäume und weite Sichten

Bereits zu Ende des 18. Jahrhunderts, als Friedrich Franz I. (1756-1837) mit seiner Frau Luise von Sachsen-Gotha (1756-1808) nach dem Tod seines Onkels 1785 die Regierung übernahm, kam es im Park langsam zu landschaftlichen Umgestaltungen und Erweiterungen. Verschiedene Sommerhäuser, Mausoleen und Denkmale wurden errichtet und in die landschaftlichen Parkbereiche eingebunden. Auch eine als Grotte gestaltete künstliche Ruine, die mystisch durch die Bäume schimmert, wurde bereits 1788 vom Baumeister Busch in Raseneisenstein errichtet, als die Ideen des sentimentalen Landschaftsparks Einzug in die Parkgestaltungen hielten. Als Ruine versinnbildlichte die Grotte die Flüchtigkeit des Augenblicks und die Vergänglichkeit des Irdischen und wurde bei Festlichkeiten im Park als romantische Staffage genutzt. Entsprechend der Verbindung des Nützlichen mit dem Schönen erfüllte das Bauwerk zugleich noch einen praktischen Zweck als Eiskeller. Später dann, um 1900, züchtete der Hofgärtner im Keller Champignons.

Obwohl 1837 unter Herzog Paul Friedrich und seiner Frau Alexandrine die Hauptresidenz der Schweriner Herzöge wieder nach Schwerin verlegt wurde und die bedeutendsten Baumaßnahmen abgeschlossen waren, ließ sein Nachfolger Herzog Friedrich Franz II. den Ludwigsluster Garten ab 1852 nach Plänen von Peter Joseph Lenné, der vorher bereits in Schwerin tätig war, umgestalten.

Die alten barocken Wasserachsen und Alleen, darunter die auf das Schloss zugehende Hofdamenallee behielt auch er bei und gestaltete beidseits dieser Achse einen Landschaftspark im englischen Stil. Dabei verband er die vorhandenen Gewässer zu einem malerischen Wasserzug und schuf ein harmonisches Ganzes aus barocken und landschaftlichen Gestaltungen. Die im Park vorhandenen Alteichen, die bereits vor Anlage des Parks bedeutende Bäume waren, wurden ebenfalls in die Umgestaltungen einbezogen. Es wird geschätzt, dass einige der imposanten Riesen rund 500 Jahre alt sind. In den waldartigen Beständen wachsen heute Tausende Buschwindröschen und andere Frühlingsblüher.

Auch im landschaftlichen Park sind Sichtachsen ein wichtiges Gestaltungselement. So gab es einst dort, wo heute alte Buchen über Hartriegel auf einem Hügel wachsen am fernen Horizont einen Rosenhügel mit Rosenlaube auf die der Blick über eine weite Wiesenfläche ging. Die heute in der Achse wachsende schlitzblättrige Buche wurde erst in den letzten Jahrzehnten dort gepflanzt.

Im Blumengarten

Der ab 1850 vom Schweriner Hofgärtner Theodor Klett angelegte Blumengarten zwischen Schloss und katholischer Kirche war der intime Privatgarten der Herzogsfamilie. Der heutige Garten entstand 2009 nach alten Plänen neu, nachdem die hier in den davorliegenden Jahrzehnten erfolgten Umgestaltungen und Einbauten, wie beispielsweise eine Freilichtbühne, wieder entfernt worden waren. Der Blumenschmuck wurde entsprechend der Mode des 19. Jahrhunderts nachempfunden. Ein barockes Relikt ist der kleine Tempel im Blumengarten. Ursprünglich gab es zu diesem ein Pendant, das seinen Standort in etwa da hatte, wo sich außerhalb des Blumengartens ein Teicharm in den Rasen schmiegt.

Die auf der anschließenden Kirchinsel liegende katholische Kirche St. Helena wurde als neogotischer Klinkerbau nach Plänen des Architekten Johann Christoph von Seydewitz zwischen 1803 und 1809 errichtet. Zwar ist sie von außen einfacher gestaltet als die ältere evangelische Schlosskirche (1765-1770) nach Plänen von Busch, die dem Schloss am Kirchplatz gegenüber liegt, jedoch besitzt sie im Inneren einen prunkvoll gestalteten Altarraum.

Friedrich Franz I. wollte mit der neuen Kirche den im Hofstaat angesiedelten Katholiken aus dem Süden die Entfaltung ihres Glaubens ermöglichen. Auslöser war auch der frühe Tod seiner Schwiegertochter Helena Paulowna Romanowa (1794-1803), Frau des Erbprinzen Friedrich Ludwig, die mit 18 Jahren ihr Leben ließ. Namenspatronin des neuen Gotteshaus wurde passend die Heilige Helena, die Mutter von Kaiser Konstantin dem Großen, die auch Namenspatronin der verstorbenen Erbprinzessin Helena Paulowna war.

Ihr eigenes klassizistisches Mausoleum (1804-06), das Helenen-Paulownen-Mausoleum befindet sich unweit der Kirche im Parkwald und wurde nach Plänen des Architekten Rameé errichtet. Das 1897 nochmals umgebaute Mausoleum wird derzeit saniert und könnte zukünftig einen stimmungsvollen Rahmen für Kammerkonzerte abgeben.

Refugien und Erinnerungsorte für das Herzogenpaar

Da der Herzogin Luise (1756-1808) das große Schloss im Sommer zu kalt war, ließ sie sich vom Hofbaumeister Johann Joachim Busch das Schweizerhaus (1790-91) als idyllischen Rückzugsort und Sommerwohnsitz inmitten der Weite des Parks bauen. Als Ausgangspunkt wichtiger Sichten lassen sich die wundervollen Parkblicke von der Terrasse des Schweizerhauses noch heute genießen und im ansässigen Parkcafé mit einem Kaffee abrunden. Am Schweizerhaus finden auf der großen Wiese auch gelegentliche Picknickkonzerte und weitere kulturelle Veranstaltungen statt.

Um der Verbundenheit zu seiner Frau Ausdruck zu verleihen, wurde das Mausoleum (1810) für Herzogin Luise (1756-1808) von Friedrich Franz I. so platziert, dass es in direktem Blickkontakt zum Schloss stand. Errichtet wurde es im klassizistischen Stil mit ägyptisierenden Elementen nach Plänen des Hofbaumeisters Johann Christian Georg Barca. Das vergoldete Kreuz und die Eingangslöwen wurden erst 1861 hinzugefügt. Außer der Herzogin Luise wurden dort später fünf weitere Mitglieder der herzoglichen Familie beigesetzt.

Auf einem bepflanzten Rondell östlich der Hofdamenallee steht das Denkmal für Herzog Friedrich (1717-1785) von 1789, dessen Umfeld kürzlich nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten wieder hergestellt wurde. Wie auf historischen Plänen und Stichen erkennbar ist, stand rund um das Denkmal einst ein Kranz aus mystisch-pietistisch anmutenden Fichten. Herzog Friedrich war für seine Frömmigkeit bekannt, was ihm auch den Namenszusatz „der Fromme“ einbrachte. Nach dem Tode des im Lande sehr verehrten Herzogs wurde zunächst durch die Bevölkerung eine Sammlung für ein Denkmal ins Leben gerufen. Dies veranlasste seinen Nachfolger, Herzog Friedrich Franz I. den Hofbildhauer Rudolf Kaplunger mit der Schaffung eines Denkmals zu beauftragen.

Kleines Fest im großen Garten

Der Schlosspark Ludwigslust ist Eigentum des Landes Mecklenburg-Vorpommern und liegt wie die Parkanlagen in Schwerin, Wiligrad, Bothmer und Redefin in den Händen der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten im Betrieb für Bau und Liegenschaften. Mit Veranstaltungen kehrt alljährlich barocker Charme in die Ludwigsluster Parkanlagen ein. Jeweils an einem Wochenende im August gestalten internationale Künstler ein hochkarätiges Kleinkunstfestival mit bezaubernder Atmosphäre. Dabei verwandeln sich ausgewählte Parkbereiche wie schon im 18. und 19. Jahrhundert zur festlichen Kulisse für phantasievolle Inszenierungen. Auch die MeckProms-Konzerte der traditionsreichen Mecklenburgischen Staatskapelle Schwerin, die 2013 ihr 450. Jubiläum feiert, sind in jedem Jahr ein besonderes Erlebnis.

Adresse

Schlossfreiheit 1
19288 Ludwigslust
Telefon 03874-571915

Öffnungszeiten

Park ganzjährig frei zugänglich, Schlossmuseum: 15.04.-14.10. tägl. 10-18 Uhr, 15.10. bis 14.04. Di-So & Feiertage 10-17 Uhr
Eintritt: Park kostenfrei, Schloss eintrittspflichtig

Anreise

Icon Parken Busparkplatz Naumann-Allee

Icon Eisenbahn Ludwigslust

Serviceinformationen

Icon WC   Icon Hund erlaubt   Icon Rollstuhl (teilweise)

Angebote

Führungen: Gruppenführungen (bis 25 Personen) auf telefonische Anfrage, T 03874 - 571915
Veranstaltungen: Konzerte, "Kleines Fest"

Gastronomie

Icon  Cafe  Café Orangerie Ludwigslust
Schweizerhaus

Gärtnereien & Läden

Gärtnereien: Gartenmarkt Storchennest und Sanddorn Storchennest GmbH

Freundeskreise und Fördervereine

Förderverein Schloss Ludwigslust e.V.

Weiterführende Informationen

Ludwigslust-Information

 

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